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Schützt die Tuberkulose-Impfung vor schweren Covid-19-Verläufen?

Wegen der hektischen Suche nach Wirk- und Impfstoffen gegen das Pandemie-Virus darf es keine Engpässe bei der Versorgung von Kindern mit dem BCG-Impfstoff geben.

22.07.2020
4 Minuten
Eine Mutter hält ein Kleinkind in den Armen, eine Frau, eine Ärztin untersucht das Kind nach einer Impfung gegen Tuberkulose.

Das Immunsystem hat auf jeden Krankheitserreger eine Antwort. Es gibt kein Virus, kein Bakterium, keinen Parasiten oder Pilz, auf den nicht gezielt reagiert werden könnte. Milliarden Immunzellen mit Erkennungsstrukturen für molekulare Merkmale sämtlicher bekannter und (noch) unbekannter Störenfriede stehen bereit, um bei Gefahr aktiv zu werden und die Ausbreitung der Erreger einzudämmen.

Wegen ihrer Entstehungsorte im Körper nennt man diese Immunzellen T-Zellen – sie reifen in der Thymusdrüse, die hinter dem Brustbein liegt, heran – oder B-Zellen – sie entstehen im Knochenmark, englisch „bone marrow“. Die Lagerkapazität im Körper für diese unvorstellbar vielen Immunzellen ist begrenzt. Daher hält der Organismus nur ein paar Zellen mit identischer Erkennungsstruktur (Rezeptoren) bereit, die im Blut oder der Lymphe zirkulieren bzw. in den Lymphknoten positioniert sind.

Erkennt und bindet dieser Rezeptor aber während einer Infektion molekulare Bauteile des Eindringlings, wird die Immunzelle aktiv und fängt an, sich zu teilen. Aus einer Zelle werden innerhalb von sechs Stunden 2, nach 24 Stunden gibt es 16 Immunzellen und nach sieben Tagen stehen schließlich Milliarden der speziell auf diesen einen Krankheitserreger zugeschnittenen T- und B-Zellen bereit. B-Zellen produzieren Antikörper, T-Zellen töten virusinfizierte Körperzellen ab.

Wettlauf zwischen Virus und Immunabwehr

Während dieser ersten Woche vermehren sich jedoch nicht nur die Immunzellen, auch der Erreger tut es. Wie gut er sich durchsetzen kann, hängt davon ab, wie gut es ihm gelingt, die Hürde der angeborenen Immunabwehr – Schleimbarriere, Fresszellen, Natürliche Killerzellen, antimikrobielle Substanzen – zu überwinden. Ein Wettlauf zwischen Virus oder Bakterium und der Immunabwehr beginnt, dessen Ausgang darüber entscheidet, wie stark die betroffene Person erkrankt.

Starthilfe BCG-Impfung

Mit Hilfe einer Tuberkulose-Impfung versuchen einige Forscher in ein paar Studien weltweit gerade, den Wettlauf mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 zu Gunsten der Immunzellen zu beeinflussen. Ein vor knapp 100 Jahren von den französischen Ärzten Albert Calmette und Camille Guérin entwickelter Lebendimpfstoff, BCG (von Bacillus Calmette-Guérin), besteht aus abgeschwächten Bakterien und schützt (mit etwa 60% Effektivität) vor einer Ansteckung mit dem Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis. Schon seit ebenfalls 100 Jahren gibt es Hinweise, dass die BCG-Geimpften (besonders Kinder) nicht nur unempfindlicher gegenüber Tuberkulose, sondern auch gegenüber anderen Krankheitserregern sind.

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Dr. Ulrike Gebhardt

Dr. Ulrike Gebhardt

Ulrike Gebhardt ist Biologin, freie Journalistin und Buchautorin. Sie arbeitet unter anderem für die „Neue Zürcher Zeitung“ und „spektrum.de“. Anfang 2019 erschien ihr Buch „Gesundheit zwischen Fasten und Fülle“.


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Milliarden von Immunzellen liegen auf der Lauer, um unseren Körper vor äußeren und inneren Bedrohungen zu schützen. Ohne unsere Immunabwehr können wir nicht überleben. Dieses unglaublich vernetzte Schutzsystem beeinflusst alle anderen Körperfunktionen und Organe, das Gehirn, die Fortpflanzung, die Verdauung, den Schlaf.

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