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Diese Frau hat den besten Klimaschutzplan: Mehr Moor!

Die Wissenschaftlerin Franziska Tanneberger rechnet vor, wie Naturschutz Millionen Tonnen CO2 reduzieren kann

9 Minuten
Foto von der Ornithologin und Moorexpertin Franziska Tanneberger. In der Hand hält sie ein Diagramm.

Wer schon einmal in einem Moor war, kennt dieses Gefühl: Der Boden unter den Füßen gibt nach, man läuft wie auf einem Polster. Es ist das Moos Sphagnum, das diesen Effekt erzeugt. An der Oberfläche wächst es beständig neu. Darunter sammeln sich die abgestorbenen Pflanzen und bilden nach einer Weile den dunklen, charakteristischen Torf. Um rund einen Millimeter pro Jahr wächst die Pflanzenschicht. Ein Meter Torfboden braucht tausend Jahre, um zu entstehen.

Wer im Moore unterwegs ist, kann mit Glück besonderen Vogelarten begegnen: Bekassine, Birkhühner und Blaukehlchen bevorzugen diesen Lebensraum. Der Reichtum der Tier- und Pflanzenwelt konnte aber bisher nicht aufhalten, dass Landwirte, Wasserbauer und Forstwirte Moore auch in Deutschland sukzessive zerstört haben.

95 Prozent der Moore haben sie bei uns so konsequent trockengelegt oder anderweitig verändert, dass die Flächen den Namen Moor nicht mehr verdienen. Der Prozess begann bereits im 19. Jahrhundert, als Torf als Heizmaterial diente, wurde von den Nazis forciert und dann zwischen 1960 und 1980 in der rasenden Naturzerstörungslogik von Flurbereinigung und „Melioration“ nahezu vollendet.

Der Naturschutz in Deutschland versucht sich seither hauptsächlich daran, die jämmerlichen Reste der früher in Norddeutschland und im Alpenvorland flächig verbreiteten Moore zu erhalten.

Doch kommt es nun zu einer Trendwende aus ganz anderem Grund als der Artenvielfalt, nämlich aufgrund des Klimaschutzes?

Seit die Große Koalition aus Union und SPD am 20. September ihr Konzept für die künftige Klimapolitik vorgelegt hat, hat es von Experten wie Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) oder Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Kritik gehagelt. Die Maßnahmen der Regierung werden den Analysen zufolge nicht dazu führen, dass Deutschland seine selbstgesteckten und im Vertrag von Paris akzeptierten Ziele erreicht, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu reduzieren.

Aber die Moorexpertin und Ornithologin Franziska Tanneberger vom Greifswald Moor Centrum, einem Gemeinschaftsprojekt unter anderem der Universität Greifswald und der Succow-Stiftung, hat im mageren „Klimapaket“ einen Funken Hoffnung entdeckt. In dem Regierungsdokument steht: „Entwässerte Moorböden sind eine bedeutende Quelle von Treibhausgasemissionen. Der Moorbodenschutz stellt deshalb eine klimarelevante Maßnahme dar und wird verstärkt gefördert.“…

Ein Blaukehlchen sitzt auf einem trockenen Halm.
Das Blaukehlchen (Luscinia svecica) gehört wie Bekassine und Birkhuhn zu den Moorbewohnern – und ist deshalb eine bedrohte Art.
Nahaufnahme von Moorpflanzen. Sie ragen aus dem Wasser.
Torfmoos Sphagnum und andere Moorpflanzen.
Grafik, welche die CO2-Emissionen von austrocknenden Moorböden mit denen von 1,6 Millionen Autos (mit einer Fahrleistung von je 145.000 Kilometern) und zwei großen Kohlekraftwerken vergleicht.
Naturschutz als Klimaschutz.
Foto der Kante eines Moorbodens. Daneben läuft Wasser ab.
Torfböden speichern große Mengen Kohlenstoff. Doch wenn sie austrocknen oder abgebaut werden, verkehrt sich der Prozess ins Gegenteil.