Kaninchenplage in Australien: Wie aus zwei Dutzend Tieren eine ökologische Katastrophe wurde

Ein internationales Forscherïnnen-Team deckt auf, warum englische Kaninchen sich über ganz Australien ausbreiten konnten. Genetische Detektivarbeit sichert eine Spur nach Somerset im Jahr 1859. Wurde die invasive Art von dort zur Plage?

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Ein graues Kaninchen sitzt im Eingang zu seinem Bau in ockerfarbener staubiger Erde vor verdorrtem Grasauf einer australischen Farm während einer Dürre in Australien.wild rabbit on a drought stricken farm at the door to it's warren in rural New South Wales, Australia

Die australische Kaninchenplage gehört zu den bekanntesten ökologischen Katastrophen, die die Ausbreitung eingeschleppter Tiere in einen fremden Lebensraum ausgelöst hat. Noch heute verursachen Kaninchen in Australien einen Schaden von mehr als 200 Millionen australischen Dollar pro Jahr, weil sie zum Beispiel Schafen und Rindern das Futter wegfressen oder sich an Gemüsefeldern gütlich tun. Weinbauern etwa beziffern allein die Kosten, die ein einziges Kaninchen durch Ernteverluste an Trauben verursacht, auf gut 65 Dollar pro Jahr. Wo sie Vegetation vernichten, erodiert der Boden. Die Pflanzen leiden. 156 Arten werden in Australien durch Kaninchen beeinträchtigt.

Tausend Mann und fünf Kaninchen

Europäische Kaninchen gibt es schon lange in Australien. Die ersten kamen mit der sogenannten First Fleet an: Elf Schiffe brachten 1788 mehr als 1000 Strafgefangene und Soldaten in die Botany Bay, wo heute Sydney liegt. Unterwegs hatte man auf der achtmonatigen Reise unter anderem am Kap der guten Hoffnung noch Rinder, Schweine und Hühner eingekauft.

Die Kaninchen, fünf an der Zahl, waren schon aus England mitgekommen. Auch später sind noch viele Deportierte und nebenbei Kaninchen ins Land gekommen. Doch das waren wohl alles Hauskaninchen, die Fleisch liefern sollten. Darauf lassen Beschreibungen schließen, in denen von Schlappohren, bunten Fellmustern und zahmem Verhalten die Rede ist. Zwar vermehrten sich auch diese Tiere im Freiland, es gab sogar wildlebende Bestände, doch daraus wurde noch keine Plage.

Kaninchen aus England für die Jagd

Die eigentliche australische Kaninchenplage entwickelte sich erst nach 1859, genau genommen ab Weihnachten 1859. Am 25. Dezember traf im Hafen von Melbourne eine Sendung für Thomas Austin ein, den Besitzer von Barwon Park, einem großen Anwesen im heutigen australischen Bundesstaat Victoria. Er war 1831 aus England eingewandert und stammte aus dem Dorf Baltonsborough in der südwestenglischen Grafschaft Somerset.

Seinen dort zurückgebliebenen Bruder James bat er, ihm aus der Heimat ein Dutzend Wildkaninchen zu schicken, damit er etwas zum Jagen habe. Es war nicht leicht, die Tiere aufzutreiben, denn Wildkaninchen waren selten in der Umgebung von Baltonsborough. Zunächst kamen nur sechs zusammen. Austins Neffe William kaufte sieben graue Hauskaninchen dazu und schickte Anfang Oktober 1859 dreizehn Kaninchen auf die 80 Tage lange Reise um den halben Erdball.

Unterwegs vermehrten sich die Tiere, sodass zwei Dutzend beim Onkel in Australien ankamen. Sie vermehrten sich weiter auf Barwon Park. Und die Sache mit der Jagd klappte gut. Im Jahr 1865 umfasste Thomas Austins Strecke an erlegten Kaninchen 20.000 Stücke, wie es in der Jägersprache heißt. Zu seinen illustren Jagdgästen gehörte Prinz Alfred, Herzog von Edinburgh und Sohn der englischen Königin Victoria. Aus den Baltonsborougher Dreizehn war eine veritable Kaninchenkolonie geworden.

Ein alter  hüfthoher Zaun an groben Holzpfosten verläuft vom Vorderund durch eine Landschaft mit lockerem Baumbewuchs.
Zäune konnten die Kaninchenplage in Australien nicht aufhalten.
Ein graues Kaninchen springt, mit den Vorderbeinen in der Luft, über eine grüne Wiese.
Wildes Kaninchen hoppelt über eine Wiese am Mount Annan bei Sydney, Australien.

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