Krank nach der Impfung: Wie zuverlässig die Behörden seltene Nebenwirkungen finden

Noch immer schrecken viele Menschen vor der Corona-Impfung zurück. Sie fürchten den Pieks mehr als die Krankheit.

13 Minuten
Demonstranten halten ein Schild mit der Aufschrift „Wahrheit statt Propaganda“ hoch.

Der Sommer kommt, die Inzidenzen sinken, die Impfpflicht ist tot. Der Ukraine-Krieg verdrängt die Pandemie aus dem Bewusstsein. Doch noch immer fehlt etwa sieben Prozent der Menschen in Deutschland jeglicher Schutz gegen das Sars-Coronavirus 2. Wie kommt es, dass immer noch so viele vor der Impfung zurückschrecken und in Kauf nehmen, im Herbst oder Winter schwer zu erkranken? Eine Spurensuche.

Sich impfen zu lassen, war für die Wissenschaftsjournalistin Eva Wolfangel selbstverständlich. Auch ihre Tochter lässt sie bei erster Gelegenheit impfen. An einem Samstag im November 2021 nimmt sie die Zwölfjährige mit ins Impfzentrum. Nie zuvor hat das Kind Probleme mit der Gesundheit gehabt.

Am Sonntag ist noch alles in Ordnung. Doch am Montag kommt das Mädchen früher aus der Schule: „Meine Beine fühlen sich so komisch an“, sagt sie. „Ich fühle die nicht mehr richtig.“

Eva Wolfangel ist verunsichert. Als sie bei Google nur die beiden Worte „taube Beine“ eintippt, schlägt die Suchmaschine ihr sofort als Ergänzung „nach Impfung“ vor. Offenbar suchen viele Menschen nach diesen Symptomen.

Also ruft sie ihre Kinderärztin an. „Das kommt von der Impfung“, sagt die Medizinerin und rät ihr, ins Krankenhaus zu fahren. Dort aber erlebt sie eine Überraschung: Der Arzt stellt dem Mädchen Fragen: Ob sie hingefallen sei? Ob sie vor der Impfung gruselige Geschichten darüber gelesen habe?

Erst als Eva Wolfangel auf gründlichen Untersuchungen besteht, stellen die Ärzte fest: Die Nerven in den Beinen des Mädchens leiten die Signale schlechter als normal. Sie melden den Fall der Aufsichtsbehörde, dem Paul-Ehrlich-Institut.

Wäre Eva Wolfangel weniger hartnäckig gewesen, hätte das PEI wohl nie davon erfahren.

•••

Es sind Erfahrungen wie diese, die sogar Impfbefürworterïnnen ratlos zurücklassen. Erst recht ist es Wasser auf die Mühlen derjenigen, die die Impfungen in Bausch und Bogen ablehnen.

„Null Mangel an Information.“

Kann es sein, dass Ärztinnen und Ärzte zu wenig Impfnebenwirkungen melden? Dazu sind sie eigentlich gesetzlich verpflichtet. Und das PEI ist auf diese Meldungen angewiesen, um auch die seltenen schweren Nebenwirkungen der Vakzine zu entdecken.

Blick in ein Zimmer auf der Intensivstation: Menschen in Schutzanzügen und Mund-Nase-Masken legen einer älteren Patientin eine Sauerstoffmaske an.
Noch immer müssen viele Covid-Patientïnnen, denen der Impfschutz fehlt, auf der Intensivstation im Krankenhaus behandelt werden. [Symbolbild]

Die Menschen haben ja Angst.

Marcel Schorrlepp, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft hausärztlicher Internisten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.
Ein Mann mit Brille lächelt in die Kamera.
Marcel Schorrlepp, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft hausärztlicher Internisten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

Sorgen mache ich mir um die wenigen Patienten, die tatsächlich eine Impfwirkung haben und denen Unrecht getan wird.

Harald Prüß, Direktor der Abteilung Experimentelle Neurologie, Charité Berlin.
Eine Frau mit braunen Haaren lächelt in die Kamera.
Petra Dickmann, Expertin für Risikokommunikation von der Universität Jena.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Joachim Budde

Arndtstraße 12
53113 Bonn

www: https://www.joachimbudde.de

E-Mail: ich@joachimbudde.de

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Carina Frey