Bessere Gespräche mit Arzt oder Ärztin – Teil 2

Erwartungen und Gesprächstechniken

Welche Rollenerwartungen hast du an deinen Arzt oder deine Ärztin? Und welche Techniken helfen dir, das Gespräch im Arztzimmer mitzugestalten?

Lumamarin / photocase.de Orange-Rote Seile, die miteinander verknüpft sind

Im ersten Teil über bessere Gespräche mit Arzt oder Ärztin ging es darum, wie du dich als Patient*in so auf das Gespräch vorbereiten kannst, dass du wirklich die Informationen bekommst, die du brauchst, um eine informierte Gesundheitsentscheidung zu treffen. In diesem Teil schauen wir uns genauer an, welche „weichen“ Faktoren zu einem gelungenen Gespräch in der Arztpraxis beitragen.

Das Arzt-Patienten-Verhältnis soll im Idealfall von Vertrauen geprägt sein. Das spiegelt sich zum Beispiel im ärztlichen Berufsrecht [1], im ethischen Kodex [2] von Ärzt*innen sowie im Patientenrechtegesetz [3] wider. Der Schutz von vertraulichen Informationen (Schweigepflicht) gilt als eine Kardinalspflicht. Vertrauen fällt jedoch nicht vom Himmel. Wie lässt es sich fördern? Und was spielt dabei eine Rolle?

Es gibt viel Literatur darüber, wie Behandler:innen Beratungsgespräche gut und vertrauensvoll gestalten können, aber lange Zeit war das Erlernen von Kommunikationstechniken kein Teil des Medizinstudiums. Das ändert sich gerade, denn ins Curriculum [4] zieht nun das Arzt-Patienten-Gespräch als fester Bestandteil der Medizin-Ausbildung ein. In Modellprojekten werden schon seit einiger Zeit angehende Ärztinnen und Ärzte geschult und neue Konzepte ausprobiert, zum Beispiel mithilfe von Rollenspielen, in denen die Patientenrolle von Schauspieler*innen ausgefüllt wird [5].

Der Wert eines guten Arzt-Patienten-Gesprächs ist in der Fachwelt größtenteils zumindest theoretisch schon lange bekannt. Dennoch schlägt sich der dem Gespräch beigemessene Wert nicht in der Vergütungsstruktur nieder. Die Honorare für Gesprächszeiten in Arztpraxen sind im Vergleich zu anderen Leistungen recht niedrig. Und ständiger Zeitdruck durch überfüllte Wartezimmer tut das Übrige: Patient*innen haben häufig den Eindruck, dass für das Gespräch weniger Zeit zur Verfügung steht, als sie brauchen. Das zeigt auch eine kleine, nicht repräsentative Umfrage, die wir vor Kurzem auf Twitter gemacht haben. Auch im Krankenhaus spielt Zeit- und Personalmangel eine wichtige Rolle und schlägt sich auch dort in der Gesprächsqualität nieder.

Die Länge des Gesprächs wirkt sich darauf aus, wie zufrieden Menschen mit der medizinischen Behandlung sind. Möglicherweise beeinflusst sie  auch die Qualität der medizinischen Versorgung [6]. Die Weltgesundheitsorganisation WHO wertet die durchschnittliche Zeit, die Ärzt*innen und Patient*innen zusammen verbringen als Qualitätskriterium für die Versorgung [7].

Eine längere Gesprächszeit erhöht möglicherweise auch die Chance darauf, dass Patient*innen an Behandlungsentscheidungen beteiligt werden. Es gibt bisher zwar noch keine eindeutigen Belege dafür, dass dadurch auch der Behandlungserfolg steigt [11]. Man weiß jedoch, dass Patient*innen durch die Beteiligung mehr wissen, eine realistischere Vorstellung über den Behandlungsverlauf entwickeln und sich auch die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessert [12]. Und schließlich gibt es für Patient*innen auch schlicht ein verankertes Recht auf informierte Entscheidungen [13].  

Das Konzept dahinter heißt Shared Decision Making und du kannst in diesem Beitrag mehr darüber erfahren.

Das heißt, es kommt nicht nur auf die Länge des Gesprächs an, sondern auch darauf, wie es verläuft. In der modernen Medizin werden Gespräche auf Augenhöhe angestrebt. Doch dafür gibt es zahlreiche Hürden. Zeitmangel ist nur ein Faktor unter vielen. Auch überholte Rollenvorstellungen können einer vertrauensvollen Beziehung im Weg stehen. 

Traditionelle Rollenbilder halten sich hartnäckig: Ärzt*innen werden häufig nicht als Gesprächspartner wahrgenommen, denen man auf Augenhöhe begegnen kann. Das hat auch mit der Wissensassymmetrie zu tun: Ärzt*innen sind Expert*innen für Medizin und Patient*innen für ihre eigene Lebenssituation. Viele Menschen bewerten jedoch das Expertentum der medizinischen Fachkräfte höher als ihr eigenes Expertentum. Und für Ärzt*innen ist es auch nicht leicht, wenn Patient*innen ein bestimmtes Rollenmuster im Kopf haben und sie dem nicht entsprechen. Unter diesen Voraussetzungen ist es auch für Ärzt*innen nicht einfach, die unterschiedlichen Erwartungen der Patient*innen zu erfüllen. Patient*innen, die sich ihrer Erwartungen und der möglichen Hürden für vertrauensvolle Gespräche bewusst sind, können die Situation mitgestalten und positiv beeinflussen.

Wie kann das gelingen?

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Iris Hinneburg
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