Wie aus einem Bild ein Kostüm wird.

Erklär-Gespräch in einfacher Sprache. Mit vielen Bildern.

© Birgit Hupfeld Ein kleiner Roboter in der Mitte eines blau beleuchteten Labors träumt von übergroßen Laborgestalten. "Die unglaubliche Geschichte des kleinen Roboterjungen" heißt das Theaterstück.

06.06.2020

Von Christiane Enkeler

Möchtest du selbst ein Kostüm malen, das später auf der Bühne eines Theaters gezeigt wird? Bis 15. Juni gibt es einen Malwettbewerb für das Theaterstück „Die unendliche Geschichte“. Ganz unten erfährst du, wie du teilnimmst. Der Wettbewerb ist für Menschen von sechs bis 14 Jahren.

Zwei weiße Sphinxen (geflügelte Löwinnen mit Menschengesichtern) bewachen ein Tor aus übereinander liegenden Felsen. Sie sitzen sich gegenüber. Der Held Atreju muss zwischen ihnen durchgehen. Der Boden um ihn herum ist übersät mit Knochen.
Bild von Sebastian Meschenmoser aus "Die unendliche Geschichte": Atreju steht am Felsentor.
© Sebastian Meschenmoser, Thienemann-Verlag 2019

An einem Kostüm arbeiten viele Menschen. Das ist Hannah Brüggemann.

Hannah und ihre Kolleginnen und Kollegen schneidern Kostüme.

Hannah Brüggemann bei sommerlichem Wetter mit kurzärmeliger, dunkelblauer Bluse und blonden Haaren vor einem weiten Horizont.
Hannah arbeitet am Schauspielhaus Bochum. Sie ist Meister-Schneiderin.
© privat/Katharina Beckmann

Hannah hat ein Kostüm ausgesucht, das wir vorstellen wollen.

Ein kleiner Roboter in der Mitte eines blau beleuchteten Labors träumt von übergroßen Laborgestalten. "Die unglaubliche Geschichte des kleinen Roboterjungen" heißt das Theaterstück.
"Die unglaubliche Geschichte des kleinen Roboterjungen". Hier träumt der Roboterjunge gerade. Dabei sieht er die Forscher um ihn herum viel größer, als sie wirklich sind. Das ist ein Kostüm, das Hannah und ihr Team geschneidert haben. Hannah findet dieses Kostüm interessant.
© Birgit Hupfeld
Hannah: „Dieses Kostüm ist interessant. Wir mussten viel damit ausprobieren. Wir haben immer wieder geguckt, ob es wirklich funktioniert. Es war vor Kurzem noch auf der Bühne. Vielleicht kann sich jemand erinnern.“ 
Die Schauspieler Franziska und Markus spielen zwei Forscher. Als Forscher bauen sie ein künstliches Gehirn und geben es einem Roboterjungen. Sie spielen das als Theaterstück auf der Bühne.
Kostüme und Puppen kommen auf der Bühne zusammen: Die Schauspieler Franziska und Markus spielen zwei Forscher. Als Forscher bauen sie ein künstliches Gehirn und geben es einem Roboterjungen. Sie spielen das als Theaterstück auf der Bühne.
© Birgit Hupfeld

Das war „Die unglaubliche Geschichte vom kleinen Roboterjungen“ auf der Bühne:

Forscher wollten in der Geschichte mehr über das Gehirn herausfinden. Sie stellten zuerst ein künstliches Gehirn her. Das künstliche Gehirn bekam ein Roboterjunge. Aber dann wurde der künstliche Junge immer mehr wie ein echtes, lebendiges Kind. Und plötzlich waren die Forscher wie richtige Eltern.

Sue und Hannah haben zusammen an der Geschichte gearbeitet. 

Sue Buckmaster trägt auf dem Foto kurze, dunkelbraune Haare und eine schwarze Brille. Sie ist gerade mit jemandem im Gespräch, von dem man nur einen kleinen Teil des Rückens sieht.
Das ist Sue Buckmaster. Sues Vater war Puppenspieler. Sue mag die Idee, sich Kostüme wie Puppen auszudenken.
© Stephen Lim

Sue war die Chefin. Sie hat entschieden, was auf die Bühne kommt und was nicht. Sue hat „Regie geführt“. „Regie führen“ heißt, dass man alle Kolleginnen und Kollegen dazu bringen soll, gute Ideen zu haben. Die Ideen sollen zusammenpassen. Dafür sorgt Sue. Das ist ihr Beruf.

Hannah hat dafür gesorgt, dass aus den Ideen echte Kostüme werden. Sie hat zum Beispiel die Stoffe ausgeschnitten und zusammengenäht. Das hat sie zusammen mit ihren Kolleginnen gemacht.

Ich habe Sue und Hannah Fragen gestellt und sie um Bilder gebeten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Sue: "Der Roboterjunge ist nicht nur ein „Ding“. Langsam versteht er immer mehr. Er denkt über sich selbst nach. Er bekommt Gefühle: Freude. Oder Angst. Er fängt an zu träumen. In seinen Träumen bedrohen ihn die Forscher. Sie werden größer und größer. Wenn du das Stück siehst, sollst du auch sehen, was der Junge sieht. Deswegen sind die Forscher so groß."
Ausschnitt aus einem Foto, das vor allem das Kostüm zeigt. Breitbeinig steht der Forscher auf der Bühne. Sein Kopf ist ein großer, blauer Luftballon. Eigentlich ist es ein aufgeblasener Labor-Handschuh. Aber das sieht man von vorne nicht so gut.
Hier siehst du noch mal das Kostüm ganz nah. Es ist wirklich groß. Es ist sogar größer als die Schauspielerin. Wie kann das sein?
© Birgit Hupfeld (Ausschnitt von CE)

Seid ihr ganz allein auf die Idee gekommen? Oder hat euch jemand geholfen?

Sue: "Wir haben mit richtigen Forschern gesprochen. Die haben uns erklärt, wie man träumt. Danach wollten wir, dass der Roboterjunge auf der Bühne träumt. Wir haben auch mit Schulkindern gesprochen. Sie haben uns Träume erzählt – Träume, die die echte Welt übertreiben. In denen alles noch größer ist.
Dann haben wir zusammen ausprobiert: Jimmy, der sich den Text ausdenkt. Jo, die sich die Kostüme ausdenkt. Dick, der Film macht. Meine Assistentin Charli, ich und alle Schauspielerinnen und Schauspieler. Zusammen sind wir dabei auf die Kostüme gekommen: Weiße Kittel tragen viele Forscher im Labor. Ein Labor ist der Arbeitsplatz von vielen Forschern. Die Köpfe, das sind sehr große, aufgeblasene Labor-Handschuhe."
Kostüm-Entwurf Theatre Rites /Joanna Scotcher: vier unterschiedlich große und umfangreiche Gestalten in weißen Laborkitteln und mit Köpfen aus aufgeblasenen Laborhandschuhen.
Wie ein Kostüm entsteht: Jo macht ein Bild. So stellt sie sich die Kostüme vor. Das Bild nennt man „Figurine“.
Kostümentwürfe/Figurinen von © Theatre Rites /Joanna Scotcher.

Warum sehen die Kostüme so verrückt aus?

Sue: "Träume sind verrückt! Wir haben uns die Kostüme wie Puppen für den ganzen Körper gedacht. Der Roboterjunge war ja auch eine kleine Puppe".
Eine junge Frau steht leicht gebückt und trägt auf dem Rücken ein Gestell. Mit der rechten Hand hält sie es an einer Stange fest. Über ihrem Kopf schwebt eine Spirale (auf dem Gestell). Ganz oben sitzt ein zweiter, künstlicher Kopf aus einem aufgeblasenen Labor-Handschuh.
Naomi hat ein vorläufiges Kostüm gebaut und zeigt es.
© Sue Buckmaster

Müssen die Schauspielerinnen und Schauspieler alles tragen, was ihr euch ausdenkt?

Sue: "Wir haben zuerst nur ein vorläufiges, schnelles Kostüm gebaut. Das haben sie anprobiert und wir haben zusammen geguckt, ob das gut funktioniert. Dann hat Jo aufgemalt, wie wir es am Ende alle wollten. Wir haben die Bilder Hannah und ihrem Team gegeben, damit sie die Kostüme machen. Einmal jede Woche haben wir sie ausprobiert. Die Schauspieler mussten lernen, sich im Kostüm zu bewegen. Das haben wir richtig geübt. Die Bewegungen waren genau überlegt und immer gleich. Die Handschuh-Köpfe haben ja keine echten Augen. Trotzdem muss man verstehen, wohin sie gucken. Man muss verstehen, was sie wollen."
Links sieht man ein Foto von dem Kostüm. Rechts in der Zeichnung kann man erkennen, dass unter dem weißen Kittel des Kostüms jemand die Hand hoch strecken muss, um ganz weit oben den aufgeblasenen Labor-Handschuh zu halten. Wie ein Kopf schaut er oben aus dem Kittel. Von dem Schauspieler sieht man nichts mehr.
So sollen die Kostüme aussehen. Das Bild ist von Jo. Ihren Beruf nennt man „Kostüm-Bildnerin“.
© Foto Hannah Brüggemann / © Figurinen Theatre Rites/Joanna Scotcher
Hannah: "Wir mussten überlegen, wie wir die Form hinbekommen."

Ihr habt viel fantasiert. Aber ihr musstet auch überlegen, wie das auf der Bühne funktioniert.

Sue: "Die Kostüme durften nicht kompliziert sein. Sie mussten leicht sein und den Schauspielerinnen passen. Sie brauchten ein Guckloch zum Durchsehen. Es gab vier sehr verschiedene Kostüme, damit es interessant aussah."
Vier unterschiedlich große Kostüme für die Forscher.
Wie ein Kostüm entsteht: Jo gibt ihre Bilder Hannah, der Schneiderin. Hannah arbeitet mit ihrem Team dann weiter daran.
© Figurinen Theatre Rites/Joanna Scotcher
Hannah: "Die Schauspieler müssen die Kostüme schnell an- und ausziehen können. Deswegen haben wir eine Grundform für jeden gebaut, mit Stangen und Bändern."
Zeichnung zum Aufbau eines Forscher-Kostüms.
Wie ein Kostüm entsteht: Hannahs Kollegin hat überlegt, wie man die Kostüme jetzt auch wirklich bauen kann. Sie hat eine Skizze angefertigt.
© Hannah Brüggemann (Zeichnung aus dem Team der Gewandabteilung Schauspielhaus Bochum)
Hannah: "Eine Kollegin hat einen Plan für jede Figur gemacht. Dann haben die Schauspieler die Kostüme anprobiert."
Ein Schauspieler steht in einem Kegel aus Stangen - wie in einem hohlen Weihnachtsbaum. An einer Hand hält er einen aufgeblasenen Labor-Handschuh hoch.
Wie ein Kostüm entsteht - auch Anproben gehören dazu. William ist Schauspieler. Er probiert das Kostüm.
© Hannah Brüggemann
Hannah: "Wir haben geguckt, dass jedes Kostüm passt. Wo muss die Hand von dem Schauspieler hin, um den Handschuh-Kopf zu halten? Außerdem sollten die Forscher auch unterschiedlich aussehen. Dann haben wir alles mit Watte überzogen. Jetzt konnte man die Stangen von außen nicht mehr sehen."
Hannah hat von unten in den Kegel hineinfotografiert. Außen liegt jetzt eine weiße Wand aus Watte. Man kann nicht mehr hindurchsehen.
Wie ein Kostüm entsteht - Hannah vom Theater Bochum erklärt: „So sieht das Kostüm von innen aus.“
© Hannah Brüggemann
Hannah: "Am Schluss fehlten nur noch die weißen Kittel. Die bestehen aus Stoff-Teilen. Diese Stoff-Teile haben wir zusammengenäht. Man schneidet sie erst mal aus Papier aus."
Hannah hat für das Foto einzelne Papier-Teile auf den Tisch gelegt.
Das ist ein Papier-Muster für das vorläufige Kostüm. Man legt die Papier-Teile auf den Stoff und schneidet ihn danach aus. Das Kostüm näht man dann mit den ausgeschnittenen Stoff-Teilen.
© Hannah Brüggemann

Die Schauspieler haben auch etwas zum Kostüm zu sagen?

Sue: "Es ist wichtig, dass sie sich wohl fühlen. Sie müssen auch genug sehen, damit sie sich sicher bewegen können und sich nicht verletzen."

Ihr wart bestimmt neugierig, die Kostüme auf der Bühne zu sehen!

Sue: "Wir haben uns jede Woche auf sie gefreut! Es hat Spaß gemacht herauszufinden, wie man mit den Kostümen spielen kann. Denn die Kostüme waren wie große Puppen. Jess, unsere Komponistin, hat auch eine Musik erfunden. Die Schauspieler haben die Musik und die Bewegungen gut gelernt. Die Bewegungen sind nicht so einfach in den großen Kostümen. Wir mögen das Ergebnis!"
Hannah: "Man ist immer gespannt, wie die Kostüme auf der Bühne sind. Ich fand sie sehr beeindruckend. Es wäre schön gewesen, die Kostüme ein bisschen länger auf der Bühne zu sehen."

Habt ihr einen Tipp, wie man in Stimmung für gute Ideen kommt?

Sue: "Ja! Spiel mit deinen Ideen. Fantasiere! Überlege nicht zu schnell, wie genau man das machen kann. Erst mal „rumspinnen“, das ist gut!"

***

Möchtest du auch ein Kostüm malen, das auf die Bühne kommt?

Das Theater in Bochum veranstaltet einen Malwettbewerb. Kinder dürfen Kostüme erfinden für „Die unendliche Geschichte“. Die Kostüme in dem Malwettbewerb sind für die Figuren, die in der Geschichte vorkommen. Hier sind sie beschrieben. Da kannst du dir eine oder mehrere aussuchen. Bis zum 15. Juni kannst du die Bilder noch einsenden. Das ist die Adresse:

Schauspielhaus Bochum

Cathrin Rose

Königsallee 15

44789 Bochum

Man darf die Bilder auch an der Pforte abgeben, direkt am Theater. Am 26. November soll die Aufführung mit den Kostümen dann zum ersten Mal dem Publikum gezeigt werden. 

***

Zum Weitergucken:

Die Theatergruppe von Sue kommt aus London und heißt „Theatre Rites“ („Theater-Riten“).

Die Schauspieler Markus Schabbing und Franziska Dittrich stehen neben der Puppe vom kleinen Roboterjungen auf der Bühne.
Die Puppe von dem Roboterjungen ist übrigens von © Stitches & Glue. Das ist Englisch und heißt: „Nadelstiche und Klebstoff“.
© Birgit Hupfeld
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