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Das Pandemic Silence Project: Dokumentieren Sie mit uns Orte der Lockdown-Stille

von
13.04.2020
5 Minuten
Das Bild zeigt Paris bei Nacht aus der Luft. Zu sehen ist das Netzwerk der beleuchteten Straßen.

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

Im Anthropozän ist die Erde von ständiger menschlicher Aktivität geprägt: Autos, Züge, Flugzeuge, Fabriken, Presslufthämmer und viele andere Geräusch- und Lärmquellen schaffen zusammen eine kontinuierliche „Anthropophonie“, wie der Klangökologe Bernie Krause es nennt.

Und jetzt das: Wegen eines nur 120 Nanometer kleinen Virus wird in sehr vielen Ländern das öffentliche und auch das wirtschaftliche Leben lahmgelegt, um eine unkontrollierte Ausbreitung der Krankheit Covid-19 zu verhindern.

So etwas hat es in der jüngeren Geschichte noch nicht gegeben, und der Lockdown hat überraschende Konsequenzen: In Indien sehen viele Menschen zum ersten Mal ihre Städte mir klarer Luft und vielleicht sogar die Berge des Himalaya in weiter Ferne. In Venedig sind die Kanäle deutlich sauberer als sonst in Zeiten des Massentourismus. In Berlin und anderen Städten werden Tiere gesichtet, die die menschenleeren Städte erkunden.

Radikale Änderung, neue Klanglandschaft

Es gibt keinen Grund, das zu romantisieren, denn die medizinischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie sind knallhart. Doch zugleich eröffnet uns der Lockdown ein Fenster in eine andere Welt, in der das Anthropozän verlangsamt, die Welt stiller ist. Von Regierungen aus gutem Grund dazu verpflichtet, uns auf das Nötigste und unser eigenes Viertel zu beschränken, können wir genau hinsehen und genau hinhören, was sich nun verändert.

Vor allem zum Hinhören möchten wir – Veronica Semeco und ich als Journalist von „AnthropoScene" – Sie mit unserem Projekt „Pandemische Stille“ einladen. Denn auch der Klang unserer Wohnorte, der Natur, ja der Klang des ganzen Planeten verändert sich in diesen Tagen radikal. Vielerorts ist es stiller. Aber was bedeutet diese plötzliche Stille für uns? Und was können wir aus dieser Stille lernen über den Einfluss, den wir zu normalen Zeiten auf den Klang dieses Planeten haben? Und nehmen wir nach dem Ende des Shutdowns manche Geräusche vielleicht anders wahr als vor der Pandemie?

Wir glauben, dass das globale Herunterfahren der meisten menschlichen Aktivitäten während der Pandemie eine einzigartige Chance ist, solche Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

Daher haben wir das „Pandemic Silence Projekt“ ins Leben gerufen.

Machen Sie mit – der upload link ist hier!

Teilen Sie mit uns Audios (oder kurze Videos) von Orten in Ihrem Umfeld, die stiller sind als sonst (oder nach dem Lockdown-Ende wieder lauter werden). Teilen Sie uns mit, was besonders ist an dieser Stille und was Sie darüber denken (oder was Ihnen nach dem Ende des Shutdowns an Klängen besonders auffällt). Wir entwickeln aus allen Einsendungen eine Klang-Collage der Pandemischen Stille. Und wir wollen später vergleichen, wie diese Orte klingen, wenn der Lockdown einmal zu Ende ist.

Außerdem wollen wir einige der Menschen, die Klänge beisteuern, dazu befragen, wie sie diese Veränderungen der Klänge erleben. Das Endergebnis soll eine kuratierte Sammlung der Klänge sein sowie Multimedia-Veröffentlichungen, unter anderem hier im Projekt AnthropoScene von RiffReporter sowie beim Journalismusprojekt South East Asia Globe in Phnom Penh, mit dem ich kooperiere.

Nehmen Sie in Ihrem unmittelbaren Umfeld – unter Beachtung der für Sie geltenden staatlichen Auflagen – einfach mindestens eine halbe Minute der „Klanglandschaft“ vor Ort auf. Sie können das entweder vor Ihrem Fenster machen oder an einem Ort in Ihrer Nähe, der momentan vielleicht ungewöhnlich leise ist (oder lauter oder einfach anders als sonst). Ausserdem brauchen wir noch ein Foto von dem Ort, an dem Sie den Klang aufgenommen haben; Ort, Datum und Uhrzeit der Klangaufnahme; und schliesslich noch einen kurzen Kommentar dazu, was zu hören ist, was an den Geräuschen und der Situation ungewöhnlich ist, wie Sie sich dabei fühlen und eventuell noch dazu, wie bei Ihnen gerade die Lockdown-Situation ist. Eine genauere Anleitung finden Sie weiter unten.

Der upload link ist hier; wir freuen uns auf Ihre Aufnahmen!

Über Veröffentlichungen zu diesem Projekt und andere Beiträge zum Anthropozän können Sie mit unserem kostenlosen Newsletter auf dem Laufenden bleiben.

Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie uns eine .

Andreas von Bubnoff

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Technische Tipps:

  • Machen Sie mit Ihrem Smartphone ein Foto von dem Ort, an dem Sie den Klang aufnehmen wollen. Bestimmen Sie den Ort, indem Sie Ihre Karten-App mit dem Finger berühren, bis Sie eine Stecknadel auf Ihren Ort setzen. Danach sollten Sie beim Herunterscrollen den Längen- und Breitengrad sehen, also zwei Zahlen (wie etwa 40.7560665, –73.9869285). Diese geben Sie später im Onlineformular ein (siehe unten).
  • Die Audioaufnahme sollte mindestens eine halbe Minute lang sein. Sie machen diese idealerweise mit einem digitalen Rekorder und Stereomikrophon, oder ebenfalls mit Ihrem Smartphone (auch hier falls vorhanden am besten mit einem externen Mikrophon).
  • Falls Sie ein Smartphone benutzen, nutzen Sie zur Aufnahme am besten eine eigens dafür entwickelte App, wie etwa „Voice Record Pro“. Ansonsten nehmen Sie das Ganze einfach auf als Video oder als „Sprachmemo“ (iPhone) bzw. „Diktiergerät“ (Android) für Audios.
  • Sichern Sie die Audiodatei nach der Aufnahme ab; bei „Voice Record Pro“ oder wenn Sie einen Video aufnehmen geht das in Ihrem Photoalbum; ansonsten tippen Sie die Aufnahme an und tippen auf das Symbol für „Teilen“. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, die Datei über eine Option wie „iCloud Drive“ zu sichern. Sie können dann vom Smartphone auf den Link des Onlineformulars gehen und die Datei übertragen.
  • Sie können die Audiodatei natürlich auch an sich selbst senden und später von Ihrem PC oder Mac aus in das Onlineformular hochladen. Dazu tippen Sie auf die Audiodatei auf Ihrem Smartphone und wählen eine Methode zum Teilen aus, beispielsweise über „Nachrichten“, eine Social-Media-App bzw. SMS oder „Mail“.
  • Bitte verändern Sie die Audiodatei nicht nachträglich, und laden Sie diese schließlich mit Photo und Ort, Datum und Uhrzeit der Aufnahme in unserem Onlineformular hoch.
  • Dort können Sie dann auch in einem Kommentar ergänzen, was zu hören ist, was an den Geräuschen und der Situation ungewöhnlich ist, wie Sie sich dabei fühlen und eventuell noch dazu, wie bei Ihnen gerade die Lockdown-Situation ist.
Dargestellt ist eine Frau, die ein Smartphone zu einer Aufnahme vor ihr Gesicht hält.
Wenn möglich machen Sie die Aufnahmen mit einem ansteckbaren Mikrofon und Schutz gegen Windgeräusche. Falls es nicht anders geht und die Bedingungen günstig sind, reicht aber auch eine Aufnahme mit dem Smartphone.

Zusatztipps für Experten:

  • Stellen Sie idealerweise vorher sicher, dass Sie bei der Aufnahmequalität über „Sprachmemo“ bzw. „Diktiergerät“ die Einstellung „verlustfrei“ auswählen bzw. als Dateityp „.wav“ wählen bei der Nutzung der „Voice Record Pro“ App bzw. eines digitalen Rekorders. Das heisst, dass die Aufnahmedatei nicht durch Kompression an Qualität verliert.
  • Stellen Sie sicher, dass es nicht allzu windig ist; falls doch, dann können Sie störende Windgeräusche durch einen pelzigen Windschutz (sog. dead cat) abmildern; auch Socken mildern das Ganze evtl. etwas ab.
  • Falls Sie einen digitalen Rekorder benutzen bzw. eine App wie „Voice Record Pro“, bei der Sie den Aufnahmepegel einstellen können, stellen Sie diesen nicht automatisch ein, sondern auf einen festen Wert, so dass die lautesten Stellen maximal –12 dB laut sind.
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Andreas von Bubnoff

Andreas von Bubnoff

Andreas von Bubnoff ist freier Wissenschaftsjournalist und Multimedia Producer. Er lehrt internationale Wissenschaftscommunikation und crossmedialen Journalismus an der englischsprachigen Hochschule Rhein-Waal in Kleve. Nach Biologiestudium und Promotion in Entwicklungsbiologie in Freiburg, Seattle und Irvine hat er eine Ausbildung zum Wissenschaftsjournalisten als AAAS Mass Media Fellow an der Chicago Tribune sowie am renommierten University of California Santa Cruz Science Communication Program gemacht. Danach war er editorial fellow bei Nature in Washington, DC und global health reporter in New York City mit Berichten aus aller Welt zu Infektionskrankheiten, u.a. aus Indien, Afrika, Südamerika, China und Südostasien. Andreas von Bubnoff hat in zahlreichen englisch- und deutschsprachigen Publikationen wie The Guardian, Los Angeles Times, Chicago Tribune, WIRED, The Atlantic, Nautilus, Quanta, Prevention, Science News, Nature, Frankfurter Allgemeine Zeitung, DIE ZEIT, und SonntagsZeitung publiziert und zu den Anthologien “The Best American Science and Nature Writing" (Houghton Mifflin Harcourt, 2008) und „The Biggest Ideas in Science from Quanta“ (MIT Press, 2018) beigetragen. Er ist Verfasser des Kapitels zu Recherche und Faktencheck im „Science Writers’ Handbook“ (Da Capo Press, 2013), das von deutschen und amerikanischen Universitäten als Lehrbuch benutzt wird. Für seine Multimedia-Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Grimme Online Award.


Anthropozän

Wir Menschen verändern die Erde so tiefgreifend und langfristig, dass der Planet auf Dauer von uns geprägt sein wird. Wir hinterlassen Spuren in der Tiefsee und der Ozonschicht, im Erbgut von Arten und im Weltklima. Keine Generation vor uns hatte so viel Macht über den Planeten. Und so viel Verantwortung. Naturwissenschaftler sprechen deshalb von einer neuen geologischen Erdepoche, dem Anthropozän. Unser Projekt „AnthropoScence" erforscht die Menschenzeit mit journalistischen Mitteln.

Unser Team: Petra Ahne, Andreas von Bubnoff, Tina Gotthardt, Benjamin Hennig, Uwe H. Martin, Christian Schwägerl. Sie finden uns auch bei Twitter und Facebook. Schreiben Sie uns gerne eine Nachricht:

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