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Teilen statt besitzen liegt im Trend. Transporträder eignen sich dafür besonders gut. In vielen Städten kann man sie als Freie Lastenräder umsonst ausleihen.

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Das gelbe Lastenrad hat nur zwei Räder und fährt sich wie ein herkömmliches Fahrrad. Die Last kann vor dem Lenker befestigt werden. Es hat keine Box.

30 Minuten ist Andreas Sturm an diesem Nachmittag einmal quer durch Köln gefahren, um Kasimir abzuholen. Normalerweise steht das Lastenrad mit der hüfthohen grünen Transportbox irgendwo im Zentrum der Stadt. Aber Kasimir ist ein Streuner. Alle paar Wochen zieht er von einem Quartier ins nächste.

Kasimir war vor sechs Jahren das erste „Freie Lastenrad“ Deutschlands. Man bekommt es „für lau“ wie der Kölner sagt, was so viel heißt wie: umsonst oder für wenig Geld. Das Vagabundieren gehört bei ihm zum Konzept. Alle vier Wochen wechselt das Dreirad seinen Standort. Mal steht es vor einem Café, vor einem Vereinslokal oder bei einem Einzelhändler. Schließlich sollen möglichst viele Menschen das Transportrad als Autoersatz nutzen oder es einfach mal ausprobieren.

Die Idee für die „Freien Lastenräder“ stammt von einer Gruppe von sieben Freunden. Unter dem Namen „Wielebenwir“ hatten sie bereits verschiedene Projekte für ein nachhaltigeres Leben in Städten angestoßen. Mit Kasimir landeten sie einen Volltreffer. Teilen statt besitzen gilt als einer der Megatrends des 21. Jahrhunderts und die Transporter auf zwei, drei oder vier Rädern sind dafür geradezu prädestiniert. Mit ihrer großen Ladefläche können sie Autofahrten ersetzen. Allerdings lohnt sich für eine Familie der Kauf oftmals nicht. Denn je nach Ausstattung kosten sie schnell mehrere Tausend Euro. Als Gemeingut dagegen werden sie über Crowdfunding oder von einem Sponsor bezahlt und sind zudem regelmäßig im Einsatz.

Für Andreas Sturm ist das Angebot in Köln ein Glücksgriff. Er hat keinen Führerschein und ist immer mal wieder mit Kasimir unterwegs. Dieses Mal transportiert er damit eine kleine Kommode und Regale in seine Wohnung in den Westen der Stadt. Ein Auto vermisst er nicht. „In Köln bin ich mit dem Fahrrad meist sowieso schneller am Ziel“, sagt er.

Ein Mann mit kurzen braunen Haaren und Bart sitzt auf einem Lastenrad mit grüner Box. Er trägt ein rotes T-Shirt und blaue, halblange Jeans.
Andreas Sturm hat keinen Führerschein und ist immer mal wieder mit Kasimir in Köln unterwegs. Dieses Mal braucht er ihn, um eine kleine Kommode und Regale in seine Wohnung in den Westen der Stadt zu bringen
Fatma Erkus sitzt auf dem Lastenrad und blickt seitlich in die Kamera. Über ihre Schulter hinweg ist die große Box des Lastenrads von oben erkennbar. Sie wird mit einer Persenning gegen Regen geschützt
Fatma Erkus hat Kasimir im Sommer für einige Wochen beherbergt

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