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Vom Musterschüler zum Sorgenkind

Covid-19 in Tunesien

29.01.2021
5 Minuten
Eine Krankenpflegerin mit Kittel und Maske sitzt auf einem Krankenbett und schaut einen kleinen Roboter an.

Yves Souteyrand klang besorgt, als er am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des tunesischen Parlaments zu Gast war. Tunesien verzeichne nach Südafrika die zweithöchste Anzahl an Toten pro Einwohnerïn auf dem afrikanischen Kontinent, warnte der Repräsentant der Weltgesundheitsorganisation WHO in Tunesien. Im weltweiten Vergleich gehört Tunesien seit Januar zu den 50 Ländern mit den höchsten Todesraten. Was ist in den letzten Monaten passiert, nachdem Tunesien die Pandemie im Frühjahr trotz schwacher Gesundheitsinfrastruktur so gut im Griff hatte?

Umstrittene Grenzöffnung im Sommer

Nach einem ersten strikten Lockdown im Frühjahr hatte Tunesien sich noch selbst gelobt: „Wir haben Corona besiegt“, so die stolz verkündete Diagnose der Regierung Anfang des Sommers. Um den Schaden für die wichtige Tourismusindustrie, die nach Jahren der Krise gerade wieder an Fahrt aufgenommen hatte, möglichst gering zu halten, öffnete das Land seine Grenzen – mit strikten Protokollen für Hotels und Gäste, doch kaum überwacht für Individualreise. So gab es keinen einzigen bekannten Ausbruch in Hotels, dafür um so mehr in Familien, die Besuch aus dem Ausland hatten.

Denn im Sommer kamen nicht nur Touristen, es ist auch die Saison, in der am häufigsten und in großem Stil geheiratet wird. In Kombination mit dem islamischen Opferfest Ende Juli, bei dem ähnlich wie zum Beispiel an Weihnachten in Deutschland, viele Tunesierïnnen zu ihren Familien fahren, gingen die Fallzahlen wieder in die Höhe – zunächst nur langsam, dann immer schneller.

Bereits damals zeichnete sich nicht nur ein Konflikt zwischen Gesundheits- und Tourismusministerium, sondern auch zwischen dem wissenschaftlichen Beirat und der Regierung ab. Der tunesische Tourismus hatte sich 2019 nach Terror-Anschlägen und der Thomas Cook-Pleite im Vorjahr gerade wieder erholt, als die Pandemie ausbrach. Er steuert in Tunesien fast ein Zehntel zum Bruttoinlandsprodukt bei, mehrere hunderttausend Familien leben direkt davon. Angesichts einer Wirtschaftskrise und den sowieso schon schwer zu stopfenden Löchern im Staatshaushalt setzten sich im Sommer diejenigen durch, die wirtschaftliche Fragen in den Vordergrund stellten.

Späte Reaktionen im Spätsommer und intransparente Kommunikation

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Sarah Mersch

Sarah Mersch

Sarah Mersch berichtet als freie Korrespondentin aus Tunesien. Sie ist Mitglied von Weltreporter.net.


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