Stecker rein und fertig!

Balkonkraftwerke sind kleine Solaranlagen zum selber installieren. Lohnt sich das?

von Daniela Becker
6 Minuten
Das Bild zeigt ein Stecker-Solarmodul auf einem Balkon.

Seit knapp einem Jahr sind Balkonkraftwerke erlaubt. Über ein Kabel wird der selbst erzeugte Strom in das Stromnetz der Wohnung eingespeist und schon lässt sich damit das Handy aufladen oder der Kühlschrank betreiben.

Julia Verlinden sieht nicht aus wie man sich den typischen Guerilla vorstellt. Aber auf ihrem Balkon probte die energiepolitische Sprecherin der Grünen eine zeitlang eine kleine Rebellion. 2017 stellte sie dort ein sogenanntes Balkonmodul auf. Das sind Solarstrom-Paneele, die den erzeugten Strom über eine Steckdose direkt ins Hausnetz einspeisen. In der Wohnung lassen sich Elektrogeräte wie Waschmaschine oder Computer umweltfreundlich und kostengünstig mit dem Solarstrom betreiben.

Eigentlich ganz einfach – aber hierzulande lange nicht gerne gesehen. Während in Österreich und in der Schweiz der Einsatz kleiner Photovoltaik-Anlagen schon länger möglich ist, sehen viele deutsche Netzbetreiber solch kleinteilige Energiegewinnung und Einspeisung immer noch kritisch. Energiewende von unten? Das sei gefährlich, so ihre Argumentation. Sehr zum Ärger der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie und dem Stromversorger Greenpeace energy, die in diversen Untersuchungen zu dem Schluss kommen, dass die Leistung von solchen Solarmodulen bei weitem zu klein ist, um Überlastungen im Stromnetz auszulösen.

Verfechter solcher Mini-Kraftwerke haben deshalb den Begriff Guerilla-Photovoltaik geprägt. Nach langen Diskussionen in Expertengremien wurde Anfang 2018 schließlich die VDE-Norm für elektrotechnische Sicherheitsbestimmungen überarbeitet. Nun ist es grundsätzlich jedem erlaubt, steckbare Photovoltaikmodule direkt an normale Haushaltsstromkreise anzuschließen. Der Revoluzzer-Spirit ist dahin, dafür ist Strom auf dem Balkon zu erzeugen nun einfacher als Geranien großzuziehen.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig

Die fertigen Sets gibt es im Baumarkt oder online zu bestellen. „Das war wirklich ganz einfach: Auspacken, in die Steckdose und fertig“, sagt Verlinden. Das Modul kann entweder mit Hilfe einer entsprechenden Vorrichtung auf dem Balkon, dem Fensterbrett, der Terrasse, dem Dach des Gartenhäuschens und Garage aufgestellt oder auch an der Hausfassade montiert werden. Grundsätzlich bedarf es für Veränderungen an Mietwohnungen die Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft.

21 verschiedene steckbare Photovoltaikmodule listet das Fachmagazin Photovoltaik aktuell in seiner Marktübersicht auf. „Mit drei Modulen à 150 W mit einer guten Südausrichtung kann man etwa 15 Prozent eines Jahresverbrauchs eines typischen Vierfamilienhaushalts einsparen“, sagt Alexander Nollau, Abteilungsleiter Energy & Mobility von der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE).

Erzeugt das Stecker-Solar-Gerät mehr Strom als im selben Moment verbraucht wird, wird die Energie entweder abgeregelt oder ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Laut Rechtslage darf der Stromzähler dabei nicht rückwärts laufen, was bei herkömmlichen Zählern mit Drehscheibe unter Umständen passieren kann. In diesem Fall müsste eigentlich der Zähler ausgetauscht werden. Da es sich dabei aber nur um geringe Strommengen handelt, haben erste Netzbetreiber bereits signalisiert, dass sie den Zählerwechsel nicht zwingend für erforderlich halten, sofern nur ein Modul angeschlossen wird, informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bei elektronischen Zählern besteht das Problem des Rückwärtslaufen ohnehin nicht.

Der Anschluss eines Balkonmoduls muss dem zuständigen Netzbetreiber gemeldet werden. Wer ganz sicher gehen will, sollte vor dem Kauf dort anfragen. „Die Netzbetreiber vor Ort sind sehr unterschiedlich damit umgegangen“, erzählt Verlinden, die sowohl an ihrem Wohnsitz in Lüneburg als auch in Berlin ein solches Modul betreibt. Während es in Berlin kein Problem gegeben habe, hätte sich der Betreiber in Lüneburg lange gesträubt. „Die Normen können jetzt herangezogen werden, aber am Ende muss der Netzbetreiber entscheiden, was er in seinem Bereich zulässt und was nicht“, meint dazu der Experte Alexander Nollau.

Julia Verlinden, MdB und energiepolitische Sprecherin der Grünen Fraktion, sitzt auf ihrem Balkon. Im Hintergrund erzeugt ein steckbares PV-Modul Strom.
Julia Verlinden, MdB und energiepolitische Sprecherin der Grünen Fraktion, auf ihrem Balkon. Im Hintergrund erzeugt ein steckbares PV-Modul Strom.
Das Bild zeigt ein Fenster, bei dem anstatt Fensterladen rechts und links zwei Photovoltaik-Module angebracht sind.
Rechts und links des Fensters sind Mini-PV-Anlagen angebracht. Per Stecker werden sie mit dem Hausnetz verbunden.

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Daniela Becker


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