Teure Parkplätze – mehr Platz für Menschen

Parkplätze werden teurer. Ein Zukunftsszenario für den Weg zu einer neuen Mobilität.

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Eine bunte Zeichnung vom Leben in der Stadt: Nur wenig Parkplätze, dafür mehr Fahrräder, spielende Kinder.

Stellen wir uns einmal vor, das Konzept der autogerechten Innenstadt gehört der Vergangenheit an. Die Städte bieten wieder mehr Raum für Leben auf der Straße. Doch dafür mussten sich Bewohner und Pendler umstellen und auf Parkmöglichkeiten verzichten. Ein Zukunftsszenario der ZukunftsReporter.

Fast hätte ich es vergessen: Ich muss noch einen Parkplatz für das Auto meiner Tochter buchen. Sie kommt mit ihrer kleinen Familie zu Besuch. Den Code für den Abstellplatz schicke ich ihr auf das Handy, denn sonst kann sie nicht in die Stadt fahren. Seit ein paar Jahren haben wir dieses automatische Lesesystem an den Einfallstraßen. Die Ampel wechselt nur dann auf grün, wenn für das Auto ein Parkplatz zur Verfügung steht. Das klingt kompliziert, aber es bilden sich nur selten lange Schlangen.

Es gab in der Anfangsphase viel Stress mit den notorischen Autofahrern, die ihre Privilegien nicht abgeben wollten. Große Proteste entbrannten, als die Parkplätze für Autos immer teurer wurden – und ihre Zahl jede Woche weiter sank. Heute traut sich niemand mehr, ein Auto irgendwo ohne Berechtigung außerhalb eines Parkhauses abzustellen. Das würde richtig teuer werden, weil die Kontrolleure sofort Krallen anlegen. Früher wäre es undenkbar gewesen, mit der Strategie, Parkplätze abzubauen, Wahlen zu gewinnen. In unserer Stadt hat die Bürgermeisterin einfach durchgegriffen. Nicht geredet, sondern gehandelt. Drei Jahre lang war die Verkehrspolitik das beherrschende Thema, über das alle Bürger gesprochen und heftig gestritten haben. Ich gebe offen zu, dass ich zunächst dagegen war. Ich war blind dafür, wie schön das Leben in der Stadt sein kann.

Weniger Parkplätze, weniger Autoverkehr

Als Reaktion auf die Erderwärmung wurde ein Viertel der Stellflächen mit Bäumen bepflanzt, das hat das Klima in der Stadt deutlich verbessert. Mit weniger Parkplätzen gibt es automatisch weniger Autoverkehr. Die Blumen und das viele Grün bessern meine Laune. Ich hatte nicht damit gerechnet, welche Wirkung diese einfache Maßnahme haben kann. Wir Bewohner der Stadt spüren die Verbesserungen im Sommer jeden Tag. Stickoxide, Feinstaub, Fahrverbote, Umweltzone, schwere Verkehrsunfälle – all das ist in unserer Stadt kein Thema mehr.

Ein weiteres Viertel der Parkplätze wurde nach und nach für Fahrräder und Elektroroller umgestaltet. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Eine neue Verordnung der Verwaltung schreibt vor, dass die Zahl der Parkplätze in den Straßen jedes Jahr um ein Prozent verringert werden muss. Wir haben längst die Preise von Stockholm erreicht, dort kostet ein Bewohnerparkticket 830 Euro im Jahr. Wir haben lange geglaubt, der hohe Preis für Parkraum wäre unsozial. Aber es ist nur teuer für diejenigen, die regelmäßig Autofahren wollen. Familien mit mehreren Kindern bekommen einen Rabatt, weil für sie der Alltag sonst schwer zu organisieren ist. Unsere Nachbarn bringen ihre Kinder noch mit dem Auto zur Musikschule oder zum Fußballtraining. Manchmal sind die Busverbindungen trotz aller Bemühungen einfach nicht gut genug.

Meine Tochter wird kostenlos parken können, denn mein Parkplatzkonto liegt für dieses Jahr noch im grünen Bereich. Weil ich kein eigenes Auto habe und keine Flächen in meinem Wohngebiet blockiere, bekomme ich in den städtischen Parkhäusern Rabatt. An 40 Tagen im Jahr können meine Besucher kostenlos parken, danach zahlen sie nur 25 Euro pro Tag statt der üblichen 50 Euro. Ich schöpfe mein Kontingent nie aus, da kassiere ich lieber die Prämie für jeden nicht genutzten Tag.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Frage, wie die Flächen auf den Straßen der Innenstadt genutzt werden, wird in den kommenden Jahren in den deutschen Großstädten ein heißumkämpftes Thema sein. Jahrelang ist nicht viel passiert, denn bisher galten deutschlandweit einheitliche Regeln, die den Kommunen nur wenig Spielraum gelassen haben. Bewohnerparkausweise durften bisher höchstens 30,70 Euro kosten. Doch nun hat der Bund die Verantwortung an die Länder übertragen, die den Ball an die Städte spielen werden. Und die nutzen ihre Chance schon jetzt. In Freiburg kosten Bewohnerparkausweise für die Innenstadt demnächst im Durchschnitt 360 Euro pro Jahr. Auch in anderen Städten könnten sich die Gebühren für Bewohnerparkausweise verzehnfachen.

Der Ärger der Bürgern und Bürgerinnen wächst. Die einen klagen über hohe Parkkosten, die anderen wollen nicht länger akzeptieren, dass Autos den städtischen Raum zuparken und greifen zur Eigeninitiative. In einem Düsseldorfer Stadtteil haben Bewohner Blumenkübel auf die Bürgersteige gestellt, damit dort keine Autos mehr parken können. Beim jährlichen „Parking day“ werden Parkflächen für ein Wochenende in Bürgerflächen umgewandelt. Andere Städte bauen bereits dauerhaft Stadtviertel um und schaffen Platz für die BewohnerInnen. In Köln sollen 30 Prozent der öffentlichen Parkplätze wegfallen.

Immer weniger Parkplätze in Amsterdam

Die Stadt Amsterdam hat sich entschieden, die Zahl der Parkberechtigungen jährlich um 1500 zu reduzieren. Wer derzeit einen Parkausweis besitzt, darf ihn behalten. Aber wenn ein Parkausweis wegen Umzug, Tod oder Abmeldung des Autos verfällt, wird er zunächst nicht erneut vergeben – selbst dann nicht, wenn die Bürger innerhalb der Stadt umziehen. Wer einen neuen Parkausweise möchte, muss sich auf eine Warteliste eintragen. Die Stadtverantwortlichen rechnen damit, dass es Jahre dauern kann, bis eine Bewilligung erteilt wird.

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