Ausflugstipps an der Nordsee: Vögel beobachten an der nordfriesischen Küste

Die Nordseeküste in Nordfriesland und Dithmarschen bietet das ganze Jahr über reichlich Gelegenheiten zum Beobachten von Vögeln. Hier kommen einige unserer liebsten Ausflugstipps.

11 Minuten
Ein Vogel-Hide an einem flachen Wasser, dahinter Windräder. Rechte: Anne Preger

Vogelbeobachtung hat an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste das ganze Jahr über Saison. Die Region bietet eine große Auswahl von Naturschutzgebieten, in denen sich Vögel oft in großen Schwärmen, aus nächster Nähe und zum Teil sogar bequem aus Beobachtungshütten genießen lassen. Vor allem zur Zeit des Vogelzugs, aber auch im Winter lassen sich auch seltene gefiederte Besucher entdecken. So macht Birding Spaß – sowohl Einsteigern als auch versierten Vogelguckerinnen. Die folgende Liste ist eine kleine Auswahl gut zugänglicher Orte für die Vogelbeobachtung. Beginnen wir im Norden.

Eine Karte der Nordseeküste von Schleswig-Holstein, markiert sind fünf  verschiedene Orte, wo sich Vögel gut beobachten lassen.
Man muss nicht unbedingt auf eine Insel wie Sylt fahren, auch am Festland bietet das schleswig-holsteinische Wattenmeer viele Möglichkeiten zum Vogelgucken, zum Beispiel auch an diesen Orten.

Sylt: Uferschwalben am Morsum Kliff

Die Insel Sylt bietet diverse Möglichkeiten zum Birden, vor allem zur Zeit des Vogelzugs – die dortigen Hotspots sind eigentlich ein Artikel für sich! Einen der schönsten und landschaftlich ungewöhnlichen stelle ich hier vor. Das Morsum Kliff steht schon seit 1923 unter Naturschutz, es zählt damit zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands.

In einem rostrot-gefärbten Hang aus Sandstein lassen sich im oberen Bereich kleine Löcher erkennen. Am Fuß ist das Kliff zum Teil bewachsen. Rechte: Anne Preger
Im Osten von Sylt liegt das Morsum Kliff. Seine Farbe verleiht dem Kliff Millionen Jahre alter Limonitsandstein.

Das Kliff liegt im ruhigeren Osten der Insel und zeigt landschaftlich eine besondere Facette von Schleswig-Holstein: Zwar ragen die Felsen nicht spektakulär hoch auf, aber sie bestehen aus bis zu 10 Millionen Jahre alten Sedimentgesteinen. Damit gehört das Morsum Kliff zu den geologisch ältesten Teilen von Deutschlands Norden, denn dieser besteht an der Oberfläche vor allem aus jüngeren Ablagerungen aus dem Eiszeitalter. Seine orange-rote Farbe verdankt das Kliff dem Limonitsandstein, aus dem es besteht. Oberhalb und unterhalb des Kliffs verlaufen Wanderwege durch offenes Heide- und Weidegelände sowie durch Salzwiesen.

Zwei Uferschwalben-Küken sitzen am Höhleneingang und recken einer anfliegenden Uferschwalbe ihre offenen Schnäbel entgegen. Rechte: Anne Preger
Futter im Anflug!

Am Spülsaum unterhalb des Kliffs lassen sich mit etwas Glück Sandregenpfeifer erspähen, in der Heide oberhalb davon brüten Feldlerchen. Den vielleicht spannendsten Anblick für Vogelinteressierte bieten aber die Bruthöhlen der Uferschwalben, die sich im roten Sandstein häuslich eingerichtet haben; sie lassen sich gut vom Fuß des Kliffs aus beobachten. Die Szenerie wirkt fast ein bisschen unwirklich – so als ob die Uferschwalben für ein Leben auf dem roten Planeten Mars trainierten.

Beltringharder Koog: Elterntaxi unterwegs im Wasser

Der Beltringharder Koog ist nach dem Wattenmeer und Helgoland das größte Naturschutzgebiet Schleswig-Holsteins. Der Koog entstand, als die Nordstrander Bucht im Jahr 1987 eingedeicht wurde. Er ist das ganze Jahr über ein lohnenswertes Birding-Ziel.

Auf einem Gewässer schwimmen viele Graugänse, am Ufer Enten und ein Löffler, im Hintergrund ein Deich.
Gänse, Enten und Löffler gehören zu den regelmäßigen Besuchern des Beltringharder Koogs.

Im Sommer lassen sich zum Beispiel Säbelschnäbler, Kiebitze und Haubentaucher beim Brutgeschäft beobachten, zum Teil sogar Stelzenläufer. Es sind aber auch Ufer- und Pfuhlschnepfen, Sand- und Seeregenpfeifer, Rotschenkel und Kampfläufer unterwegs. Dazu kommen Löffler und Graugänse sowie diverse Entenarten wie Tafel- und Löffelenten. Im Winterhalbjahr ist der Beltringharder Koog ein toller Ort, um Abertausende von Weißwangengänsen in großen Schwärmen zu erleben. Einige brüten inzwischen auch im Koog. In den Schilfbeständen des Koogs lassen sich mit etwas Glück und Geduld Bartmeisen, Blaukehlchen, Rallen und Rohrdommeln entdecken.

n Vogel mit rot-schwarzer Haube schwimmt durchs Wasser, auf seinem Rücken zwei kleine Küken. Rechte: Anne Preger
Haubentaucher-Elterntaxi unterwegs im Koog.
Auf einem Nest aus Pflanzenresten sitzt umgeben von Wasser ein Vogel mit einer Haube, um ihn herum schwimmen Küken mit rotem Kopf und ein ausgewachsenes Blässhuhn. Rechte: Anne Preger
Dieser Haubentaucher sitzt noch auf dem Nest, während das Blässhuhn seine Jungen schon auf dem Wasser hinter sich her lotst.
Ein Vogel mit langem Schnabel und rotbraun gemustertem Rumpf fliegt mit offenem Schnabel durch die Luft. Rechte: Anne Preger
Im Beltringharder Koog sind auch Uberschnepfen unterwegs.
Ein kleiner Singvogel sitzt auf einem Schilfstängel und singt. Rechte: Anne Preger
Auch im Röhricht lebende Arten wie Schilfrohrsänger fühlen sich im Koog wohl.
Ein Vogel mit schwarzer Kappe, weißer Brust, roten Beinen und grün-metallisch glänzendem Rückengefieder geht über trockenes Gras.
Im Koog brüten auch Kiebitze.
Ein Schwarm von schwarz-weißen Gänsen steigt auf.
Große Schwärme von Weißwangengänsen bieten nicht nur im Beltringharder Koog ein Naturschauspiel.

Logistik: Im Beltringharder Koog gibt es mehrere Beobachtungshütten. Vor Ort werden auch Vogelexkursionen und Wattwanderungen angeboten. An der Badestelle Lüttmoorsiel, ganz am Ende des Lüttmoordamms, findet sich eine Einkehrmöglichkeit (Außerhalb der Sommerzeit am besten vorab Öffnungszeiten checken) und die neue „Integrierte Station Westküste“. Dort informiert seit 2022 eine Ausstellung Besucherïnnen über Natur im Koog und im Wattenmeer. Der Koog lässt sich auch gut mit dem Fahrrad erkunden. Wer mit dem Auto kommt: Ins Navi am besten die Badestelle Lüttmoorsiel als Ziel eingeben. Auf dem Weg dahin bieten sich diverse Haltemöglichkeiten zum Genießen dieses Vogelparadieses.

Eine Karte der schleswig-holsteinischen Nordseeküste, mit vier eingezeichneten Orten.
Vögel beobachten am Festland – das hier sind einige vielversprechende Orte.

Westerhever: Der Leuchtturm wacht über Brutgebiete und Gänseschwärme

Im Norden der Halbinsel Eiderstedt, und damit nördlich vom beliebten Strandort St. Peter-Ording, liegt der Leuchtturm Westerheversand. In den Salzwiesen rund um den Leuchtturm brüten unter anderem Rotschenkel, Säbelschnäbler und Austernfischer.

Im Winter schwirren Schneeammern umher, auf der Suche nach Nahrung. Auch für die Gänsebeobachtung ist Westerhever ein idealer Ort. Die Weißwangengänse halten sich gern zu Tausenden auf den Schafweiden innerhalb des Deichs auf. Die dunkleren Ringelgänse sind eher auf der Seeseite des Deichs anzutreffen.

Vor dem Strand von Westerhever liegt eine Sandbank, die bei Niedrigwasser (Gezeiten und Regeln zum Verhalten im Watt beachten!) entlang einer Pfahlreihe zugänglich ist. Auf der Sandbank rasten zur Zugzeit viele Zugvögel, unter anderem Alpenstrandläufer und Knutts. Im Bereich Westerheversand brüten außerdem See- und Sandregenpfeifer sowie Zwerg- und Küstenseeschwalben.

Eine große Schar dunkelgrauer Gänse frisst Gras, im Hintergrund ein rot-weißer Leuchtturm. Rechte: Anne Preger
Im März halten nicht nur Deichschafe das Gras am Deich von Westerhever kurz, sondern auch Ringelgänse.
Eine große Schar dunkelgrauer Gänse frisst Gras. Rechte: Anne Preger
Auf dem Weg in ihre arktischen Brutgebiete machen Zehntausende Ringelgänse im Frühjahr Rast in Schleswig-Holstein – auch in Westerhever.
Eine Gruppe von schwarz-weiß-grauen Gänsen steht vor einem Heuballen, im Hintergrund eine größere Gruppe Gänse und Gebäude.
Weißwangen- und andere Wildgänse fressen auch Gras auf landwirtschaftlichem Grünland und Wintergetreide auf Äckern – für Landwirtïnnen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen zum Teil ein Problem.
Auf Holzpfählen in einer Reihe sitzen Vögel. Rechte: Anne Preger
Es sind genügend Pfähle für alle da! In den Salzwiesen rund um den Leuchtturm brüten unter anderem Rotschenkel und Austernfischer.

Logistik: Die Landzunge von Westerhever lässt sich sehr gut mit dem Fahrrad erkunden, darüber hinaus führen Fußwege zum Leuchtturm und zur Sandbank. Wer nicht nur Vogelfotos, sondern auch Leuchtturmbilder im Sinn hat: Für den Rest des Sommers 2023 wird der Leuchtturm selbst etwas weniger malerisch aussehen als sonst: Er ist eingerüstet für Renovierungsarbeiten. Im südlichen Leuchtturmhaus gibt es eine kleine Ausstellung der Schutzstation Wattenmeer mit einem Gäste-WC, aber keinen Kiosk. Einkehroptionen und weitere WCs finden sich eine halbe Stunde Fußweg entfernt, hinterm Deich am Parkplatz Ahndelweg. Die Schutzstation Wattenmeer bietet auch in Westerhever Wattwanderungen und Vogelzug-Führungen an.

Katinger Watt: Hier sind auch Seeadler zuhause

Das Katinger Watt entstand nach der Eindeichung der Eidermündung und liegt direkt nördlich der Eider. Hier kann man Uferschnepfen und Säbelschnäbler beim Brüten beobachten, außerdem die „üblichen Verdächtigen“ wie Grau- und Brandgänse sowie Silberreiher. Über allen kreist der Seeadler.

Eine Beobachtungshütte an einer Wasserfläche, umgeben von grünen Wiesen im vollen Sonnenschein. Rechte: Anne Preger
Am Katinger Watt laden gleich mehrere Hides in verschiedenen Himmelsrichtungen zum Verweilen ein. Im dahinter gelegenen Waldgebiet lässt es sich gut wandern.
Im Wasser liegt eine flache Insel aus Sand und Schlick, darauf viele schwarz-weiße Vögel, dahinter ein Wäldchen und ein Beobachtungsturm. Rechte: Anne Preger
Im Katinger Watt nisten Säbelschnäbler auf Brutinseln.
Ein Seeadler mit dunklem Gefieder, hellem Kopf und hellem Schwanz vor blauem Himmel. Rechte: Anne Preger
Wenn die Graugänse am Wasser schnattern und unruhig werden, lohnt sich ein Blick nach oben. Im Katinger Watt halten das ganze Jahr über Seeadler nach Beute Ausschau.
Eine Landschaft mit Wasserflächen und Feuchtwiesen im Gegenlicht, im Hintergrund ein Beobachtungsturm und Windräder.
Gleicher Ort, komplett andere Lichtstimmung: Im März kämpft sich die Frühlingssonne am Katinger Watt durch den Nebel.
Eine Ente mit gelbem Auge, dunkelblau schillerndem Kopfgefieder mit markantem weißem Wangenfleck schwimmt auf aufgewühltem Wasser. Rechte: Anne Preger
Eine Schellente am Katinger Watt.
Ein Vogel mit langem, gebogenem Schnabel und langen Beinen schreitet über eine feuchte Wiese, dahinter flaches Wasser.
Der Große Brachvogel steht in Deutschland als „vom Aussterben bedroht“ auf der Roten Liste. Am Katinger Watt lässt er sich noch beobachten.

Logistik: Direkt am Katinger Watt hat der NABU eine Station, die auch regelmäßig Führungen anbietet. Dort gibt es auch Parkplätze für einige Autos (Navi: Katingsiel 14, Tönning). Das Naturschutzgebiet besteht aus Wasserflächen, Wiesen und Wäldern. Von einem ausgedehnten Wegenetz durchzogen, bietet es ein abwechslungsreiches Wandererlebnis. Da manche Wege dichter bewachsen sein können, empfehlen sich auch im Hochsommer lange Hosen und geschlossenes, wasserdichtes Schuhwerk. Auch die Inland-Deiche direkt nördlich des Katinger Watts und südlich entlang der Eider lassen sich gut erwandern. Der Seedeich zum Wattenmeer hin wird allerdings aktuell erhöht, Wandern ist dort zurzeit nur eingeschränkt möglich. Im Naturschutzgebiet selbst gibt es Bänke zum Rasten. Kioske und Cafés mit hausgemachten Torten finden sich am Eidersperrwerk bzw. an der Landstraße, die südwärts nach Wesselburen führt.

Eine Ente mit sieben Küken läuft auf einem zugewachsenen Fußweg voraus. Rechte: Anne Preger
Auf den Wanderwegen im Katinger Watt sind nicht nur Menschenfamilien unterwegs.

Lachmöwen, Seeschwalben und Watvögel am Eidersperrwerk

Das Eidersperrwerk reguliert den Wasserstand an der Mündung des Flusses Eider. Das Sperrwerk wurde 1973 fertiggestellt. Mit dem Bau zum Schutz vor Sturmfluten wurde ein weiteres Stück Küste der natürlichen Dynamik von Ebbe und Flut entzogen.

An beiden Enden des Eidersperrwerks befinden sich Brutgebiete von Lachmöwen, Küsten- und Flussseeschwalben. Die Vögel sind im Frühsommer nicht zu überhören und -sehen. Wer nur auf der Durchreise ist: Auch ein Zehn-Minuten-Stopp auf dem Parkplatz am Südende des Sperrwerks lohnt sich – normalerweise. Treppen führen auf den Deich, und oben angekommen öffnet sich der Blick auf die brütenden Vögel. Allerdings hat die hochpathogene aviäre Influenza im Sommer 2023 leider die Situation vor Ort drastisch verändert.

Eine steinige Böschung öffnet sich zum Wattenmeer, ganz rechts erkennt man das Eidersperrwerk. Zwischen den Steinen sitzen Vögel, auch in der Luft fliegen Möwen und Seeschwalben. Rechte: Anne Preger
Mitte Juni 2023 herrschte in der Brutkolonie der Lachmöwen und Seeschwalben am Südende des Eidersperrwerks noch reges Treiben. Doch es waren schon einige tote Vögel zu sehen. Inzwischen ist klar, dass das Vogelgrippevirus H5N1 dort viele Opfer gefordert hat.
Zwei gepunktete Küken mit einem rot-schwarzen Schnabel sitzen auf dem Boden, dahinter unscharf ein Elternvogel. Rechte: Anne Preger
Fotografiert vom öffentlichen Weg aus, durch Maschendraht hindurch: Am Eidersperrwerk bieten sich besondere Perspektiven auf Seeschwalben.
Ein braungefiedertes größeres Küken, daneben eine Möwe mit dunkelbraunem Kopf und rotem Schnabel. Rechte: Anne Preger
Jedes Jahr finden sich Lachmöwen zum Brüten am Süd- und Nordende des Eidersperrwerks ein.
Ein braungefiedertes größeres Küken, dahinter unscharf ein toter Vogel. Rechte: Anne Preger
Dieses Küken lebte Ende Juni 2023 noch. Im Hintergrund liegt eine tote ausgewachsene Möwe.

Es lohnt sich auch ein Blick auf die ausgedehnten Wattflächen der Eider auf der Landseite des Deichs. Je nach Wasserstand und Jahreszeit sind dort Rotschenkel, große Brachvögel, Sandregenpfeifer und etliche andere Watvögel unterwegs. Deswegen ist das Eidersperrwerk auch außerhalb der Brutsaison einen Besuch wert.

Logistik: Ein Besuch des Eidersperrwerks lässt sich gut mit einer Wanderung oder einem Beobachtungsstopp am Katinger Watt kombinieren. Viele Ausflügler sind hier mit dem Rad unterwegs, aber es gibt auch einen Parkplatz für motorisierte Besucherïnnen.

Speicherkoog Dithmarschen: Löffler, Bekassinen, Kiebitze und Flussseeschwalben

Südlich der kleinen Stadt Büsum liegt der Speicherkoog Dithmarschen, auch Meldorfer Speicherkoog genannt. Vor der vollständigen Eindeichung im Jahr 1979 dehnten sich hier zum Teil noch Wattflächen aus. Heute umschließen die Deiche ein Mosaik aus Wasserflächen, Weideland, Feuchtwiesen und Sumpfgebieten. Diese verschiedenen Habitate ziehen das ganze Jahr über viele Vogelarten an. Die gefiederten Besucher tummeln sich auf den Wasserflächen und Wiesen, auch nah an den Straßen und Wegen.

Eine Karte zeigt den Speicherkoog Dithmarschen. Darauf sind drei Stellen zur Vogelbeobachtung markiert: Eine Beobachtungshütte an einem Gewässer namens Kronenloch sowie das Odinsloch und das Wöhrdener Loch.
Südlich von Büsum liegt der Speicherkoog Dithmarschen, der viele Gelegenheiten zur Vogelbeobachtung bietet.

Unweit des Yachthafens liegt das Kronenloch, ein ausgedehntes Flachgewässer, an dem ein Beobachtungsturm und eine Beobachtungshütte zum Vogelgucken einladen. Zum Beispiel auf Flussseeschwalben, die auf einem künstlichen Nistfloß im Wasser brüten – weit genug vom Ufer entfernt, um vor vierbeinigen Beutegreifern geschützt zu sein. Das Floß soll natürliche Sand- oder Kiesbänke ersetzten und ist entsprechend mit Kies ausgelegt. Kleine „Zelte“ bieten Küken Deckung vor Greifvögeln. Im Frühsommer lassen sich die eleganten Flieger gut beim Aufziehen der Küken beobachten. Auf der Brutinsel ging es im Juni 2023 noch hörbar lebhaft zu. Doch leider ist diese Flussseeschwalben-Kolonie inzwischen auch von der Vogelgrippe in Mitleidenschaft gezogen.

Gewässer mit bewachsenem Ufer, im Vordergrund eine rechteckige Insel mit Vögeln. Rechte: Anne Preger
Von der Beobachtungshütte am Kronenloch ließ sich im Juni 2023 noch das Treiben der Flussseeschwalben beobachten. Inzwischen ist leider auch diese Brutkolonie von einem Vogelgrippe-Ausbruch betroffen.
Eine schwarz-weiß gefiederte Seeschwalbe fliegt mit offenem, rot-schwarzem Schnabel über die Kunstinsel. Darauf sitzen etliche Artgenossen, die alle den Vogel ansehen und zum Teil ebenfalls die Schnäbel geöffnet haben. Rechte: Anne Preger
Flussseeschwalben lassen nichts „umkommentiert“, was ihre Nachbarinnen und Nachbarn tun.

Auf dem Kronenloch lassen sich außerdem Kormorane, Eisvögel, Hauben- und Zwergtaucher, Reiher-, Schnatter-, Tafel- und Schellenten beobachten – neben anderen Arten. Wer sich von dort gen Norden wendet, kann unserer eigenen Spezies bei Aktivitäten auf dem Wasser zusehen – das Miele-Speicherbecken zieht vor allem Surfer an. Von dort gelangt man zum Odinsloch, das aus zwei Wasserflächen an der Straße besteht. Auch darauf schwimmen Nistflöße mit Flussseeschwalben, die nach aktuellem Stand im Juli 2023 offenbar nicht von der Vogelgrippe betroffen sind. Nördlich davon schließt sich das Wöhrdener Loch mit Wassergräben und offenen Wiesen an.

Weiße, große Vögel mit langem Schnabel stehen am Rand eines flachen Gewässers, im Hintergrund Feuchtwiesen und Windräder. Rechte: Anne Preger
Am Odinsloch macht auch eine Gruppe von Löfflern Pause.
Ein braungefleckter Vogel mit langem Schnabel und Streifen auf dem Rücken steht im Morast. Rechte: Anne Preger
Bekassinen sind extrem gut getarnt.
Ein Vogel mit auffälligem Brustgefieder steht im Wasser.
Kampfläufer lassen sich im Frühsommer sowohl im Beltringharder Koog als auch im Speicherkoog gut beobachten.

So grell die Sonne im Hochsommer auf Wasser und Wiesen strahlt (Hut nicht vergessen!), so sanft und weich erhellt sie die Landschaft des Speicherkoogs im Winter. Das fahle Nachmittagslicht erzeugt eine ganz besondere Stimmung! Vor allem, wenn man vor sich Tausende von Weißwangengänsen sieht, die auf den Wiesen im Koog grasen.

Leider wurde die Beobachtungshütte am Wöhrdener Loch vor einiger Zeit abgebaut, auch die Herde von Konik-Pferden, die früher durch das Naturschutzgebiet zog, ist verschwunden. Die robusten Pferde sollten – neben Rindern und Schafen – die Feuchtwiesen beweiden und offenhalten. Doch nach dem Tod einiger Pferde wurde diese Naturschutzmaßnahme 2020 beendet.

Logistik: Zur Erkundung des gesamten Speicherkoogs bietet sich ein Fahrrad an. Zu Fuß kann der Autoverkehr (Tempo 50) im nördlichen Teil etwas stören, da es dort keinen separaten Fußweg neben der Straße gibt. Im Koog bieten während der Sommersaison Kioske Stärkung für zwischendurch. Und auf der anderen Seite des Deichs laden Badestellen zur Abkühlung im Wattenmeer ein. Schatten gibt es allerdings nur in Form von kostenpflichtigen Strandkörben.

Das Wattenmeer und die Küste von Schleswig-Holstein lohnen sich das ganze Jahr über zum Vogelgucken

Nordlichter wissen das: In Nordfriesland kann man quasi überall und jederzeit mit besonderen Sichtungen rechnen – selbst mitten in der Stadt. Manchmal verrät eine große Traube aus Menschen mit Kameras und Spektiven schon von weitem, wo sich ein spontaner Stopp lohnt. So hatte sich im Januar und Februar 2022 eine Sperbereule entschieden, im Stadtgebiet von St. Peter einen längeren Zwischenstopp einzulegen.

Eine Eule fliegt knapp über dem Gras und hat eine Maus im Schnabel.
Fette Beute gemacht – auf dem Grasstreifen zwischen Entwässerungsgraben und Fahrradweg. Und das trotz einer Traube von interessierten Birdern: Eine Sperbereule gehörte im Jahr 2022 in St. Peter wohl zu den meist fotografierten Gästen.

Diese Eulenart lebt sonst in den Nadel- und Gebirgswäldern, unter anderem in Skandinavien und Sibirien; sie jagt tagsüber – so wie ihre bei uns heimische Verwandte, die Sumpfohreule. Das machte den seltenen Gast aus dem ganz hohen Norden zum beliebten Fotoobjekt. Zum Glück tat der menschliche Andrang ihrem Jagderfolg offenbar keinen Abbruch. Beim Anblick einer solchen Rarität kann es leicht sein, zu vergessen, dass das Überleben des Vogels sicherlich nicht durch eine Traube von Fans gefördert wird, die dem Tier tage- oder wochenlang auf Schritt und Tritt folgt. Deswegen ein kleiner Hinweis zum Schluss: Abstand halten und die Privatsphäre respektieren – das sollte auch für Vögel gelten.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Anne Preger


Hörweiten
Gebäude P-A-67
Leopoldstr. 2-8
32051 Herford
Deutschland

www: https://hoerweiten.de

E-Mail: anne.preger@flugbegleiter.org

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Johanna Romberg

Lektorat: Dr. Barbara Ganter

Fotografie: Anne Preger

VGWort Pixel