Workshop: Nachhaltig Mobil in meiner Stadt

Im Zentrum der Mensch - auf dem Weg zu einer zeitgemäßen Stadt- und Verkehrsplanung

Andrea Reidl Die Teilnehmer stehen in Dreier- und Vierergruppen vor den Flipcharts. Sie diskutieren, welche Alltagswege Pendler und Senioren täglich zurücklegen und welche Fahrzeugen sie dafür nutzen

Busy Streets - Auf neuen Wegen in die Stadt der Zukunft

Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt zurzeit in Städten. Schätzungen zufolge wird ihr Anteil 2050 auf rund zwei Drittel anwachsen. Auf dieses Wachstum sind die Metropolen und Ballungsgebiete jedoch überhaupt nicht vorbereitet. Während Innovationen in allen Bereichen den Alltag der Menschen verändern, bleibt das Straßenbild weitestgehend gleich - es wird nur immer voller. Immer mehr Menschen und Fahrzeuge rangeln um den wenigen Platz. 

So kann es nicht weitergehen. Trotzdem halten vielerorts die Entscheider in Deutschland noch immer an dem alten Modell der autogerechten Stadt fest. Weniger Autoverkehr erscheint ihnen als Verzicht. Dabei zeigt der Blick ins Ausland, dass die Menschen bereitwillig auf klimafreundliche Alternativen umsteigen, sobald es attraktive Angebote gibt. 

Der Richtungswechsel ist nicht leicht, denn er geht mit einem Perspektivwechsel einher. Für die Verkehrs- und Stadtplaner heißt das: Nicht länger das Auto, sondern den Menschen ins Zentrum ihrer Planung zu stellen. Der Mensch wird das Maß aller Entscheidungen. Darum geht es in meinem Workshop „Nachhaltig mobil in meiner Stadt“ mit dem Untertitel: „Is your city really made for you?“ - den ich im Rahmen einer Kooperation von RiffReportern und verschiedenen Landesbibliotheken bereits in Hamburg und München geleitet habe. 

Gemeinsam ans Ziel

Nach meinem Impulsvortrag analysierten die Teilnehmer in Hamburg und München die Alltagswege einzelner Stadtbewohner und was sie davon abhält, im Alltag das Rad, den Bus oder sonstige Angebote jenseits des Autos zu nutzen. Im zweiten Schritt entwickelten sie dann Lösungen für ein zentrales Problem. 

In Hamburg und München haben die TeilnehmerInnen in anderthalb Stunden in ihren Teams unter anderem Profile erarbeitet für: junge Frauen, Pendler, Geschäftsleute, die viele Meetings überall in der Stadt besuchen, Senioren, eine 17-jährige Schülerin oder einen Vater, der halbtags arbeitet, um seine beiden Kinder am Nachmittag zu betreuen. Obwohl die Ausgangssituationen in den Städten sehr verschieden sind, ähnelten sich ihre Ergebnisse. 

In Hamburg und München wünschten sie die TeilnehmerInnen unter anderem ein besseres ÖPNV-Angebot und eine neue Preisgestaltung nach dem Wiener Vorbild. Dort kostet das Jahresticket 365 Euro. Das ist extrem günstig. Die Preissenkung war damals eine politische Entscheidung der rot-grünen Wiener Stadtregierung. 

ÖPNV-Preise senken

Sie wollte, dass die BürgerInnen das Auto stehen lassen und auf den ÖPNV umsteigen. Das hat geklappt. Seit der Einführung werden 40 Prozent aller Wege mit Bussen und Bahnen zurückgelegt. In Hamburg sind es dagegen nur rund 20 Prozent.

Die Forderung der TeilnehmerInnen nach günstigeren ÖPNV-Tickets ist nachvollziehbar - vor allem für Hamburg. Das verdeutlicht der Blick auf die Tarife für Hartz-IV-Empfänger. Sie erhalten rund 35 Euro im Monat für ihre Mobilität. In Berlin kostet ein Sozialticket für die Tarifringe AB, also bis zur Stadtgrenze, 27,50 Euro im Monat. In München kostet ein vergleichbares Ticket 30 Euro und in Hamburg 66,10 Euro. In Hamburg kann sich ein Hartz-IV-Empfänger dieses Monatsticket also gar nicht leisten. Um aber am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, ist klimafreundliche Mobilität für alle nötig.

In den Partnerinterviews befragen sich die Teilnehmer eingangs zu ihrer Alltagsmobilität
Wir müssen reden! Wie wir künftig unterwegs sein werden, ist noch offen
Andrea Reidl
Vier Frauen diskutieren vor einer Stellwand über die Mobilität von Frauen. Neben eine Gruppe von zwei Frauen und zwei Männern über die Wege, die ein Vater zweier Kinder täglich zurücklegen muss
Die Zivilgesellschaft entscheidet mit: Wie soll die Alltagsmobilität in München aussehen?
Andrea Reidl
Arbeitsphase in der Hamburger Zentralbibliothek: Vier Gruppen stehen vor den Stellwänden und diskutieren
Wenn es um Mobilität geht, ist jeder Experte
Andrea Reidl
Ob Tagesticket oder Monatskarte: Die Preise im Nahverkehr liegen in Deutschland teils weit auseinander. Die Teilnehmer in München und Hamburg pladierten für ein 365 Euro-Ticket nach dem Wiener Modell
In Hamburg und München wurde über die ÖPNV-Preise diskutiert: Wie teuer darf ein Monatsticket sein?
Andrea Reidl

Ein gemeinsames Fazit aus den Workshops lautet: Der Bus- und Bahnverkehr muss künftig eine spürbar wichtigere Rolle spielen als bisher. Ihre Forderung spiegelt einen bundesweit Trend. Im April 2019 wünschte sich die Hälfte der Deutschen laut einer Befragung des ARD-Deutschlandtrends den Ausbau von Bus- und Bahnlinien, um die Verkehrsprobleme in Deutschland in den Griff zu bekommen. 

Attraktive Bus- und Bahnstationen

Neben einer guten Taktung und bezahlbaren Preisen ist aber auch die Sicherheit ein wichtiges Kriterium für den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn. Hier besteht laut den Teilnehmern in München noch viel Verbesserungsbedarf. Die Verkehrsbetriebe müssen umdenken. Schlecht beleuchtete Unterführungen, fehlende Warteräume oder fehlendes Sicherheitspersonal halten nach Meinung der TeilnehmerInnen eine Vielzahl von Menschen davon ab, insbesondere nachts Busse oder Bahnen zu nutzen. Um Angst und Unsicherheit an diesen öffentlichen Räumen zu vermeiden, fahren sie lieber Auto.

Ihre Lösungsvorschläge sind so einleuchtend wie simpel: Bewachte Warteräume an Bahnhöfen oder S-Bahnhöfen. In den Niederlanden ist das vielerorts längst gängige Praxis. Dort sind oftmals sogar die Fahrrad-Garagen an den Bahnhöfen bewacht und das Aufsichtspersonal an den Fahrradparkhäusern an S-Bahnstationen geht erst zehn Minuten nach Abfahrt des letzten Zuges nach Hause. 

Wer die Stadt der Zukunft plant, braucht eine klare Vision, wie die Menschen, die dort leben und arbeiten, auch ohne Auto mobil sein können. Die Teilnehmer in Hamburg haben in den anderthalb Stunden sehr konkrete Lösungen für die Probleme ihrer Stadt entwickelt. In München dagegen erarbeiteten die einzelnen Teams eher allgemeingültige Strategien, die auch auf andere Kommunen und Städten gut übertragbar sind.

Für die Planer sind die Workshop-Teilnehmer zwar Laien, aber ihr Alltag macht sie zu Experten. Sie alle kennen die Knackpunkte und Stolpersteine in der Infrastruktur ihrer Stadt oftmals besser als manche Entscheider in den Verwaltungen.

In der Innovationsbranche nennt man ein solches Vorgehen „die Kundenperspektive einnehmen“. Das ist heute der entscheidende Faktor, um funktionierende neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. 

Am 5. April geht es in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin weiter mit meinem nächsten Workshop „Mobilität, die ich mir wünsche“.

  1. Corona-Klima
  2. Mobilität
  3. Verkehrswende

Deutschland verpasst Verkehrswende-Chance

Während überall auf der Welt Städte im Eiltempo mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer schaffen, passiert in Deutschland so gut wie nichts

Ein Teil einer Autostraße in Berlin wird durch Pylone abgetrennt und zu einem Radweg umgewidmet.
  1. Fußgänger
  2. Verkehrswende

Fußgänger: Vergessen und ohne Lobby

Fußgänger sind die vernachlässigten Verkehrsteilnehmer in unserer Gesellschaft. Langsam beginnt das Umdenken.

An der Hauswand rechts parkt ein Fahrrad, am linken Bordsteinrand ein Motorroller. Eine Frau geht durch die schmale Lücke
  1. Radverkehr
  2. Stadtverkehr
  3. Verkehrswende

Verkehr: „Deutschland hat den Anschluss verloren“

Veraltete Technik und eine schwerfällige Bürokratie kicken Deutschland ins Abseits. Stefan Wallmann über die Versäumnisse der Politik und was man von anderen Ländern lernen kann.

Erneuerung von Asphalt in Hamburg
  1. Earthovershoot
  2. Umwelt
  3. Verkehrswende

Die Mär von den umweltfreundlichen Deutschen

10 beunruhigende Entwicklungen, die zeigen, dass wir in Wahrheit nicht so umweltbewusst sind, wie wir denken

Verkehrsstau auf deutscher Autobahn
  1. Frauen
  2. Verkehrswende

Verkehr: Ein Angebot von Männern für Männer

Wer eine nachhaltige Mobilität für alle will, muss neue Perspektiven einnehmen. Lieke Ypma und Frieda Bellmann zeigen, wo Verbesserungsbedarf besteht

Junge Frau mit Sonnenbrille hält sich im Bus an einer Stange fest und blickt auf ihr Smartphone. Der Bus ist relativ leer. Nur drei weitere Fahrgäste sind hinter und neben ihr zu sehen. Die Sonne scheint in den Bus. Es ist Sommer. Alle Fahrgäste tragen leichte Sommerkleidung.
  1. Lastenrad
  2. Radverkehr
  3. Verkehrswende

Miet mich!

Teilen statt besitzen liegt im Trend. Transporträder eignen sich dafür besonders gut. In vielen Städten kann man sie als Freie Lastenräder umsonst ausleihen.

Fünf Fahrer und Fahrerinnen posieren auf unterschiedlichen Transporträdern mit zwei und drei Rädern auf einem freien Platz. Im Hintergrund sieht man die Silhouette der Hohenzollern Brücke.
  1. Energiewende
  2. Mobilität
  3. Verkehrswende

Elektrisierende Zukunft

E-Autos sind klimafreundlich und leise. Erste Praxistests zeigen, dass die Fahrzeuge alltagstauglich und die Herausforderungen für Stromnetze zu bewältigen sind.

Ladekabel stecken in E-Tankstellen in der Belchenstraße, nahe Stuttgart.
  1. Bahn
  2. Mobiltät
  3. Verkehrswende

Klimaschutz mit Komfort: Mehr Nachtzüge braucht das Land!

Von der Flugscham zur Reiselust: Wie großartig es wäre, über Nacht durch ganz Europa reisen zu können.

Ein Zug fährt Abends vom Bahnhof ab. Die Belichtungszeit ist hoch, darum ist der Zug geisterhaft zu erkennen und seine Beleuchtung zieht nach.
  1. Verkehrswende

Auf dem Weg zur Verkehrswende

Beobachtungen bei einer Debatte der Zukunftsreporter in Düsseldorf

Ran an das Mikrofon: Publikum soll in der Stadtbücherei Düsseldorf seine Meinung sagen
  1. Parking-day
  2. Verkehrswende

Klönen auf Parkplätzen

Ein Parkplatz wird zum Nachbarschaftstreff - wie das geht zeigen Aktivisten heute beim Parking Day, aber auch die Stadt Amsterdam und die Wanderbaumallee Stuttgart

Aktivisten haben einer beiden Seiten der zweispurigen Straßen Rasen ausgerollt und liegen entspannt unter Sonnenschirmen in ihren  Liegestühlen
  1. Frauen
  2. Mobilität
  3. Radverkehr
  4. Verkehrswende

Pionierinnen selbstbestimmter Mobilität

Beim Fancy Women Bike Ride treten Frauen für ihre Recht und eine einfache und klimafreundliche Mobilität ein.

Die Portraitaufnahme zeigt eine Frau, die eine Sonnenriille trägt und in die Kamera lacht. Für den Fancy Women Bike Ride hat sie sich ein Tuch um den Kopf gebunden und sich rote, gelbe, grüne und blaue Gerbera, lilafarbene Rose ins Haar gesteckt. Im Hintergrund stehen weitere Teilnehmer der Ausfahrt.
  1. Frau
  2. Mobilität
  3. Verkehrswende

„Ein kostenloses ÖPNV-Ticket für alle ist überflüssig“

Die Mobilitätsforscherin Dr. Sophia Becker über die richtigen Anreize zur Verkehrswende, die nötigen Voraussetzungen für den Wandel und die Rolle der Kommunen.

Die Mobilitätsforscherin Sophia Becker steht mit einem Lastenrad auf einer zweispurigen Straße. Das Lastenrad hat einen türkisfahrbenenn Rahmen und vor dem Lenker eine weiße Box. In türkisfarbener Schrift  steht "Berliner Wanne" auf der Lastenradbox.
  1. Mobilität
  2. Verkehrswende

"Zu viele und zu gefährlich"

Gedankenexperiment: Ersetzen Sie in allen Texten über E-Roller das Wort „E-Roller" durch „Auto".

Eine Frau fährt E-Tretroller.
  1. Lastenrad
  2. Verkehrswende

Neue Schlepper für die letzte Meile

Die Autoindustrie mischt jetzt in der Lastenradbranche mit. Das ist gut. Denn der Bedarf an passgenauen Alternativen zum Diesel-Sprinter ist riesig.

Das schwarze E-Lastenrad - in Kettcarbauweise hat eine Fahrerkabine und fährt über einen Radweg auf der Fahrbahn, der mit roter Farbe markiert ist. Das Lastenrad hat ein Lenkrad anstelle eines Lenkers.
  1. CoveringClimateNow
  2. Klimakrise
  3. Mobilität
  4. Verkehrswende

Ich verspreche Dir, nicht zu fliegen

Die Kampagne Flight Free 2020 sucht 100.000 Menschen, die sich gegenseitig versprechen, im kommenden Jahr nicht zu fliegen. Ein Interview mit der deutschen Initiatorin

Das Bild zeigt Jana Heck (29) mit ihrem Mann und Sohn. Sie halten ein Schild in die Kamera, auf dem sie sich verpflichtet haben im Jahr 2020 nicht zu fliegen.
  1. Fahrrad
  2. Klimakrise
  3. Mobilität
  4. Verkehrswende

Wie ich Radl-Botschafterin wurde

Unsere Autorin hat keine Lust mehr, auf dem Rad um ihr Leben zu fürchten. Deswegen engagiert sie sich für das Münchner Volksbegehren Radentscheid

Das Bild zeigt einen Teilnehmer der Radsternfahrt im April 2019 in München. Auf seinem Lastenrad liegt ein Hund.
  1. Bürgerinitiative
  2. Verkehrswende

Mini-Oase statt Parkplatz

Miniparks auf Parkplätzen sollen die Nachbarschaft zusammenbringen und zum Nachdenken anregen: Die zentrale Frage ist: Wem gehört der Platz in der Stadt. Nach vier Wochen ziehen die Parks weiter.

Am 11.05.2019 fand die erste Wanderung der Wanderbaumallee Stuttgart statt. Vom Rupert-Mayer-Platz an der St. Maria Kirche führte der Weg zum Kulturzentrum Merlin in der Augustenstraße.
  1. Niederlande
  2. Verkehrswende

„Honig für Radfahrer, Essig für Autofahrer“

Das Erfolgsrezept in den Niederlanden ist ebenso simpel wie effektiv: Radfahrer haben Vorrang, Autofahrer werden mancherorts nur noch geduldet.

Zwei Radfahrer queren in entgegengesetzter Richtung einen Zebrastreifen vor dem Bahnhof in Rotterdam
  1. Gesellschaft
  2. Klimakrise
  3. Verkehrswende

Konflikte auf Rädern

Fahrrad- und Autofahrer haben keine besonders gute Meinung voneinander. Im Zweifel müssen darunter diejenigen leiden, die mit Pedalkraft unterwegs sind.

Eine Collage: Ein Finger schiebt das Verkehrsschild für den Fahrradweg, weiß auf blauem Grund, entlang eines Pfeils nach rechts. Über dem Pfeil ist die bekannten Sequenz der Evolution vom Affen zum Homo sapiens abgebildet. Das Verkehrsschild hat den vorderen Fuß der vorletzten Figur, des Vormenschen mit Wurfspeer, erreicht. –
Wie menschlich erscheinen Ihnen Radfahrer, fragten australische Psychologen. Die Hälfte der Autofahrer kam nicht mal zwischen die Füße des Homo sapiens.
  1. Energiewende
  2. Klimakrise
  3. Verkehrswende

Kein Stromausfall durch E-Autos

Ist immer genug Strom für das E-Auto da? Könnten die Batteriemobile zu einem Stromausfall führen? Eric Junge von Netze BW gibt im Interview eine Einschätzung, wie der Netzbetreiber sich auf die Umbrüche im Verkehrssektor vorbereitet

Luftbild der „E-Mobility Allee“ in Ostfildern-Ruit bei Stuttgart
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Busy Streets

Busy Streets

Nachhaltig mobil in der lebendigen und lebenswerten Stadt von morgen.