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Wie lassen sich Wasser und Natur erzählen?

Zwei Regisseurinnen sprechen über ihre Bühnenlösungen für Kinder und Jugendliche

16.10.2021
14 Minuten
Ein Schauspieler hat einen Eimer Wasser an beiden Seiten gepackt und stellt ihn mit Schwung auf den blauen Bühnenboden. Das Wasser schwappt – auch mit Schwung – heraus.

Wasser! Man kann es gießen, sprühen, sogar werfen. Man kann es tropfen lassen, schnell, langsam, auf Blech, in kleine Schüsseln, in große Schüsseln. Wasser klingt und reflektiert in allen Farben. Wasser ist ein sinnliches Erlebnis, ein Phänomen.

Und es ist eine lebenswichtige Ressource. Es wird genutzt, benutzt, verbraucht, verkauft, gehandelt.

Wasser und die Klimakatastrophe hängen eng zusammen. Beides sind drängende Themen unserer Zeit. Besonders treffen wird es die jetzt junge Generation.

Damit wir eine Vorstellung entwickeln können, wie sich unsere Zukunft entwickelt und welche Einflussmöglichkeiten wir haben, beschreibt der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) verschiedene Klima-Szenarien.

Wie lässt sich Natur erzählen?

Im folgenden Interview sprechen zwei Regisseurinnen, die beide das Thema Wasser inszeniert haben.

Barbara Kölling schon vor elf Jahren, am Helios-Theater im westfälischen Hamm für Kinder ab zwei: „Ha zwei Oohh“, ein Stück zum Staunen. Eine halbe Stunde lang Wasser pur, inszeniert in allen Tönen, Farben, Zuständen, Schattierungen und Funktionen.

Clara Gohmert dagegen zeigt seit diesem Sommer mit dem Armada-Theater Wasser als Ressource für ab etwa Zwölfjährige. In „DWDW – Die Sache mit dem Wasser“ führt eine Moderatorin – keine echte, sondern eine Figur – durch eine fiktive TV-Show. Leinwandfüllende Bilder entstehen mit Kamerafahrten durch Modellbauten. Werbespots unterbrechen die Show. Die Reise geht vom Amazonas über den Aralsee und Dubai bis nach Fukushima und schließlich in die Zukunft.

Die beiden Regisseurinnen Barbara Kölling und Clara Gohmert sitzen sich auf einer Couch gegenüber und unterhalten sich. Im Hintergrund weiße Kacheln und viele kleine, gerahmte Bilder.
Barbara Kölling, künstlerische Leiterin des Helios-Theaters, und Clara Gohmert, Mitgründerin des Armada-Theaters, auf der Couch zum Interview.

Die beiden Regisseurinnen arbeiten also für zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen und mit komplett verschiedenen Herangehensweisen.

***

Christiane Enkeler: Sie haben beide ein Stück über Wasser entwickelt. Wie kann man daraus Theater machen, bei dem auch wirklich was passiert?

Barbara Kölling: „Ha zwei Oohh“ war das zweite Stück, als ich gemerkt habe, ich finde es sehr spannend, einem Material auf der Bühne zu folgen. Einem Material, das aus der Natur kommt; davor war es Holz. Es geht darum, den Spielerïnnen auf der Bühne zu sagen: Ihr seid jetzt die, die dieses Material untersuchen, als ob man’s noch gar nicht richtig kennt. Den ersten Tropfen noch mal anguckt, den ersten Tropfen hört, mit allen Sinnen das Material für euch erforscht und dann im Theatermoment auch für andere erfahrbar macht. Daraus ist dann eine Musik entstanden, die auch dieser Forschung nachging, eine sehr elektronische Musik.

Eine Frau steht in Gummistiefeln in einem kleinen, künstlichen Teich auf der Bühne und lässt Wasser aus einem blauen Eimer auf den Boden eines umgedrehten Eimers fallen. Schwungvoll spritzen die Tropfen wieder hoch und von dort in den Teich.
Drei Menschen spielen in „Ha zwei Oohh“ rund eine halbe Stunde lang konzentriert mit Wasser. Anna-Sophia Zimniak ist einer von ihnen.

Wir spielen das Stück schon seit elf Jahren und es stellt einzig und allein das Wasser in den Mittelpunkt. Wenn man aufmerksam folgt, sieht man eine Entwicklung. Aus den Tropfen wird ein Bach, wird ein kleiner See, wird ein bevölkerter See, wird Wasser in allen möglichen Aggregatzuständen. Daraus entstehen Bilder und Momente, die sich assoziativ zu einem Stück zusammenfügen.

Clara Gohmert: Wir haben eher gefragt: Wie kann man die Zusammenhänge greifen, die sich in der Natur abspielen, die sich zwischenmenschlich abspielen? Da trifft man sehr schnell auf Probleme. Es gibt Konflikte ums Wasser. Wie behandeln wir Wasser? Wasser ist endlich. Da wird es politisch und auch konkret in dem Sinne, dass wirklich Zusammenhänge benannt und gezeigt werden, wo Dinge aus dem Gleichgewicht gehen und wie man sie wieder ins Gleichgewicht bringen kann. Tatsächlich macht es das sehr weit auf, globalpolitisch.

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Warum sollte ich dazu ins Theater gehen? Warum gehe ich nicht einfach in den Wald oder an den See und gucke mir an, wie Wasser funktioniert? Oder warum sehe ich nicht einfach eine Doku oder lese ein Buch?

BK Ich finde immer, das Beste ist, man macht beides! Ich finde auch, man sollte in den Wald gehen. Im Theater haben andere noch mal eine Idee oder einen Gedanken verdichtet. Ich finde oft interessant und Kinder auch, anderen dabei zuzugucken, dass sie zeigen, was sie sich gedacht haben. Gar nicht immer nur aufgefordert zu sein: Mach doch selber. Meine Erfahrung, und die ist ja nun schon ganz schön lang mit Kindern, ist, dass sie auch wahnsinnig gerne mal zugucken oder mitkriegen: Was haben andere sich gedacht. Und daran dann teilhaben.

Die kommen aber hinterher ganz gerne auf die Bühne, oder?

BK Die kommen auch gerne auf die Bühne, ja. Die sitzen aber auch, und das ist der Moment, der die Eltern oder die Erwachsenen viel mehr wundert, die sitzen auch gerne eine halbe Stunde da und gucken einfach in eine Richtung zu. Das erwartet niemand.

Eine Darstellerin kniet direkt neben dem Wasser und schaut einem wegfahrenden Schüsselchen hinterher, in dem eine Figur aufrecht steht – eine Art Schemen, geschnitten aus einem Schwamm.
Minju Kim bläst mit dem Halm sacht unter Wasser, um Wellen und Strömung zu erzeugen. Dann können die Menschen in den Bötchen sich besuchen.

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Was ich am Ende sehe, ist, dass diese Sorgsamkeit, die im Stück da ist, sehr fokussiert zu gucken, dass die sich übertragen hat und dass das auch der Moment ist, den die Kinder so sehr lieben. Die lieben nicht nur, dass da jetzt mit Wasser gespielt wird. Die lieben auch, dass das in einem Tempo und mit einer Ausführlichkeit und mit einer Konzentration stattfindet, die sie ansonsten in der Welt nicht so oft haben.

CG Unsere Kinder sind ja schon ein bisschen älter, ab zwölf. Es ist ein anderes Erleben. Ein Buch lesen, eine Doku anschauen, das sind häufig Dinge, die ich auch allein mache. In einer Gemeinschaft etwas gemeinsam zu erleben und sich danach auch darüber auszutauschen: Haben wir überhaupt das Gleiche gesehen, auch wenn wir im gleichen Raum waren? Das ist noch mal ein anderer Zauber.

Findet denn so ein Austausch bei euch im Theater statt? Macht ihr Publikumsgespräche?

CG Teilweise ja. Dieses Stück ist erst seit dem Sommer auf der Bühne und es gab noch kein geführtes Gespräch.

Man sieht die Bühne im Dunkeln mit vielen Aktionsorten. Rechts steht jemand, der für guten Ton sorgt. Links und in der Mitte sind Szenen im Modellbau aufgebaut. Ein Bildschirm überträgt als ausgedachtes Fernsehbild, was eine Kamera in der Mitte filmt: Eine Figur mit Bauhhelm erzählt von einer fiktiven Außenschalte.
Das Armada-Theater zeigt eine ausgedachte Fernsehshow rund ums Thema „Wasser“ – und landet dabei schnell beim Thema „Klimakrise“. Das Stück hatte im Sommer 2021 Premiere und ist für Jugendliche ab zwölf Jahre gedacht.

Was hast du denn im Foyer aufgeschnappt?

CG Oft kriegt man mit, dass Jugendliche sich von Popcharakteren angesprochen fühlen. Wir haben gespielte Werbesequenzen, die die dann total feiern, oder Songs, die sie dann singen, oder wenn es ein Humor ist, der ihnen auch nahe liegt, dann nehmen die das auch auf. Und dann, eher in ruhigen Gesprächen, tauchen die Fragen auf: Wie sieht unsere Welt eigentlich aus? Was machen wir mit der Welt und was können wir ändern? Jugendliche oder Kinder, die dann zu den Eltern sagen: Und jetzt fahren wir ausgerechnet mit dem Auto nach Hause… anstatt mit der Bahn zum Beispiel. Deswegen: Je mehr Generationen im Publikum sitzen, desto besser. Oft sind es auch ältere Generationen, die denken: Was haben wir da eigentlich gemacht? Die auch in diesem „Wir“ sprechen. Was geben wir unseren Kindern eigentlich mit? Das kommt viel.

Mit dem Wasserstück ab zwölf Jahren hatte ich ein paar Probleme. Ich durfte ja eure dokumentarische Videoaufzeichnung davon sehen und ich hatte den Eindruck: Ich sehe ein Stück über Natur und die Moderatorin der gespielten Fernsehshow zum Thema „Wasser“ ist eine ganz stereotype Figur aus Plastik. War das eine Setzung, ein Pop-Element, oder wo kommt das her?

CG Da ist ganz viel Spielzeug, was übrig ist, das den Weg in die Inszenierung gefunden hat. Mit was spielen Kinder? Mit den Puppen, mit den Figuren, und so wurde sie dann unsere Moderatorin.

Eigentlich war unser Wunsch, sie nicht stereotyp zu machen. Wir hatten anfangs überlegt, ein weißer Mann wird ein Moderator, ein bisschen überheblich, der gar nicht mitkriegt, wie es um die Welt steht und das kam uns dann so… – Warum braucht man jetzt noch einen weißen Mann, der es nicht checkt, ganz blöd gesagt.

Bobby ist eine weibliche Barbie-Puppe im grünen Glitzeranzug und mit Fliege. Sie wird gefilmt und die der Film auf der Bühne auf eine große Leinwand projiziert.
„Bobby“ moderiert die fiktive Fernsehshow rund ums Wasser.

Für das Stück muss man viel wissen, um folgen zu können: die Geschichte des ausgetrockneten Aralsees zum Beispiel. Dann muss ich wissen, was Pestizide sind. Ich muss verstehen, dass mit einem Kraftwerk Strom hergestellt wird, dass ich dafür eine Staumauer baue, dass dafür Leute umgesiedelt werden und dass die dann aber auch brechen kann. Und dann habe ich gedacht: Wow, das sind aber wahnsinnig viele Fachbegriffe! Und wie wirkt das auf Jugendliche, das würde ich gerne wissen.

CG Auch wenn man nicht alles versteht, man nimmt doch etwas mit. Ich weiß, wir packen da teilweise sehr viel rein, sehr viel Wissen, auch sehr viel Unterschiedliches. In dem einen Moment ist man am Aralsee, im anderen Moment geht es um virtuelles Wasser. Ich vertraue darauf, dass gerade Jugendliche gut trainiert sind, unheimlich schnell zu konsumieren, auch Wissen. Allein TikTok-Videos gehen so schnell rum oder auch YouTube-Videos. Wenn sie etwas triggert, dann nehmen sie sich das auch mit. Wenn nicht, dann lassen sie es weiterziehen. Ich erhebe nicht den Anspruch, dass jedes dieser Themen einem Jugendlichen alles erklären muss. – Ich fühle mich sehr oft sehr dumm, wenn ich mit Jugendlichen spreche. Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich nicht so viel gewusst. Und so gut argumentiert. Das finde ich immer wieder beeindruckend.

BK Ab zwölf, ab 13 Jahren – das ist auch wieder ein Alter, das man gar nicht unterschätzen darf. Ich glaube, dass es bei dem Stück sehr stark über den Spaß an dem Spiel geht mit den Gegenständen und mit dem Material, was euch vor die Füße gefallen ist oder was ihr gefunden habt. Dann kommt man an dieses Thema auch wieder anders ran. Es geht ja dann recht schnell nicht mehr nur um Wasser, sondern auch um Klimawandel. Das ist ein Thema, bei dem jeder Zwölfjährige schon mal abends im Bett gelegen hat und gedacht hat: Werde ich sterben? Oder: Wer stirbt zuerst? Natürlich fährt das bei denen ein. Dann sind die mit zwölf irgendwo, wo sie einen anderen Zugang schon erreicht haben und froh sind, wenn es Leute gibt, die das mit ihnen verhandeln wollen.

„Wir sind da, um uns gemeinsam Gedanken zu machen.“

Wie kann ich das denn verhandeln? Als in eurem Stück diese Staumauer langsam löchrig wurde und durchbrach, dachte ich: Stell dir vor, jemand, der die Flut erlebt hat, sitzt in einer Vorstellung… Wie kann man Natur und Klimakatastrophe auf die Bühne bringen? Muss ich das überhaupt?

Ein Darsteller tippt vorsichtig mit der Fingerspitze in die ruhige Wasseroberfläche und beobachtet, wie die kleinen Wellen Schatten werfen.
Michael Lurse spielt in dem Stück „Ha zwei Oohh“ für Kinder ab zwei Jahren mit Wellen aus Wasser und aus Licht.

BK „Ha zwei Oohh“ ist gar nicht entstanden im Zusammenhang mit Ökologie. Es ging darum, dem Material zu folgen. Dann sind aber die Jahre vergangen, wir haben diese Stücke sehr viel gespielt, und dann habe ich auf einmal gedacht: Eigentlich positionieren wir uns auch sehr klar in diesem Zusammenhang. Dabei stand an erster Stelle ursprünglich: Die Sinnlichkeit interessiert uns. Der Zugang für die ganz kleinen Kinder zur Wahrnehmung von Welt. Auf einmal ploppte das auf. Und steht auch noch im Zusammenhang mit dieser Diskussion um Ökologie.

Ich denke also schon: Natürlich sollen wir darüber reden. Natürlich braucht es immer diesen Zugang: Wir konfrontieren euch jetzt nicht nur damit. Sondern wir sind da, um uns gemeinsam Gedanken zu machen. Ein Vertrauensmoment. Irgendwas müssen wir ja auch tun. Sorgen machen die sich sowieso. Entweder wir sind da oder wir sind nicht da. Dann ziehe ich vor, dass wir da sind.

CG Auf jeden Fall. Ich hab auch tatsächlich so oft das Gefühl: Ich möchte gerne mehr machen – aber wie kann ich das eigentlich? Wir wissen, was es bedeutet, wenn ich das kaufe, wenn ich das esse, und wenn ich dorthin fliege – wir wissen das alles. Warum fällt es uns so schwer, das zu ändern? Das ist, was mich antreibt, mich immer wieder auch damit auseinander zu setzen, mit dieser Thematik.

Weil du die Flut auch angesprochen hattest: Wir haben viel über unser Ende diskutiert. „Ist das zu krass? Können wir das so zeigen?" Da gibt es zum Beispiel ein Bild, wo alles überflutet ist und wir als Figuren vor Häusern unter Wasser stehen. Zwei Wochen nach der Premiere kamen dann die Überflutungen, der Starkregen. Das hat uns im Team alle erschüttert. Wie wichtig das ist, darüber dann auch zu sprechen, auch ein Forum zu bieten, was nicht Schule ist, was nicht unbedingt Fridays for Future ist. Es muss auf verschiedenen Ebenen gesprochen werden darüber. Auch mit Kindern, die vielleicht noch nicht so sensibilisiert sind oder die noch andere Fragen haben. Die man vielleicht anders erreichen kann im Theater.

Eine Darstellerin bewegt eine Puppe durch eine Modell-Landschaft, ein Darsteller filmt die Szene.
Diese Figur gibt der Moderatorin innerhalb der fiktiven Fernsehshow ein Interview zu einer Staumauer, die gerade gebaut wird. Während des Interviews wird etwas Erschreckendes passieren…

Wenn ihr euch jetzt entscheidet, ich zeige eine Dystopie – was sind die Mittel, mit denen das möglich ist?

CG Wir haben bewusst gewählt, dass eine Welt, die wir zu Beginn in Harmonie und Gleichgewicht gezeigt haben, später noch mal gezeigt wird. Wie es in 50 Jahren ist, wenn es wirklich so weiter geht mit der Klimaerwärmung: Das Wasser ist knapp, es wird privatisiert, es wird bewacht, es ist versiegt oder es ist verschmutzt, die Städte sind unerträglich heiß, es gibt zu wenig Trinkwasser, Day Zero ist eingetreten. Genau in dieser Szene haben wir überhaupt keine Sprache verwendet, sondern nur die Bilder gezeigt. Danach war uns aber auch wichtig, dass die Moderatorin Bobby, die im Dialog mit ihrem Zukunft-Ich ist, trotzdem sagt: Ja, man hätte auch was ändern können. Das finde ich, ist der Kern: So weit muss es vielleicht nicht kommen. Was können wir tun?

„Was können wir tun?“

Wo ist die Grenze zum Aktivismus? Und ist das okay, die zu überschreiten? Ich denke an die Passage, wo ihr über Arm und Reich sprecht und die Verteilung von Wasser. Wer es jetzt hat und wer dafür bezahlen muss und es vielleicht nicht kann.

CG Findest du das problematisch in diesem Sinne oder…

Ich denke darüber nach…

CG Aber es ist ja de facto so. Dass es Menschen gibt, die sich Wasser nicht leisten können, und andere, die damit richtig viel Geld verdienen. Das zu benennen, finde ich auch wichtig, gerade in diesem gesamten Komplex Wasser. Wo man ja eigentlich denkt: Wasser ist Natur, Wasser gehört jedem, Wasser ist überall, wer kann es denn besitzen? Dass Menschen kommen und sagen: Es gehört jetzt mir und ich verkaufe es dir – das ist etwas, finde ich, worüber man sprechen sollte.

Ein Schauspieler hat einen Eimer Wasser an beiden Seiten gepackt und stellt ihn mit Schwung auf den blauen Bühnenboden. Das Wasser schwappt – auch mit Schwung – heraus.
Wasser – ein lebendiges Element!

BK Ich finde diesen Aktivismus ja eher gut und wichtig, dass der sich auch noch verstärkt. Wenn ich seit 15 Jahren Stücke mit Naturmaterialien mache, dann stehe ich da in einem absoluten Schulterschluss mit Jugendlichen oder anderen Menschen von Fridays for Future. Wir müssen öffentlich darüber nachdenken. Ich denke, es braucht auch immer wieder noch Kraft aus verschiedensten Ecken, so eine Bewegung. Wir, die wir Theaterstücke machen, die in diesem Umfeld stattfinden, wir haben laut zu sagen, dass wir aus der gleichen Ecke kommen und dass wir das Gleiche meinen.

Vielen Dank für das Interview.

***

Das Helios-Theater hat zu seinem Stück pädagogisches Material herausgegeben und hatte für sein kleines Symposium zum Thema „Berühren und Bewegen. Theaterstücke und Fachgespräche über Spiel, Theater und Natur“ auch einen Experten aus dem Bereich der Pädagogik und des Spiels eingeladen. Dagegen knüpft das Armada-Theater mit seiner Inszenierung thematisch fast nahtlos an das Vorgängerprojekt an, „One world is not enough“, in dem es um Ressourcenknappheit geht.

Kunst und Kultur tauschen sich schon länger darüber aus, wie man Natur und Klima auf der Bühne zeigen kann. Warum es nicht schwer ist, damit zu scheitern, hat Regisseur Tobias Rausch analysiert – der auch Biologie studiert hat.

Zu den Narrativen der Donau, den Geschichten, die um den Fluss herum erzählt werden, gibt es ein eigenes Forschungsprojekt.

Aussagen und Positionen der Gesprächspartner:innen repräsentieren deren eigene Auffassungen, die sich „Junges Theater“ nicht zu eigen macht.

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Christiane Enkeler

Christiane Enkeler

Christiane Enkeler arbeitet u.a. für öffentlich-rechtliche Sender zu Kultur, Bildung, Wissenschaft und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen in verschiedenen, auch kreativen Formaten und aus unterschiedlichen Perspektiven.


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Das Gegenwartstheater für Kinder- und Jugendliche grenzt sich schon lange nicht mehr strikt von einem Theater für Erwachsene ab. Publikum und Ensembles verhandeln gemeinsam gesellschaftlich Relevantes, philosophisch Tiefgehendes und sinnlich Bereicherndes. Hier findet sich dazu Fundiertes und Experimentelles, für Klein, Mittel und Groß, für Neugierige und Nerds, für Interessierte, Inkludierte, Intellektuelle und Intelligente.

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