Schräge Vögel: Keas – schlau, sozial und unglaublich neugierig

Keas gelten als die Superhirne unter den Vögeln: Sie benutzen Werkzeuge und lösen komplexe Probleme. Wie machen sie das – und wo liegen die Grenzen ihres Könnens?

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Ein Kea in Neuseeland, er fliegt und steht dabei quasi in der Luft.

Wer auf den Haidlhof bei Wien kommt, hört sie schon von Weitem. „Keeeeaaaa“ tönt es aus der großen Voliere. Um 10 Uhr beginnt hier die Arbeit für Wissenschaftler und Keas. Das mehr als 50 Meter lange Gehege ist in mehrere Bereiche unterteilt. Es gibt Brutkammern, Wohnräume und Testzentren. Zwei bis drei Mal täglich stellen Forscher die Leistungen der Vögel auf die Probe. Von den 27 Keas im Gehege wollen fast alle mitmachen. Die olivgrünen Bergpapageien aus Neuseeland sind extrem neugierig und neophil: Sie lieben es, Neues zu entdecken.

„Am schwersten ist es, die Vögel abzutrennen, die gerade nicht getestet werden“, erklärt Raoul Schwing. Seit vier Jahren leitet der Verhaltensforscher das „Kea Lab“ am Messerli Forschungsinstitut, einer gemeinsamen Einrichtung von mehreren Universitäten Wiens, in der noch andere kluge Vögel leben – aber die Keas sind die Superstars. Heute braucht Schwing ein Viererteam. „Paul hierher, John du bleibst draußen.“

Vorsichtig bugsiert er die überzähligen Keas aus dem Warteraum. Dann öffnet er die große Schiebetür zum eigentlichen Testgelände. Auf dem Boden steht eine quadratische Box, an jeder Seite baumelt eine Kette auf den Boden. Nur wenn alle vier Vögel zusammenarbeiten und gleichzeitig an den Ketten ziehen, öffnet sich der Verschluss – und die Vögel werden mit Erdnussbutter belohnt.

Der Biologe Raoul Schwing sitzt mit mehreren Keas im Gehege.
Raoul Schwing arbeitet seit vielen Jahren mit Keas – und ist fest davon überzeugt: Die Vögel gehören zu den intelligentesten Tieren überhaupt.
Vier Vögel stehen an der Experimentierbox und fressen ihre Belohnung.
Keas sind Meister der Kooperation: Nur wenn alle vier Vögel gleichzeitig an den Ketten ziehen, öffnet sich die Box, und es gibt eine Belohnung.
Zwei Keas spielen miteinander und kugeln einen Berg hinunter.
In Neuseeland suchen die neugierigen und verspielten Keas die Nähe des Menschen. Deshalb wird ihr Bestand schnell überschätzt. Tatsächlich gibt es nur noch rund 5.000 wildlebende Keas – die Vögel stehen deshalb auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
Die Autorin Claudia Ruby mit zwei Keas auf der Schulter
Keas interessieren sich für alles Neue – auch für die unbekannte Reporterin, die plötzlich in ihrem Gehege auftaucht.

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