Das unheimliche Gefühl, dass in der Landschaft die Tiere fehlen

Der Vogelspaziergang: Mit dem Naturschützer und Regierungsstrategen Josef Tumbrinck im Berliner Tiergarten. Von Christian Schwägerl

Christian Schwägerl Der Naturschützer Josef Tumbrinck beim Vogelbeobachten im Berliner Tiergarten.

Ein Beitrag aus dem Umweltjournalismus-Projekt „Flugbegleiter – die Korrespondenten aus Natur und Vogelwelt“

Zum Autor: Christian Schwägerl ist Biologe, Mitgründer von RiffReporter und war von 1997 bis 2012 Politik-, Wissenschafts- und Umweltkorrespondent zuerst bei der Berliner Zeitung, dann bei FAZ und SPIEGEL. Er arbeitet als freier Journalist für deutsche und internationale Medien. Von ihm stammen die Bücher „Menschenzeit“, „11 drohende Kriege“ (mit A. Rinke) und „Die analoge Revolution“.

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Schon nach wenigen Schritten hinein in den Tiergarten und weg von der Hauptverkehrsader, die ihn durchschneidet und die selbst um halb sieben Uhr morgens schon stark befahren ist, filtert das Laub der Bäume den Lärm der Autos weg. Das Panorama eines wunderbaren Morgens tritt ins frisch mit Koffein erweckte Bewusstsein: Die Strahlen der Morgensonne fallen durch das Kronendach auf den Boden und auf die stille Wasserfläche, von der es in Berliner Ornithologenkreisen in den letzten Wochen geheißen hatte, ihre Ufer beheimateten einen Pirol. Der quietschgelbe Vogel mit dem tropischen Gesang wird sich an diesem Morgen allerdings nicht zeigen. Dafür wird es andere Überraschungen geben, sowohl was die urbane Vogelwelt betrifft als auch meinen heutigen Begleiter beim Vogelspaziergang.

Als erstes springt Josef Tumbrinck, vielen bekannt als langjähriger Vorsitzender des nordrhein-westfälischen NABU, ein Vogel vor die Füße, den er schon im Augenwinkel identifiziert – wie ein ornithologischer Lucky Luke, der schneller bestimmt als sein Schatten. „Singdrossel", sagt Tumbrinck knapp. Die mentale Notiz ist gemacht. Später wird er sein Handy ziehen, ornitho.de öffnen und Einträge machen.

Seit April ist Tumbrinck in einem neuen Amt. Er hat die Seiten gewechselt, vom mitgliederstärksten Umweltverband in die Regierung. Im Bundesumweltministerium ist er nun stellvertretender Leiter der Naturschutzabteilung, zuständig für viele Politikbereiche, gegen deren Mängelverwaltung durch die Regierung er bis vor kurzem gewettert hat. Sein Wechsel war nicht unumstritten. In Agrarkreisen wurde gegiftet, da dürfe jetzt ein Umweltlobbyist die Arbeit des BMU mitbestimmen. Das ficht Thumbrinck nicht an. „Der NABU ist Vergangenheit, da gibt es keine Wehmut und kein Zurück“, sagt er. Jetzt beginne etwas Neues. Aus dem Unterholz erklingt der laute Ruf eines Zaunkönigs.

Lesen Sie weiter: Wie Josef Tumbrinck zum Naturschützer wurde und welche Aufgaben er auf sich im Bundesumweltministerium zukommen sieht. Einnahmen aus dem monatlich kündbaren Abonnements gehen direkt in unseren Umweltjournalismus.
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