Bauern sollten Vögel zählen ...

... und dafür bezahlt werden. Ein Kommentar

Christian Schwägerl

Der schleswig-holsteinische Bauernverband sorgt sich um die Vögel. Auf ihrer Facebook-Seite posteten die Interessenvertreter der Landwirte im Norden am Dienstag ein Video, das vor einem „Stummen Frühling“ warnt. Am Pranger: „Katzen mit Outdoor-Zugang“, die 220 Millionen bis 420 Millionen Singvögel pro Jahr töteten, wie es im Begleittext heißt.

Sind die Warnungen von Wissenschaftlern und Umweltverbänden, dass die Bestände vieler Vogelarten dramatisch zurückgehen, bei den organisierten Bauernvertretern angekommen? In der Facebook-Diskussion zitiert der Bauernverband sogar den sonst so unbeliebten Naturschutzbund Nabu als Quelle für die Zahlen. Der Plot im Katzenvideo ist etwas verworren, aber die Botschaft ist klar: In Wahrheit sind die Katzen schuld am Vogelrückgang und eben nicht die Bauern.

Es ist zu begrüßen, dass Landwirte sich aktiv in die Debatte über den Niedergang vieler Vogelarten einmischen. Aber leider gilt die Sorge, die hinter dem Facebook-Post steckt, eben nicht den Vögeln, sondern eigenen Interessen. Man will sich Forderungen vom Leib halten, die Landwirtschaft müsse mehr Rücksicht auf Vögel nehmen. Es handelt sich, – gerade weil es stimmt, dass Katzen dazu beitragen, die Wildvogelbestände zu dezimieren, – um ein Ablenkungsmanöver.

Vorgetäuschtes Vogelinteresse gibt es auch in anderen Bereichen: Sogar Donald Trump, der gerade in Amerika einen Großangriff auf das landesweite System der National Monuments unternimmt, hat sich schon als Naturschützer geriert – um Windkraftwerke schlecht zu machen.

LESEN SIE WEITER: Warum Landwirte die besten Freunde der Vogelwelt sein könnten.

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