Unser Leben in der Zukunft - Szenarien zum Alltag

Wir feiern Geburtstag - mit einer Lese-Liste unserer besten Artikel

Ernst Schorn Eine alte Schreibmaschine und ein modernes Netzwerk
  • Im Mai 2018 haben Carina Frey, Alexander Mäder und Rainer Kurlemann als ZukunftsReporter ein neues journalistisches Projekt gestartet. Wir schauen nach vorn und führen Sie in mögliche Welten, in denen wir leben werden oder leben wollen. Für uns ist es ein ungewöhnliches Experiment: Wir Journalisten werden zu Korrespondenten aus einer anderen Zeit. Jede Reise führt nur ein paar Jahre in die Zukunft und beschreibt eine ungewöhnliche Situation aus dem Alltag. Wir denken uns die Geschichten nicht einfach aus, alle haben einen wissenschaftlichen Hintergrund. Dieses Experiment soll unsere Leserinnen und Lesern zu einer Debatte anregen, ob wir so leben wollen, wie es unsere Szenarien beschreiben.
  • Diese Diskussionen werden unser Leben verändern, denn in vielen Bereichen können wir unsere Zukunft noch gestalten. Dazu benötigen wir Menschen, die sich über das Leben und unsere Gesellschaft Gedanken machen. Mittlerweile sind mehr als 30 Szenarien entstanden und wir haben bei acht Live-Veranstaltungen mit dem Publikum diskutiert. Wir haben zahlreiche Interviews geführt und viele Themen recherchiert. Wir haben gelernt, dass die Bürgerinnen und Bürger gern diskutieren, dass sie bereit sind, sich mit komplizierten Themen auseinanderzusetzen.
  • Das ist unsere gemeinsame Antwort auf Fake News, Populismus und holzschnittartiges Schwarz-Weiß-Denken. Zum Geburtstag haben wir in diesem Artikel Texte aus fünf Themenfeldern zusammengestellt, bei denen wir bemerkt haben, dass sie für unsere Leserinnen und Leser besonders wichtig sind..
  • Uns interessiert Ihre Meinung: Bitte schreiben Sie uns unter [email protected],
  • Wir bedanken uns für die Förderung des Projekts durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius für den Zeitraum 2018 und 2019.

Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag

Künstliche Intelligenz (KI) wird bereits in vielen Bereichen unseres Lebens eingesetzt, doch die Reichweite und Tiefe der damit verbundenen Veränderungen überschauen wir noch nicht. Viele Menschen vergleichen den Einsatz der KI mit dem Einzug der Roboter in die Fabrikhallen. Andere denken an Hollywoodfilme mit Computern, die die Menschheit ausrotten. Doch beide Bilder greifen zu kurz. Im Bereich KI gibt es viel Erklärungsbedarf. Ein Fazit unserer Diskussion: Viele Bürger haben keine Angst vor KI, sie freuen sich auf mögliche Erleichterungen und neue Freiräume. Drei Themen unserer Szenarien: Was tun, wenn der Mensch die Entscheidungen des Computers nicht mehr versteht? Was tun, wenn statt eines Arztes der Computer die Diagnose stellt? Was tun, wenn der eigene Job (bei uns der Journalismus) vom Rechner erledigt wird?

Für die Pflege älterer Menschen fehlt eine Lösung

Wir hoffen, dass wir selbst und unsere Angehörigen möglichst lange gesund bleiben. Dieser Wunsch lenkt von einem wichtigen Thema ab: Was passiert im Fall der Fälle? Was machen wir, wenn wir oder ein Angehöriger pflegebedürftig werden? Das ist ein brennendes gesellschaftliches Thema, noch dazu emotional aufgeladen. Bei einer unserer Veranstaltungen stand eine ältere Frau auf und sagte, sie würde sich selbst umbringen oder das Gerät zerstören, bevor ein Roboter in ihren Haushalt einziehen dürfte. Eine andere Frau sagte, sie würde sich freuen, wenn jemand da wäre, notfalls auch eine Maschine. Pflege ist kein einfaches Thema. Die wenigsten sprechen darüber – weder die Angehörigen noch die Betroffenen. Wir tun es, und beschreiben, wie es wäre, wenn pflegende Angehörige ihren Dienst verweigern oder Pflegeroboter uns im Alltag begleiten. 

Gene liefern Informationen und werden zum Rohstoff

Das Thema Genetik und der Umgang mit menschlicher DNA erlebte in zwei Jahren ZukunftsReporter eine gewaltige Dynamik. Europa lehnt Gentechnik auf dem Acker ab, auf anderen Kontinenten wird sie zum Normalfall. Eine Schweizer Forschergruppe hat künstliche DNA erzeugt. Gentechnisch veränderte Bakterien sollen wertvolle Rohstoffe produzieren. Der Deutsche Ethikrat lehnt den Eingriff in das menschliche Erbgut nicht mehr kategorisch ab. Auch bei unseren Diskussionen fordern die Betroffenen Ausnahmeregelungen zur Verhinderung von Erbkrankheiten. Gleichzeitig sorgt ein Bluttest zur Erkennung des Downsyndroms für Aufsehen. Wir haben viele Artikel mit unterschiedlichen Blickwinkeln verfasst: Ein Bericht von einer Insel, wo Eltern mit Kinderwunsch ihr Erbgut korrigieren lassen. Und die Geschichte eines Krebspatienten, der sich freut, dass er schon in jungen Jahren von seiner Erkrankungen erfahren hat.

Menschen wollen in Entscheidungen eingebunden werden

Die Beschränkungen wegen des Coronavirus werden heftig diskutiert. Wie stark darf der Staat in das Leben der Bürgerinnen und Bürger eingreifen? Dahinter steckt ein grundsätzliches Problem: Wie sollen Entscheidungen gefällt werden? Bei unseren Live-Diskussionen haben wir immer wieder Verständnis für Verbote, aber auch Bereitschaft zur Toleranz gefunden. Entscheidungen werden leichter akzeptiert, wenn die Begründungen transparent erklärt werden. Transparenz ist auch ein mögliches Mittel gegen Verschwörungstheorien. Uns Zukunftsreporter beschäftigt dieses Thema Beteiligung und Entscheidung sehr. Während der Coronazeit haben wir eine Watchlist erstellt, mit Themen, die wir weiter beobachten und stimulieren wollen, damit die Krise möglichst viele positive Folgen zeigt. In einem Szenario regt sich Widerstand gegen eine Expertenregierung, die bei einer aufziehenden Krise nur das objektive Wohl der Bevölkerung im Blick hat. In einem anderen Szenario versuchen die Machthaber das Volk mit psychologischen Tricks zu täuschen, damit es freiwillig die gewünschten Entscheidungen trifft.   

Städte, Ernährung und Wirtschaft: auf der Suche nach neuen Wegen

Schon seit vielen Jahren lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse - auch in Deutschland. Wir gehen nicht nachhaltig mit den natürlichen Ressourcen um. Klimakrise und Verlust an Artenvielfalt sind zwei besonders offensichtliche Folgen. Der Druck aus der Gesellschaft nach Veränderungen wächst. Doch es gibt keinen Konsens über das richtige Rezept. Bei der Bio-Ökonomie konkurrieren technische Lösungen mit der Sehnsucht nach einem Leben im Einklang mit der Natur. In diesem Themenfeld sind Aussagen über die Zukunft besonders schwer. Wir haben viele verschiedene Szenarien erstellt. Als Treiber der Veränderungen sind ganz unterschiedliche Gruppen denkbar. Die Bewohner einer Großstadt wehren sich gegen Pendler, die mit ihren Autos Platz stehlen und Luft verpesten. Stadtplaner entwickeln eine Datenbank, damit sie schneller von guten Erfahrungen in anderen Kommunen profitieren können. Pakistans Textilarbeiter fordern vergleichbaren Umweltschutz wie in Deutschland und protestieren vor Modeläden. Kinder verlieren den Ekel vor Spinnen, weil sich Insekten auch in Deutschland als nachhaltige Lebensmittel durchsetzen. Und Ingenieure liefern eine Antwort auf Umweltschäden durch Rinderzucht: Das Steak kommt demnächst aus dem 3D-Drucker. Fünf Szenarien, die Widerspruch herausfordern.

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