Energie für Arme

Sonne, Wasser und Wind können gerade Ureinwohnern nützen, aber viele Völker haben schlechte Erfahrungen gemacht. Nötig ist darum, dass sie selbst die Projekte maßgeblich steuern – von Christopher Schrader

KlimaSocial - der Perspektivwechsel in der Klimadebatte

Hamburg, den 9.10.2018

„Das Buch hat 30 Dollar gekostet, und für den Versand hat Amazon 80 Dollar verlangt“, erzählt Adrian Lasimbang. „Es hat vier Monate gebraucht, bis es bei mir in Penampang war, und damit hat alles angefangen.“ Von Pelton- und Turgo-Turbinen war da die Rede, von hydraulischem Potential und Fallhöhe, von Ober- und Unterwasser, Rohrleitungen und einem Rechen, der Objekte im Wasser aus dem eigentlichen Kraftwerk fernhält. Lasimbang hat das bestellte „Microhydro Design Manual“ gewissenhaft studiert und dann angefangen, den Dörfern im Hochland des Bundesstaats Sabah, auf der malaysischen Seite der Insel Borneo, den Strom und das elektrische Licht zu bringen.

Tonibung heißt das Unternehmen, das Lasimbang seit 2001 leitet. Es ist spezialisiert auf „microhydro“, also kleine lokale Laufwasser-Kraftwerke von drei bis maximal 100 Kilowatt Leistung; inzwischen nutzt die Firma aber auch Solarzellen, Biogas-Fermenter und kleine Windräder. Das Ziel ist es, das Leben der Menschen in Sabah, von denen die meisten wie Lasimbang der Volksgruppe der Kadazan angehören, durch den Zugang zu erneuerbaren Energiequellen zu verbessern. 

Die örtlichen Stromversorger, die vor allem Erdgas in ihren Kraftwerken verbrennen, bauen keine Leitungen in die oft isoliert liegenden Dörfer im unwegsamen Bergland. Tonibung springt dort ein, vermisst das Gefälle von Wasseradern und Rohrleitungen, schleppt Technik und Kabel heran, baut Betonsockel und Hütten, schließt Turbinen und Generatoren an. Dabei nutzt der Betrieb oft buntlackierte, angepasste und vor allem selbst-entwickelte Technik. Die Herstellung der Geräte haben sich die Mitarbeiter auch noch selbst beigebracht, angefangen bei Adrian Lasimbang und seinem Buch.

Überall auf der Welt sind es vor allem die Armen und besonders die Ureinwohner, die unter Energiearmut leiden. Gerade die erneuerbaren Energiequellen mit ihrem dezentralen Charakter können Gemeinschaften helfen, die sonst keinen Anschluss an das Stromnetz bekommen. Wenn überhaupt, erzeugen dort heute teure Dieselgeneratoren Elektrizität, aber der Treibstoff muss dann umständlich herbei geschafft werden und heizt die Atmosphäre an.

Die Klimakrise macht sich oft dort mit besonderer Brutalität bemerkbar, wo die Menschen fast überhaupt nichts zu ihren Ursachen beigetragen haben. Gerade Gemeinschaften, die von und mit der Natur leben wie Bauern oder Hirten, und deren Traditionen seit langem auf den Erhalt ihrer Existenzgrundlage ausgerichtet sind, engagieren sich darum häufig sehr aktiv im Kampf gegen fossile Brennstoffe und für die Umstellung auf grüne Energie. So gibt es Organisationen der kanadischen First Nations, der Xingu in Brasilien oder einen internationalen Zusammenschluss von Frauen aus solchen Volksgruppen. Und tatsächlich fließt bereits viel Geld in Entwicklungsländer, um dort eine zukunftsfähige Stromversorgung mit den Erneuerbaren aufzubauen.

Diesem an sich positiven Blick in die Zukunft stehen aber oft traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit, teilweise auch der Gegenwart gegenüber. Manche sprechen schon von einem „grünen Kolonialismus“, ob es nun um den Erhalt der Natur geht oder den Ausbau grüner Energie. Denn gerade die weit von den Zentren politischer und wirtschaftlicher Macht entfernten Ureinwohner haben oft genug erlebt, dass sie bei großen Projekte übergangen, bedrängt oder vor ihrem Land vertrieben werden, ob es nun Minen oder Staudämme sind oder seit neuestem auch Windfarmen und Solarparks. 

Der zentrale Punkt sind dabei die Landrechte. Traditionelle Gemeinschaften haben oft keine verbrieften Besitztitel, die auch bei einem Konflikt von den Behörden ihrer Nationalstaaten anerkannt werden. Internationale Investoren, lokale Geschäftemacher und korrupte Beamte schafften es darum bisher häufig, die Einwohner jener Regionen zu vertreiben, in denen sie ihre Profite machen wollten. 

Der Mord an Berta Cáceres

Victoria Tauli-Corpuz, die UN-Sonderberichterstatterin für Ureinwohner, kennt das Dilemma – aus ihrer Arbeit wie aus persönlicher Erfahrung. Sie war vor kurzem zum Global Climate Action Summit (GCAS) nach San Francisco gereist, um sicherzustellen, dass die Stimmen der Indigenen dort gehört werden. „Energie ist für eine selbstbestimmte Entwicklung unverzichtbar“, sagte sie dort in einem Workshop. „Sie erlaubt es Kindern, abends bei Licht noch für die Schule zu lernen. Sie müssen auch keinen Reis mehr dreschen, weil das nun eine Maschine erledigen kann.“ Tauli-Corpuz stammt von den Philippinen aus der Volksgruppe der Kankanaey Igorot. In ihrem eigenen Heimatort erleichtert zum Beispiel ein kleines Wasserkraftwerk den Bewohnern das Leben: „Mein Bruder hat dort die Initiative ergriffen, das Dorf hat darüber beraten und Gemeinschaftsland bereitgestellt.“ 

Andererseits hat Tauli-Corpuz in ihrer Funktion bei den Vereinten Nationen gerade einen Bericht vorgelegt, in dem sie den „drastischen Anstieg von Angriffen und Gewaltakten, von Kriminalisierung und Drohungen gegen indigene Völker“ beklagt. 312 Aktivisten, die für Menschenrechte eintraten, seien 2017 ermordet worden, davon kämpften zwei Drittel für die Umwelt und Landrechte von Ureinwohnern. Fast immer ging es um Großprojekte, auch solche zur Energieerzeugung. 80 Prozent der Verbrechen wurden ihrem Bericht zufolge in Brasilien, Kolumbien, Mexiko und den Philippinen begangen. Diese Einschätzung gefiel offenbar dem Präsidenten ihres eigenen Landes nicht, dem ruppig bis brutal regierenden Rodrigo Duterte, der Tauli-Corpuz einem Artikel der New York Times zufolge im Frühjahr auf eine Liste mit Terrorverdächtigen setzen ließ. 

Besonders nahegegangen ist der Sonderberichterstatterin offenbar der Tod von Berta Cáceres, die in Honduras gegen den Agua-Zarca-Damm kämpfte. Sie wurde kurz nach einem Treffen mit Tauli-Corpuz im März 2016 umgebracht. Immerhin: Das Wasserkraft-Projekt hat danach wichtige Investoren verloren; lateinamerikanische Quellen berichteten im Sommer, die Behörden in Honduras hätten es gestoppt.

„Erneuerbare Energiequellen sind im Prinzip eine gute Sache“, bekräftigt Tauli-Corpuz, „aber nicht, wenn sie den Ureinwohnern ohne Absprache und Beteiligung aufgedrückt werden und ihnen nicht nutzen.“ Das passiere inzwischen sogar mit Windkraft-Projekten.

Die Interessenvertretung Indigenous People Major Group hat darum einige Prinzipien aufgestellt, wie eine „Right Energy Partnership“, also eine gerechte Partnerschaft funktionieren müsse. Das entscheidende Wort dabei ist „Teilhabe“: Die lokalen Gemeinschaften müssen an den Entscheidungen beteiligt und Miteigentümer der Projekte werden, ihre Recht müssen geachtet werden, sie müssen klare Vorteile für sich erkennen und gleichzeitig ihren traditionellen Lebensstil aufrechterhalten können. 

Beispiele von mehreren Kontinenten zeigen, wie wichtig und wie schwierig all diese Abwägungen immer dann sind, wenn zum Beispiel Windparks Energie weit über die lokalen Bedürfnisse hinaus erzeugen und den Strom ins nationale Netz liefern. Der lokale Zugang zu sauberer Energie als Weg zu einer selbstbestimmten Entwicklung steht dann ja nicht mehr im Mittelpunkt.

Das Beispiel Kenia

Ein Beispiel ist der Lake Turkana-Windpark im Norden Kenias, wo 365 Rotoren demnächst Strom ins nationale Netz einspeisen sollen. Das Projekt wurde lange vorbereitet; 2005 gab es die ersten Ideen und die Suche nach einem Standort, 2007 sprachen die Planer mit Stammesältesten und dem Rat des Ortes, die lokalen Behörden stimmt darauf hin dem Pachtvertrag für das Land zu, erst 2014 stand die Finanzierung und fingen die Bauarbeiten an.

Die Betreiber des Windparks beharren darauf, sie hätten sich immer wieder mit allen möglichen Gruppen abgesprochen und sie beteiligt. Auf ihrer Webseite führen sie zwei Dutzend Projekte an,  mit denen sie das Leben ihrer neuen Nachbarn verbessern wollen. Dazu gehören Erweiterungen für Schulen, darunter ein Klassenraum für Wissenschafts-Unterricht, und ein Computer-Zentrum sowie Brunnen und Wasserleitungen, ein wiederhergestellter Fußball-Platz, Solarzellen für Krankenhäuser und eine Geburtsstation. Beim Wasser-Projekt hat der niederländische Arm der Hilfsorganisation Terre des Hommes mit dem Windpark kooperiert

Doch zugleich beschäftigt ein Streit um die Landrechte noch immer die Gerichte Kenias. Einige Anwohner behaupten dort, sie seien nie gehört worden. Manche der juristischen Manöver haben sie verbittert. „Wir mussten uns anhören, in Afrika seien doch alle Menschen Ureinwohner, und wir hätten keine besonderen Rechte“, beklagt etwa Jane Naini Meriwas vom Samburu Women’s Trust. Tatsächlich hatte das Betreiberkonsortium argumentiert, die Hirtenvölker Samburu, Rendile und Turkana, welche alle zur großen Gruppe der Maasai gehören, stellten in der Gegend die Mehrheit der Bevölkerung und könnten daher keinen Schutz als marginalisierte, indigene Minderheit beanspruchen. Richter des obersten Gerichts wollen die Region in Kürze zu einem Ortstermin besuchen, um die verworrene Frage der Landrechte zu klären.

Außerdem berichtete zum Beispiel die Organisation Danwatch, die mit investigativem Journalismus die Aufmerksamkeit auf Verstöße gegen Menschenrechte lenken möchte, im Jahr 2016 von verstörenden Entwicklungen in der Gegend. Da sei offenbar „ein Volk dem Fortschritt im Weg“, lautete die sarkastische Überschrift des Reports. Besonders das Dorf Sarima greifen die Autoren heraus, dessen 1200 Bewohner wegen der Bauarbeiten am Windpark umgesiedelt wurden. Inzwischen habe sich die Bevölkerung des neuen Ortes durch Zuwanderer auf der Suche nach Arbeit verdoppelt, und der Ort kämpfe mit Müll, Alkoholismus und Prostitution. „Wenn Projekte der erneuerbaren Energie falsch geplant werden, dann können sie die Menschen auch an den Rand der Armut zurücktreiben“, bestätigt der Maasai Ole Kaunga von der Menschenrechtsgruppe Impact

Das Beispiel Oaxaca

Probleme gibt es auch im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, der vielen als Vorzeigeregion für die Nutzung erneuerbarer Energien in einem Entwicklungsland gilt. Hier im Süden des Staates schnürt sich der amerikanische Kontinent zum Isthmus von Tehuantepec ein; die Winde zwischen Pazifik und Karibik wehen kräftig. Um die 30 Windkraftprojekte gibt es dort inzwischen, der Ausbau schreitet zügig voran. Aber viele Standorte sind gegen den Widerstand oder unter Einschüchterung der Vertreter lokaler ethnischer Gemeinschaften aufgebaut worden, wie unter anderem der Environmental Justice Atlas und Amnesty International festgehalten haben. 

Teilweise erklären die Betreiber, sie würden auf die traditionellen Rechte der Ureinwohner besondere Rücksicht nehmen. Vertreter der Gemeinschaften beklagen jedoch, dass ihr Land ohne Genehmigung genutzt werde und dass die Anlagen die Landwirtschaft stören und Fische und Vögel vertreiben. Die lokalen Gemeinschaften hätten wenig von den Projekten, stellten schon 2014 zwei Wissenschaftler der Universidad Nacional Autónoma in Mexiko-Stadt fest.

Wie es anders gehen könnte, zeigt unter anderem die „Right Energy Partnership“ in einem Report vom Mai 2018 auf. Er enthält auch ein Beispiel aus Oaxaca. Dort planen Ureinwohner aus der Gegend von Juchitán zusammen mit der amerikanischen Organisation Yansa Group seit 2010 einen eigenen Windpark von 44 Rotoren. Dabei sollten die Entscheidungen von der Gemeinschaft getroffen werden, die Anlage sollte ihr gehören und die Einnahmen ihr zufließen. Doch als die Planungen weit fortgeschritten waren, verweigerten die Behörden die Genehmigung, weil der Zusammenschluss der Bewohner angeblichen keinen rechtlichen Status besaß. Stattdessen wollte die Regierung das Projekt einer Privatfirma geben. Bis heute ist es umstritten und kommt nicht voran. 

Das Beispiel der Navajo

In Arizona sind die Navajo weiter mit einer regionalen Energiewende in Eigenregie. Der Stamm hat in Kayenta in Blickweite der berühmten Felsen des Monument Valley eine Solarfarm errichtet und ist zurzeit dabei, die Anlage auf 56 Megawatt Leistung zu verdoppeln. „Solche Projekte sind dann gut, wenn sie nicht auf den Markt zielen, sondern zuerst auf Gemeinschaft“, sagt Janene Yazzie von der Nation der Diné, wie sich die Navajo selbst nennen. „Aber eher klein und dezentral, reduziert und zurückgenommen, das ist keine Geschichte, die Investoren gern hören.“ 

Doch Ureinwohner hätten ohnehin andere Kriterien als westlich-geprägte Geschäftsleute, erklärt Yazzie: „Uns ist der Boden heilig, wir beten zu ihm und zu den vier Himmelsrichtungen.“ Und überhaupt: Bevor ihr Volk sich der Marktlogik öffne, müssten zunächst einige historische Ungerechtigkeiten beseitigt werden. Es bricht regelrecht aus ihr heraus: „30 Prozent meiner Leute in Arizona haben keinen Stromanschluss, obwohl wir dem Rest des Staates die Kohle und das Wasser liefern. Und in der Nähe der Uranminen kommen bei uns Kinder zur Welt, die bald so viel Strahlung im Körper haben wie erwachsene Bergarbeiter. Aber wir müssen dann beweisen, dass die Unternehmen dafür verantwortlich sind.“

Die Hausaufgaben der „Guten“

Wo Minenkonzerne mit solchem Verhalten nur ihren ohnehin schlechten Ruf festigen, möchten Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energieformen eigentlich gern als „die Guten“ wahrgenommen werden. Dazu aber müssten die Firmen zunächst einmal die Verpflichtung eingehen, bei ihren Projekten die Rechte der Ureinwohner zu wahren. Dass es damit noch nicht so weit her ist, hat die britische Organisation Business and Human Rights Ressource Centre aufgedeckt.

Von 59 untersuchten Firmen der Bioenergie-, Solar- und Geothermie-Branchen sowie 50 Unternehmen, die Wind- und Wasserkraft-Projekte durchführen, hatte sich jeweils nur eine kleine Minderheit die Pflicht auferlegt, die Bewohner der betroffenen Gegenden rechtzeitig zu informieren und ihre Einwände zu hören. „Dabei ist es möglich und sogar attraktiv für die Firmen, bei der Prüfung ihrer Konzepte auf Menschenrechte zu achten, darunter das Recht von Ureinwohnern, auf ihrem angestammten Land zu bleiben“, schreiben die Autoren in einem Kommentar. „Sie können ihre Projekte nachhaltiger gestalten und das Risiko für sich selbst und ihre Investoren senken.“ 

459 Millionen Dollar

Ureinwohner sind aufgrund ihrer Bindung zur Natur oft viel besser darin, zum Beispiel große Waldflächen vor der Abholzung zu schützen. Diese Stärke will nun auch eine Gruppe von wohltätigen Stiftungen unterstützen; sie sagte am Rand der GCAS-Konferenz in San Francisco zu, 459 Millionen Dollar für Projekte zum Schutz des Waldes und der Rechte der Indigenen bereitzustellen.

„Die Wälder entfernen heute schon 30 Prozent des Kohlendioxids aus der Atmosphäre und könnten bis 2030 weitere 30 Prozent zur der nötigen Reduktion der Emissionen beitragen“, heißt es in der Ankündigung der Organisationen. „Aber nur drei Prozent der Gelder für Klimaschutz gehen dorthin. Wenn wir hoffen, unsere Klimaziele zu erreichen, müssen die Investitionen in Wälder und Land dringend ihrem Potential angepasst werden.“ Und die Ureinwohner seien nun einmal die besten Bewahrer ihres Territoriums.

Diese Rolle bedeutet indes kein Verharren in Isolation; ohnehin haben die meisten Ureinwohner längst intensiven Kontakt zur globalisierten Welt und tragen Jeans und T-Shirts statt Lendenschurz und Federschmuck. Was für sie die Stammeszugehörigkeit und Identität ausmacht, das sind die traditionellen Strukturen gegenseitiger Hilfe und der Entscheidungsfindung. Darum ist der Zugang zu sauberer Energie für viele der Weg zu einer selbstbestimmten Entwicklung. 

Die Werkstatt in Penampang

Darin unterstützt sie zum Beispiel Adrian Lasimbangs Firma Tonibung, die sich vor allem an Menschen aus der Volksgruppe Kadazan wendet. Der Chef gehört selbst dazu und trägt bei der Konferenz in San Francisco zu Blazer und gestreiftem Oberhemd als Zeichen seiner Herkunft eine auffällige Kette aus Murmeln und Glasperlen.

In der Stadt Penambang hat sein Unternehmen eine Werkstatt und ein Trainingszentrum eingerichtet, hier bauen Lasimbang und seine Mitarbeiter die Turbinen für die Wasserkraft selbst auf und verbinden sie mit dem elektrischen Generator. So entstehen individuelle, an die lokalen Verhältnisse angepasste Aggregate (siehe Fotos unten).

Der Rotor einer Pelton-Turbine wird aus einigen Dutzend Aluminum-Schaufeln zusammengesetzt, die die Mitarbeiter bei Tonibung in Penampang/Malaysia selbst aus leeren Getränkedosen gießen. ...
Der Rotor einer Pelton-Turbine wird aus einigen Dutzend Aluminum-Schaufeln zusammengesetzt, die die Mitarbeiter bei Tonibung in Penampang/Malaysia selbst aus leeren Getränkedosen gießen. ...
... Der Rotor wird dann im Gehäuse installiert und mit einer Stahlwelle mit dem Generator verbunden ....
... Der Rotor wird dann im Gehäuse installiert und mit einer Stahlwelle mit dem Generator verbunden ....
... Das Gehäuse der Turbine besteht manchmal auch aus Beton und wird erst vor Ort gegossen, damit die schweren Bleche nicht auch noch zu abgelegenen Dörfern transportiert werden müssen. ...
... Das Gehäuse der Turbine besteht manchmal auch aus Beton und wird erst vor Ort gegossen, damit die schweren Bleche nicht auch noch zu abgelegenen Dörfern transportiert werden müssen. ...
... Oft genug müssen die Teile des neuen Wasserkraftwerks auf dem Rücken transportiert werden. ...
... Oft genug müssen die Teile des neuen Wasserkraftwerks auf dem Rücken transportiert werden. ...
... Am Ort werden dann dicke Plastikrohre verlegt, durch die das Wasser zur Turbine strömt.Oft sind freiwillige Helfer aus westlichen Staaten dabei. ...
... Am Ort werden dann dicke Plastikrohre verlegt, durch die das Wasser zur Turbine strömt. Oft sind freiwillige Helfer aus westlichen Staaten dabei. ...
... Das fertige Kraftwerk ...
... Das fertige Kraftwerk ...
... In manchen Dörfern baut die Firma auch ein Netz auf, in dem das Wasserkraftwerk in der Regenzeit und Solarzellen in der Trockenzeit den Strom liefern. ...
... In manchen Dörfern baut die Firma auch ein Netz auf, in dem das Wasserkraftwerk in der Regenzeit und Solarzellen in der Trockenzeit den Strom liefern. ...
... Batterien speichern dann den Strom, damit auch nach Sonnenuntergang noch Energie da ist.
... Batterien speichern dann den Strom, damit auch nach Sonnenuntergang noch Energie da ist.

Wenn das Kraftwerk zum Beispiel später etwa in einem unzugänglichen Bergdorf installiert werden soll, dann gießen die Mitarbeiter das Gehäuse mithilfe von leichten Glasfaser-Formen erst vor Ort aus Beton, anstatt Stahlbleche in die Hügel zu tragen. Über die Jahre haben sie auch gelernt, wie sie die Aluminium-Schaufeln der Turbinen aus leeren Getränkedosen selbst herstellen können. Sie werden zunächst eingeschmolzen, wie kurze Filme auf der Facebook-Seite der Firma zeigen. „Das Gießen mit Sandformen habe ich mir mithilfe von Youtube-Videos selbst beigebracht“, sagt Lasimbang und führt stolz drei Beispiele aus Eigenproduktion vor. 

Ein Propeller dient für kleine Anlagen, wo nur ein bis zwei Meter Fallhöhe genutzt werden können. Die etwa handtellergroßen Schaufeln hingegen gehören zu einer Turgo-Turbine für mittlere Anforderungen, während die Variante mit einem doppelten Becher eine Pelton-Turbine antreibt. Sie setzt den Impuls von eher kleinen Mengen schnell-fließenden Wassers mit 15 oder mehr Metern hydraulischem Potential in eine Drehbewegung um. Mehrere Dutzend werden dazu im Kreis zu einem Rad angeordnet, das sich unter dem Strahl zu drehen beginnt. Das Walchensee-Kraftwerk im Alpenvorland nutzt die gleiche Technik, wenngleich in anderen Dimensionen.

Inzwischen hat Tonibung auch damit begonnen, verschiedene Techniken der erneuerbaren Energieformen zu kombinieren: „In der Regenzeit funktioniert die Wasserkraft besser, in der Trockenzeit die Solaranlage“, sagt Lasimbang. Zusammengeschaltete Batterien verwahren die Energie dann für die Nutzung nach Sonnenuntergang. So entstehen kleine Inselnetze, die eine zuverlässigere Stromversorgung ermöglichen – ein Vorstufe von intelligenten Netzen, an denen auch in den reichen Industriestaaten intensiv gearbeitet wird, um die fluktuierende Stromproduktion von Windrädern und Solarfarmen abzupuffern. 

Der Tonibung-Chef Adrian Lasimbang mit zwei selbst aus alten Aluminum-Dosen gegossenen Teilen von Wasserturbinen.
Der Tonibung-Chef Adrian Lasimbang mit zwei selbst aus alten Aluminum-Dosen gegossenen Teilen von Wasserturbinen.
C. Schrader

Doch Technik ist für den Chef der malaysischen Firma nicht einmal das Hauptproblem. Bei seinen Projekten muss er vor allem sehr viel reden, mit den Alten und den Jungen, den Bewahrern und Erneueren, den Männern und Frauen – so wie es auch in größerem Maßstab bei Windfarmen in anderen Erdteilen nötig ist. „Bei uns sind 80 Prozent der Arbeit social engineering“, sagt Lasimbang, also das Vorbereiten der Entscheidungsprozesse lokaler Gemeinschaften. „Erst danach kommen die 20 Prozent mit Wasserleitungen, Turbinen und Generatoren. Aber versuchen Sie mal, diesen Aufwand in einem Finanzierungsplan angemessen zu berücksichtigen.“ Doch ohne solche Vorarbeit, das zeigen Beispiele aus aller Welt, werden viele Projekte der erneuerbaren Energieformen eben eher zum Problem als zur Lösung. 

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