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Countdown Erde 2020: Schicksalsjahr für Mensch und Natur

Der erste UN-Entwurf neuer globaler Ziele für den Schutz der biologischen Vielfalt bis 2030 liegt vor

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Aufnahme einer Industrieanlage aus der Ferne. Man sieht nur die Schornsteine deutlich. Sie pumpen Rauch in den orangefarbenden Himmel.

Die frisch angebrochenen 2020er Jahre werden es umweltpolitisch in sich haben. Nach Berechnungen von Klimaforschern entscheidet sich bis 2030, ob es noch gelingen wird, die Erderhitzung einigermaßen zu begrenzen. Und auch im Naturschutz steht eine Zeit der Entscheidungen an. Das macht der Entwurf für weitreichende Beschlüsse von knapp 200 Staaten deutlich, die sich Ende Oktober 2020 im chinesischen Kunming zur 15. Konferenz der Konvention für biologische Vielfalt treffen werden. Dabei geht es um nicht weniger als einen Masterplan zur Rettung der Natur und all dessen, was sie für uns Menschen leistet.

„Zero Draft" heißt das Dokument, das am Montag veröffentlicht wurde – auf der Webseite des Sekretariats einer von drei Konventionen, die 1992 beim legendären „Erdgipfel" ins Leben gerufen wurden. Die „Konvention über biologische Vielfalt", kurz CBD, soll die Teilnehmerstaaten hinter dem Ziel vereinen, sowohl einzelne Arten als auch ganze Ökosysteme zu erhalten.

Zero Draft – das steht für den Versuch eines Neuanfangs in der weltweiten Umweltpolitik. Denn die bisherigen Versuche, die fortschreitende Vernichtung der natürlichen Vielfalt aufzuhalten, haben bei weitem nicht gereicht.

Lebensgrundlagen sind kein Nischenthema

Das bisherige Scheitern im globalen Naturschutz haben zuletzt im Mai 2019 die Wissenschaftler des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) in warnenden Worten zum Ausdruck gebracht. Jede achte von geschätzt acht Millionen Tier-, Pflanzen-, und Pilzarten könnte den Forschern zufolge im Laufe des 21. Jahrhunderts verschwinden. Ganze Lebensräume wie Korallenriffe seien in ihrer Existenz bedroht. Mit ihnen würden auch Ressourcen für Ernährung, Medizin und Werkstoffe zerstört, die für das Überleben von Menschen wichtig sind.

Was kann eine UN-Konferenz in China daran ändern? Nach dem Erfolg der letzten Konferenz dieser Art zu urteilen, die 2010 im japanischen Nagoya stattgefunden hat: eher wenig. Mit großem Tamtam wurden damals zwanzig Ziele für den Naturschutz bis 2020 definiert – von denen die Menschheit aber den wenigsten auch nur näher gekommen ist. Größter Pluspunkt ist, dass Regierungen die Fläche der weltweit ausgewiesenen Schutzgebiete zu Land wie im Meer deutlich vergrößert haben.

Der Anteil von Schutzgebieten an der Landfläche ist von 9 Prozent im Jahr 1990 auf 15 Prozent heute gestiegen, im Meer von 1 Prozent auf knapp 6 Prozent. Bis 2020 sollen es 17 Prozent an Land und 10 Prozent im Meer sein. Doch ob die Natur in diesen Gebieten wirklich effektiv geschützt wird oder die dazu nötigen Maßnahmen hauptsächlich auf dem Papier stehen, ist noch offen.

Der Entwurf für den neuen Masterplan formuliert deshalb für 2030 nicht nur neue, noch ambitioniertere Ziele, sondern befasst sich auch mit der Frage, wie diese erreicht werden können. Deswegen enthält das Dokument auch eine „Theory of change".

Diese geht von der Annahme aus, dass Ziele nur dann zu erreichen sein werden, wenn der Schutz der biologischen Vielfalt endlich als Kern- und nicht nur als Nischenthema behandelt wird – von der Politik ebenso wie von Wirtschaft und Gesellschaft.

Schaubild des Planes zur Rettung der natürlichen Vielfalt.
So sieht der Plan zur Rettung der natürlichen Vielfalt aus: Bis 2030 soll der Umgang mit der Natur sich so verändert haben, dass bis 2050 ein „Leben in Harmonie“ mit ihr möglich geworden ist.
Fünf Erfolgsbedingungen für den globalen Schutz der natürlichen Vielfalt in verschiedenen Farben hinterlegt.
Erfolgsbedingungen für den globalen Schutz der natürlichen Vielfalt.
Fünf Ziele die im globalen Naturschutz bis 2030 verwirklich werden sollen. Die Ziele sind in verschiedenen Farben hinterlegt.
Diese Ziele sollen im globalen Naturschutz bis 2030 verwirklich sein, „X“ bedeutet, dass der Wert noch Verhandlungssache ist.