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Das Weißkehlchen braucht karge, unordentliche Landschaften

Weniger als 5000 Steinschmätzerpaare brüten in Deutschland.

14.08.2019
6 Minuten
Ein Steinschmätzer hat ein dickes Insekt im Schnabel.

Vogelbeobachter kennen dieses Wechselbad der Gefühle aus den Monaten der Brutzeit: Man sieht eine eher seltene Vogelart an einem Ort und freut sich – vor allem dann, wenn sich Männchen und Weibchen gemeinsam zeigen. Das nährt die Hoffnung, dass das Vogelpaar sich vielleicht nahe des Ortes der Beobachtung zum Nestbau und zum Brüten entschließt, sofern die Voraussetzungen des Lebensraumes stimmen.

Doch selbst nach mehreren Tagen der wiederholten Sichtung in derselben Umgebung schlägt oftmals die Hoffnung in Enttäuschung um. Von heute auf morgen ist das Vogelpaar verschwunden und taucht auch nicht mehr auf. Es hat nur Station auf seinem Flug in den Norden gemacht und ist weitergezogen.

Zu den Vögeln, die auf diese Weise wenigstens für ein kurzfristiges ornithologisches Aha-Erlebnis sorgen, gehören die Steinschmätzer aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Noch in den 1950er Jahren galt der Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) in Deutschland und seinen mitteleuropäischen Nachbarländern als häufiger Brutvogel, besonders in Trockenlandschaften, Mooren und Kiesgruben.

Ruinenstädte als idealer Lebensraum

Steiniger Untergrund ist ihm ein beliebter Biotop, in den Spalten von Mauern der Weinberge baut er gern sein Nest. In nördlichen Ländern und auf Inseln im Nordatlantik, wo die Steinschmätzer häufiger vorkommen, bieten ihnen die vielen Feldsteinmauern ebenfalls ideale Aufenthaltsorte. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sie sich besonders gern in von Bomben zerstörten deutschen Städten an und sorgten damit bis Anfang der 1960er Jahre für eine merkbare Bestandsvermehrung.

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Der Steinschmätzer sitzt auf einem staubigen Acker.
Früher ein häufige Art, doch heute gibt es nur noch rund 5000 Brutpaare des Steinschmätzers in Deutschland.

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Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels, 1938 in Schwerin/Mecklenburg geboren, kann man als Doyen des deutschen Vogeljournalismus bezeichnen. Für die FAZ hat er etwa 500 Beiträge verfasst – darunter Dutzende Porträts des jeweiligen „Vogel des Jahres“. Er war von 1990 bis 2004 Präsident des WWF Deutschland, seit 2008 war er Vorstandsvorsitzender der von ihm initiierten Stiftung Feuchtgebiete und bemühte sich, praktische Hilfe für den Natur- und speziell für den Vogelschutz zu leisten. In der Serie „Meine Vogelbeobachtungen“ präsentierte von Treuenfels Artikel aus seinem Lebenswerk mit aktuellen Kommentaren. Carl-Albrecht von Treuenfels ist am 7. September 2021 gestorben.


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