Buchtipp für Vogel-Begeisterte: Mit Scott Weidensaul auf Schwingen um die Welt

Milliarden von Zugvögeln legen Jahr für Jahr enorme Strecken zurück. In seinem neuen Buch lüftet der amerikanische Vogelkundler Scott Weidensaul einige der Geheimnisse des Vogelzugs.

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Links: Buchcover von „Auf Schwingen um die Welt – Die globale Odyssee der Zugvögel“. Das Cover zeigt einen Vogelschwarm vor einem schneebedeckten Berg. Rechts: Ein Mann mit Brille und Baseballmütze hält eine große weiße Eule mit gelben Augen in den Händen.

Ihre Rufe höre ich selbst durchs geschlossene Fenster: Immer wenn im Herbst und im Frühjahr die Kraniche über mein Büro ziehen, wird mein Herz ganz weit. Damit bin ich vermutlich nicht allein. Man muss kein ausgewiesener Vogelfan sein, um den Schwärmen der Zugvögel sehnsüchtig hinterher zu schauen und in Gedanken mitzureisen.

Für alle, denen es ähnlich geht, hat der Verlag hanserblau in diesem Herbst genau das richtige Buch im Programm. Es ist die Übersetzung des New York Times Bestsellers „A world on the wing: The global odyssey of migratory birds”, das im Original zuerst 2021 erschienen ist. Darin stellt der US-amerikanische Vogelkundler Scott Weidensaul viele neue Erkenntnisse aus der Erforschung der Zugvögel vor.

Wie Technologie Faszination noch vergrößert

Auch wenn Vögel immer noch ganz klassisch beringt werden – die Ornithologie hat in den vergangenen Jahrzehnten außerordentlich von der Entwicklung neuer Technologien profitiert. Sender und Datensammler wurden immer kleiner, so dass inzwischen selbst winzige Kolibris Mini-Funksender-Rucksäcke auf ihren Reisen tragen können, mit deren Hilfe ihre Routen erfasst werden. Und Radarmessungen registrieren nicht nur Regen, sondern auch die unzähligen Vogelschwärme, die im Frühjahr und Herbst im Schutz der Dunkelheit über unsere Häuser hinweg ziehen. Quasi in Echtzeit lassen sich die Zugvögel so auf ihren Wegen verfolgen. Wer insgeheim befürchtet, dass die neuen Technologien das immer noch geheimnisumwobene Naturschauspiel zu sehr entzaubern, kann nach Lektüre von Weidensauls Buch beruhigt sein: Die neuen Erkenntnisse vergrößern vielmehr die Faszination für das Phänomen Vogelzug.

Anschaulich beschreibt der Autor, der selbst seit Jahrzehnten Vögel erforscht, wie die modernen Forschungsansätze unter anderem helfen, die unglaublichen Leistungen der Zugvögel besser zu verstehen. Den längsten, bislang (!) bekannt gewordenen Nonstop-Flug unter den Zugvögeln unternimmt die Pfuhlschnepfe. Daten von einem Sensor auf dem Rücken verrieten erst kürzlich, dass die Tiere in der Lage sind, mehr als 12.000 Kilometer zwischen Alaska und Neuseeland nonstop zu fliegen.

Weiß-grau gescheckte Schnepfenvögel mit mittellangem Schnabel und einer schwarzen Halskrause stecken ihre Schnäbel in das flache Wasser auf einer Wattfläche. Rechte: Peter Prokosch, Grida
Anadyrknutts, auch Große Knutts genannt, beim Fressen im Watt des Gelben Meeres. Die Art steht als stark gefährdet auf der internationalen Roten Liste.
Ein Vogel mit hellem Bauch, gescheckten Flügeln, orange-braunem Kopf und einem schwarzen Schnabel, der vorne wie ein Löffel aussieht, steht zwischen niedrigen Pflanzen. Im Hintergrund Kiesel auf dem Boden. Rechte: Christian Zöckler, GRID-Arendal
In seinem Buch beschreibt Scott Weidensaul, wie der Löffelstrandläufer zu einer Gallionsfigur wurde bei den Bemühungen, das Gelbe Meer als Rastplatz für Zugvögel zu erhalten. Auf diesem Foto von Christian Zöckler ist die hochgradig gefährdete Art in ihrem Brutgebiet im äußersten Nordosten von Sibirien zu sehen.
Ein Singvogel mit schwarzem Gesicht, hellgrauer Kappe und orangeroter Brust sitzt auf einem Ast. Rechte: Anne Preger
Wie wirken sich die Bedingungen im Winterquartier auf die Brut im Sommerquartier aus? Dieser Frage geht Weidensaul in einem seiner Kapitel nach. Einer Studie zufolge führt ein feuchter Winter in der Sahelzone in Afrika bei Gartenrotschwänzen zu einem früheren Beginn der Nistsaison und größeren Gelegen in Großbritannien.

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