Im Reich der Seevögel – Birding auf Skomer

Die Insel Skomer gilt zu Recht als einer der besten Orte auf den Britischen Inseln, um Seevögel in ihren Brutkolonien nahe zu kommen. Ein Besuch lohnt sich.

12 Minuten
Auf braunem Erdreich steht eine Gruppe von Vögeln mit weißem Bauch, schwarzem Rücken, orangefarbenen Füßen und orange-blauem Schnabel. Zwei der Vögel berühren sich mit ihrem Schnabel. Rechte: Anne Preger

Wer Papageitaucher aus nächster Nähe erleben möchte, der bzw. dem bietet sich in Wales eine einzigartige Möglichkeit. Im äußersten Südwesten, in Pembrokeshire, erheben sich die Felsen der Insel Skomer aus der Keltischen See. Dort brüten jeden Sommer neben diversen anderen Seevögeln zehntausende Papageitaucher. Die Vögel sind an menschliche Besucher gewöhnt. Auf schmalen Fußwegen bewegt man sich durch die Brutkolonien.

Das Wetter bestimmt, wann es nach Skomer geht

Wer nach Skomer will, lernt schnell: Hier geben Wind und Wellen die Regeln vor. Bei günstigem Wetter trennen nur 15 Minuten gemächliche Bootsfahrt die Insel vom Festland. Doch bläst der Wind zu stark aus nördlichen Richtungen, schlagen die Wellen schnell zu hoch. Selbst wenn das Wetter vom Festland aus freundlich wirkt, twittert das Fährunternehmen dann: „There will be no no boats to Skomer tomorrow.“

Genau das passiert am Wochenende vor meinem geplanten Besuch auf der Vogelinsel, entsprechend nervös checke ich immer wieder die Wettervorhersage für den Montag. Doch dann kommt Sonntagabend eine Nachricht von Vogel-Guide Dave Astins: Unser Boot kann am nächsten Morgen wie geplant fahren.

Exklusive Begegnungen auf der Vogelinsel

Alle Touren nach Skomer beginnen in Martin’s Haven, einer kleinen, felsigen Bucht am Festland. Dort treffen sich an diesem Morgen 15 Naturbegeisterte, die eine Vogelexkursion auf die knapp 300 Hektar große Insel gebucht haben. Montag ist auf Skomer ein besonderer Tag: Es sind keine Tagesbesucher erlaubt, bis auf die Exkursion, die Dave Astins im Auftrag des Wildlife Trust of South and West Wales anbietet. Wir 15 haben die Pagageitaucher und anderen Vögel auf der Insel an diesem Tag also nahezu für uns allein. Auf dem Boot sind außer uns nur einige Freiwillige, die eine Woche lang ehrenamtlich helfen werden, die Insel zu pflegen und den gefiederten Bewohnern und den zweibeinigen Besucherinnen und Besuchern ein gutes Miteinander zu ermöglichen.

Eine Bucht mit türkisblauem Wasser, im Vordergrund viele aufrecht stehende Vögel, die sich über einen bräunlichen Hang verteilen. Rechte: Anne Preger
North Haven – in dieser Bucht landet das Boot. Besucher werden direkt von Papageitauchern empfangen. Sie haben oberhalb und unterhalb des Wegs ihre Bruthöhlen in den trockenen Hängen.

Und noch jemand ist mit an Bord der „Dale Queen“, dem nagelneuen Schiff, das seit dem Frühjahr 2022 die Besucher zur Insel bringt: Annette Fayet – Seevogelforscherin von der Uni Oxford. Ein Zufall, über den ich mich freue. Über ihre Arbeit habe ich schon berichtet: Fayet untersucht seit einigen Jahren unter anderem, wo Papageitaucher den Rest des Jahres verbringen, wenn sie nicht an Land brüten. Fayet hat Vögel verschiedener Kolonien mit Geolokatoren ausgestattet: Papageitaucher von Skomer, von den Westmänner-Inseln in Island sowie norwegische Vögel von der Insel Røst. „Das hier ist dieses Jahr mein erster Besuch auf Skomer“, erzählt mir Fayet auf der Überfahrt. Die Landestelle für das Boot in North Haven kommt in Sicht und damit auch direkt schon ein Teil der Hänge, in denen die Papageitaucher ihre Bruthöhlen haben. „Die Hänge sehen sehr trocken aus. Letztes Jahr war es auch schon sehr trocken. Ich hoffe, dass bald etwas Regen kommt, damit sich die Vegetation erholt.“ Von früheren Besuchen kenne ich diese Hänge bewachsen mit Grasbüscheln, doch jetzt dominiert nackte Erde.

Ein Papageitaucher ist mit einem Schnabel voller silberner Fische im Grünen gelandet. Seine Flügel sind noch ausgestreckt. Rechte: Anne Preger
Irgendwie muss der kleine Nestling in der Höhle doch satt zu kriegen sein! Im Gegensatz zu anderen Seevögeln verfüttern Papageitaucher, Trottellummen und Tordalke ihren Küken von Anfang an ganze Fische.
Auf einem hellen Felsen sitzt zwischen erwachsenen dunkelbraun-weißen Vögeln ein grau-geschecktes Küken. Im Hintergrund dunkelblaues Wasser. Rechte: Anne Preger
Dieses Trottellummen-Küken wird schon bald den Sprung ins kalte Wasser wagen. Die Jungen lernen erst Schwimmen, dann Fliegen.
Ein dunkelbraun-weißer Seevogel streckt sich mit geöffnetem Schnabel. Sein Schnabelinneres ist leuchtend gelb. Rechte: Anne Preger
Auch Tordalke brüten auf Skomer..
Ein möwenartiger Vogel im Flug. Rechte: Anne Preger
Eissturmvögel lassen sich ebenfalls auf Skomer und am Festland von den Felsen aus beobachten.
Zwischen weiß blühenden Pflanzen stehen zwei schwarze Rabenvögel mit rotem Schnabel. Der jüngere Vogel wendet sich mit offenem Schnabel zum Elternvogel. Rechte: Anne Preger
„Hunger! Hunger!!“ Umgeben von blühendem Klippen-Leimkraut tut die junge Alpenkrähe ihre Bedürfnisse sehr lautstark kund.
Eine Gruppe von schwarz-weißen Seevögeln fliegt im Abendlicht niedrig über der Meeresoberfläche, im Hintergrund unscharf grasbewachsene Felsenküste. Rechte: Anne Preger
Wer Atlantiksturmtaucher erleben will, kann einen abendlichen Bootsausflug rund um Skomer unternehmen. Besonders bei bedecktem Wetter lässt sich vom offenen Boot aus beobachten, wie die Vögel sich sammeln und niedrig über das Wasser gleiten.
Ein kleiner braun-gescheckter Vogel sitzt mit Insekten im Schnabel auf einem Farn. Rechte: Anne Preger
Auf Skomer finden Wiesenpieper genügend Beute, um ihre Jungen großzuziehen.
Ein braun-gemusterter Vogel mit einem langen gebogenen Schnabel auf einer dichtbewachsenen alten Steinmauer. Rechte: Anne Preger
Auch Große Brachvögel lassen sich mit auf Skomer beobachten.
Ein schwarzweißer Austernfischer richtet seinen langen roten Schnabel zum Boden, daneben ein braun-gemustertes Küken. Rechte: Anne Preger
Austernfischer auf Futtersuche im Insel-Inneren.
Ein Mann im T-Shirt mit Fernglas vor der Brust deutet auf ein Schild mit einer Karte der Insel Skomer. Rechte: Anne Preger
Dave Astins führt seit 2014 regelmäßig Birding-Touren, unter anderem nach Skomer.
Ein unbefestigter Weg führt auf einen Hof zu, rechts eine alte Ruine, links ein zweistöckiges Gebäude aus Naturstein. Rechte: Anne Preger
Die Ruine der Old Farm dient als Picknickplatz. Daneben erhebt sich das Insel-Hostel für freiwillige Helfer und Übernachtungsgäste.
Aus dem blauen Meer erhebt sich eine Insel, die durch brütende Seevögel halb weiß gefärbt ist. Im Hintergrund ein Leuchtturm, im Vordergrund ein Segelboot. Rechte: Anne Preger
Auf der Nachbarinsel Grassholm brüten Basstölpel.
Vogelkot färbt eine Felswand weiß. Sämtliche Nischen und Vorsprünge sind von braun-weißen Trottellummen und silber-weißen Möwen besetzt. Rechte: Anne Preger.
Rund um die Insel verteilt brüten Trottellummen an den Felswänden, hier an The Wick in direkter Nachbarschaft zu Dreizehenmöwen.
Zwei Papageitaucher mit ausgebreiteten Flügeln berühren einander mit ihren Schnäbeln. Rechte: Anne Preger
Durch Schnäbeln festigen Paare ihre Bindung. Bei den Puffins sehen Männchen und Weibchen gleich aus.
Im Vordergrund läuft ein Papageitaucher mit silbernen Fischen im Schnabel auf die Kamera zu. Im Hintergrund erhebt sich eine deutlich größere Möwe mit ausgebreiteten Flügeln und aufgerissenem Schnabel. Rechte: Sven Preger
Sandaale sind nicht nur beim Papageitaucher-Nachwuchs in den Höhlen beliebt, sondern auch bei den Heringsmöwen, die keine Gelegenheit auslassen, den eifrigen Fischern ihren Fang abzujagen.
Ein Papageitaucher guckt schräg in die Kamera. Hinter ihm breitet sich die Kolonie mit Bruthöhlen aus, außerdem eine Felswand im Schatten und das Meer.
Ganz nah dran: An „The Wick“ braucht man für Papageitaucher-Fotos im Zweifel nicht mal ein Teleobjektiv. Ein Weitwinkel oder eine Handykamera tun es auch. Die Vögel stehen direkt nehmen dem Pfad. Auf der linken Seite erhebt sich im Hintergrund eine Felswand, in der unter anderem Trottellummen und Dreizehenmöwen nisten.

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