Corona-Hotspots: Warum sterben in manchen Regionen besonders viele Menschen an der Krankheit?

Regionen mit hohen Todeszahlen haben einige Gemeinsamkeiten

NIAID-RML

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

In einigen Regionen und Ländern sterben oder starben sehr viel mehr Menschen an dem neuen Coronavirus als anderswo. Besonders erschreckend sind zum Beispiel die Zahlen aus New York, Brasilien, Italien oder Großbritannien. All diesen Corona-Hotspots ist gemein, dass die Behörden erst spät mit Kontaktbeschränkungen auf das Auftreten des Virus reagierten, dass deshalb insgesamt sehr viele Menschen gleichzeitig erkrankten und die Gesundheitssysteme sowie die Kliniken zwischenzeitlich überlastet waren. In Italien geschah dies vor allem, weil die Epidemie das Land als erstes in Europa und damit unerwartet traf. Auch in vielen anderen Ländern reagierten die politischen EntscheidungsträgerInnen verspätet oder nicht konsequent genug. 

Was verursacht die Unterschiede bei den Todesraten?

Daneben stellt sich die Frage, warum gerade in den Hotspots der Epidemie zusätzlich die Todeszahlen im Verhältnis zur Zahl der Infizierten besonders hoch sind. Dafür haben WissenschaftlerInnen mehrere Erklärungen: In einigen der Regionen gibt es vermutlich besonders viele alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Da diese zur Risikogruppe gehören, steigt insgesamt das Verhältnis der Verstorbenen. Verstärkt haben könnte diesen Effekt, dass oft sogar besonders viele RisikopatientInnen unter den Erkrankten waren, etwa, weil Alten- und Pflegeheime nicht ausreichend geschützt worden sind. Einen Einfluss auf die Todesrate hatte es sicherlich auch, dass vielerorts vergleichsweise selten auf Sars-CoV-2 getestet wurde und darum der Anteil der Toten an den Erkrankten höher erschien. Hinzu kam die Überlastung der Gesundheitssysteme, deretwegen viele PatientInnen nicht adäquat medizinisch versorgt wurden und ein erhöhtes Sterberisiko hatten. 

ExpertInnen führen Unterschiede in den Todesraten zwischen einzelnen Ländern aber auch auf unterschiedliche Formen des Zusammenlebens zurück. In Italien leben SeniorInnen beispielsweise häufiger mit ihren Familien in gemeinsamen Haushalten zusammen. Die Generationen sind insgesamt weniger stark voneinander getrennt. Dadurch dürften sich ältere Menschen auch häufiger infiziert haben. Hinzu kommt, dass die Bevölkerungsdichte in den verschiedenen Regionen der Welt sehr unterschiedlich ist. In praktisch allen Hotspots leben sehr viele Menschen auf sehr engem Raum. Klar, dass Epidemien dann sehr viel rascher und dramatischer verlaufen als in ländlichen Regionen, in denen die Bewohner weit auseinander leben und vergleichsweise wenig direkten Kontakte zu anderen Menschen haben. Diskutiert wird auch, dass die Menschen in Regionen mit besonders hoher Luftverschmutzung stärker betroffen sind als anderswo.

Was passierte in Italien?

Besonders gut untersucht sind die möglichen Ursachen der hohen Covid-19-Todesrate in Italien. Dort waren besonders viele alte Menschen unter den Todesopfern, und es leben dort auch besonders viele alte Menschen. Außerdem rauchen dort mehr Menschen als in anderen Ländern, und es sind außergewöhnlich viele bakterielle Krankheitserreger unempfindlich gegen Antibiotika. Diese Medikamente wirken zwar nicht gegen Viren, aber sie bekämpfen gefährliche Begleit-Infektionen wie bakterielle Lungenentzündungen. 

Außerdem könnte die Dunkelziffer unerkannter Fälle mit mildem Verlauf in Italien besonders hoch gewesen sein, was die Zahlen im Nachhinein relativieren würde. In Deutschland wurden zumindest in der ersten Phase der Pandemie insgesamt deutlich mehr Labortests durchgeführt, deshalb war hier die Dunkelziffer niedriger. Außerdem war das Gesundheitssystem in vielen Regionen Italiens anders als hierzulande bereits vor der Corona-Krise überlastet. Und in den stark von der Epidemie betroffenen norditalienischen Regionen Lombardei und Emiglia-Romagna ist die Luftverschmutzung außergewöhnlich hoch. (Peter Spork)

Zusätzliche Quellen:

Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Covid-19: Ein Virus bedroht die Welt