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Sind Menschen, die Covid-19 überstanden haben, immun gegen das neuartige Coronavirus?

von
01.04.2020
3 Minuten

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

Kurzantwort:

Die meisten Menschen zeigen nach einer Covid-19 Erkrankung eine Immunantwort von mindestens mehreren Monaten Dauer. Allerdings ist unklar, ob und wie lange diese gegen eine Infektion schützt.

Erklärung:

Die Frage, ob Menschen nach einer überstandenen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus immun dagegen sind, ist aus mehreren Gründen wichtig: Wenn wir Antikörper gegen einen Erreger gebildet haben, sind wir für eine bestimmte Zeit vor ihm geschützt.

Die Kenntnis darüber, was für eine Immunantwort man braucht, um nicht infiziert zu werden, ist auch wichtig für die Entwicklung eines Impfstoffes, damit man weiß, nach welchen Immunantworten man beim Testen von Impfstoffkandidaten suchen muss.

Eine zusätzliche Bedeutung bekommt diese Frage, weil Antikörper aus dem Blut von Menschen, die eine Infektion überstanden haben, Erkrankten verabreicht werden können, um ihr Immunsystem zu unterstützen. Diese Therapieform ist bewährt. Über Blutspenden könnten Menschen, die Covid-19 überstanden haben, also akut Erkrankten helfen.

Das Immunsystem reagiert auf Sars-CoV-2 wie auf verwandte Erreger: Es bildet in enger Taktung spezielle Immunkörper aus, die eine körpereigene Abwehrlinie aufbauen und dem Körper helfen, sich an den Erreger zu erinnern.

Eine länger anhaltende Immunität wird allerdings dann verhindert, wenn der Erreger schnell mutiert, denn dann erkennt das Immunsystem den ursprünglichen Erreger eventuell nicht mehr. Wissenschaftler, die Sars-CoV-2 untersuchen, sind deshalb vorerst erleichtert, dass das Virus eher stabil zu sein scheint, was die Erfolgschancen für das Immunsystem und auch für die Impfstoffentwicklung erhöht.

Schützt eine überstandene Infektion, und wie lange?

Wie lange eine überstandene Infektion allerdings vor einer weiteren Infektion schützt, bleibt abzuwarten, alleine schon deshalb, weil es das Virus erst seit so kurzer Zeit gibt. Die mit Sars-CoV-2 verwandten saisonalen Coronaviren, die Erkältungen verursachen, scheinen nur für kurze Zeit immun zu machen, so dass man sich nach einem Jahr wieder anstecken kann. Beim noch enger verwandten Erreger Sars-CoV, der die Sars-Epidemie im Jahre 2003 auslöste, gibt es oft deutlich länger spezifische Antikörper. Unklar ist aber, wie lange dies auch vor Infektion schützt.

Für Sars-CoV-2 ergeben Studien bisher ein gemischtes Bild. Zwar gab eine Studie im März Grund zur Hoffnung, denn nachdem Rhesusaffen mit dem Virus infiziert wurden, schienen die Tiere schienen noch vier Wochen nach der Erstinfektion vor weiterer Infektion geschützt. Auch im Menschen fanden Forscher in New York in den meisten Fällen noch drei Monate nach Ansteckung Antikörper im Körper, die das Virus neutralisieren können. Dagegen stellte eine Britische Studie eine Abnahme der Antikörper drei Monate nach Ansteckung fest, und auch Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing berichtete Mitte Juli, daß bei vier von neun Ende Januar behandelten Patienten die neutralisierenden Antikörper deutlich gesunken waren. Insgesamt bleibt also unklar, ob und wie lange Menschen, die Covid-19 überstanden haben, immun gegen eine Zweitinfektion mit Sars-CoV-2 sind. (Andreas von Bubnoff)

Letzte Aktualisierung am: 19.08.2020

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