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Sie sind wieder da: Wieso die Rotmilane die Schweiz zurückerobern

17.08.2021
13 Minuten
Ein Rotmilan vor dem blauen Himmel.

Ein Blick in die Krone der Kiefer, ein Griff an den rötlich-braunen Baumstamm, und schon klettert Valentijn van Bergen mit unglaublicher Behändigkeit daran in die Höhe. Eine Leiter benötigt er nicht. Die wäre in diesem abschüssigen Gelände auch nur schwer zu gebrauchen. Gesichert mit Seilen und geschützt mit einem Helm überwindet er rasch und sicher Meter um Meter. Sein Ziel: ein junger Rotmilan in einem Horst rund 25 Meter über dem Waldboden.

Es ist der Morgen eines schwül-warmen Juni-Tags im Norden der Schweiz, unweit der Grenze zu Deutschland. Das Städtchen Stein am Rhein liegt ganz in der Nähe. Das steile Waldstück ist umgeben von Feldern. Durch eine Lücke im Dach des Mischwaldes leuchtet der weisslich-blaue Himmel. Immer wieder erscheint dort ein Rotmilan. Der für diese Art typische gegabelte Schwanz ist im Gegenlicht gut erkennbar, und unüberhörbar ist die Stimme: ein auf- und absteigendes „Wii-uuh“.

Unter Beobachtung der Rotmilan-Eltern

Beobachtet dieser Rotmilan, wie sich Valentijn van Bergen gerade unaufhaltsam dem Nest nähert? „Wenn wir hochklettern, verlassen die Elterntiere ihre Nester und kreisen dann über uns. Aggressiv sind sie aber nicht“, sagt Lara Gross, die unten an der Kiefer steht und zu ihrem Kollegen hochblickt. Auch sie trägt einen Helm. Er schützt sie gegen möglicherweise herunterfallende Äste.

Da ertönt die Stimme von Valentijn van Bergen aus ihrem Mobiltelefon. Er ist oben beim Horst angekommen. Die schweisstreibende Kletterei war nicht vergeblich: Im Horst liegt ein junger Rotmilan. Nun kann die Vermessung des Jungvogels beginnen. Seine Daten werden einen weiteren Mosaikstein bilden, um eine Frage zu beantworten: Wieso breiten sich die Rotmilane so zügig aus in der Schweiz, nachdem sie im letzten Jahrhundert praktisch verschwunden waren?

In einer Lichtung kreist ein Rotmilan vor dem weisslich-blauen Himmel.
Über dem Horst kreist ein Rotmilan. Möglicherweise ist es ein Elternteil des Jungvogels, der gerade von Forschern untersucht wird.
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Ein Rotmilan schreitet auf einer Wiese und hat die Flügel ausgebreitet.
Mit einer Spannweite von bis zu 1,65 Metern ist der Rotmilan einer der grössten Vögel der Schweiz.
Lara Gross vom Rotmilan-Forschungsprojekt sitzt auf dem Waldboden und erfasst die Daten des jungen Rotmilans mit einem Tablet.
Lara Gross erfasst die Daten des Rotmilans, die ihr Valentijn van Bergen direkt aus dem Horst übermittelt.
Der Ornithologie Patrick Scherler befestigt den GPS-Sender auf dem Rücken des Rotmilans, der sich tot stellt.
Mit geübten Handgriffen befestigt Patrick Scherler den solarbetriebenen GPS-Sender. Das Gerät wird den Vogel nicht behindern.
Lara Gross hält den Vogel in den Armen, während ihm Patrick Scherler etwas Blut entnimmt.
Auch eine Blutentnahme muss der junge Rotmilan über sich ergehen lassen: im Dienste der Wissenschaft.
Patrick Scherler trägt ein paar Blutstropfen auf Filterpapier auf.
Das Blut wird anschliessend untersucht. Anhand der DNA kann das Geschlecht des Rotmilans bestimmt werden.
Patrick Scherler hält den Rotmilan an den Beinen, um zu prüfen, ob der Rotmilan unverletzt ist.
Flugtest: Patrick Scherler prüft, ob der junge Rotmilan unverletzt ist und lässt ihn kurz mit den Flügeln schlagen.

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Valentijn van Bergen, Patrick Scherler und Lara Gross packen ihre Ausrüstung im Wald zusammen.
Fürs Erste ist die Arbeit erledigt: Der Rotmilan ist wieder zurück im Horst. Valentijn van Bergen, Patrick Scherler und Lara Gross packen zusammen.
Der junge Rotmilan liegt im Horst. Auf dem Rücken trägt er nun den GPS-Sender mit den Solarzellen.
Mit dem solarbetriebenen Sender auf dem Rücken liegt der junge Rotmilan wieder in seinem Horst.
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Dr. Markus Hofmann

Dr. Markus Hofmann

Markus Hofmann, Vogelbeobachter mit Schweizer Feldornithologie-Diplom, hat als Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung über Umwelt- und Klimapolitik berichtet und arbeitet seit 2016 beim Schweizer Radio SRF.


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