Reise ins Anthropozän: Dirk Steffens erklärt im ZDF die neue Erdepoche des Menschen

Von Petra Ahne

AnthropoScene: Journalistische Expeditionen in unsere neue Erdepoche

Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich eines Themas annimmt, ist das ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass es die Nische verlassen hat und für tauglich gehalten wird, ein größeres Publikum zu interessieren. Mit der dreiteiligen Serie „Anthropozän – das Zeitalter des Menschen“ hat sich das ZDF sogar eine aufwendige Eigenproduktion geleistet. Wer vorher nicht genau wusste, was „Anthropozän“ eigentlich bedeutet, wird es auch nach dem Gucken der Serie nicht mit einer Präzision sagen können, die einen Geologen – denn aus der Disziplin kommt das Wort ja – zufriedenstellen würde. Das ist aber auch nicht so schlimm.

Die Serie benutzt den Begriff nicht im streng wissenschaftlichen Sinn, sondern in der freieren Interpretation, in der er derzeit ins gesellschaftliche Bewusstsein sickert und da Wichtiges leistet. Er bringt auf den Punkt, was der Mensch für die Erde geworden ist: eine sie für immer verändernde Kraft. Sich diese Rolle unserer Spezies klarzumachen, ist dringend nötig, nur so kann endlich ein Gefühl der Verantwortung für den Planeten entstehen.

Erde, Wasser, Luft

Um die konkreten Auswirkungen menschlicher Aktivitäten anschaulich zu machen, bietet „Anthropozän – das Zeitalter des Menschen“ alles auf, was eine populärwissenschaftliche Fernsehsendung an Mitteln zur Verfügung hat: einen um die Welt reisenden Moderator, imposante Bilder, Szenen mit Schauspielern, die in eine mal nähere, mal fernere Vergangenheit führen.

Die jeweils 45 Minuten langen Folgen heißen „Erde“, „Wasser“, „Luft“. „Erde“ beschäftigt sich damit, wie der Mensch sich an der Oberfläche des Planeten zu schaffen macht. Es geht um die Geschichte des Ackerbaus, darum, wie mit der Landwirtschaft auch Staaten entstanden, um die folgenschwere Entdeckung des Kunstdüngers, die Verlagerung des Lebens vom Land in die Städte, das Insektensterben, Indoor-Farmen.

„Luft“ ist im Grunde eine Folge über CO2-Austoß und den daraus folgenden Klimawandel, Moderator Dirk Steffens reist vom ersten für tot erklärten Gletscher in Island zum Rio Tinto in Spanien, wo seit 3000 Jahren Kupfer und Eisen abgebaut werden, er erzählt von der Entdeckung von Erdöl, Steinkohle und der Photosynthese, zeigt Superfarmen in Australien mit ihren tausenden, Methan produzierenden Rindern und steht in der Sperrzone in Tschernobyl, wo die Hoffnung auf Atomkraft als saubere, sichere Form der Energiegewinnung begraben wurde.

Die Globalisierung hat schon früh begonnen

In der dritten Folge geht es um Wasser als lebensnotwendiges Element, um Cholera, um die ungeheure Wassermengen verschlingenden Gewächshäuser in Spanien, um die Versuche, Salz- zu Trinkwasser zu machen. Aber auch um die Meere, die allerdings durchaus umstrittene Prognose, dass 2050 wohl mehr Plastik in ihnen schwimmen wird als Fische, um ansteigende Meeresspiegel, versinkende Städte und immer weniger werdenden Sand.

Das klingt wie ein ziemlich wilder Ritt durch Zivilisations-, Industriegeschichte und globale Umweltprobleme, und das ist es auch. Mehr als einmal wünscht man sich, die Macher des Dreiteilers hätten nicht alle erzählerischen Möglichkeiten so begeistert ausgeschöpft. Da befindet man sich in einem Moment auf einem Großmarkt für Obst und Gemüse, wo Moderator Steffens in verschiedene Kisten greift, um zu veranschaulichen, wie selbstverständlich Obst aus allen Ecken der Welt für uns ist. Im nächsten ist man im Alten Rom, wo als Römerinnen verkleidete Schauspielerinnen auf einem Markt ebenfalls das Angebot prüfen.

Dass die Globalisierung früh begonnen hat und dass es ein großer Schritt war, als der Mensch lernte, Feuer zu machen oder zum ersten Mal eine Erdölquelle zum Sprudeln brachte, hätte man sich auch ohne die großzügig eingesetzten Spielszenen vorstellen können. Dazwischen gibt es viele Satellitenbilder. So wirken die drei ohnehin mit Informationen und Zahlen dick bepackten Serienteile zuweilen überladen und nicht stringent erzählt.

Verlorene Unschuld

Zweimal gibt es einen unvermittelten Wechsel in ein Bohrkernlager, wo die geologischen Kriterien, die erfüllt werden müssen, damit unser Erdzeitalter offiziell zum Anthropozän werden kann, angedeutet, aber nicht wirklich erklärt werden.

Insgesamt ist der Dreiteiler aber ein eindrucksvolles Projekt und beim ZDF ist man merklich stolz darauf, im Rahmen der traditionsreichen Dokumentationsreihe Terra X diese Eigenproduktion gewagt zu haben. So oft ist noch nicht versucht worden, einem breiten Publikum den sperrigen Begriff „Anthropozän“ nahe zu bringen.

Die Folgen menschlichen Handelns für die Erde werden nicht nur benannt, es wird auch erklärt, wie es dazu kam. Man begreift, dass alles, was der Umwelt heute zu schaffen macht, einst in guter Absicht erfunden wurde, um das Leben der Menschen zu erleichtern. Und dass diese Unschuld für immer verloren ist.

„Anthropozän – das Zeitalter des Menschen“, ab dem 8. März jeweils sonntags um 19.30 Uhr im ZDF

  1. Anthropozän
  2. Artenschutz
  3. Flüsse

Expedition am Mississippi: Alligatorensuche in einer einmaligen Landschaft

Flussreporterin unterwegs: Einst wurden die Reptilien erbarmungslos gejagt. Jetzt sind zwar vor dem Aussterben gerettet, aber auf den Menschen angewiesen

Das Bild stellt einen Abschnitt des Mississippi-Flusses dar. Im Zentrum Wasser, rechts und links Galeriewälder, die einen tristen Eindruck machen. Das Bild zeigt das Gebiet, in dem die Expeditionsteilnehmer nach Eiern von Alligatoren gesucht haben.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 11: Denkmal aus Vollmond und Beton

Fieldwriter Gerhard Richter schreibt im Vollmond über einen öden Planeten, der im Universum seine eigene Evolution erlebt.

  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 10: Birken, Stille, Knall

Fieldwriter Gerhard Richter tippt in einer erschütterten Landschaft und spürt das Echo des Krieges.

  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 9: Werde Erde

Fieldwriter Gerhard Richter sitzt auf einem Grab, aber sein Körper sträubt sich. Warum will er nicht zu Erde werden?

  1. Anthropozän
  2. Gemeinwohl-Ökonomie

Der Traum von einer ethischen Marktwirtschaft, die unseren Planeten erhält

Aktivisten der Gemeinwohl-Ökonomie diskutierten an der Hochschule Bremen mit Wissenschaftlern über ihre Idee für eine bessere Zukunft – die ihrer Meinung nach eine Alternative zu Kapitalismus und Kommunismus ist.

Erde rieselt durch zwei Hände. Die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung propagiert Ideen zu einem sorgsameren Umgang mit der Erde.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 8: Mittwoch auf einsamer Insel

Ein extremer Standort fördert gewagte Gedanken. Fieldwriter Gerhard Richter besiedelt eine Verkehrsinsel und fordert eine Bremspflicht für Insekten.

  1. Anthropozän
  2. Bücher

Zukunft der Erde: Wir sitzen am längsten Hebel, den Menschen je in der Hand hatten

Zwei neue Bücher zum Anthropozän erkunden unsere erdgeschichtliche Verantwortung für Klima und Natur

Ein sehr buntes Bild mit digitaler Optik. Erinnert an einen stark verpixelten Störbildschirm
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 7: Zwischen Weiherkette und Stromwasser

Fieldwriter Gerhard Richter taucht ein in die Flußlandschaft seiner Kindheit und entdeckt zwischen Iller und Illerkanal einen ganz neuen Bach.

  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 6: Schüsse im Knechtwuchs

Todeszone Weinberg. Field Writer Gerhard Richter will beschreiben wie französische Weinstöcke wachsen und wird zum Zufallsziel von Sonntagsjägern.

  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 5: Gegen den Baum

Ein moderner Wald ist keine Heimat mehr, jedenfalls nicht für Fieldwriter Gerhard Richter. Halt und Geborgenheit findet er stattdessen im Kletterbaum der Kindheit und in einem Gedicht.

  1. Anthropozän
  2. Humboldt
  3. Klimakrise
  4. Schwägerl

Notausgang Humboldt

Der Universalwissenschaftler weist den Weg zu einer dringend nötigen kulturellen Weiterentwicklung: Es geht um das Zusammenleben in einem „Weltorganismus".

Symbol Notausgang
  1. Anthropozän
  2. Garten
  3. Kunst

Entführte Pflanzen flüstern aus ihrem Gefängnis: „Warum bin ich hier?"

In Berlin widmen sich mehrere aktuelle Ausstellungen dem Verhältnis von Mensch und Erde. Wir haben sie uns angeschaut.

Yayoi Kusama: With all my love for the tulips, I pray forever, Gropius-Bau Berlin.
  1. Anthropozän
  2. Greta
  3. Klimakrise
  4. Schwägerl

Mit dem Segelschiff ins Zentrum des Superkapitalismus

„Wir müssten eigentlich eine riesige Demut vor dem Klimasystem haben“: Der Skipper Boris Herrmann über die Klimakrise auf dem Meer und seine Atlantiküberquerung mit Greta Thunberg

Aufnahme von Boris Herrmann auf einem Boot.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 4: Lichtblitze vom Enddarm aus Beton

Wo endet unser Darm? Field Writer Gerhard Richter bricht ein Tabu und erkundet das wahre Ausmaß seiner Verdauung.

  1. Anthropozän
  2. Kartographie
  3. Umwelt

Jetzt ist jeden Tag Erderschöpfungstag

Eine Landkarte des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit im Jahr 2019

Eine Karte des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit im Jahr 2019
  1. Anthropozän
  2. Klima
  3. Plastik

Essay: Würden Sie gerne eine zerstörte Erde erben?

Klimakrise, Artensterben, Plastikmüll: Erwachsene können die Lösung dieser Probleme nicht den Kindern aufbürden. Wir müssen uns aus den Zwängen befreien, die uns dazu bringen, das Maximale aus dem Planeten herauszuwringen.

Im Rahmen einer künstlerischen Intervention am Strand „Playa de Montaña Bermeja” auf der Atlantikinsel Lanzarote (Spanien) säubert Künstlerin Swaantje Güntzel einen Quadratmeter Sandstrand von Mikroplastik.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 3: Aas im Sack an Wiese

Autor Gerhard Richter überwindet seinen Brechreiz und erlebt ein Wunder.

eine blaue Plastiktüte liegt im hohen Gras
  1. Anthropozän
  2. CoveringClimateNow
  3. Klimakrise

Eine Freiheit, die auch die Zukunft meint

Das Menschenzeit-Projekt: Bereits am Ursprung der Moderne hat ein Denker den vulgären Konsumismus von heute als unfreiheitlich entlarvt.

Symbolfoto SUV
  1. Anthropozän
  2. Bergbau
  3. Meer
  4. Tiefsee

„Wir müssen als Gesellschaft entscheiden, ob wir uns diese Schädigung unseres Planeten leisten wollen.“

Tiefseebergbau: Interview mit dem Expeditionsleiter Matthias Haeckel vom GEOMAR-Forschungszentrum

Das Forschungsschiff auf dem Meer. An der Seite befindet sich ein großer "Science"-Schriftzug.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 2: Die Erde fällt aus dem Nest

Ein innerer Konflikt von planetaren Ausmaßen. Es geht um Leben und Tod. Autor Gerhard Richter muss sich entscheiden.

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