Wenn Expert*innen etwas empfehlen

Drei Dinge, die du über Einschätzungen von Menschen wissen solltest, die sich (vermeintlich) auskennen

iStock.com/gyasemin Auf blauem Hintergrund liegen viele Puzzle-Teile.

Vielleicht ist dir das in Zeiten der Corona-Pandemie auch häufiger aufgefallen: Wenn du dich zu einer Frage in verschiedenen Medien informierst, stößt du bestimmt auf verschiedene Expert*innen, die zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen und sich manchmal sogar direkt widersprechen. Und im schlechtesten Fall werden diese Expert*innen in einer Talkshow oder in Interviews wie konkurrierende Boxer in den Ring geschickt oder der Disput als „Corona-Clinch“ zelebriert. 

Schnell entsteht dann in der Öffentlichkeit der Eindruck: Die Wissenschaft weiß ja auch nicht, was richtig ist. Und bei manchen entwickelt sich dann die Haltung: Ich glaube jetzt einfach keinem mehr und mache einfach, was ich für richtig halte. Oder ich glaube nur dem, der das sagt, was ich auch finde [1].

Dieser Haltung liegen zwei grundsätzliche Missverständnisse zugrunde:

  1. Die Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen sind immer eindeutig. 
  2. Deshalb müssen alle, die sich mit der Materie auskennen, zur gleichen Schlussfolgerung kommen, die dann auch die einzig richtige ist.

Dass die erste Aussage nicht stimmt, haben wir bereits in einem früheren Artikel diskutiert. Denn nahezu alle wissenschaftlichen Erkenntnisse sind mit einer gewisssen Unsicherheit behaftet. Und das gilt bei neuen Krankheitserregern um so mehr.

Wie sieht es aber mit der zweiten Annahme aus? Warum kommen Expert*innen manchmal zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen und warum muss nicht zwangsläufig die eine oder die andere „richtig“ sein?

Zuerst: Natürlich sind nicht alle, die als Expert*innen angesehen werden, tatsächlich auch welche – und außerdem nicht alle, die sich sehr gut mit Virologie auskennen, gleichzeitig Expert*innen für Epidemiologie und diese wiederum nicht automatisch Fachleute für soziale Auswirkungen von Ausgangsbeschränkungen oder für die Frage, ob vorübergehende Einschränkungen bei bestimmten Grundrechten verfassungskonform sind [2].

Du kannst diesen Artikel kostenlos lesen, weil uns gute Gesundheitsentscheidungen am Herzen liegen. Wir freuen wir uns aber, wenn du unsere Arbeit einmalig oder regelmäßig unterstützt – einfach rechts unten auf der Seite auf den Button klicken! Als freie Journalistinnen finanzieren wir so unsere Recherchen und bleiben unabhängig. Vielen Dank! Weitere Informationen über das Projekt „Plan G – Gesundheit verstehen“ bekommst du hier auf unserer Hintergrund-​​Seite.

Jenseits von Corona

Welchen Stellenwert haben die Einschätzungen und Empfehlungen von Expert*innen? Diese Frage stellt sich zwar in Zeiten von Corona besonders offensichtlich, spielt aber in der Medizin und bei Gesundheitsentscheidungen auch sonst und ganz grundsätzlich eine wichtige Rolle. Ganz offensichtlich zum Beispiel dann, wenn du mit einem Gesundheitsproblem zu deinem Arzt oder deiner Ärztin gehst und er oder sie dir ein Medikament verschreibt oder bestimmte Ernährungsgewohnheiten empfiehlt.

Aber selbst wenn sich Menschen schon lange mit einem bestimmten Gebiet beschäftigen, etwa einem bestimmten Bereich in der Medizin, heißt das nicht automatisch, dass du dich bei Gesundheitsentscheidungen automatisch auf ihre Empfehlungen verlassen kannst und/oder ihnen blind folgen solltest. Auch wenn Vertrauen manchmal eine gute Sache ist, ist es doch oft auch hilfreich, zusätzlich einen kritischen Blick auf die Empfehlung zu werfen und bei Bedarf nachzufragen.

Tipps für eine gute Kommunikation mit Arzt oder Ärztin und auch zum kritischen Nachfragen, das nicht angriffslustig daher kommt, findest du übrigens in diesen beiden Artikeln: Bessere Gespräche mit Arzt oder Ärztin – Teil 1 und Teil 2

tl;dr

Wenn du dich mit Expert*innen-Meinungen und -Empfehlungen auseinander setzen willst, kannst du diese drei Aspekte hinterfragen:

  1. Worauf beruht die Einschätzung?
  2. Welche Werte spielen dabei eine Rolle?
  3. Wie steht es um Interessenkonflikte?

1. Worauf beruht die Einschätzung?

Wenn Expert*innen medizinische Einschätzungen treffen, ist es nicht immer automatisch klar, auf welcher Grundlage diese beruhen [3]:

  • Ist es Erfahrungswissen, also zum Beispiele die häufige Beobachtung: Wenn ich Patient*innen mit der Krankheit X das Medikament Y verschreibe, geht es ihnen hinterher besser?
  • Finden sie bestimmte Annahmen auf der Basis ihres Hintergrundwissens plausibel? Also zum Beispiel, dass ein bestimmter Wirkungsmechanismus eines Medikaments so perfekt zu dem passt, was wir über die Krankheit wissen, dass es bestimmt helfen muss.
  • Oder stützen sie sich auf Daten aus klinischen Studien? Nur auf eine bestimmte Untersuchung? Oder auf eine sorgfältige Zusammenstellung aller relevanten Studien zu dieser Frage?

Wie wir bereits in einem früheren Artikel diskutiert haben, kann Erfahrungswissen deutlich verzerrt sein und sollte immer mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen abgeglichen werden. Oder umgekehrt und etwas flapsiger formuliert: Wenn Expert*innen die Evidenz aus klinischen Studien ignorieren, kann also trotz ihrer jahrzehntelangen Erfahrung Murks herauskommen. 

Das gilt übrigens auch, wenn mehrere Expert*innen ihre Erfahrungen zusammenstellen und abgleichen, wie es etwa in manchen Leitlinien oder Konsensus-Empfehlungen der Fall ist. Solche Dokumente sollen Ärztinnen und Ärzten Untersuchungs- und Behandlungsentscheidungen für bestimmte Krankheiten erleichtern. Wie zuverlässig sie sind, hängt aber entscheidend davon ab, auf welchem Weg die Empfehlungen zustande gekommen sind. Wenn sich Expert*innen lediglich zusammensetzen und ihre Erfahrungswerte zusammenstellen, wird das nach der deutschen Klassifikation für Leitlinien deshalb lediglich als niedrigste Qualitätsstufe angesehen. Deutlich höher rangieren Leitlinien, für die Studien zum Krankheitsbild systematisch ausgewertet wurden [4].

2. Welche Werte spielen eine Rolle?

Allerdings sind wir nicht immer in der komfortablen Lage, dass es eindeutige Daten aus Studien gibt, aus denen sich zweifelsfreie Schlussfolgerungen für das konkrete weitere Vorgehen ergeben. Gerade wenn die Evidenz aus klinischen Studien uneindeutig ist, bestimmte Fragestellungen bisher gar nicht untersucht wurden und auch Erfahrungen nicht oder nur begrenzt weiterhelfen, kommt ein weiterer Faktor ins Spiel: Werte.

Das Beispiel Alltagsmasken

Das siehst du zum Beispiel sehr gut bei der aktuellen Diskussion um den Stellenwert von Community-Masken für die Allgemeinbevölkerung bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. Wünschen würden wir uns große, methodisch hochwertige Studien für die Verhältnisse genau mit diesem Virus, die uns eindeutige Auskunft zu verschiedenen Fragen geben: 

  • Welchen Mehrwert haben diese Masken zusätzlich zu den üblichen Hygienemaßnahmen wie Abstandhalten und Händewaschen – sowohl für die Einzelnen als auch für die Gesamtbevölkerung?
  • Wie hängt dieser Mehrwert von dem genauen Abstand ab, den alle halten, und der jeweiligen Pandemie-Situation bzw. den einzelnen Bevölkerungsgruppen?
  • Welches Material bietet den besten Schutz?
  • Wie effektiv sind im Vergleich die verschiedenen Reinigungsverfahren für die Masken und wie viel Aufwand ist tatsächlich nötig?
  • Wie groß sind mögliche negative Effekte, etwa die Vernachlässigung anderer Hygiene-Maßnahmen oder ein höheres Infektionsrisiko bei falscher Handhabung?
  • Wie groß ist dann insgesamt die Summe der möglichen positiven und negativen Effekte einer Maskenpflicht in welcher Situation? 

Die Aufzählung macht deutlich: Vieles davon wissen wir Anfang Mai 2020 nicht genau und die Gesamtbilanz ist mit vielen Unsicherheiten behaftet. Gleichzeitig ist Warten auf bessere und größere wissenschaftliche Untersuchungen keine echte Option, weil Nicht-Tun auch Konsequenzen hat, gerade wenn die Kontaktbeschränkungen nicht mehr wie zuvor aufrecht erhalten werden sollen. Es muss also trotz aller Unsicherheit eine Entscheidung getroffen werden.

Wenn, wie beschrieben, solide Evidenz fehlt, spielen zwangsläufig Einschätzungen eine Rolle, die natürlich auch durch Werte und individuelle Erfahrungen bestimmt werden: Wie aussagekräftig sind Laboruntersuchungen an Masken mit SARS-CoV-2 für die Situation im richtigen Leben? Wie viele Menschen werden sich an die Empfehlungen halten? Wie erfolgreich lassen sich Hygiene-Regeln zur Handhabung der Masken kommunizieren? In welchen Situationen ist eine Maskenpflicht am ehesten sinnvoll?

Die Aufzählung macht deutlich: Je nachdem, welche Expert*innen dazu befragt werden, wird es vermutlich auch unterschiedliche Einschätzungen geben [5]. Und was Menschen mit politischer Verantwortung daraus machen, steht auf einem noch ganz anderen Blatt.

Gerade in Corona-Zeiten erleben wir außerdem noch ein interessantes Phänomen: Auch wenn die beteiligten Expert*innen die Zusammenhänge von (fehlender) Evidenz und unterschiedlichen Einschätzungen aufgrund von Werten durchaus genau kennen, verteidigen sie ihre gefundene Position mitunter sehr vehement. Vermutlich hast du solche Diskussionen in Talkshows oder auf Twitter auch schon verfolgt. Was wir daraus lernen: Die Corona-Pandemie zehrt an unser aller Nerven – und davon bleiben auch Expert*innen nicht verschont.

Werte und gute Gesundheitsentscheidungen

Die Sache mit der Unsicherheit und den Werten ist bei guten Gesundheitsentscheidungen übrigens nichts Neues, sondern von Anfang an eine wichtige Frage der evidenzbasierten Medizin.

Gute Gesundheitsentscheidungen, dargestellt als Schnittmenge von drei Kreisen: ärztliche Expertise, die beste verfügbare Evidenz aus klinischen Studien und deine eigenen Vorstellungen und Wünsche.
Für die evidenzbasierten Medizin und gute gesundheitliche Entscheidungen braucht es ärztliche Expertise, die beste verfügbare Evidenz aus klinischen Studien und deine eigenen Vorstellungen und Wünsche.
Iris Hinneburg

Das heißt übrigens auch: Wenn es um deine Gesundheitsentscheidungen geht, ist es wichtig, dass auch deine Werte mit in die Abwägung einfließen – denn die von Arzt oder Ärztin sind möglicherweise andere als deine eigenen. Deshalb ist Shared Decision Making, also die gemeinsame Entscheidungsfindung – immer auf der Basis von gesichertem Wissen, falls vorhanden – grundsätzlich eine wichtige Sache. 

Und ja: Das wird besonders kompliziert, wenn deine Entscheidungen nicht nur dich selbst, sondern auch andere betreffen – etwa wenn es um den Schutz vor ansteckenden Krankheiten geht. Alles, was du konkret entscheidest, also zum Beispiel wie häufig du dir die Hände wäschst oder wann bzw. ob du eine Alltagsmaske trägst, hat möglicherweise Auswirkungen auf dein engeres oder weiteres Umfeld. Auch deshalb können Entscheidungen für die öffentliche Gesundheit („public health“) anders ausfallen, als wenn du Entscheidungen nur für dich oder maximal deine engere Familie und deine spezielle Situation treffen würdest. Jenseits von Corona begegnet dir das gleiche Phänomen übrigens auch bei Impf-Entscheidungen. 

3. Wie steht es um Interessenkonflikte?

In einer idealen Welt wäre es so, dass diejenigen, die medizinische Entscheidungen treffen, nur von der Sorge um ihre Patient*innen angetrieben werden. Wir wissen jedoch, dass das leider nicht immer der Fall ist. Entscheidungen und Einschätzungen können leicht durch andere Faktoren verzerrt werden: Etwa solche, die eigentlich nicht so sehr mit dem eigentlichen Anliegen der Medizin (also der bestmöglichen Patientenversorgung), sondern mit anderen Anreizen zu tun haben, beispielsweise finanziellen oder des Ansehens oder der eigenen Karriere. Diese Konstellation bezeichnet man auch als Interessenkonflikt. Ein Interessenkonflikt ist also nicht – wie häufig falsch verstanden wird – das gleiche wie Bestechlichkeit (das wäre ein Straftatbestand) oder zieht nicht automatisch Fehleinschätzungen nach sich, sondern ist vielmehr ein Risikofaktor für ein verzerrtes Werturteil, den man ernst nehmen muss.

Solche Interessenkonflikte können auf verschiedenen Ebenen bestehen: Auf einer finanziellen Ebene etwa, wenn ein Arzt Berater- oder Vortragshonorare der Pharmaindustrie annimmt oder wenn die empfohlene Untersuchung als Privatleistung dafür sorgt, dass es der Praxis finanziell besser geht. Es gibt aber auch nicht-finanzielle oder ideelle Interessenkonflikte, wenn eine Ärztin etwa besonders gerne ein Medikament verschreibt, an dessen Entwicklung ein von ihr besonders geschätzter Professor aus ihrer Studienzeit beteiligt war oder das einen Wirkungsmechanismus besitzt, an dem sie während ihrer Doktorarbeit geforscht hat. Alle diese Arten von Interessenkonflikten haben gemeinsam: Die Betroffenen nehmen sie in der Regel nicht als Problem wahr. Beeinflusst werden ihre Einschätzungen dadurch aber trotzdem [6]. 

Das Resultat von solchen Interessenkonflikten kann sein: Die Bewertung etwa eines Arzneimittels fällt möglicherweise positiver aus, als wenn der Interessenkonflikt nicht vorhanden wäre. Wenn du dann jemanden mit Interessenkonflikten um Rat fragst, ist seine oder ihre Empfehlung also möglicherweise dadurch verzerrt. Das Problem verschärft sich noch, wenn nicht nur Expert*innen-Empfehlungen für einzelne Menschen oder Patient*innen, sondern auch weitreichendere Einschätzungen durch solche Interessenkonflikte verzerrt werden, etwa in Leitlinien [7].

Was tun?

Es ist gar nicht so einfach, herauszufinden, ob zum Beispiel dein Arzt oder deine Ärztin solche Interessenkonflikte hat. Denn in Deutschland ist es, im Gegensatz zum Beispiel zu den USA, nicht verpflichtend, dass Ärztinnen und Ärzte ihre finanziellen Verbindungen etwa zur Pharmaindustrie offenlegen. Du kannst sie natürlich auch einfach danach fragen, aber ob du eine korrekte Antwort bekommst, kannst du nicht nachprüfen.

Was du aber machen kannst: Du kannst diese Empfehlung damit vergleichen, was etwa methodisch hochwertige Gesundheitsinformationen aussagen, die auf der Basis aller relevanten Studien zum Thema von Expert*innen ohne Interessenkonflikte erstellt worden sind. Und wenn die Empfehlung deiner Ärztin oder deines Arztes davon abweicht, kannst du fragen, warum das so ist.

Bei Plan G kannst du in der Rubrik "Gesundheitsinfos finden" Websites kennenlernen, die verlässliche Informationen anbieten.

Um das Problem bei weitreichenden Empfehlungen wie in Leitlinien im Zaum zu halten, wird es übrigens inzwischen als Standard angesehen, dass alle Beteiligten ihre Interessenkonflikte offenlegen. Falls relevante Interessenkonflikte vorliegen, muss mehr dafür getan werden, dass es nicht zu Verzerrungen kommt. Zum Beispiel dürfen die Betreffenden an Beratungen oder Abstimmungen über bestimmte Empfehlungen dann nicht beteiligt sein. Es gibt in Deutschland inzwischen entsprechende Regelungen dazu [8], allerdings gibt es in der praktischen Umsetzung durchaus noch Luft nach oben [9]. Manche Forderungen, auch international, gehen sogar noch weiter: Expert*innen mit finanziellen Interessenkonflikten sollten grundsätzlich von Leitliniengremien ausgeschlossen oder Leitlinien von unabhängigen Organisationen erstellt werden [10].

Fazit

Blindes Vertrauen in Expert*innen-Einschätzungen ist eine Sache, die du dir gut überlegen solltest. Oft lohnt es sich zu hinterfragen, worauf die Einschätzung genau beruht und welche Rolle Werte und Interessenkonflikte dabei gespielt haben. Wenig sinnvoll ist es aber auch, hinter allem, was nicht gleich auf den ersten Blick zu durchschauen ist, eine große Verschwörung und böse Absichten zu vermuten. Dazu sind viele wissenschaftliche Sachverhalte in der Regel zu komplex. Wie so häufig besteht die Kunst also darin, zwischen den beiden Extremen einen guten Mittelweg zu finden.

Zum Weiterlesen

[1] Wie sich in Corona-Zeiten aus dem Nicht-Verstehen schnell Verschwörungstheorien entwickeln (Artikel auf ZeitOnline vom 01.04.2020).

[2] Warum das Miteinander verschiedener Wissenschaftsdisziplinen in der Corona-Krise so wichtig ist und warum manche vermeintliche Widersprüche in Wirklichkeit gar keine sind (Artikel auf ZeitOnline vom 28.04.2020).

[3] Die Basis von Expert*inneneinschätzungen dröselt aus Sicht eines Arztes sehr schön ein Beitrag auf dem Blog von Cochrane UK auf.

[4] In Deutschland erstellt die Arbeitsgemeinschaft medizinisch-wissenschaftlicher Fachgesellschaften (AWMF) Standards für die Methodik von Leitlinien. Bei der Klassifikation einer Leitlinie (S1, S2, S3) spielt unter anderem eine Rolle, ob die wissenschaftlichen Studien zum Thema der Leitlinie systematisch gesichtet und zusammengefasst wurden, wie die Empfehlungen zustande gekommen sind und ob alle relevanten Berufsgruppen sowie Patient*innen an der Erstellung der Leitlinie beteiligt waren.

[5] Eine gute Übersicht zu den verschiedenen Zusammenstellungen der Studienlage zu Gesichtsmasken und den teils sehr unterschiedlichen Schlussfolgerungen, die die Expert*innen daraus ziehen, hat die Gesundheitswissenschaftlerin Hilda Bastian am 30.04.2020 in einem Blogbeitrag zusammengestellt.

[6] Dieser Artikel beschreibt verschiedene Formen von Interessenkonflikten und wie sie sich auf medizinische Entscheidungen auswirken können. Lieb K. u. a. Interessenkonflikte in der Medizin: Mit Transparenz Vertrauen stärken. Dtsch Arztebl 2011; 108(6): A-256 / B-204 / C-204

[7] Durch Interessenkonflikte verzerrte Leitlinienempfehlungen können sich sogar darauf auswirken, wie Krankheiten überhaupt definiert werden, also ab wann jemand als krank eingestuft wird. Moynihan R u. a. Expanding Disease Definitions in Guidelines and Expert Panel Ties to Industry: A Cross-sectional Study of Common Conditions in the United States. PLoS Med 2013; 10(8): e1001500

[8] Die AWMF hat inzwischen sehr detaillierte Regeln für den Umgang mit Interessenkonflikten bei der Entwicklung von Leitlinien entwickelt.

[9] Die Initiative Leitlinien-Watch überprüft veröffentlichte Leitlinien darauf, wie gut der Umgang mit Interessenkonflikten reguliert wurde.

[10] Dieser Artikel hat vor einigen Jahren die wichtigsten Anforderungen zusammengestellt, die notwendig sind, um den Einfluss von Interessenkonflikten auf Leitlinien zu minimieren. Lenzer J u.a. Ensuring the integrity of clinical practice guidelines: a tool for protecting patients. BMJ 2013;347:f5535

Blaue Kachel mit der Beschriftung "Gesichertes Wissen" als Farbcodierung für die gleichnamige Rubrik bei Plan G.
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Iris Hinneburg

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