Zum Artikel springen
  1. RiffReporter /
  2. Wissen /
  3. Wie entscheiden ÄrztInnen, wer auf die Intensivstation kommt, wenn Plätze knapp sind?

Wonach entscheiden ÄrztInnen, wer auf der Intensivstation behandelt wird, wenn die Plätze knapp sind?

02.04.2020
1 Minute

Wenn nicht mehr alle PatientInnen angemessen behandelt werden können, müssen in den Kliniken sehr schwere und belastende Entscheidungen getroffen werden. Wer darf auf die Intensivstation, für wen ist kein Platz mehr da? Diese Auswahl wird in Fachkreisen als „Triage“ bezeichnet. Sie ist eigentlich für Katastrophenszenarien vorgesehen, scheint aber auch in der Corona-Krise nicht ausgeschlossen.

Die Würde ist unantastbar

Um ÄrztInnen dafür eine Leitlinie an die Hand zu geben, haben sich im März und April mehrere medizinische Fachgesellschaften und auch der Deutsche Ethikrat geäußert. Beide Stellungnahmen empfehlen, vorrangig die PatientInnen zu behandeln, denen man gut helfen kann. Oder anders formuliert: Sie empfehlen, bei mangelndem Platz die aussichtslosen Fälle nicht mehr auf die Intensivstation aufzunehmen. Diese Fälle sollen anderweitig versorgt werden, wenn nötig mit Schmerzmitteln.

Das Alter soll hingegen keine Rolle spielen. Das ergibt sich aus dem Prinzip der Menschenwürde: Es verbietet, Menschen eine Behandlung zu verweigern, bloß weil sie ohnehin nicht mehr lange zu leben hätten. Selbst wenn ein Mensch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nur noch mit wenigen Lebensjahren rechnen kann, sind diese Lebensjahre nicht weniger wert als die eines anderen Menschen. Als Kriterium für die Patientenauswahl bleibt den Ärztinnen und Ärzten daher nur die Erfolgsaussicht der Behandlung.

Kostenfreien Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge dieses Projektes informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren kostenlosen Newsletter.

Unterstützen Sie „Corona: Ein Virus bedroht die Welt“ mit einer einmaligen Zahlung. Oder lesen und fördern Sie alle Themenmagazine mit einem RiffReporter-Abo.

Das Beatmungsgerät abschalten?

Eine spezielle Frage ist, ob eine Beatmung abgebrochen werden darf, wenn ein neuer Patient mit einer besseren medizinischen Prognose behandelt werden könnte. Vermutlich würde das gegen geltendes Recht verstoßen, auch wenn man sich kaum vorstellen kann, dass jemand den ÄrztInnen einen Vorwurf machen würde, wenn sie diese schwere Entscheidung gut begründen. Doch in dieser Frage sind aus den ethischen Empfehlungen unterschiedliche Akzente herauszulesen.

Die medizinischen Fachgesellschaften schreiben, dass aus Gründen der Gerechtigkeit zwischen allen schwer kranken Patientinnen und Patienten ausgewählt werden müsse – egal, ob sie schon auf der Intensivstation liegen oder nicht. So könne auch die Zahl vermeidbarer Todesfälle minimiert werden. Der Ethikrat betont hingegen, dass das geltende Recht geschützt werden müsse – und das verbiete das Abschalten des Beatmungsgeräts aus solchen Gründen: „Auch in Katastrophenzeiten hat der Staat die Fundamente der Rechtsordnung zu sichern.“ (Alexander Mäder)

Unterstützen Sie „Corona: Ein Virus bedroht die Welt“ mit einer einmaligen Zahlung. Oder lesen und fördern Sie alle Themenmagazine mit einem RiffReporter-Abo.
RiffReporter eG

RiffReporter eG

Die RiffReporter vereint mehr als hundert Journalistinnen und Journalisten mit der Mission, unabhängigen Journalismus zu Umwelt, Gesellschaft, Weltgeschehen, Wissenschaft und Tech zu bieten. Für unser innovatives Journalismusmodell haben wir den Grimme Online Award und den Netzwende-Award erhalten. Den Vorstand bilden Tanja Krämer und Christian Schwägerl, Aufsichtsratsvorsitzende ist Eva Wolfangel.


Corona: Ein Virus bedroht die Welt

Die Corona-Pandemie und ihre Gefahren prägen unser Leben. Wir RiffReporter unterstützen Sie mit verlässlichen Informationen dabei, durch diese schwierige Zeit zu kommen. Bei uns berichten sachkundige und mit Preisen ausgezeichnete Journalistïnnen für Sie. Hier bekommen Sie

Recherchen für dieses Projekt werden vom Recherchefonds der Wissenschaftspressekonferenz e.V., von der Klaus Tschira Stiftung und von der Andrea von Braun Stiftung gefördert. Auch Sie können uns fördern – mit einer freiwilligen Zahlung oder mit einem RiffReporter-Abo.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

RiffReporter eG

Buchtstr. 13
28195 Bremen

E-Mail: info@riffreporter.de

Tel: +49 421 24359394

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Alexander Mäder
Faktencheck: Alexander Mäder
VGWort Pixel