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Klimakrise und Wetterextreme: Warum Tümpel und andere Feuchtgebiete zur kritischen Infrastruktur gehören

Zusätzlich zur CO2-Reduktion brauchen wir eine flächendeckende Flurbereicherung. Ein Kommentar

23.04.2019
5 Minuten
Aufnahme eines Tümpels.

Ob Hurrikane oder Dürren – Extremereignisse geben einen Vorgeschmack auf die Welt, die uns droht, wenn die Klimakrise nicht zumindest eingedämmt wird. Seit Jahrzehnten warnen Klimaforscher, dass Wetterextreme zunehmen werden, wenn die Erde wärmer wird und die Menschheit weiter Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in die Atmosphäre bläst. Kein seriöses Klimamodell sagt eine ruhigere, gemäßigtere Welt voraus.

Doch auch der beste Klimaschutz, die härteste CO2-Minderung werden nicht verhindern, dass heute und in Zukunft mit mehr und heftigeren Extremwetterereignissen zu rechnen ist. Und selbst für den extrem unwahrscheinlichen Fall, dass die Desaster unserer Zeit ganz natürliche Ereignisse wären, verdient jetzt ein gigantisches Umweltthema viel mehr Beachtung. Die Rede ist vom Schutz von Feuchtgebieten.

Die Dürre des Jahres 2018, als in Deutschland die Flüsse zu Rinnsalen wurden, setzt sich 2019 fort. Vielerorts herrscht Waldbrandgefahr. Ackerböden sind gefährlich trocken. Die ganze Natur lechzt nach Wasser. Dass kein Wasser von oben kommt, ist das eine Problem. Aber jetzt rächen sich auch Jahrzehnte, in denen wir bei uns und weltweit sorglos mit wertvollen Landschaftselemente umgegangen sind: Tümpel, Feuchtwiesen, Moore und viele feuchte Biotoptypen mehr.

Kernelemente der ökologischen Infrastruktur

Feuchtgebiete – von Küstenbiotopen über kleine Tümpel und Feuchtwiesen in der Agrarlandschaft bis zu Mooren im Küstenbereich und im Gebirge – sind für den Menschen und für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten überlebenswichtig. Sie speichern Wasser für Dürrezeiten und sie nehmen wie Schwämme überschüssiges Wasser auf, wenn es unaufhörlich regnet. Feuchtgebiete tragen zur lokalen Abkühlung bei, filtern Schadstoffe, sind wichtige Nahrungs- und Rastgebiete für Zugvögel. Sie können alle diese Funktionen auch deshalb so gut erfüllen, weil sie artenreiche Lebensräume sind, die sich selbst regulieren. Wenn Feuchtgebiete fehlen, sammeln sich große Mengen Regen- oder Schmelzwasser nicht in der Natur, sondern in jenen Siedlungen, die der Mensch in Täler baut – mit katastrophalen Folgen.

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Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Christian Schwägerl ist Journalist in den Bereichen Umwelt, Wissenschaft und Politik. Er war als Korrespondent für die Berliner Zeitung (1997–2001), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2001–2008) und den SPIEGEL (2008–2012) tätig und arbeitet seit 2013 freiberuflich für Medien wie GEO, FAZ und Yale E360. Von ihm stammen die Bücher „Menschenzeit“ über das Anthropozän, „11 drohende Kriege“ über globale Konfliktrisiken (mit A. Rinke) und „Analoge Revolution“ über die Zukunft digitaler Technologien. Seit 2014 leitet er die von der Robert Bosch Stiftung geförderte „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“. Schwägerl hat einen Master-of-Science-Abschluss in Biologie. Er ist Mitgründer und Vorstand von RiffReporter. Für seine journalistische Arbeit hat er zahlreiche Preise erhalten, darunter den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus (2007) und den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus (2020, mit J. Budde).


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