Buchtipps und Geschenkideen für Weihnachten 2021 – Für alle, die die Natur lieben

Die Flugbegleiter stellen ihre Empfehlungen vor

13 Minuten
Kleine weiß-braune Vögel fliegen von einer Schneefläche auf.

Die hellen Stunden der kurzen Dezembertage verfliegen viel zu schnell. Wer nicht gerade auf Waldkauzpirsch gehen will, kann in den dunklen Stunden Natur und Vogelwelt trotzdem indirekt erkunden: Wie in den Jahren zuvor haben wir auch in diesem Dezember wieder Empfehlungen für lange Winterabende, zum Selberlesen, zum Verschenken oder miteinander spielen.

Ein Naturbuch, das Mut macht

Tipp von Joachim Budde

Schlechte Nachrichten gibt es zu genüge – gerade wenn es um die Artenvielfalt oder besser gesagt deren Schwund geht. Da ist nichts dran schönzureden. Wie gut aber, dass es das Buch unserer Flugbegleiter-Kollegin Johanna Romberg „Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht“ gibt.

Links das Buchcover mit einem Nachtfalter auf einem Zweig mit weißen Blüten, rechts die Autorin Johanna Romberg draußen.
Johanna Rombergs Buch versprüht Zuneigung zur Natur und erzählt Geschichten aus dem Naturschutz, die Mut machen.

Johanna ist eine profunde Kennerin der Natur und ihrer Diversität, und sie zeigt wichtige Missstände auf, indem sie Menschen und Initiativen besucht, die es schaffen, dem negativen Trend etwas entgegenzusetzen. Sie schafft es, ihre Faszination, Neugier und Wissbegierde genauso wie ihre Zweifel und ihre Melancholie auf eine Weise in Worte zu fassen, die ihre Leserïnnen ihre Erlebnisse nachfühlen lassen; die Zuneigung, ja Zärtlichkeit, die sie für die Lebewesen ihrer Umwelt verspürt – egal ob sie Nachtfalter am Lichtturm bei Pinneberg beobachtet oder in einem Steinbruch in der Eifel ein flaumiges Uhu-Küken an ihre Brust drückt.

Johanna hat das Talent, Geschichten so persönlich zu erzählen, dass sie den Leser ganz nah an sich heranholt und ihm dabei ganz nebenbei so viel von ihrem profunden Wissen über Vögel, Insekten und Lebensräume und deren Gefährdung unterjubelt, ohne dass es im Geringsten langweilig wird. Denn der Braune Bär ist kein romantisierendes Buch, es zeigt vielmehr, was möglich und was nötig ist bis hin zu den neun „Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Rettung unserer Lebensgrundlagen“, die Johanna am Ende ihres Buches aufstellt. Die schönen Illustrationen von Florian Frick und die Geschichten voller kleiner Hoffnungsschimmer in einem Jahr mit so vielen schlechten Nachrichten machen Johannas Buch besonders wertvoll. Ein Buch, das Mut macht. Wer sich einen Eindruck verschaffen will: Hier ist im Riff ein Kapitel daraus erschienen.

Johanna Romberg: Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht. Unsere Naturschätze. Wie wir sie wiederentdecken und retten können. Mit Illustrationen von Florian Frick. Quadriga Verlag, 288 Seiten, 28 Euro.

„Der heimliche Wappenvogel der Agrarwende“

Tipp von Claudia Ruby

Haben Sie schon mal einen Schreiadler gesehen? Auch begeisterte Vogelkundler beantworten diese Frage oft mit Nein, denn in Deutschland leben nur noch etwas mehr als 100 Brutpaare dieser seltenen und faszinierenden Adlerart. Ich hatte auch noch nicht das Glück, trotzdem habe ich mittlerweile das Gefühl, die Vögel ziemlich gut zu kennen. Klingt absurd? Stimmt, erklärt sich aber sofort, wenn man in dem neuen Buch von Thomas Krumenacker blättert: „Könige der Lüfte – das geheime Leben der letzten Schreiadler Deutschlands“ heißt es, und es vermittelt einen fast intimen Einblick in das Leben der Vögel.

Das Buchcover zeigt einen Schreiadler, der nach rechts unten schaut, vor grünem Hintergrund

Der Autor hat viele Stunden in engen Verstecken verbracht und die Vögel mit Fernglas und Kamera beobachtet, studiert und fotografiert. Herausgekommen ist ein einzigartiges Portrait in Bild und Text. Das Buch bietet Einblicke in das Adlernest, es zeigt die Balz und Jagd der Vögel – und es begleitet die Schreiadler ein Stück weit bei ihrer weiten Reise in den Süden. Wer jetzt vermutet, dass ich etwas befangen bin – schließlich ist Thomas Krumenacker ein hochgeschätzter Kollege und Autor der Flugbegleiter – möge sich am besten selbst ein Bild machen.

Ein Schreiadler-Küken im Nest im Baum mit seiner Mutter.
In den ersten Wochen bleibt ein Schreiader-Weibchen immer in der Nähe des Jungvogels. Der Vater kommt nur gelegentlich vorbei, um Beute abzuliefern.

Das Buch hat nicht nur beeindruckende Fotos zu bieten, es vermittelt auch viel Wissenswertes und Unbekanntes über die Schreiadler: über ihren Ruf, die Arbeitsteilung zwischen Adlermutter und Vater bei der Jungenaufzucht – und über das besondere Verhältnis der Vögel zur Landwirtschaft. „Der Schreiadler ist ein Kulturfolger“, schreibt Thomas Krumenacker, „er kann einträchtig neben dem Menschen leben, es braucht keine Wildnis-Reservate, um ihn zu erhalten.“

Was der Vogel allerdings nicht verträgt, ist die hochintensive Landwirtschaft, auf die er derzeit fast überall im Land stößt. In ausgeräumten Feldfluren finden die Adler, die gerne zu Fuß auf die Jagd gehen, schlicht keine Beute mehr. Trotzdem sieht der Autor eine Zukunft für den Schreiadler, denn die Vögel brauchen eigentlich nicht viel: eine Wende in der Landwirtschaft, ungestörte Waldbereiche, in denen sie brüten können – und eine Energiewende, die Rücksicht auf den Artenschutz nimmt. Wenn das gelingt, kann der Bestand der Schreiadler in Deutschland wieder wachsen. Bis es so weit ist, hilft das Buch von Thomas Krumenacker, die Vögel kennen zu lernen: ein perfektes Weihnachtsgeschenk für jeden, der sich für Vögel und die Natur interessiert.

Thomas Krumenacker: Könige der Lüfte – das geheime Leben der letzten Schreiadler Deutschlands, Frederking & Thaler 2021, 192 Seiten, 32,99 Euro.

Eine Ode an die Seevögel

Tipp von Markus Hofmann

Adam Nicolsons Voraussetzungen, der Faszination von Seevögeln zu erliegen, hätten wohl kaum besser sein können. Denn seiner Familie gehören die Shiant Islands, eine unbewohnte Inselgruppe in den Äusseren Hebriden Schottlands, die sein Vater mit einem geerbten Vermögen vor rund 90 Jahren kaufte. Wobei: „Unbewohnt“ trifft die Sache eben nicht. Auf den kleinen Inseln im hohen Norden leben Tausende von Seevögeln: zum Beispiel Papageitaucher, Dreizehenmöwen, Trottellummen oder Tordalke. Die Erkundungstouren mit seinem Vater über steil abfallende Felsen und durch Buchten haben ihn als Bub geprägt. Er erlag dem Gewimmel, dem Geschrei und dem Gestank der Vogelkolonien. Nun hat der Journalist und Autor Adam Nicolson den Seevögeln sein neuestes Buch gewidmet. In der „Ruf des Seevogels“ stellt er seine „Lieblinge“ vor: neben den obengenannten auch Eissturmvögel, verschiedene Möwenarten, Kormorane und Scharben, Sturmtaucher, Tölpel sowie Albatrosse. Nicolson erzählt von den Überlebensstrategien dieser Meerestiere, die sich an extremste Bedingungen anpassen müssen, und er berichtet von den mannigfachen menschengemachten Gefährdungen, denen die Seevögel ausgesetzt sind.

Das Buchcover zeigt ein gemaltes Bild mit zwei Basstölpeln.
Der Journalist und Autor Adam Nicolson sein neuestes Buch den Seevögeln gewidmet.

„Der Ruf des Seevogels“ ist im Stil des Nature Writing verfasst. Nicolson verbindet geschickt Reportagen, die ihn in alle Weltmeere führen, mit ornithologischen Erkenntnissen sowie historischen und literarischen Bezügen. Zudem scheut er nicht dafür zurück, seiner Liebe zu den Seevögeln mit vielen Worten und teilweise waghalsigen Metaphern Ausdruck zu verleihen. Das tönt oft sehr pathetisch.

Dennoch ist „Der Ruf der Seevögel“ ein äusserst lehrreiches sowie sorgfältig gestaltetes und illustriertes Lesebuch. Und trotz der düsteren Aussichten für viele Seevogelarten endet Nicolson mit einer guten Nachricht. Als sein Vater die Shiants Islands erstand, lebten darauf Tausende von Seefahrern eingeschleppte Ratten, die die Eier und Küken der Seevögel frassen und deren Bestand gefährdeten. Nach einer mehrjährigen Ausrottungsaktion sind die Inseln nun frei von Ratten. Atlantiksturmtaucher sowie Sturmwellenläufer die seit 300 Jahren nicht mehr auf den Shiant Islands brüteten, kehren wieder zurück.

Adam Nicolson: Der Ruf des Seevogels. Aus dem Englischen von Barbara Schaden. Mit Illustrationen von Kate Boxter. Verlagsbuchhandlung Liebeskind, München 2021. 368 Seiten. 36 Euro, CHF 51.90

Vogellyrik-Kalender des DDA

Tipp von Thomas Krumenacker

Da sage einer, Zahlenfüchse hätten keinen Humor. Der vom Dachverband Deutscher Avifaunisten herausgegebene Kalender „Vogellyrik 2022“ beweist das Gegenteil. Jede der zwölf portraitierten Vogelarten wird darin in einem Gedicht des leider in diesem Jahr verstorbenen Multitalents Manfred Lieser stimmungsvoll und mit einer guten Portion hintergründigen Humors treffend vorgestellt. So philosophiert Lieser – Ornithologe, Übersetzer russischer Lyrik und Herausgeber einer Zeitschrift für „Ornithosatire“ – beim Trauerschnäpper etwa darüber, wie sein lebhaftes Schwingen-Zucken während des Gesangs mit seiner Schwarzweiß-Färbung zusammenpassen. Sein Ergebnis: „Prüft man ihn genauer, dann sprechen Aussehn und Gesang vielleicht doch mehr für Trauer.“ Illustriert ist der Kalender mit den Vielen sicher bekannten herausragenden Vogelporträts, die Paschalis Dougalis für den vom DDA herausgegebenen Atlas Deutscher Brutvogelarten angefertigt hat.

Das Cover des Kalenders zeigt einen gezeichneten Buchfinken.
Tipp für alle, die noch einen Kalender für 2022 suchen – durch das Jahr mit Vogellyrik

In Texten auf der Rückseite jeder Illustration werden die unterschiedlichen Bereiche der gemeinnützigen Arbeit des DDA vorgestellt: vom alljährlichen Birdrace, über die Avifaunistische Kommission (früher Seltenheitenkomission) bis hin zum bekannten Datenportal ornitho.de. Die Einnahmen aus dem Kalender fließen in diese Projekte, die den Spaß am Vogelbeobachten mit der Erhebung wichtiger wissenschaftlicher Daten verbinden. „Vogellyrik 2022“ ist ein schöner und praktischer Begleiter durch das Jahr.

„Vogellyrik 2022“, Wandkalender 29,7 cm x 29,7 cm, 19,80 € zzgl. 5,90 € Versand. Online durchzublätternde Version; Bestellung über: schriftenversand@dda-web.de

Supernasen und wie der Mensch ihnen das Leben schwer macht

Tipp von Joachim Budde

Die Nase ist ein Organ, über das viele Leute sich erst Gedanken machen, wenn sie nicht mehr funktioniert. Dabei hilft der Geruchssinn auch uns Menschen, die Welt um uns wahrzunehmen und zu deuten, und er hilft uns in vielen Situationen, Gefahren zu erkennen, gesund und glücklich zu bleiben. Man denke nur an Feuer oder den Duft heißer Schokolade. Das schreibt Bill Hansson in seinem neuen Buch „Die Nase vorn. Eine Reise in die Welt des Geruchssinns“.

400 verschiedene Rezeptortypen stecken in unserer Nase. Wie sie funktionieren, beschreibt der Direktor des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena anschaulich und faszinierend. Wie sich Duftmoleküle im Nasenschleim lösen und dort Nervensignale auslösen, die unser Gehirn dann in brauchbare Informationen umwandelt.

Bei anderen Tieren sieht die Anatomie anders aus. Und Hund, Hai und Fliege riechen viel besser als wir. Diese Überlegenheit ist gar nicht verwunderlich, denn viele Tiere lassen sich zu Land, unter Wasser und in der Luft von Duftstoffen zu ihrer Nahrung und zu potenziellen Partnern führen. Dafür reichen kleinste Mengen: Die wahren Supernasen sind nicht Mäuse, Hunde oder Haie, sondern Nachtfalter. Deren Weibchen zum Beispiel geben nur wenige Moleküle ihrer Lockstoffe ab. Zur Sicherheit: „Da der Geruch so schwach ist, bleibt die Gefahr, dass natürliche Feinde oder Parasiten ihn ausmachen, gering.“

Links: Cover des Buchs „Die Nase vorn“, rechts: der Autor des Buchs Bill Hansson.
Bill Hansson, Direktor des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena, nimmt seine Leser mit mit auf eine Reise in die Welt des Geruchssinns.

Doch die tierischen Systeme sind anfällig für Störungen des Menschen: Das viele CO2 in der Atmosphäre erschwert es Nachtfaltern, Blüten zu finden. Auch Ozon oder Herbizide, Fungizide und Insektizide verwirren Tiere noch in kleinsten Mengen. Für Albatrosse und Robben ist die Plastikverschmutzung der Meere auch ein Geruchsproblem. Denn Plastik setzt in der Sonne Dimethylsulfit (DMS) frei.Diese Verbindung gibt das pflanzliche Plankton ab, wenn das Zooplankton ihn beim Fressen zerdrückt. Die Vögel folgen dem Schwefelgas zum Futter. „Wenn Plastik mehrere Monate im Wasser schwimmt, gibt es ebenfalls DMS ab und verleitet die Natur damit zu dem Glauben, es sei essbar.“

Bill Hansson ist ein interessantes und tiefgründiges Buch gelungen über die vielfältigen Aspekte, die unsere Nase umwehen. Er öffnet seinen Lesern die Augen dafür, wie viel weiter als unsere Nasenspitze wir schauen müssen.

Bill Hansson: Die Nase vorn. Eine Reise in die Welt des Geruchssinns, S. Fischer Verlag, 400 Seiten, 24 Euro.

Ein königlicher Kulturfolger: eine Monographie zum Rotmilan

Tipp von Markus Hofmann

Auch Vögel sind gezwungen, mit der Zeit zu gehen. Rotmilane kleiden ihre Nester gerne mit Stofffetzen, Papieren, Schnüren und gar Plastikabfall aus. In diesem Jahr zeigten sich nun die Spuren der Pandemie: In den Nestern wurden auch Schutzmasken gefunden. Diese Beobachtung ist eine von unzähligen, die die Schweizer Biologen Adrian Aebischer und Patrick Scherler in ihrem neuen Buch über den Rotmilan schildern. Was immer man über den Rotmilan wissen will: Hier findet man es. Zudem ist das Buch durchwegs prächtig illustriert: kein Wunder bei einem solch fotogenen Greifvogel, den man nicht ohne Grund auch „Königsweihe“ nennt. Bereits 2009 gab Aebischer eine Rotmilan-Monographie heraus. Für die Überarbeitung dieses Bandes hat Aebischer mit Scherler zusammengearbeitet, der die Jugendjahre der Rotmilane erforscht hat. Eine Aktualisierung drängte sich auf. Denn in den vergangenen Jahren hat sich einiges getan im Reich der Rotmilane, Erfreuliches und weniger Unerfreuliches.

Auf dem Cover des Buchs ist ein Greifvogel mit grau-schwarz-braunem Gefieder in der Luft zu sehen.
Was immer man über den Rotmilan wissen will, in diesem prächtig illustrierten Buch findet man die Information.

Zunächst zum Erfreulichen. Noch vor 50 Jahren zählte man in der Schweiz lediglich 90 Rotmilan-Brutpaare. Nun sind es 2800 bis 3500, was einem Zehntel des Weltbestandes entspricht. Nicht nur die Unterschutzstellung hat geholfen. Dem Rotmilan als Kulturfolger kommt die zwar intensiv bewirtschaftete, aber gleichzeitig eben auch kleinräumige Landschaft der Schweiz entgegen. Hier findet der Rotmilan genügend Brutplätze an Waldrändern sowie Nahrung, bei der er nicht gerade wählerisch ist. Dieser Aufwärtstrend ist aber nicht überall zu beobachten.

Ein Greifvogel mit grau-rotbraunem Gefieder geht über eine Wiese.
Der Rotmilan ist ein Kulturfolger, doch es geht der Art nicht überall gut.

In gewissen Regionen gehen die Bestandszahlen zurück, etwa in Portugal, Südspanien oder im Südosten Polens. In Deutschland, wo fast die Hälfte aller Rotmilane lebt, ist die Entwicklung nicht einheitlich: In Teilen Ostdeutschlands gehen die Bestände zurück, in Süddeutschland nehmen sie zu. Gefahren für den Rotmilan gibt es viele: von Lebensraumverlust über (illegale) Jagd, gezielten Vergiftungen und Verkehr bis zu Windkraftanlagen. Man dürfe sich daher nicht täuschen lassen, schliessen Aebischer und Scherler: Auch wenn sich der Rotmilan gut an äussere Umstände anpassen könne, so bleibe er eine empfindliche Art, die es weiterhin zu erforschen und zu schützen gelte.

Adrian Aebischer, Patrick Scherler: Der Rotmilan. Ein Greifvogel im Aufwind. Haupt Verlag, Bern 2021. 232 Seiten, 94 Farbfotos, 20 Grafiken. EUR 42, CHF 50.

Mondnacht – Essays zum Klimawandel

Tipp von Thomas Krumenacker

Das Konzept ist spannend: Mehr als 20 verschiedene Autoren und Autorinnen mit den unterschiedlichsten biografischen und fachlichen Hintergründen blicken auf ein Thema: die Klimakrise. Politiker, Theaterleute, Philosophen, Klimaaktivistinnen, Forst- und Insektenfachleute, Naturschützer, Ökonomen und natürlich Klimawissenschaftler präsentieren in Mondnacht auf mehr als 500 Seiten ihren persönlichen Blick auf die Erderwärmung, ihre Ursachen, Folgen und Möglichkeiten, dagegen etwas zu unternehmen. Begleitet werden ihre Texte von passender Lyrik aus 500 Jahren.

Das Buchcover zeigt den Vollmond am bewölkten Nachthimmel.
Die Autorinnen und Autoren präsentieren ihren Blick auf die Erderwärmung – auf ihre Ursachen und Folgen, aber auch auf die Möglichkeiten, dagegen etwas zu unternehmen.

Mondnacht ist ein Lesebuch, das einen sehr weit gefassten Blick auf das komplexe Thema wirft. Die Schwerpunkte der einzelnen Autorinnen und Autoren sind so unterschiedlich, wie die journalistische Herangehensweise. Erwartbares, wie der Appell „See you on the streets“ der Fridays-for-Future-Aktivistinnen Leonie Brenner und Carla Reemtsma findet sich neben Berührendem, wie dem Plädoyer für eine inklusive soziale Klimarevolution der gehandicapten Kletteraktivistin Cécile Lecomte. Mitreißendes, wie die Wutrede des Ökonomen Niko Paech gegen „bionadetrinkende Weltenretter(chen)“ und die „Taschenspielertricks“ eines nur vermeintlich grünen Wachstums trifft auf Banales, wie den abgestandenen Antikapitalismus eines Gregor Gysi, der es schafft, selbst beim Thema Klima die unpassende Klage gegen eine angeblich ungerechte Behandlung Russlands und Chinas durch den Westen (angetrieben natürlich durch die USA) unterzubringen. Hintergründig-humorvolles, wie die Forderung des Dramaturgen John von Düffel nach einer „Haftstrafe für Laubsauger“ hat einen Platz neben fundiert aufbereiteten und inhaltlich erschreckenden Sachstandsberichten zum aktuellen Stand der Klimaforschung durch Experten wie den Meteorologen Tobias Bayr.

Viele der Autorinnen und Autoren behandeln ausführlich Aspekte, die auch innerhalb der Klimabewegung oft vernachlässigt werden. So analysiert der Klimawissenschaftler Jürgen Scheffran den Zusammenhang zwischen Klimakrise und internationalen Konflikten, und Nabu-Experte Konstantin Kreiser thematisiert ausführlich und kompetent das große Sterben der Natur in der Landwirtschaft. Obwohl die Feststellung allenthalben großes Kopfnicken erntet, dass Klima- und Naturkrise zwei Seiten derselben Medaille seien, schlägt Kreiser als einer von ganz wenigen Autorinnen und Autoren einen Bogen zwischen Klima- und Biodiversitätskrise.

Ergänzt werden die Essays durch zahlreiche Gedichte, vor allem aus der Naturlyrik der Romantik. Dies soll, so die Absicht der Buchmacher, „vor Augen führen, was eigentlich längst auf dem Spiel steht: Die Schönheit der Natur, die Genießbarkeit unserer Welt – die Mondnacht.“

Mondnacht – Fünf vor Zwölf: Antworten auf die Klimakrise. Trabanten Verlag Berlin, Hardcover mit Schutzumschlag, 560 Seiten, 24,00 Euro.

Spiel für Taktikerinnen und Vogelfreunde – jetzt auch mit Vögeln aus Ozeanien

Tipp von Anne Preger

In die Ferne zu reisen, ist gerade schwierig. Umso so schöner ist es, wenn Bücher oder Spiele in Gedanken in die Vogelwelt anderer Länder entführen. Das gelingt dem Brettspiel „Flügelschlag“ sehr gut. Darin geht es darum, möglichst viele Punkte zu ergattern, indem man Vögel in drei verschiedenen Lebensräumen auslegt und unter anderem möglichst viele Eier sammelt. Das Grundspiel haben einige aus dem Flugbegleiter-Team schon 2019 getestet und vorgestellt.

Inzwischen gibt es nicht nur die damals vermisste Europa-Erweiterung, so dass man auch mit Rotkehlchen, Tannenmeise und Klappergrasmücke spielen kann, sondern neu auch eine Erweiterung mit Arten aus Ozeanien. Enthalten sind selbstverständlich neue Vogelkarten aus Down under und Umgebung – meine persönlichen Highlights: Zwergpinguin, Kea und Helmkasuar. Außerdem führt die Erweiterung aber auch eine weitere Art von Futter ein, nämlich Nektar. Der lässt sich ein bisschen wie ein Joker einsetzen und bietet zusätzliche Optionen, um Punkte zu machen. Deswegen gibt es auch neue Spieltableaus. Das erweitert die Variationsmöglichkeiten für Spielstrateginnen und Taktiker am Tisch. Wer das Grundspiel schon beherrscht, muss aber nicht viele neue Regeln lernen.

Die Spielebox zeigt einen gezeichneten Jägerliest, eine australische Vogelart mit einem dicken Schnabel.
In dieser Erweiterung des Brettspiels Flügelschlag warten nicht nur neue Vogelarten, sondern auch eine neue Art von Futter, die sich strategisch spannend einsetzen lässt – Achtung: Nur mit dem Basisspiel zusammen spielbar.

Es bleibt dabei: Flügelschlag ist kein Spiel, dass Wissen über Vögel belohnt. Stattdessen gelingt dem Spiel meiner Ansicht nach aber etwas anderes hervorragend: Es erweitert auf spielerische Weise Artenkenntnisse bei Menschen, die sonst vielleicht gar nicht so viel mit der Vogelwelt am Hut haben. Man kann das Grundspiel beliebig mit einer oder beiden Erweiterungen kombinieren. Auch wenn man nur zu zweit spielt, macht das Spiel Spaß, zu fünft sollten sich alle am Tisch bemühen, ihre Züge flott zu erledigen. Auch meiner Meinung nach ist die Anleitung etwas umständlich geschrieben, so dass es sich anbietet, die erste Runde mit Flügelschlag-Kennerïnnen zu spielen. Alternativ: Christoph von „Better Board Games“ hat die Regeln in einem zehnminütigen Erklär-Video zusammengefasst, das der Spielregel-Erklärbär aus der Runde vorab gucken kann.

Flügelschlag ist das perfekte Spiel für einen Weihnachts- oder Silvesterabend – vorausgesetzt alle am Tisch haben Spaß an längeren und etwas aufwändigeren Spielen.

„Flügelschlag. Ein Vogel-Sammel- und Aufbau-Spiel für 1–5 Spieler“. Von Elizabeth Hargrave. Illustriert von Natalia Rojas, Ana Maria Martínez Jaramillo und Beth Sobel. Feuerland-Verlag. Ab 12 Jahren. Dauer: 40 bis 75 Minuten. Unverbindliche Preisempfehlung des Verlags: 49,90 Euro.

„Flügelschlag – Europa-Erweiterung“ von derselben Autorin und denselben Illustratorinnen, unverbindliche Preisempfehlung des Verlags: 24,90 Euro.

„Flügelschlag – Ozeanien-Erweiterung“ von derselben Autorin und denselben Illustratorinnen, unverbindliche Preisempfehlung des Verlags: 29,90 Euro.

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Anne Preger


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Redaktion: Anne Preger, Johanna Romberg

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