Hände weg vom Riedberger Horn

Ein Kommentar von Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Während die CSU in Berlin auch mit den Grünen über eine Koalition sondiert, übt sie sich – bundesweit wenig beachtet – in den bayerischen Alpen in ökologischer Steinzeit-Politik. Die Folgen für einen der wertvollsten Naturräume Deutschlands könnten gravierend sein. Die Rede ist von der sogenannten "Skischaukel" am Riedberger Horn im Allgäu. Das Skigebiet soll mit anderen Skigebieten verbunden werden. Eine Gondelbahn soll gebaut werden, ebenso eine neue Skipiste: Inmitten der durch den sogenannten Alpenplan streng geschützten Zone.

Der ökologische Schaden? Halb so schlimm, rechnet Bayerns Heimatminister mit höheren Ambitionen, Markus Söder, vor. Nur 0,04 Prozent der Schutzzone seien betroffen. Das aber ist Augenwischerei, denn der Schaden durch Skipiste und Gondelbahn ist aus zwei Gründen immens: Zum einen, weil durch das Vorhaben massiv weitgehend 80 Hektar intakte Naturräume zerstört würden. Nur ein Beispiel: Das Projektgebiet ist der Lebensraum für bis zu fünf Prozent aller Birkhühner in Deutschland. Vielleicht noch schlimmer ist aber der mit dem Vorhaben verbundene Tabubruch: Denn der Alpenplan, ein vor 45 Jahren ersonnener weitsichtiger Erschließungsplan für die bayerischen Alpen, galt bislang als unantastbar. Zu einer Zeit, als der Begriff der "nachhaltigen Entwicklung" noch bei den wenigsten zum Wortschatz gehörte, legte Bayern mit dem Alpenplan für ebendiese den Grundstein. In Bayern ist man bis heute mit Recht stolz darauf – und bisher wurde der Plan trotz mancher Verlockung nicht ein einziges Mal geändert.

Auch deshalb geht es beim Riedberger Horn um weit mehr als ein lokal umstrittenes Bauprojekt. Die Verwirklichung der Pläne würde einen Präzedenzfall schaffen, sie würde weiteren umwelt-, natur- und menschenfeindlichen Projekten des Massentourismus Tür und Tor öffnen und so letztlich die gesamten bayerischen Alpen in Gefahr bringen. Die bayerische Bevölkerung hat das begriffen. Nach einer repräsentativen Umfrage vom Januar wollen 90 Prozent der Menschen in Bayern, dass der Alpenplan nicht angetastet wird und bleibt, was er mehr als vier Jahrzehnte lang war: Ein Garant für den Schutz einer der wertvollsten Landschaften Deutschlands. Konservativismus im besten Sinne!

 Ein Verzicht auf die Baupläne am Riedberger Horn wäre zum Nutzen von Natur und Mensch. Denn es sind gerade die weitgehend unverbauten Landschaften, die Naturliebhaber, Wanderer und Familien heute anziehen und den Menschen in diesen Regionen eine Existenz sichern, jenseits der brutalen Zerstörung der Landschaft. Am Donnerstag stimmt der Bayerische Landtag in namentlicher Abstimmung über die Zukunft des Alpenplans ab. Es steht viel auf dem Spiel – nicht nur für Bayern.

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