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Das unheimliche Gefühl, dass in der Landschaft die Tiere fehlen

Der Vogelspaziergang: Mit dem Naturschützer und Regierungsstrategen Josef Tumbrinck im Berliner Tiergarten

von
04.06.2019
11 Minuten
Josef Tumbrinck mit einem Fernglas im Wald.

Schon nach wenigen Schritten hinein in den Tiergarten und weg von der Hauptverkehrsader, die ihn durchschneidet und die selbst um halb sieben Uhr morgens schon stark befahren ist, filtert das Laub der Bäume den Lärm der Autos weg. Das Panorama eines wunderbaren Morgens tritt ins frisch mit Koffein erweckte Bewusstsein: Die Strahlen der Morgensonne fallen durch das Kronendach auf den Boden und auf die stille Wasserfläche, von der es in Berliner Ornithologenkreisen in den letzten Wochen geheißen hatte, ihre Ufer beheimateten einen Pirol. Der quietschgelbe Vogel mit dem tropischen Gesang wird sich an diesem Morgen allerdings nicht zeigen. Dafür wird es andere Überraschungen geben, sowohl was die urbane Vogelwelt betrifft als auch meinen heutigen Begleiter beim Vogelspaziergang.

Als erstes springt Josef Tumbrinck, vielen bekannt als langjähriger Vorsitzender des nordrhein-westfälischen NABU, ein Vogel vor die Füße, den er schon im Augenwinkel identifiziert – wie ein ornithologischer Lucky Luke, der schneller bestimmt als sein Schatten. „Singdrossel", sagt Tumbrinck knapp. Die mentale Notiz ist gemacht. Später wird er sein Handy ziehen, ornitho.de öffnen und Einträge machen.

Seit April ist Tumbrinck in einem neuen Amt. Er hat die Seiten gewechselt, vom mitgliederstärksten Umweltverband in die Regierung. Im Bundesumweltministerium ist er nun stellvertretender Leiter der Naturschutzabteilung, zuständig für viele Politikbereiche, gegen deren Mängelverwaltung durch die Regierung er bis vor kurzem gewettert hat. Sein Wechsel war nicht unumstritten. In Agrarkreisen wurde gegiftet, da dürfe jetzt ein Umweltlobbyist die Arbeit des BMU mitbestimmen. Das ficht Thumbrinck nicht an. „Der NABU ist Vergangenheit, da gibt es keine Wehmut und kein Zurück“, sagt er. Jetzt beginne etwas Neues. Aus dem Unterholz erklingt der laute Ruf eines Zaunkönigs.

Josef Tumbrinck auf einem Waldweg.
23 Jahre lang hat er den nordrhein-westfälischen NABU geführt, nun arbeitet er im Bundesumweltministerium im Naturschutz: Josef Tumbrinck beim Vogelspaziergang im Tiergarten.
Flusslauf in einem Wald.
Im Berliner Tiergarten gibt es für Vogelbeobachter nicht nur einen schönen Park zu entdecken, sondern auch eine spannende Vogelwelt inklusive Habicht, Kuckuck und Waldkauz. Kürzlich hat dort ein Vogelkenner sogar einen Pirol gehört.
Ein Eisvogel sitzt auf einem Schilfstengel und hält Ausschau nach Beute.
Eine schillernde Persönlichkeit – der Eisvogel

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Josef Tumbrinck steht mit einem Fernglas an einem Ufer zwischen Bäumen.
Für Josef Tumbrinck sind Klima- und Naturschutz gleichwertige Probleme, für die gemeinsame Lösungen gefunden werden müssen. Beim Vogelbeobachten findet er echte Entspannung von solchen Großproblemen. Dabei frönt er auch der Sammlerleidenschaft. Auf 130 Arten hat er es in diesem Jahr schon gebracht.
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Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Christian Schwägerl ist Journalist in den Bereichen Umwelt, Wissenschaft und Politik. Er war als Korrespondent für die Berliner Zeitung (1997–2001), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2001–2008) und den SPIEGEL (2008–2012) tätig und arbeitet seit 2013 freiberuflich für Medien wie GEO, FAZ und Yale E360. Von ihm stammen die Bücher „Menschenzeit“ über das Anthropozän, „11 drohende Kriege“ über globale Konfliktrisiken (mit A. Rinke) und „Analoge Revolution“ über die Zukunft digitaler Technologien. Seit 2014 leitet er die von der Robert Bosch Stiftung geförderte „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“. Schwägerl hat einen Master-of-Science-Abschluss in Biologie. Er ist Mitgründer und Vorstand von RiffReporter. Für seine journalistische Arbeit hat er zahlreiche Preise erhalten, darunter den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus (2007) und den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus (2020, mit J. Budde).


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