Erfahrung schlägt Software

Empfindliche Mikrofone unterstützen Vogelforscher. Doch selbst die beste Technik braucht das Ohr erfahrener Ornithologen

Von der Jahrestagung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft berichtet Christiane Habermalz

Thomas Krumenacker Dass so ein unscheinbarer Vogel so herrlich singen kann! Ornithologen vom Naturkundemuseum Berlin erforschen, wie sich die Gesänge zwischen Nachtigallen an unterschiedlichen Orten unterscheiden.

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Denise Bock ist ein Mensch, der gut zuhören kann. Seit Monaten lauscht die junge Biologin dem Gesang der Nachtigall, genauer: Sie seziert ihn in seine kleinsten Bestandteile. Wo andere verträumt die Klänge an sich vorbeiziehen lassen, klassifiziert sie in Bass-, Zieh- und Trillstrophen, identifiziert Motive, analysiert Frequenzen und misst Dezibel. Und ist zu dem beeindruckenden Ergebnis gekommen: Der legendäre Gesang des unscheinbaren braunen Vogels ist noch vielfältiger als bislang angenommen. 2000 verschiedene Strophen hat Denise Bock gefunden – und das allein bei Berliner Nachtigallen. Bundesweit, schätzt sie, könnten die Meistersänger bis zu 8000 verschiedene Strophen komponieren. Sie alle ergeben in unterschiedlicher Kombination trotzdem das typische Klangbild des Vogels, mit seinem Schlagen, Schluchzen und Ziehen.

Denise Bock will nicht nur die Varianz und regionale Unterschiede heutiger Nachtigallen untersuchen, sondern schlägt auch den Bogen in die Vergangenheit. Anhand historischer Aufnahmen aus dem Jahr 1962 will sie herausfinden, ob sich die Sprache der Nachtigallen in den letzten 50 Jahren verändert hat. „Die menschliche Sprache hat sich ja auch fortentwickelt – anhand von Einflüssen anderer Sprachen oder Lautverschiebungen. Vielleicht ist das bei Vögeln ja auch der Fall“, sagt Denise Bock. Dass heutige Vögel lauter singen als früher, ist ja bereits bekannt: Sie müssen schließlich gegen den immer dichter werdenden Verkehr ansingen. 

Ein Wachtelkönig singt im Gras. Die Vögel brauchen Wiesen, die erst spät gemäht werden, damit sie Verstecke für ihre Nester finden.
Ein Wachtelkönig singt im Gras. Die Vögel brauchen Wiesen, die erst spät gemäht werden, damit sie Verstecke für ihre Nester finden.
Thomas Krumenacker
RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

Es freut uns, dass Sie sich wie wir für die Vogelwelt interessieren! Wir „Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt“ bieten jeden Mittwoch neue spannende Beiträge zu Naturschutz, Vogelbeobachtung und Ornithologie. Unseren Naturjournalismus ermöglichen Abonnenten und Förderabonnenten. Das ganze Angebot gibt es für 3,99€/Monat. Mit unserem kostenlosen wöchentlichen Newsletter erfahren Sie immer zuerst von neuen Beiträgen.

Weiter zur Startseite von Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

  1. Ornithologie
  2. Rotmilan

Deutschlands heimlicher Wappenvogel unter Druck

Windkraftanlagen und Nahrungsmangel auf Feldern und Wiesen machen es den Rotmilanen schwer.

Rotmilan mit dem typischen gegabelten Schwanz.
  1. Freiflug
  2. Geschichte
  3. Ornithologie

Humboldts Papagei

Die letzten 30 Jahre seines Lebens leistete ein Vogel namens Jakob dem Gelehrten Gesellschaft. Ein Papagei mit ganz eigener Geschichte.

Alexander von Humboldts Vasapapagei Jakob
  1. Ornithologie
  2. Vogelbeobachtung

Das Weißkehlchen braucht karge, unordentliche Landschaften

Weniger als 5000 Steinschmätzerpaare brüten in Deutschland. Von Carl-Albrecht von Treuenfels

Früher ein häufige Art, doch heute gibt es nur noch rund 5000 Brutpaare des Steinschmätzers in Deutschland.
  1. Forschung
  2. Ornithologie
  3. Raumfahrt

Amsel, Storch & Co gehen auf Sendung

In Zukunft werden Tiere aus dem Weltall beobachtet. Das System Icarus geht jetzt an den Start. Interview mit dem Projektleiter Martin Wikelski.

Martin Wikelski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie mit einem Storch, der einen Sender trägt.
  1. Naturschutz
  2. Ornithologie
  3. Vogelbeobachtung

Der Flugbegleiter-Blog

Aktuelle Updates, Veranstaltungen, Kurzmeldungen

  1. Artenschutz
  2. Ornithologie

Bodensee – Rettung für die Vogelwelt

Peter Berthold versucht die Vogelwelt zu retten – und beginnt damit in seiner Heimatregion. Der Filmemacher Michael Gärtner hat ihn dabei begleitet. Sein Arte-Film zeigt, dass es möglich ist, den Negativtrend umzukehren: Arten, die seit Jahrzehnten verschwunden waren, kehren zurück.

Fitis in der Hand eines Vogelschützers.
  1. Brutzeit
  2. Ornithologie

In den Vogelnestern geht es gerade um Leben und Überleben

Erstaunliche ornithologische Erkenntnisse zu Brut, Eiern und Jungvögeln.

Neuntöter am Nest – aus sicherer Entfernung fotografiert.
  1. Freiflug
  2. Ornithologie
  3. Vogelbeobachtung

Empfindliche Langstreckenflieger

Brandseeschwalben-Bruten drohen vielfältige Gefahren – von Füchsen über große Möwen bis hin zu Umweltgiften.

Eine Brandseeschwalbe fliegt miteinem Fisch im Schnabel.
  1. Flugbegleiter
  2. Ornithologie

Osteroologie

Jeder Vogel beginnt mit einem Ei. Die Berliner Künstlerin Anna Jakupovic hat für die „Flugbegleiter“ die erste Erscheinungsform von sechs Vogelarten in Szene gesetzt.

Illustration von drei Vogeleiern
  1. Flugbegleiter
  2. Ornithologie
  3. Vogelbeobachtung

König der Fischer – der Eisvogel

Die Bestände der farbenfrohen Art haben sich etwas erholt – nötig wäre aber eine Verdreifachung. Ein Portrait.

Ein Eisvogel sitzt auf einem Schilfstengel und hält Ausschau nach Beute.
Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Die Flugbegleiter