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Und über uns trillierten die wunderbaren Tempelhofer Feldlerchen

Ein entspannter Flugbegleiter-Abend beim „Langen Tag der Stadtnatur“ in Berlin

von
20.06.2018
etwa 2 Stunden
Eine Lerche fliegt am Himmel.

Einmal im Jahr haben selbst hartgesottene Großstädter, die mit ländlichen Landschaften und mit Nationalparks nichts anfangen können, eine Chance, in die Artenvielfalt Deutschlands einzutauchen: Seit 2007 gibt es den „Langen Tag der Stadtnatur“ in Berlin. Von dort aus hat die Idee, urbane Biodiversität zu zelebrieren und mit Veranstaltungen zugänglich zu machen, auch viele andere Städte inspiriert, etwa Bremen, Bochum, Kiel, Augsburg und Nürnberg.

Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit. Die Berliner konnten aus mehreren Hundert Veranstaltungen auswählen, vom Besuch im Bienengarten oder Kinderbauernhof über pflanzenkundliche Exkursionen und Dates mit Fledermäusen – bis zu einem Leseabend mit uns „Flugbegleitern“ auf dem Tempelhofer Feld mit dem Titel „Was die Vögel uns erzählen…und wir über sie".

Vom Exerzierfeld zum Stadtnatur-Erlebnis

Wir haben gerne beim Langen Tag der Stadtnatur mitgemacht. Wöchentlich digitale Beiträge für Sie vorzubereiten macht Freude, doch genauso schön ist es, mit Leserinnen und Lesern sowie Interessierten direkt zusammenzutreffen. Und so gehörten die zwei Stunden mit gut 20 Teilnehmern zu den Highlights in der einjährigen Geschichte unseres Naturjournalismus-Projekts.

Bevor wir allen, die nicht dabeisein konnten, den Mitschnitt unseres Leseabends präsentieren, noch ein paar Sätze zum Tempelhofer Feld: für die Nicht-Berliner unter Ihnen, die sich vielleicht fragen, weshalb eine Naturveranstaltung ausgerechnet auf einem früheren Flughafen stattfindet.

Das Tempelhofer Feld in Berlin hat eine bewegte Geschichte, die mit Naturschutz zunächst rein gar nichts zu tun hat: Südlich der traditionellen Innenstadt gelegen, entwickelte es sich vom Ackerbaugebiet zum Paradeplatz der preußischen Armee, vom Exerzierfeld zum Experimentiergebiet für die Luftfahrt und Sportareal samt Stadion für 40.000 Menschen. In den 1920er Jahren starteten von hier dann erste regelmäßige Flüge, es folgte der Ausbau zum Berliner Zentralflughafen durch die Nationalsozialisten. Berühmt wurde der Flughafen Tempelhof auch durch seine Rolle bei der Berliner Blockade 1948/49, als die USA die Bewohner des von den Sowjets abgeriegelten Westens der Stadt durch die „Rosinenbomber“ versorgten. Bis 1970 und dann wieder ab 1985 diente das Tempelhofer Feld als Flughafen. Wenn die Maschinen von Osten kamen, donnerten sie nur wenige Meter über die Dächer Neuköllns hinweg auf die Landebahn.

Seit 2008 ist damit Schluss, die Stadt schloss den alten Flughafen in Erwartung des neuen BER. In den vergangenen elf Jahren hat die Stadtgesellschaft die Fläche in Besitz genommen – zum Ausruhen, Grillen, Skaten, und Joggen, zum Gemüseanbau und zum Drachensteigen. In dieser Zeit entdeckten die Berliner auch, dass auf einer der größten städtischen Freiflächen der Welt, die aufgrund ihrer Weitläufigkeit und ihres kurzen Bewuchses einer wilden Steppenlandschaft ähnelt, eine erstaunliche Vielfalt von Vogelarten zuhause ist. Dazu gehören in großer Zahl…

Feldlerchen

Eine Feldlerche auf der Lande-/Startbahn.
Tempelhofer Feldlerche
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Auf mindestens 100 Brutpaare schätzt der Berliner Stadtnaturexperte Derk Ehlert den Bestand an Feldlerchen. „Das ist eine der größten Populationsdichten in Deutschland“, sagte er dem Tagesspiegel. In der Brutzeit ist der weitläufige innere Teil des Geländes abgesperrt, so dass die „Senkrechtstarter", wie sie auf Schildern liebevoll genannt werden, in Ruhe brüten können. Bis weit in den Sommer hinein singen die Vögel hoch oben über dem Feld – am vergangenen Samstag mischte sich ihr Gesang in die Flugbegleiter-Texte, die wir vorlasen.

Auf dem Tempelhofer Feld brüten auch weitere Arten, die aus der Agrarlandschaft zu verschwinden drohen, wie zum Beispiel

Braunkehlchen

Ein Vogel auf einem Metallkasten an einem Flughafen.
Techno-Braunkehlchen

Grauammer

Eine Grauammer sitzt vor einem Flughafen.
Grauammer

Der Vogelbeobachter Manuel Tacke, der das Feld regelmäßig begeht, hat in den vergangenen Wochen auf ornitho.de eine Vielzahl weiterer bemerkenswerter Arten eingetragen: Steinschmätzer als Brutvögel, Mäusebussarde und Turmfalken als Dauerbewohner, Wiesenpieper, Bekassine und sogar eine Sumpfohreule als Durchzügler. Die kleine Berliner Saatkrähenpopulation pendelt regelmäßig zwischen dem Flughafen Tegel, wo sie zuhause ist, und dem Alt-Flughafen. Nebelkrähen gibt es ohnehin in großer Zahl, und regelmäßig auch…

Kolkraben

Eine Saatkrähe im Flug vor dem Flugkontrollturm des Tempelhofer Felds.
Eine Saatkrähe im Flug.

Das Tempelhofer Feld zählt also eindeutig zu den Hotspots der urbanen Vogel-Vielfalt – und deshalb war es auch ein so geeigneter Ort für unsere Lesung „Was die Vögel uns erzählen…und wir über sie."

Ein Gruppe Menschen haben sich auf einer Wiese versammelt. Einige sitzen auf dem Boden, andere auf Holzgerüsten. Alle gucken in die Richtung eines Mannes, der vor ihnen an einem Mikrofon steht.
Flugbegleiter live: Der Journalist Joachim Budde liest auf dem Tempelhofer Feld aus einem seiner Artikel vor.

Rund 20.000 Menschen nehmen an dem 26stündigen „Langen Tag der Stadtnatur“ jedes Jahr teil – und angesichts des großen Angebots mit mehreren Hundert Veranstaltungen waren wir sehr glücklich, dass gut zwanzig sehr nette Menschen den Weg zu uns fanden. Die Flugbegleiter Joachim Budde, Markus Hofmann, Johanna Romberg und Christian Schwägerl lasen insgesamt acht Texte – aus unserem Angebot und aus dem Buch „Federnlesen – vom Glück, Vögel zu beobachten“ von Johanna Romberg. Nacht eineinhalb Stunden Lesung brachen wir noch zu einem Spaziergang auf, bei dem wir nicht nur Feldlerchen lauschen konnten, sondern es uns auch gelang, den Steinschmätzer zu beobachten.

Mitschnitt unserer Lesung


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Unsere Leseliste beim Langen Tag der Stadtnatur

Cover des Buches „Federnlesen“ von Johanna Romberg
Cover des Buches „Federnlesen“ von Johanna Romberg

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Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Christian Schwägerl ist Journalist in den Bereichen Umwelt, Wissenschaft und Politik. Er war als Korrespondent für die Berliner Zeitung (1997–2001), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2001–2008) und den SPIEGEL (2008–2012) tätig und arbeitet seit 2013 freiberuflich für Medien wie GEO, FAZ und Yale E360. Von ihm stammen die Bücher „Menschenzeit“ über das Anthropozän, „11 drohende Kriege“ über globale Konfliktrisiken (mit A. Rinke) und „Analoge Revolution“ über die Zukunft digitaler Technologien. Seit 2014 leitet er die von der Robert Bosch Stiftung geförderte „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“. Schwägerl hat einen Master-of-Science-Abschluss in Biologie. Er ist Mitgründer und Vorstand von RiffReporter. Für seine journalistische Arbeit hat er zahlreiche Preise erhalten, darunter den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus (2007) und den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus (2020, mit J. Budde).


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