Streeck, Laschet, StoryMachine: Vom PR-Plan zum Exit-Rush – ein Update

Von Christian Schwägerl und Joachim Budde

John MacDougall/AFP Das Bild zeigt das Podium der Bundespressekonferenz in Berlin, wo immer die geladenen Politiker und anderen Gäste, die von Journalisten befragt werden, sitzen. Links sitzt RKI-Chef Wieler, rechts Jens Spahn, der spricht.

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

In unserem Beitrag vom 14. April 2020 haben wir beschrieben, wie der Bonner Virologe Hendrik Streeck als erster überhaupt in einem Corona-Hotspot ein Forschungsprojekt vor Ort begonnen hat – wie dieses Vorhaben dann aber im Zusammenspiel mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und der Kommunikationsagentur StoryMachine dazu eingesetzt wurde, um Stimmung für eine rasche Lockerung der Lockdown-Restriktionen zu machen.

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Seither ist sehr viel passiert – unter anderem hat das Magazin Capital von einem Masterplan berichtet, nach dem die Heinsberg-Studie kommunikativ gezielt dazu eingesetzt wurde, um die Lockerungsbeschlüsse anzubahnen.

In diesem Beitrag finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Entwicklungen.

13. April. Deutlich weniger medial bemerkt als die Stellungnahme der Nationalakademie Leopoldina veröffentlicht am Ostermontag die Helmholtz-Gemeinschaft, die von Bund und Ländern finanzierte Großforschungsorganisation mit zahlreichen Instituten im Bereich der Virologie und der Epidemiologie, eine Stellungnahme. Darin legen die Wissenschaftler drei Szenarien dar und raten zum dritten – dem strengsten, das eine Beibehalten restriktiver Auflagen für weitere zwei bis drei Wochen vorsieht, also keine Öffnung von Schulen und Läden: „Je strikter die Maßnahmen sind, desto schneller wird der Zielwert erreicht“, heißt es in dem Dokument.

Doch die Zeichen stehen nun auf Lockerung – maßgeblich befeuert von den Erwartungen, die der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet über die Ostertage geweckt hat.

Am 15. April beschließen Bund und Länder in einer Schaltkonferenz den Einstieg in Lockerungen. Die Bundesregierung und die MinisterpräsidentInnen bekräftigen zwar die Kontaktbeschränkungen, deren Fortsetzung die Helmholtz-Gemeinschaft und auch das Robert-Koch-Institut, die oberste Seuchenschutzbehörde des Bundes, am dringendsten empfehlen. Schlagzeilen macht aber der Einstieg in Lockerungen in Bereichen wie dem Einzelhandel und den Schulen. Medien und Politik diskutieren jetzt nicht mehr nur über die Durchsetzung der Kontaktsperren, sondern vor allem über die Inkonsistenz der Lockerungen. Warum keine Gottesdienste, wenn Schulklassen wieder zusammenkommen können? Warum müssen Geschäfte mit 801 Quadratmetern geschlossen bleiben, wenn die mit 799 Quadratmetern öffnen dürfen?

Michael Meyer-Hermann, einer der an der Helmholtz-Stellungnahme beteiligten Wissenschaftler und Leiter der Abteilung System-Immunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, kommentiert die Einscheidung negativ:

Korrekte Methoden, problematische Folgerungen

Unterdessen geht die Diskussion um die ungewöhnlichen Umstände der Veröffentlichung von Zwischenergebnissen der „Heinsberg-Studie" weiter. Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, und der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin, versuchen, ihre kritischen Äußerungen in einer Online-Veranstaltung des Science Media Center abzumildern und treten dem Eindruck entgegen, sie griffen die Arbeitsweise des Virologen Hendrik Streeck direkt an.

Krause nimmt eine frühere Äußerung zurück, dass Streeck und seine Kollegen unbedingt jeden untersuchten Haushalt wie eine einzelne Person hätten zählen müssen. Krause schrieb uns dazu: „Detaillierte Kommentare zur Methode der Studie in Gangelt wären allein auf Basis der derzeit vorliegenden Information verfrüht. Ich hatte am vergangenen Donnerstag [Anm: während des Pressebriefings des Science Media Centers am 9. April] deswegen auch nicht diese konkrete Studie bewertet, sondern auf allgemeine Aspekte bei Studien dieser Art hingewiesen. Aus Gesprächen mit zwei an der Studie beteiligten Kollegen aus Bonn habe ich jedenfalls keinen Anlass, Versäumnisse bei der epidemiologischen Methodik zu vermuten oder gar zu unterstellen. Über andere Aspekte der Studie haben wir nicht gesprochen.“

Streeck nennt Kritik „verletzend und haarspalterisch“

Ob er am Gründonnerstag das Gefühl gehabt habe, das sei der richtige Moment für die Präsentation, wird Streeck am 15. April im Bayerischen Rundfunk in „seinem“ Podcast, wie er die Sendung nennt, gefragt. Nicht er allein habe die Entscheidung getroffen, antwortet der Virologe: „Wenn ich da [Anm.: auf der Pressekonferenz in der Staatskanzlei] als Gesicht stand und als Initiator der Studie, waren viele schlaue Köpfe daran beteiligt.

Daher ist diese Kritik auch sehr verletzend und haarspalterisch, weil es einfach nicht stimmt. Und wir fanden als gebührte uns auch der ethische Anspruch, dass wir das früh und schnell präsentieren, weil es eben sich Rückschlüsse darauf ziehen lassen, wie die Letalität des Virus ist und wie das Virus einzuschätzen ist. Wir hätten natürlich warten können, so wie gefordert, auf ein langes Review oder einen langen Gutachterprozess, aber das wär’ in diesem Fall nicht zu rechtfertigen gewesen.“

Seine Verteidigung geht aber am wesentlichen Kritikpunkt vorbei: Wie schnell Streeck und seine Kollegen ihre Ergebnisse publizieren, ist ja ganz ihnen überlassen. Die Kritiker haben sich vor allem daran gestoßen, dass die Forscher bei der Präsentation der Studie in der Staatskanzlei am Gründonnerstag Hintergründe zur Durchführung weggelassen haben, ohne die man die Zahlen und ihre Aussagekraft gar nicht einordnen kann.

Deshalb konnten Außenstehende nicht beurteilen, ob die Empfehlungen die Streeck abgab und die Schlussfolgerungen die Armin Laschet aus diesen Zahlen zog, tatsächlich gerechtfertigt waren. Direkt vor den Osterfeiertagen und der Sitzung von Bundes- und Landesregierungen, auf deren weitreichende Beschlüsse diese Studie schließlich Einfluss haben würde, wären diese Informationen aber notwendig gewesen, um die Aussagen einordnen und bewerten zu können – vor allem in der Frage, wie relevant sie für die deutschlandweite Debatte sind.  

Auf die Nachfrage der BR-Journalistin Jeanne Turczynski, ob er ausreichend deutlich gemacht habe, dass die Daten aus Gangelt „nur in Teilen auf NRW und schon gar ganz Deutschland“ übertragbar seien, sagt Streck: „Die Pressekonferenz ist online, und auch was wir geschrieben haben, ist online, daher verstehe ich diese Kritik nicht. Da steht sehr eindeutig drin, dass die Dunkelziffer nicht auf ganz Deutschland übertragen werden kann, und es steht drin, welche Faktoren auf Deutschland oder auf andere Länder übertragen werden kann.“

Studie sei „repräsentativ“ – aber wofür oder wofür nicht?

In dem Zwischenbericht steht aber: „Es wurde eine repräsentative Stichprobe aus der Gemeinde Gangelt (12.529 Einwohner) im Kreis Heinsberg gezogen. […] Diese Stichprobe wurde auf ihre Repräsentativität abgestimmt mit Herrn Prof. Manfred Güllner (Forsa).“ In dem Papier steht weder, wofür die Stichprobe repräsentativ ist noch wofür nicht [zuletzt heruntergeladen am 17. April 2020]. In der Pressekonferenz hatte Streeck davon gesprochen, die Studie sei „repräsentativ” und sie in Bezug zu den für ganz Deutschland genannten Zahlen der John Hopkins Universität gesetzt. Erst sein Kollege Gunther Hartmann schränkte ein, dass in Gangelt eine Sondersituation bestehe.

16. April. Christian Drosten kommentiert am Abend n der Sendung „Maybrit Illner“ im ZDF die Diskussion um die Heinsberg-Studie deutlich pointierter als sein Kollege Krause: „Bei der Letalität gab es jetzt die Daten aus der Gangelt, wo man sagte, das ist viel geringer als man dachte. […] Ich glaube auch, dass man da sehr interessante Dinge aus der Studie raussehen wird. Es war natürlich ein bisschen blöd, dass das jetzt in einem so vorläufigen Status alles kommuniziert wurde, mit so wenig Hintergrundinformationen. Aber insgesamt ist das sicher eine extrem solide, robuste Studie, die ich da auch erwarte, also der Hendrik [Anm.: Streeck] hat mir da auch ein paar erste Einblicke gezeigt in die Daten, das ist richtig interessant. Es ist aber natürlich eine Hochprävalenzsituation, also eine ganz ausnahmsweise aufgetauchte Situation, die nicht für Deutschland, das haben die Kollegen aus Bonn auch dazu gesagt, dass das nicht für Deutschland repräsentativ ist, und man hat da einfach unheimlich viel Infektionsgeschehen.“

Er habe das Gefühl, dass die Abschlussstudie aus Gangelt/Heinsberg keine Überraschungen in Bezug auf die Sterblichkeit von Covid-19-Infizierten enthalten werde, sagt Drosten. Die Unterschiede zwischen den Quoten aus Gangelt und denen, die die Modellierer ihren Vorhersagen zugrundegelegt haben, seien klein gewesen. Auch die Antikörpertests hätten keine Überraschungen gebracht: „Die liegen jetzt nicht in einem Bereich, wo man schon sagt: ‚Wir sind da schon halb durch und wussten das nur nicht.‘“

Die Kernaussagen Drostens: Im Gegensatz zu den Aussagen von Ministerpräsident Laschet und Hendrik Streeck bei der Pressekonferenz hätten die Zahlen der Studie keine Aussagekraft für Deutschland als ganzes. Der Letalitäts-Wert, mit dem Streeck für Lockerungen argumentierte, sei nicht überraschend. Und ein Signal der Entwarnung könnten die Zahlen aus Gangelt nicht geben.

WHO-Protokoll empfiehlt längere Beobachtung für Corona-Studien

Zudem tauchen weitere Ungereimtheiten auf. Streeck und auch Laschet war es bei ihrer Pressekonferenz am Gründonnerstag sehr wichtig zu betonen, die Studie sei nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation für die epidemiologische Untersuchung der Corona-Pandemie erfolgt. Sie nannten dabei vor allem die Zahl der untersuchten Haushalte. Zu Frage, ob die untersuchten Fallzahlen zu gering gewesen seien, sagt Hendrik Streeck am 15. April im BR-Podcast: „Ich stimme übrigens nicht damit überein, dass die Stichprobe zu klein gewesen ist. Wir übererfüllen fast um das Vierfache das geforderte Protokoll von der Weltgesundheitsorganisation. Ich verstehe diese Kritik daran überhaupt nicht, weil es ist die allererste Studie, die jemals in dieser Art durchgeführt wurde, und es ist das erste Mal, dass wir uns auf Fakten berufen können. Es ist das erste Mal, dass wir uns auch mal mit Fakten und Zahlen beschäftigen können und nicht nur spekulieren müssen.“ 

Das maßgebliche Protokoll der WHO für sogenannte seroepidemiologische Studien vom 17. März 2020 enthält indes überhaupt keine Empfehlung zur Stichprobengröße. Es gibt in Punkt 4 lediglich an, wie groß der statistische Fehlerbereich abhängig von der Zahl der untersuchten Haushalte ist. Was in dem Protokoll aber steht, ist eine Warnung, dass für belastbare Aussagen über die Sterblichkeit durch Covid-19 eine „ausgedehnte Nachverfolgung nötig sein könnte“, um festzustellen, ob Erkrankte vielleicht mit Verzögerung verstorben sind. Die WHO empfiehlt also zu überprüfen, ob die Beprobung in Intervallen über einen längeren Zeitraum erfolgen muss, um zu aussagefähigen Ergebnissen zu kommen. Bei einer so kleinen Studie wie in Gangelt hätten nämlich schon ein, zwei oder drei Tote zusätzlich zu den sieben registrierten Toten einen erheblichen Einfluss auf die sogenannte „Letalität“, mit deren niedrigem Wert Streeck argumentiert hat.

Ergebnisse der Antikörpertests müssen bestätigt werden

Die Antikörpernachweise haben Streeck und seine Mitarbeiter mit einem sogenannten Elisa-Nachweis der Firma Euroimmun durchgeführt. Auch bei anderen Studien zu Antikörpern kommt dieser Test zum Einsatz. Die WHO empfiehlt in dem Protokoll, die Ergebnisse dieser Elisa-Antikörpernachweise durch sogenannte Neutralisationstests zu bestätigen. Dadurch kann man ermitteln, wie zuverlässig die Elisa-Tests die richtigen Antikörper nachweisen. Denn ein Elisa-Test auf SARS-CoV-2 zeigt lediglich eine Reaktivität an. Unter ungünstigen Umständen kann er auch auf Antikörper gegen andere Coronaviren reagieren. Für den Neutralisationstest gibt man Virus und das Blutserum, das man getestet hat, auf eine Zellkultur in einer Petrischale. Das Virus infiziert die Zellen und tötet sie ab. Wenn sich im Serum aber Antikörper befinden, neutralisieren sie das Virus und schützen den größten Teil der Zellen. Es entsteht ein charakteristisches Muster in der Petrischale. Diese speziellen Überprüfungsverfahren werden in Streecks Zwischenbericht aber nicht erwähnt, so dass die Zuverlässigkeit der Angaben nicht überprüft werden konnte. Erst später sagt Hendrik Streeck, diese Tests seien ebenfalls durchgeführt worden.

Während klar ist, dass Streeck sich als erster Virologe vor Ort im Landkreis Heinsberg durch die Suche nach empirischer Evidenz verdient gemacht hat, ist die Vermarktung der „Heinsberg-Studie“ im Kontext der Forderungen des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet nach einer schnellen Lockerung der Auflagen und im Dreieck von Wissenschaft, Politik und Interessen der Gründer von Storymachine sehr problematisch. 

Laschet hat am Gründonnerstag gesagt (Video, ab Minute 01:56):

„Man kann nicht erst kurzfristig entscheiden, jetzt ändern wir wieder die Restriktionen, sondern man braucht eine Begründung, eine fundierte Begründung, und deshalb haben wir diese wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, um am Beispiel des Kreises Heinsberg einmal zu ermitteln, welche Dunkelziffer gibt es, wie sind Übertragungswege gewesen, wie kann man an diesem Musterkreis, den es nirgendwo in Europa so konzentriert gibt wie im Kreis Heinsberg, wie kann man von dort aus zu Erkenntnissen kommen, die dann wieder für die Politik von Bedeutung sind.”

Davon bleibt nun, eine Woche später, nahezu nichts übrig. Die Heinsberg-Studie wird eine interessante Studie über Gangelt. Aber für die Entscheidung der Regierungschefs von Bund und Ländern wurde der Anspruch überragender wissenschaftlicher Relevanz nur vorgetäuscht.

Bundesgesundheitsminister Spahn gibt Entwarnung

Am 17. April um 10 Uhr tritt in Berlin Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor die Bundespressekonferenz. Spahn ist mit Streeck privat so gut bekannt wie Streeck wiederum mit StoryMachine-Mitgründer Mronz. Der Bonner Virologe gehört zu Spahns persönlichen Beratern in der Coronakrise.

Spahn tritt zusammen mit den Präsidenten der zuständigen wissenschaftlichen Bundesbehörden auf. Er sagt einen Satz, der viele aufhorchen lässt: „Der Ausbruch ist – Stand heute – wieder beherrschbar und beherrschbarer geworden.“  

In der anschließenden regulären Bundespressekonferenz von Regierungs- und Ministeriumssprechern bringt Regierungssprecher Steffen Seibert – ohne Spahn explizit zu kritisieren – zum Ausdruck, dass die entwarnenden Worte des Gesundheitsministers der Bundeskanzlerin zu weit gingen:

„Wir haben uns durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und auch der privaten Kontakte in den letzten Wochen gemeinsam eine Situation erarbeitet, in der wir ganz vorsichtig kleine Schritte der Öffnung gehen können. Aber wir sind nicht auf sicherem Grund. Es gibt keine Garantie dafür, dass die Infektionskurve weiter abflacht. Im Gegenteil: Es gibt durchaus auch Risiken. Wenn wir jetzt diese vorsichtigen, kleinen Schritte der Lockerung gehen, dann müssen wir diese Infektionskurve und das, was sie für unser Gesundheitssystem und für unsere Krankenhäuser bedeutet, beständig im Blick haben. […] Alle Fortschritte, die wir in den letzten Wochen durchaus erreicht haben – das ist ja auch heute hier noch einmal besprochen worden –, sind zerbrechlich.“ 

Rat für Public Relations untersucht Vorgehen von StoryMachine

Ebenfalls am 17. April rückt mit StoryMachine die Kommunikationsagentur hinter dem „Heinsberg Protokoll“ wieder in den Vordergrund. Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) hat einem Bericht des „PR Report“ vom 17. April zufolge beschlossen, die Aktivitäten der Firma wegen möglicher „Verstöße gegen das Transparenzgebot des Kommunikationskodexes“ zu untersuchen – ein Vorwurf, den der Anwalt der Firma zurückwies.

Zur Kritik an der Zusammenarbeit mit StoryMachine sagte Hendrik Streeck im BR-Podcast am 15. April: Er bekomme per Mail, über Twitter und Facebook täglich zig Anfragen von Bürgern und Medien.

„Das ist für einen Forscher, der mit Öffentlichkeit überhaupt nichts zu tun hat, kann man überhaupt nicht mehr mit umgehen. Auch unsere Presseabteilung, die sehr gut arbeitet, ist auch mit so vielen Anfragen vor allem an eine Person, am Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt. Ich wurde gefragt von einem Freund, ob er helfen kann. Da war nicht davon die Rede, dass das irgendeine Beeinflussung nehmen sollte oder sonst etwas, und das ist ein Firma, die dann gesagt hat, sie macht das pro bono. Nur um mit der Dokumentation zu helfen. Denn eine Sache war für uns klar: Wir wollen keine Medien da haben in Heinsberg. Wir sind da Gäste vor Ort, und wir wollen nicht mit Kamerateams, die uns hinterherlaufen, das Dorf oder die Gemeinde überrennen. Und so fanden wir diese Dokumentation auf der einen Seite durch StoryMachine hilfreich und auf der anderen Seite konnten wir auch den Bürgern zeigen, was wir eigentlich machen. Aber es hatte keine Einflussnahme von der Politik oder von sonst irgendwem, und alles, was am Ende gezeigt oder geschrieben wurde, wurde von uns abgesegnet.“ 

Capital berichtet über Masterplan von StoryMachine

Doch am Abend des 17. April publiziert die Zeitschrift Capital Details aus einem 22-seitigen Skript, das Autor Thomas Steinmann, dem das Papier vorlag, StoryMachine zuschreibt. Das Papier war offenbar an eine Reihe möglicher Sponsoren geschickt worden. Zusagen gab es dann von Deutsche Glasfaser und der Gries Deco Company. Der Bericht beschreibt, wie die Arbeit der Kommunikationsagentur von Anfang an – also bevor Ergebnisse feststanden – einem Masterplan folgte mit dem Ziel, mit den Ergebnissen für Lockerungen der Corona-Restruktionen zu werben.

Dem Beitrag zufolge war bereits ein Tweet, den Streeck am 4. April auf seinem persönlichen Account publizierte, mit StoryMachine abgesprochen.

Das interne Papier beschreibt also Capital zufolge, dass es sich beim „Heinsberg Protokoll” keineswegs nur um eine beobachtende Begleitung des Forschungsprojekts von Hendrik Streeck handelte. Vielmehr seien von Anfang an verschiedene Kommunikationsphasen mit „Zielen“ und „Messages“ definiert worden.

Zu Phase 1 gehöre es – berichtet Steinmann – darzustellen, die Studie sei „aufgrund der Sondersituation in Heinsberg repräsentativ für die Gesamtbevölkerung“. Phase 2 solle darin bestehen, die Ergebnisse zu kommunizieren und es zu ermöglichen, die bisherigen Beschränkungen „vielleicht schon bald neu zu bewerten“. In Phase 3 solle es darum gehen, mit dem Wissen „ein exaktes Vorgehen, einen Weg zurück zur Normalität“ zu beschreiben. Capital zitiert als Reaktion von StoryMachine Mitgründer Philipp Jessen, die Agentur habe bei ihrem Engagement „keine politischen oder geschäftlichen Interessen verfolgt“ und keinen Einfluss auf die Arbeit von Streeck genommen.

19. April. Helmholtz-Forscher Michael Meyer-Hermann kritisiert die Lockerungsdiskussion in der Sendung „Anne Will" mit noch deutlicheren Worten.

Doch zu spät. Nun wollen alle lockern. Laschet, Streeck, Mronz und alle anderen, die auf eine rasche Abkehr vom Lockdown hingearbeitet hatten, haben Erfolg. Laschet spricht sich im Interview der Woche des Deutschlandfunks dafür aus, auch Gottesdienste wieder zuzulassen.

20. April. In einer Schaltkonferenz des CDU-Präsidiums kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa) zufolge, die Botschaft vorsichtiger Lockerungen habe in einigen Bundesländern zu „Öffnungsdiskussionsorgien“ geführt. Dies erhöhe das Risiko eines Rückfalls sehr stark. Am späten Nachmittag des 20. April sieht sich Merkel zu einer ungewöhnlich deutlichen Intervention genötigt. Die Kanzlerin hat Angst, dass die Entwicklung aus dem Ruder läuft und die Erfolge des Lockdowns durch vorschnelle Lockerungen aufs Spiel gesetzt werden.

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