Am Ende der Umwelt: Im Anthropozän gibt es kein unerschöpfliches Draußen mehr, sondern eine gemeinsame Unswelt

Das Menschenzeit-Projekt, Folge 6: Wir Erdbeweger

Christian Schwägerl Verwitternder Plastikschuh

AnthropoScene – Expeditionen in unsere neue geologische Erdepoche

Was bisher geschah: Der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen stellte die revolutionäre Anthropozän-Hypothese auf: Sie besagt, dass wir Menschen die Erde nicht nur in geschichtlichen, sondern in erdgeschichtlichen Dimensionen verändern. Um zu verstehen, was das heißt, haben wir auf die Evolution des Lebens zurückgeblickt, auf die Geschichte der Menschheit und den langen Weg der Erkenntnis, wie eng Mensch und Planet verbunden sind. Diese Reise führte uns an die Schwelle der neuen Erdepoche...

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Am Beginn der Industrialisierung war die Erdhälfte, als sie sich zur Nacht von der Sonne wegdrehte, noch ein schwarzes Nichts im All. Lagerfeuer, Kerzen und Öllampen schafften es nicht, den Filter der Erdatmosphäre zu durchdringen. Dann begann die Menschheit, das gespeicherte Sonnenlicht vergangener Zeiten systematisch aus dem Untergrund zu holen und in Lampen und Maschinen zu entflammen.

Fossile Brennstoffe befeuern seither den faszinierenden Aufstieg des materiellen Wohlstands. Seit dem Siegeszug der Industrialisierung ist auf der Nachhälfte der Erde ein Punkt nach dem anderen erschienen, wie in einer langen prometheischen Kettenreaktion aus Lichtern, Gasflammen, brennenden Wäldern.

„It is like a running blaze on a plain, like a flash of lightning in the clouds. We live in the flicker – may it last as long as the old earth keeps rolling!“

Das lässt Joseph Conrad seinen Hauptdarsteller im „Herz der Finsternis“ über die Lichter entlang der britischen Themse sagen. Seit dem späten 19. Jahrhundert haben sich die Lichtquellen der menschlichen Zivilisation zu großen Flächen vereint, entlang der Küsten bilden sie heute lange Linien, vom All aus zu sehen, im bombastischen Vorspann von Filmen der Universal Pictures zelebriert.

Unzählige Handgriffe zum Lichtschalter, zum Generator, zum Streichholz schaffen eine kollektive, rollende Leuchtbotschaft ins All, die von Satelliten und den Astronauten der Internationalen Raumstation in beeindruckenden Bildern zurück zur Erde gelangen, mit coolem Elektrosound unterlegt im Internet kursieren und Filmemacher wie Alfonso Cuarón („Gravity“) inspirieren [1]. In China entsteht eine Megaregion, die 1800 Kilometer lang sein wird, in Westafrika eine Küstenstadt von 600 Kilometern Länge [2].

Durch eine rasche Abfolge von technischen, sozialen und ökonomischen Innovationen haben wir Menschen es geschafft, binnen zweihundert Jahren das Gesicht der Erde grundlegend zu verändern und fast den gesamten Planeten mit uns selbst und unseren Errungenschaften zu überziehen.

Die Ökologie der Erde – das Geflecht aller Lebensbeziehungen – hat die menschliche Ökonomie hervorgebracht, die seit zwei Jahrhundert von den fossilen Lebensgeistern früherer Erdbewohner angetrieben wird. Für Milliarden Menschen von heute wird die industrielle Ökonomie in Form moderner Krankenhäuser und Schulen, globaler Mobilität und einer unfassbaren Vielfalt an Konsumgütern spürbar. Die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, ist stark zurückgegangen.

Die Bildungschancen, besonders von Frauen, haben sich stark erhöht. Die Lebenserwartung bei Geburt ist allein seit 1990 global um sechs Jahre gewachsen, auf nunmehr 72 Jahre [3]. Ohne diese neue Ökonomie, ohne industrielle Landwirtschaft, ohne Kunstdünger, Pharmazeutik und fossile Brennstoffe wären die meisten von uns nicht einmal am Leben. Wir wüssten das zwar auch nicht. Aber schade wäre es trotzdem, denn jeder neue Mensch, der geboren wird, bereichert die Erde mit seiner Fähigkeit zu Bewusstsein, Kreativität und Gemeinschaft.

Von der Plastikkanüle, die bei einer Geburt das Leben von Mutter und Kind rettet, über Autos, die uns wie von Geisterhand bewegt an jeden beliebigen Punkt bringen bis zu Forschungslabors, in denen Millionen Menschen ihrer Neugierde freien Lauf lassen können – das späte 20. und beginnende 21. Jahrhundert stellt für alle, die in Genuss von Wohlstand kommen und nicht unter der akuten Gewalt von Kriegen oder der langsamen Gewalt von Armut litten oder leiden, eine unglaubliche Ausweitung der menschlichen Komfortzone dar. So zumindest denken wir das, was wir heute Wohlstand nennen. Ihn herzustellen und zu verbreiten hat die Erde vom Holozän ins Anthropozän gebracht, in dem nichts mehr auf der Erde unberührt und vom Menschen unbeeinflusst ist.

Vier große Faktoren sind es, an denen sich das Ende des Holozäns festmachen lässt:

Der erste Faktor ist das Bevölkerungswachstum – aber mit Einschränkung.

Wenn heute nur so viele Menschen leben würden wie zur Zeit von Jesus Christus – wenige hundert Millionen – könnten ihre Effekte nicht so global und so langfristig sein, dass sie sich zu einer neuen geologischen Erdepoche summieren. Fossile Brennstoffe, effizientere Landwirtschaft und bessere Medizin haben die Überlebenschancen und die Lebenserwartung stark erhöht. Im Jahr 1800 gab es bereits eine Milliarde Menschen, 1930 zwei Milliarden, 1960 drei Milliarden. Im Oktober 2011 kam Mensch Nr. 7000000000 zur Welt, Danica May Camacho, ein Mädchen von den Philippinen, das die Vereinten Nationen auserwählen, diese prominente Rolle wahrzunehmen[5]. 2019 gehen die Vereinten Nationen von 7,7 Milliarden Menschen aus. Würden diese Menschen gleichmäßig über die Landfläche der Erde (ohne Antarktis) verteilt leben, kämen auf jeden einzelnen Quadratkilometer 57 von ihnen.

Allein zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2019 ist die Zahl der Menschen von 6,1 Milliarden auf 7,7 Milliarden gestiegen – das entspricht pro Monat zweimal der Einwohnerzahl Berlins. Man stelle sich vor, man hätte diese Stadtflächen in der Hand und müsste aussuchen, wo auf dem Globus man sie absetzt.

Bis zur Mitte des Jahrhunderts sollen laut Uno-Prognosen weitere zwei Milliarden Menschen hinzukommen, so viele, wie in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg die ganze Menschheit ausgemacht haben. Mitte des Jahrhunderts werden sich bereits 66 Menschen im Durchschnitt einen Quadratkilometer Landfläche teilen. Dieses Wachstum passiert hauptsächlich in Schwellen- und Entwicklungsländern. So wächst die Menschheit jeden Tag um einen indischen Slum, eine Hochhaussiedlung von Peking, einen Vorort von Jakarta oder eine Mittelstadt im Kongo.[6] Die Zahl der Menschen allein sagt aber wenig aus.

Viele halten die „Überbevölkerung“ für das größte Problem unserer Zeit. Einer der Wortführer ist Stephen Emmott, der schon die Zahl „Zehn Milliarden“ an sich als Schreckensvision begreift [4]. Manche träumen davon, die Zahl der Menschen wieder zu reduzieren.

Aber wer hat das Recht, eine bestimmte Zahl von Menschen als „zu viel“ einzustufen? Wer ist „zu viel“ – das Neugeborene in Bangladesch, klassisches Ziel derer, die von Überbevölkerung reden? Oder das Neugeborene in New York, das in seinem Leben ein Vielfaches an Ressourcen und Energie verbrauchen wird? Empirisch gesehen sinkt die Zahl der Kinder pro Familie mit dem Wohlstand. Das hieß bisher: Die reine Zahl der Köpfe wird durch mehr Verbrauch pro Kopf ersetzt. Es ist diese Formel, die sich ändern muss – wenn Wohlstand nicht automatisch Zerstörung der Lebensgrundlagen heißt, wird die reine Zahl der Menschen nachrangig.

Einflussreicher als die reine Zahl der Menschen ist bis dahin, mit welchen Konsumgewohnheiten diese Zahl multipliziert werden muss – wie viel Land, Industriefläche, Bergwerksfläche, Siedlungsraum ist für diese Menschen nötig?

Unsere individuellen Handlungen multiplizieren sich mit der Zahl der Menschen, die ähnlich leben und entscheiden – und werden dann zur neuen Wirklichkeit des Anthropozäns, die global ist und langfristig, die mit Wucht kommt und uns oftmals mit ihren Konsequenzen überrascht, ob positiv oder negativ.

Der zweite Faktor, der das Ende des Holozäns markiert, ist der enorm gewachsene Flächenbedarf der Menschheit.

Eine Fläche von 7000 mal 7000 Kilometer Land nutzen wir bereits für die menschliche Ernährung. Städte und Siedlungen erstreckten sich bereits 2007 über ein Areal, das halb so groß war wie der australische Kontinent.[7] Heutige Prognosen besagen, dass allein die globale Stadtfläche bis 2030 um ein Gebiet zunehmen wird, das zusammengenommen mindestens 1100 mal 1100 Kilometer und vielleicht auch bis zu 2200 mal 2200 Kilometer groß ist.

Allein die Bauarbeiten, die nötig sind, um diesen Menschen ein Zuhause zu geben, verändern die Geologie der Erde substantiell. Beton und andere Baustoffe werden in gigantischen Mengen produziert, transportiert und an neuen Orten abgelagert. Jan Zalasiewicz, Geologe von der Universität Leicester und einer der führenden Anthropozänforscher, beschreibt die Städte, die sich weltweit breitmachen, als „die Veränderung von Sedimentationsprozessen durch die Konstruktion von menschengemachten Gesteinsschichten“.

Masse Mensch: Im 20. Jahrhundert hat Homo sapiens seinen Spitzenplatz als häufigste Primatenart auf der Erde uneinholbar ausgebaut. Zusammen mit den domestizierten Tieren beherrscht der Mensch die Erde auch von der reinen Biomasse her, zumindest im Vergleich zu anderen wildlebenden Wirbeltieren. Homo sapiens liebt die Zusammenballung mit Artgenossen, wie hier bei einem Basketballspiel in Berlin,
Masse Mensch: Im 20. Jahrhundert hat Homo sapiens seinen Spitzenplatz als häufigste Primatenart auf der Erde uneinholbar ausgebaut. Zusammen mit den domestizierten Tieren beherrscht der Mensch die Erde auch von der reinen Biomasse her, zumindest im Vergleich zu anderen wildlebenden Wirbeltieren. Homo sapiens liebt die Zusammenballung mit Artgenossen, wie hier bei einem Basketballspiel in Berlin,
Christian Schwägerl

Zalasiewicz schreibt über Beton: „Die globale Jahresproduktion nähert sich nun fünf Milliarden Kubikmetern, also etwas mehr als zwei Dritteln eines Kubikmeters für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind auf der Erde, insgesamt genug, um ganz Deutschland, Österreich und Teile der Nachbarländer unter einer Zentimeter dicken Schicht dieses Materials abzudecken – jedes Jahr. Beton ist Teil der Stadtschicht, die sich als unsere Häuser und Fabriken über die Erdoberfläche erhebt und sich darunter als Fundamente, U-Bahnen, Kanäle, elektrische Kabelschächte und noch tiefer als Minen und Bohrungen erstreckt.“ [8]

Dämme, Bergbau und vom Menschen verursachte Erosion verändern die geologische Beschaffenheit der Erde flächendeckend. Hinter den Zehntausenden Staudämmen sammeln sich weltweit riesige Mengen Sediment, die in den Mündungsgebieten fehlen.[9] [10] In den Flüssen, die nicht aufgestaut sind, fließt aufgrund der Erosion aus der Landwirtschaft zehnmal so viel an Sedimenten ins Meer als im Durchschnitt der vergangenen 500 Millionen Jahre.[11]

Bereits jetzt werden Stoffströme lebenswichtiger Elemente wie Phosphor und Stickstoff, die in der Landwirtschaft als Kunstdünger dienen, vom Menschen dominiert. Wir haben der Atmosphäre durch die Produktion von Kunstdünger mit dem Haber-Bosch-Verfahren bereits mehr Stickstoff entnommen als vorher insgesamt in Land-Ökosystemen zirkuliert ist.[12]

Die ökologische Tragödie auf den Weltmeeren

Auch unser Einfluss auf die Weltmeere ist inzwischen flächendeckend. Er reicht in Form von verklapptem Atommüll, neuartigen unterseeischen Bergbauprojekten wie vor Papua-Neuguinea und der Infrastruktur der Ölförderung bereits in Tausende Meter Tiefe. Vor allem aber ist die Fischerei, über die wir die Meere verändern, eine gigantische Inanspruchnahme von Fläche.

Eine Million größere Fischerschiffe gibt es weltweit, drei Millionen kleinere Boote kommen hinzu.[13] Sie spüren Fischschwärme mit denselben Technologien auf, mit denen im Kalten Krieg amerikanische und sowjetische Atom-U-Boote aufeinander Jagd gemacht haben. Die Fangkraft dieser Schiffe hat sich seit 1970 versechsfacht. Viele der Schiffe nutzen Walzen, welche den Meeresgrund plätten und jede Struktur und jede Erhebung, die Leben birgt, zu Brei zermalmen.

Korallen fallen in vielen Meeren dem schweren Geschirr der Trawler zum Opfer. Tiefseefischer kratzen die einzigartigen Naturwunder unterseeischer Berge ab. Es ist, als würden Jäger ganze Wälder abholzen, nur um ein paar Rehe zu fangen. Seit 1970 ist der Ertrag pro Schiffseinheit um zwei Drittel gesunken.[14] Immer mehr Schiffe ringen um immer weniger Fisch. Es läuft in den Worten eines Meerfachmanns „ein Wettrennen um das eigene Verderben“. [15]

Eigentlich sollte das Meer unerschöpflich sein. Es ist ein grenzenloses, weltumspannendes Ökosystem, 1,3 Milliarden Kubikkilometer groß, ein Vielfaches größer als alle Landlebensräume zusammen. Längst gibt es aber künstliche, leer gefischte Wasserwüsten. Die Bestände haben keine Zeit mehr, sich zu regenerieren und werden in vielen Fällen kleiner, sowohl was die Körpergröße als auch was die Zahl der Individuen betrifft.

Als die UN-Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organisation) in den fünfziger Jahren begann, globale Fischfangmengen zu erfassen, kam sie auf 20 Millionen Tonnen. Dann folgte ein rasanter Anstieg, auf über 90 Millionen Tonnen Wildfang. Doch inzwischen stagniert der Fang, ja er ging in einigen Jahren wieder zurück. Das lag nicht an weisem Management, sondern an einer Erschöpfung vieler Bestände. Trotz steigendem PS-Aufwand ist nicht mehr herauszuholen.

Die FAO stuft achtzig Prozent der Fischbestände als voll oder übermäßig genutzt ein.[16] Auch Plastikmüll und die absichtliche oder versehentliche Entsorgung von toxischem oder radioaktivem Müll im Meer gehören zu dieser Flächen-Okkupation. [17].

Unberührte Natur als Inseln in menschlich dominierten Anthromen

Wildnis gibt es in dieser Perspektive nicht einmal mehr auf dem Meer. An Land sind die Fakten ohnehin erdrückend. Nach Analysen US-amerikanischer Forscher in Kooperation mit Google sind allein zwischen dem Jahr 2000 und 2012 auf 2,3 Millionen Quadratkilometern Wälder verschwunden – was einer Fläche von 1500 mal 1500 Kilometern entspricht. Das waren Wälder, die als „natürlich“ eingestuft wurden. Nur 0,8 Millionen Quadratkilometer wurden in diesem Zeitraum wieder aufgeforstet, der Rest verwandelte sich in Agrarflächen, Siedlungen und Brachland. Laut einem Bericht von Global Forest Watch sind allein im Jahr 2018 zwölf Millionen Hektar an Tropenwald verloren gegangen. Das entspricht der Größe von Bayern und Niedersachsen. [18]

Die Welternährungsorganisation FAO spricht von einer alarmierenden Entwicklung, weil Rodungsflächen und selbst neugepflanzte Wälder biologisch gesehen oftmals monoton sind. Sie können indigene Völker nicht ernähren, haben eine geringere Artenvielfalt und erbringen weniger ökologische Dienstleistungen.[19]

Was von früherer Wildnis übrig ist, ist häufig bereits das Ergebnis menschlicher Entscheidungen, etwa der lokalen Bevölkerung, wenn sie einem Gebiet dauerhaften Wert zuspricht und es verteidigt; von Umweltorganisationen, die sich für seinen Schutz einsetzen; oder von Firmenvorständen, die zu dem Ergebnis kommen, dass sich eine Ausbeutung noch nicht lohnt. Selbst dort, wo Menschen meinen, in der Wildnis zu sein, werden sie bei genauem Hinsehen früher oder später auf Spuren der Zivilisation stoßen. Das passiert regelmäßig im Amazonas, wo, wenn vermeintlich unberührter Regenwald gerodet wird, erstaunlich oft die Ruinen früherer Siedlungen zutage treten.[20]

Das Anthropozän markiert das Ende der Illusion, dass es irgendwo „da draußen“ noch riesige, unerforschte, unverbrauchte, ungenutzte Gebiete gibt, die unberührte Natur, die sich um das Menschgemachte herum erstreckt und es wie Inseln in einem Meer erscheinen lässt. Inzwischen ist das Gegenteil der Fall: Gebiete, die als Wildnis eingestuft werden können, sind die Inseln.

Kunstwerk von David Thomas Smith: „Anthropocene"
Kunstwerk von David Thomas Smith: „Anthropocene"

Auf den Punkt bringen dies die Geografen Erle Ellis und Navan Ramankutty von der University of Maryland. Sie haben durch die Detailanalyse von Satellitenbildern ermittelt, dass nur noch 22 Prozent der Erdoberfläche im klassischen Sinn Wildnis sind und nur noch 11 Prozent der Photosynthese-Leistung auf diesen wilden Flächen stattfinden. Der große Rest besteht aus Agrarland, Siedlungen, Industriegebieten und anderen Gebieten, den „Anthromen“, also menschlich geprägten Lebensräumen, die die früheren „Biome" ersetzen. „Die Biosphäre bewegt uns weg von natürlichen Ökosystemen, die der Mensch stört, hin zu menschlichen Systemen mit in sie eingebetteten natürlichen Ökosystemen“, sagt Ellis. [21]

Challenge: Zoomen Sie bei Google Earth in schneller Folge zu beliebigen Punkten der Erdoberfläche hinab.

Dieser grüne, undurchdringliche Wald – sehen Sie die Forststraßen?

Diese weite, verlassen wirkende Hochebene – sehen Sie das Bergwerk?

Dieses hellblau strahlende Korallenriff – sehen Sie die US-Militärbasis?

Diese grau-braune Geröllebene – hoppla, eine Stadt.

Diese weißen Pünktchen im Meer vor der Küste – Fischerboote.

Wer auf Google Earth Bildausschnitte findet, auf denen kein Pixel vom Menschen verändert ist, um sich das an die Wand zu hängen, wird lange suchen müssen. Der irische Künstler David Thomas Smith ist deshalb 2013 gleich dazu übergegangen, aus menschlich geprägten Landschaften hochgradig symmetrische Fotomontage zu erzeugen, die jede Wand zieren würden. Titel des Kunstwerks: „Anthropocene“ [22]

Die Landschaften, die dabei entstehen, können von oben ganz unterschiedliche Assoziationen wecken: Sie sehen aus wie komplizierte Schriften, wie gierige Krebsgeschwüre, wie wunderschöne Kunstwerke, wie geometrische Berechnungen, wie Militärparaden für Pflanzen, wie Bakterienkulturen, wie gigantische Gärten ­­– es sind Landschaften, in denen sich Millionen von menschlichen Entscheidungen summieren.

Neben unserer Vermehrung und der Ausbreitung in der Fläche ist das dritte Merkmal des endenden Holozäns der enorme Energieverbrauch und seine Folgen für das Weltklima.

Die Weltbevölkerung hat seit 1860 ungefähr um den Faktor 6 zugenommen, aber der Energieverbrauch im selben Zeitraum etwa um den Faktor 40. Durchschnittlich verbraucht heute jeder Mensch das Äquivalent von zwei Litern Erdöl ­– am Tag.[23]

Die menschliche Handschrift wird an Land in Form der Fracking-Landschaften sichtbar, im Meer durch Bohrungen in die Tiefsee und am Himmel durch eine neue Chemie der Atmosphäre. Zur grundlegenden Reorganisation der Atmosphäre gehören regionale Phänomene wie die gigantische Asian Brown Cloud, die sich über die Großstädte Chinas und anderer Länder wölbt, aber auch globale, wie die Kohlendioxid-Emissionen, die sich aus Millionen Einzelquellen in der Atmosphäre zu einer neuen physikalischen Realität vereinen.

Seit Beginn der Industrialisierung veranstaltet die Menschheit ein gigantisches geophysikalisches Experiment. Wir holen Gas, Kohle oder Erdöl aus der Erdkruste, verbrennen sie und entsorgen Kohlendioxid als Abgas in die Atmosphäre. Zusätzlich wird Kohlenstoff frei, wenn Wälder abbrennen und Feuchtgebiete austrocknen.

Gut 2110 Milliarden Tonnen Kohlendioxid sind nach Schätzungen des Potsdam-Institut, der Oxford University und des World Resources Institute zwischen 1800 und 2014 bereits durch menschliche Aktivitäten zusätzlich in Umlauf gekommen.[24] Auch wenn im Meer, in Gesteinen und in der Atmosphäre ein Vielfaches an Kohlenstoff gespeichert ist, stellt bereits dies einen erheblichen Eingriff in den Kohlenstoffzyklus der Erde dar.[25] Trotz weltweiter Bemühungen nehmen die CO2-Emissionen weiter zu, 2018 lagen sie allein für den Energieverbrauch bei 37 Milliarden Tonnen, 2017 für alle Quellen zusammengenommen bei rund 55 Milliarden Tonnen. [26],[27] 

Nach heutigem Trend wird die Menschheit vom Beginn der Industrialisierung bis etwa zum Jahr 2025 zusätzlich so viel Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre und die Ozeane einbringen wie alle heutigen Lebewesen zusammen enthalten.[28] 

Von diesen gigantischen Stoffmengen nehmen im Moment mindestens 60 Prozent das Meer und die Vegetation auf, weil CO2 sich im Wasser löst und weil Pflanzen es aufnehmen und in Biomasse umwandeln können. Damit ist der Stoff aber nicht weg. Im Meer hat bereits eine Versauerung eingesetzt, weil aus CO2 und H2O Kohlensäure entsteht.[29]

Nach Analysen von US-amerikanischen Forschern in Kooperation mit Google sind allein zwischen dem Jahr 2000 und 2012 auf 2,3 Millionen Quadratkilometern Wälder verschwunden – was einer Fläche von 1500 mal 1500 Kilometern entspricht. Einer der Schwerpunkte der Entwaldung ist die indonesische Insel Borneo. Im Bild zu sehen ist ein Gebiet, das für das sogenannte Mega-Rice-Projekt mit dem Versprechen des Reisanbaus entwaldet, aber dann zum Anbau von Ölpalmen verwendet wurde.
Nach Analysen von US-amerikanischen Forschern in Kooperation mit Google sind allein zwischen dem Jahr 2000 und 2012 auf 2,3 Millionen Quadratkilometern Wälder verschwunden – was einer Fläche von 1500 mal 1500 Kilometern entspricht. Einer der Schwerpunkte der Entwaldung ist die indonesische Insel Borneo. Im Bild zu sehen ist ein Gebiet, das für das sogenannte Mega-Rice-Projekt mit dem Versprechen des Reisanbaus entwaldet, aber dann zum Anbau von Ölpalmen verwendet wurde.
Christian Schwägerl


Wer schon einmal ein Mineralwasser getrunken hat, das zu viel Kohlensäure enthalten hat, bekommt eine Ahnung, wie sich unzählige Meeresorganismen fühlen, die das Kohlendioxid aus unseren Autos, Fabriken und Kraftwerken abbekommen. Kohlensäure wirkt leicht ätzend. Dafür sind Meeresorganismen, die aus Kalkstrukturen bestehen – vom Plankton bis zu Korallenriffen – extrem empfindlich. Korallenriffe und die Schalen von Organismen wie Kieselalgen, die am Beginn der Nahrungskette stehen, sind durch diese Ozeanversauerung stark gefährdet. Zwar gibt es Mechanismen, mit denen Korallenriffe das saure Milieu puffern, aber das geht nur bis zu einem gewissen Grad. [30] Zur Versauerung kommt noch die Erwärmung hinzu, die viele Korallenriffe an ihre physiologischen Grenzen bringt – das Absterben weiter Teile des „Great Barrier Reef“ vor Australien sind eine katastrophale Folge davon. Die negativen Konsequenzen der Versauerung können erheblich sein, weil sie die Grundlage der Nahrungskette im Meer betreffen. [31]

Es kommt leider noch schlimmer: das Meer kann nicht unendlich viel CO2 aufnehmen, und falls dieser Punkt einmal erreicht wird, könnte sich das erwärmte Meer sukzessive von einer Lagerstätte zu einer Quelle von Treibhausgasen verwandeln. Und wenn sich das Meer von der Oberfläche bis in die Tiefe erwärmt, wofür es bereits Anzeichen gibt, könnte zuerst der Salzdeckel verschwinden, der Unmengen freien Kohlenstoffs im Wasser zurückhält. Danach könnte zusätzlich gefrorenes Methan am Meeresgrund auftauen und freiwerden. Methan ist ein noch viel potenteres Treibhausgas als Kohlendioxid. [32] [33]

Zwei Grad sind der Unterschied zwischen Alltag und Lebensgefahr

Es wäre erfreulich, wenn der zusätzliche Kohlenstoff einfach nur das Leben düngen würde und als Baumaterial für neue Lebewesen zur Verfügung stünde. Doch die Aufnahmefähigkeit der Ozeane ist begrenzt und deshalb reichert sich Kohlendioxid in der Atmosphäre an. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre lag zu Beginn der Industrialisierung bei 280 ppm (parts per million) und beim UN-Erdgipfel von Rio 1992 bereits bei 356 ppm. Im Mai 2013 ist sie an der Messstation Mauna Loa auf Hawai erstmals über den Wert von 400 ppm gestiegen. 2019 wurde bereits ein Wert von 414 ppm erreicht. Dem heutigem Trend zufolge wird bereits 2040 ein Wert von 450 ppm erreicht sein, eine von Klimaforschern als hochkritisch definierte Schwelle. [34]

Die im Weltklimarat IPCC versammelten Forscher sind sich weiterhin einig, dass der Ausstoß von Treibhausgasen durch den Menschen bis zum Ende des Jahrhunderts die Durchschnittstemperatur der Erde um mindestens 2 Celsius anheben und die Ozeane deutlich saurer machen wird. Scheinbare Pausen bei der Erwärmung haben eher mit komplizierten Feed-back-Mechanismen zwischen Luft und Ozeanen und mit fehlenden Messstationen in der Arktis zu tun, als damit, dass die wissenschaftlichen Grundannahmen zum Klimawandel falsch wären.[35]

Zwei Grad Celsius, das klingt nicht nach viel, und das ist nicht viel im Wechsel zwischen Tag und Nacht. Die globale Durchschnittstemperatur der Erde, für die diese Vorhersage gilt, gleicht aber eher der Temperatur des Körpers: Zwei Grad mehr sind da der Unterschied zwischen Alltag und Lebensgefahr.

Im Extremfall könnte die Durchschnittstemperatur bis zum Ende des 21. Jahrhunderts sogar um bis zu sechs Grad steigen, regional noch stärker. Derzeit ist es weltweit im Durchschnitt ungefähr fünf Grad wärmer als auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, als sich auf der Nordhalbkugel die Gletscher Hunderte Meter hoch türmten. Fünf oder sechs Grad wärmer als heute, das wäre der Beginn einer langfristigen „Heißzeit“. [36]

Die Stromerzeugung mit Braunkohle, wie hier im Kraftwerk Schkopau bei Halle, ist besonders CO2-intensiv. Deutschland hat einen Fahrplan zum Ausstieg aus der Kohlenutzung, doch Umweltschützer warnen, das Ausstiegsdatum sei zu spät anberaumt.
Die Stromerzeugung mit Braunkohle, wie hier im Kraftwerk Schkopau bei Halle, ist besonders CO2-intensiv. Deutschland hat einen Fahrplan zum Ausstieg aus der Kohlenutzung, doch Umweltschützer warnen, das Ausstiegsdatum sei zu spät anberaumt.
Christian Schwägerl

Vollends Sicherheit darüber, was das zusätzliche Kohlendioxid mit der Erde machen wird, kann es nicht geben, denn wissenschaftliche Modelle sind, da sie weder die Welt selbst sein, noch alle Änderungen in der Zukunft vorwegnehmen können, ungenau. Doch erlauben sie es uns, den Einfluss des Menschen auf das Klima kleinzureden, wie es interessierte Lobbygruppen vor allem in den USA tun?

Den Leugnern zu glauben hieße, ein enormes Risiko einzugehen: Denn wenn es feststeht, dass sie im Unrecht waren, sind bereits gefährliche, vielleicht irreversible Fakten geschaffen. Sollten die Kritiker Recht behalten, wäre wenig anderes passiert als ohnehin sinnvolle Investitionen in den Umweltschutz. Wir wären weniger von Petrodiktaturen abhängig, die Städte wären menschenfreundlicher, wenn Alternativen zum Fossilautokult von heute entstünden.

Hinter der Argumentation von sogenannten „Klimawandelskeptikern“, die den ehrwürdigen, wissenschaftsfreundlichen Namen „Skeptiker“ eigentlich nicht verdienen, steckt die Annahme, der Mensch sei doch nur ein kleiner Faktor im Geschehen der Erde, zu klein, um große Wirkung zu entfalten, so dass wir einfach so weitermachen und mit denselben Dingen Geld verdienen können wie bisher. Doch unzählige wissenschaftliche Erkenntnisse ziehen der Argumentation, die Folgen menschlichen Tuns würden sich im Erdgeschehen verlieren, den Boden unter den Füßen weg.

Wie groß der Faktor Mensch ist, zeigt allein schon eine Studie des U.S. Geological Survey, der zufolge Menschen pro Jahr 135 mal mehr Kohlendioxid ausstoßen als alle Vulkane zusammen.[37]  Laut Axel Kleidon vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena nutzt die Menschheit derzeit jährlich rund 50 Terawatt freie Energie, hauptsächlich durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe und den Anbau von Kulturpflanzen. Das entspricht fünf bis zehn Prozent der global verfügbaren freien Energie. Kleidon zufolge ist das deutlich mehr, als alle Vulkane, Erdbeben und Plattenbewegungen zusammengenommen an freier Energie umsetzen.[38]

Bevölkerungswachstum, Flächenbedarf und Energiebedarf sind starke Treibkräfte, die uns aus dem Holozän ins Anthropozän befördern. Doch unsere Fähigkeiten und Bedürfnisse, unser Wissen und unsere Emotionen wirken noch viel tiefer.

Nach Bevölkerungswachstum, Flächenausdehnung und Energieverbrauch ist Faktor 4 beim Übergang vom Holozän zum Anthropozän unser Einfluss auf die Evolution des Lebens.

Am 6. Mai Mai 2019 legten 145 Wissenschaftler aus mehr als 50 Ländern ein Zeugnis davon ab, wie tiefgreifend wir Menschen die Erde verändern. Drei Jahre hatten die Forscher an dem sogenannten IPBES-Bericht für die Vereinten Nationen gearbeitet, Tausende Studien durchforstet. Das Ergebnis alarmierte selbst eingefleischte Experten;

Rund eine Million Arten der acht Millionen bekannten Arten sind dem Bericht zufolge in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vom Aussterben bedroht, kommt es zu keinen grundlegenden Änderungen etwa bei der Landnutzung und dem Klimawandel. Alleine die vom Menschen verursachte Erderhitzung könnte rund fünf Prozent der Arten auslöschen, wenn der Schwellenwert von zwei Grad Celsius globaler Temperaturerhöhung überschritten werde. 99 Prozent der Korallenriffe würden bei einer solchen Entwicklung mit großer Wahrscheinlichkeit absterben. Als wichtigsten Faktor des Artensterbens benennt der Bericht landwirtschaftliche Praktiken, die nicht nachhaltig sind.

Die Wissenschaftler zeichnen in dem Bericht ein dramatisches Bild der Lage der Natur. 23 Prozent der Landfläche des Planeten seien ökologisch heruntergewirtschaftet und könnten nicht mehr ausreichend genutzt werden. Allein der Verlust von Bestäuberinsekten bedrohe Nahrungsmittelproduktion im Wert zwischen 235 Milliarden und 577 Milliarden Dollar pro Jahr. Die Zerstörung von Küstenlebensräumen wie Mangrovenwäldern gefährde die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen.

Die Auswertung wissenschaftlicher Studien hat ergeben, dass

  • 85 Prozent der Feuchtgebiete bereits zerstört wurden
  • seit dem späten 19. Jahrhundert rund die Hälfte der Korallenriffe verschwunden ist
  • neun Prozent der Nutztierrassen ausgestorben sind
  • zwischen 1980 und dem Jahre 2000 100 Millionen Hektar tropischen Regenwald zerstört wurden und weitere 32 Millionen Hektar allein zwischen 2010 und 2015

„Die globale Rate des Artensterbens ist mindestens um den Faktor 10 bis Hunderte Male höher als im Durchschnitt der vergangenen 10 Millionen Jahre, und sie wächst“, heißt es in dem Bericht. Ob der Insektenschwund, der in den vergangenen Monaten besondere mediale Aufmerksamkeit bekommen hat, bereits ein globales Phänomen sei, lässt der Bericht aber offen: „Globale Trends bei den Insektenpopulationen sind nicht bekannt, aber von einigen Gebieten sind rasche Rückgänge gut dokumentiert.“ Bei anderen Tiergruppen, wie Vögeln, Amphibien und Säugetieren, lägen dagegen klare Belege für das Ausmaß der Gefährung vor.(39)

Einerseits verringern wir die Bestände vieler Tier- und Pflanzenarten bis zu einem Punkt, an dem sie erlöschen. Biologen sprechen von der sechsten großen Ausrottungswelle in der Erdgeschichte, die weltweit beginnt und die im kommenden Jahrhundert voll einsetzen würde, wenn sich etwa die Abholzung von tropischen Regenwäldern und das Ausbleichen von Korallenriffen fortsetzt.[40]

Korallenriffe gehören zu den artenreichsten marinen Lebensräumen. Sie sind existenziell bedroht, wenn der Ozean durch den CO2-Eintrag immer saurer wird und die Wassertemperatur schnell steigt. Wissenschaftler beobachten zwar auch Fähigkeiten der Anpassung, aber das Tempo der Veränderung ist so schnell, dass Riff wie das Große Barriereriff im Pazifik dem physiologischen Stress nicht gewachsen sind.
Korallenriffe gehören zu den artenreichsten marinen Lebensräumen. Sie sind existenziell bedroht, wenn der Ozean durch den CO2-Eintrag immer saurer wird und die Wassertemperatur schnell steigt. Wissenschaftler beobachten zwar auch Fähigkeiten der Anpassung, aber das Tempo der Veränderung ist so schnell, dass Riff wie das Große Barriereriff im Pazifik dem physiologischen Stress nicht gewachsen sind.

Welcher Teil der Biodiversität der Erde bereits bekannt ist, lässt sich nur schätzen. 1,5 Millionen Arten von Landlebewesen und 230.000 verschiedene Meeresorganismen haben Wissenschaftler bisher beschrieben. Neueste Berechnungen besagen, dass es insgesamt wohl 5,2 Millionen Arten an Land und 829.000 Spezies von Meeresbewohnern gibt – Taxonomen, die Experten für Arten, haben also noch viel zu tun.

Zugleich wachsen aber die sogenannten Roten Listen, auf denen bedrohte Tiere, Pflanzen und Pilze erfasst werden. Die Ressourcen der zuständigen Weltnaturschutzunion IUCN haben bisher nur dafür gereicht, die Gefährdung von rund zwei Prozent aller Arten genau zu analysieren. Wo fast alle bekannten Spezies untersucht sind, ist das Ergebnis erschreckend: 13 Prozent aller Vogelarten, 25 Prozent aller Säugetiere und 41 Prozent der Amphibien sind in ihrem Bestand gefährdet sind. „Die Aussterberaten sind durchaus mit früheren Massensterben vergleichbar“, sagt Gerald Haug, Klimageologe und Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Von der hawaiianischen Rosenart Acaena exigua bis zu Zosterops strenuus, dem Lord-Howe-Brillenvogel, der seit 1908 nicht mehr beobachtetet werden konnte – die Liste der ausgelöschten Arten wächst.

Doch sie ist – zum Glück – noch zu kurz, um schon heute von einem realen Sechsten Massensterben in erdgeschichtlichen Dimensionen zu sprechen. Das wäre einer Analyse US-amerikanischer Forscher zufolge bei Vögeln, Säugetieren und Amphibien erst dann spruchreif, wenn alle heute bedrohten Arten innerhalb der nächsten 100 Jahre aussterben würden und sich dieser Trend dann fortsetzen würde. Dann könnten Forscher irgendwann zwischen dem Jahr 2250 und dem Jahr 2550 ganz offiziell und wissenschaftlich bestätigt verkünden: Wir leben inmitten des sechsten Massensterbens der Erdgeschichte. [39]

Dass wir heute noch nicht so weit sind, auch wenn das oft behauptet und beschworen wird, ist eine gute Nachricht: Wir stecken erst in der Frühphase eines Sechsten Massensterbens. Noch hat die Menschheit die Chance, die Vielfalt der Lebewesen, mit denen sie den Planeten teilt, zu bewahren.

„Sollten wir das Sechste Massensterben nicht aufhalten, wird es Millionen Jahre dauern, bis wieder eine ähnliche Naturvielfalt entstanden ist“, warnt der Geologe Jan Zalasiewicz.

Geologen der Zukunft werden Arten, die ausgerottet wurden, nicht mehr im Bestand der Fossilien finden, der aus unserer Zeit übrig bleiben wird. So wie am Ende der Kreidezeit plötzlich die Dinosaurier weg waren, verschwinden heute andere Tiere aus dem Fossilienbestand der Zukunft.

Andererseits  erschaffen wir Menschen neue Lebensformen durch Zucht, Gentechnik oder neuerdings durch biotechnisches Design. Lebewesen der Zukunft können reine Gedankenprodukte des Menschen sein, ein anregender Waldspaziergang eines Forschers kann einige Monate später eine neue Lebensform hervorbringen. Zudem verändert der Mensch durch Handel und Transportwege in großem Stil, wie Tiere, Pflanzen und andere Organismen über die Erde verteilt sind, und entscheidet darüber, ob sie überhaupt weiter existieren.

Eine neue Biosphäre ist dabei, zu entstehen – die Biosphäre des Anthropozäns. [41]

Die Zahl, die den Übergang vom Holozän zum Anthropozän vielleicht am besten symbolisiert, entstammt einer erstaunlichen Berechnung. Der Aufstieg des Menschen hat Art und Weise, wie die Materie der Erde auf Lebewesen verteilt ist, neu geordnet. Vor 10.000 Jahren stellten einer Schätzung von Vaclav Smil zufolge Menschen und ihre Nutztiere nur verschwindend geringe 0,1 Prozent des gesamten Lebendgewichts von Säugetieren, 99,9 Prozent waren also Elefanten, Hirsche, Gorillas und so weiter. Heute sind dieser Schätzung zufolge dagegen 90 Prozent der Säugetier-Materie in den bald acht Milliarden Menschen und ihren Milliarden Rindern, Schweinen, Hunde und anderen assoziierten Säugetieren gebunden.[42]

Unser Weg ins Anthropozän – jeder ist dabei, jeder erlebt ihn, jeder entscheidet mit, wohin die Reise geht

Viele der problematischen Phänomene, an denen Wissenschaftler das Ende des Holozäns festmachen, habe ich in den vergangenen Jahren bei meiner Arbeit als Umwelt- und Wissenschaftsjournalist aus nächster Nähe erlebt. Ich habe zum Beispiel auf Borneo und im Amazonas inmitten von kokelndem Regenwald gestanden und bin vor Mexiko und Indonesien in zerstörten Korallenriffen getaucht. Ich habe auf Vancouver Island und in Finnland die Abholzung ursprünglicher Wälder miterlebt und bin Kilometer unter der Erdoberfläche an Orten gewesen, die Atommüll für Jahrmillionen aufnehmen sollen.

Gezüchtete Natur: Wo die Grenzen von normaler Evolution und künstlicher Züchtung verlaufen und ob es diese überhaupt gibt, das ist für die Anthropozän-Diskussion eine wichtige Frage. Die in einem Möbelhaus angebotenen Kakteen haben mit ihren wilden Verwandten vielleicht die Gene, aber nicht die Lebensweise gemein.
Gezüchtete Natur: Wo die Grenzen von normaler Evolution und künstlicher Züchtung verlaufen und ob es diese überhaupt gibt, das ist für die Anthropozän-Diskussion eine wichtige Frage. Die in einem Möbelhaus angebotenen Kakteen haben mit ihren wilden Verwandten vielleicht die Gene, aber nicht die Lebensweise gemein.
Christian Schwägerl

Ich bin in den Alpen über schmelzende Gletscher gewandert und habe im Himalaya erlebt, wie fragil das Ökosystem Gebirge in Wahrheit ist. In Neuseeland und Zentralafrika habe ich einige der seltensten Tierarten der Welt beobachtet und in Bio-Labors im kalifornischen La Jolla erkundet, wie Biotechnologen die Kräfte des Lebens zu kontrollieren beginnen. Und zudem habe ich seit 1995 von sehr vielen der globalen Uno-Konferenzen zum Schutz des Klimas und der Artenvielfalt berichtet, also über die Schwierigkeiten, internationale Regeln und Ziele für unseren Umgang mit der Erde zu vereinbaren.

Nach diesen Erfahrungen erscheint es mir nicht mehr verwunderlich, dass der Mensch im Verlauf des Holozäns ein geologischer Faktor geworden ist. Es erscheint mir eher unbegreiflich, wie er es noch schaffen sollte, kein geologischer Faktor mehr zu sein. Viele der Erlebnisse, die ich bei meinen Recherchen hatte, waren schlimm – der Raubbau an Tieren und Pflanzen, die Schicksale von Menschen, denen mit dem Regenwald ihre Lebensgrundlage geraubt worden war. Doch ob wir nun schon einem Kollaps unserer Zivilisation beiwohnen, einer globalen Variante der von Jared Diamond beschriebenen Vorgänge in der Menschheitsgeschichte, das ist eine offene Frage.[43]

Was ich bei meinen Recherchen aber ganz gewiss beobachtet und erlebt habe, ist eine Verschmelzung von Natur, Mensch und Technologie zu etwas unbestimmt Neuem. Als ich begann, mich mit der Anthropozän-Idee zu beschäftigen, fiel mir auf, dass dieser Verschmelzungsprozess an die Grundfesten unseres modernen westlichen Weltbilds rührt, das fein säuberlich zwischen Mensch und Umwelt, Natur und Kultur, Ökonomie und Ökologie, Geologie und Technologie unterscheidet. Auf solchen Grenzziehungen sind die westlichen Gesellschaften bisher gebaut.

Im Holozän gab es – zumindest gedanklich und wirtschaftsideologisch, immer dieses große Drumherum, das „große Draußen“, die allumfassende Natur, die selbst einer Vordenkerin wie Rachel Carson in den 1950er Jahren noch unerschöpflich erschien.[44] Aber die Idee einer „Umwelt“, die getrennt von uns „da draußen“ existiert, entpuppt sich als Irrtum, der von der biologischen, chemischen und physikalischen Realität offenkundig gemacht wird. Wir erleben das Ende der Umwelt und den Übergang in das, was der Geologe Reinhold Leinfelder „Unswelt“ genannt hat, unter Einschluss von Tieren, Pflanzen, Atmosphäre, Meeren und Gesteinen.

Im Anthropozän gibt es nur noch ein großes Drinnen, das jeder von uns in seinem Alltag wie ein Innenarchitekt der Welt mitgestaltet.

Um zu verstehen, wie sehr wir Menschen die Erde verändern, müssen wir nicht in einer Metropolregion mit 100 Millionen Einwohnern in China leben, in den horizontweiten industriellen Agrarlandschaften von Nordamerika oder am Rand eines brennenden Regenwalds. Es reicht heute, an jedem beliebigen Ort der Erde einen Moment innezuhalten und sich zu vergegenwärtigen, dass wir über jede Mahlzeit wie mit einer Fernbedienung entlegene Ökosysteme verändern können, weil die Inhaltsstoffe meist aus mehreren verschiedenen Kontinenten kommen und oft genug aus ökologischen Brennpunkten, etwa Palmöl aus früherem Regenwald oder Schweinefleisch aus den Zentren der Agrarindustrie. Dass es reicht, ins Auto zu steigen, an der Heizung oder Klimaanlage zu drehen, oder eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug zu buchen, um das Weltklima zu beeinflussen. Und dass wir uns bei jedem Griff zum Smartphone Metalle aus Dutzenden verschiedenen Bergen und Bergwerken rund um die Welt an den Kopf halten.

Millionen Tonnen Erosion beginnen mit Essen, das wir von einem industriell bewirtschaften Feld beziehen. Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Emissionen beginnen mit jedem zweiten Handgriff im Alltag, ob zum Lichtschalter oder zum Autoschlüssel. Und auch all die anderen, die positiven, verrückten, überraschenden, lustigen, kreativen Phänomene des Anthropozäns beginnen mit kleinen Handlungen. Ein Ballpoint-Kugelschreiber, den wir in der Hand halten, erhöht mit seinem kleinen menschgemachten Kristall ganz vorne an der Spitze die Vielfalt der Mineralien auf der Erde – und könnte Geologen der Zukunft beschäftigen.

Die tieferen Veränderungen, die der Mensch bewirkt und die ich bei meinen Recherchereisen aus nächster Nähe erleben konnte, lassen das „große Draußen“ verschwinden. Wir können nichts mehr irgendwo fernab von uns verstecken – das führt uns das Problem der globalen Plastikverschmutzung vor Augen. Plastikfasern sind nicht nur in jedem Teil der Erde zu finden, sondern auch in unserem Körper.

Von Natur- zu Kulturkatastrophen

Die Wirtschaftsideologien des Holozäns – ob nun der Kommunismus oder der Neoliberalismus – kreisen beide um Kapital und Arbeit von Menschen, die Biosphäre gilt ihnen als „Externalität“, also als etwas, das in den eigentlichen Rechnungen und Berechnungen nicht auftaucht, weil es nicht dazugehört. Diese Doktrin nährt bis heute den Irrglauben, es gäbe in Form der sogenannten Umwelt das große „Draußen“, von dem wir uns Ressourcen holen und in das wir unsere Abfälle entsorgen können.

Gehören lebendige Wälder, ein stabiles Klima und artenreiche Meere in die Buchhaltung unseres Wirtschaftssystems? Bisher nicht. Ausgerechnet unsere Lebensgrundlagen gelten als „Externalitäten".
Gehören lebendige Wälder, ein stabiles Klima und artenreiche Meere in die Buchhaltung unseres Wirtschaftssystems? Bisher nicht. Ausgerechnet unsere Lebensgrundlagen gelten als „Externalitäten".
Petrovich99/Deposit

Im Anthropozän wird sichtbar, wie falsch das schon immer war: Alles, was wir tun, fällt auf uns zurück.

In Zukunft wird es nach dem „Ende der Umwelt“ auch schwer bis unmöglich sein, an den klassischen Grenzziehungen festzuhalten und zum Beispiel noch klar zwischen klassischen Naturereignissen und menschengemachten Phänomenen zu unterscheiden: Ist die wunderschöne Pflanze, die am Straßenrand wächst, in einem Bio-Labor gezüchtet oder ein Wildwuchs? Sind die seltenen Kraniche noch wild oder bereits Haustiere, weil sie sich am industriellen Maisanbau laben? Ist das ein uraltes Korallenriff oder ein neues, das aus einem Schiffswrack erwuchs? Stammen die Wolken am Sommerhimmel von Mutter Natur oder von Kondensstreifen? Ist das, was sich am Himmel zusammenbraut, nun ein altmodischer Sturm oder einer, den es ohne Erderwärmung nicht gäbe?

Solche Frage werden sich unsere Nachfahren vielleicht gar nicht mehr stellen. Stürme und Fluten der Zukunft könnten statt Naturkatastrophen „Kulturkatastrophen“ sein. Die Initiative von US-Umweltschützern, Hurrikans der Zukunft nicht mit den Vornamen unschuldiger Bürger zu belegen, sondern mit den Namen von Politikern, die nichts gegen den Klimawandel unternommen haben, ist da nur konsequent.[44] Umgekehrt könnten „Naturwunder“ in Zukunft eher „Kulturwunder“ sein – künftige biologisch reiche Landschaften etwa oder wundersame Blüten der anthropogenen Evolution.

Auch die extremsten Protagonisten der Anthropozän-Idee würden nicht behaupten wollen, dass der Mensch nun die Natur komplett ersetzt. Ameisen, Bakterien, Algen – die reinen Quantitäten dieser Organismen sind gigantisch.

Es geht aber im Kern darum, dass der Mensch zur dominanten Kraft der Veränderung im Erdsystem wird. Zwei prominente Geologen, Charles H. Langmuir von der Harvard University und der unlängst verstorbene Wally Broecker von der Columbia University beschrieben das, was derzeit nach Millionen Jahren menschlicher Evolution binnen eines geologischen Augenblicks passiert, so: [45]

„Der Aufstieg der menschlichen Zivilisation ist ein transformatives Ereignis in der planetarischen Geschichte. Zum ersten Mal dominiert eine einzige Art die gesamte Oberfläche, steht an der Spitze aller terrestrischen und ozeanischen Nahrungsketten und hat einen Großteil der Biosphäre für ihre eigenen Zwecke übernommen.“

Wir Menschen sind als Kinder des Holozäns groß geworden, aber nun beginnt in der Lebensspanne unserer Spezies offenbar eine neue Phase.[46] Diese Phase ist aber nicht nur durch sich auftürmende Mengen von Abfällen gekennzeichnet, die naturwissenschaftlich messbar sind, sondern auch durch Umschwünge im Bewusstsein und anderen geistigen Fähigkeiten – Umschwünge mit positivem Potenzial.

Je globaler unsere Handlungen werden, desto globaler wird auch unser Umweltbewusstsein. Je mehr wir Materialien und Lebewesen in Bewegung versetzen, an neue Orte bringen und neu kombinieren, desto größer wird das Repertoire an Sensoren und Wissen darüber, wie man diese Veränderungen verfolgen und beeinflussen kann. Und je weiter unsere Handlungen in die Zukunft reichen, desto größer wird auch unser Vermögen, wissenschaftliche Modelle künftiger Entwicklungen zu erarbeiten, vom Weltklima in 50 Jahren bis hin zu Ereignissen wie der intergalaktischen Fusion von Milchstraße und Andromeda-Nebel in 3,7 Milliarden Jahren.[47]

Schon die Tatsache, dass wir dazu in der Lage sind, unser kollektives Tun nun auf der Skala der Erdgeschichte einzuordnen und vom Anthropozän überhaupt zu sprechen, ist für sich genommen ein positives Zeichen.

Lesen Sie weiter in Folge 7: Signale der Erdzeit – wie das Denken in geologischen Zeiträumen entstanden ist und wie Wissenschaftler ermitteln, ob wirklich eine neue Erdepoche begonnen hat.

  • [1] Der Film über eine Erdumrundung mit der Internationalen Raumstation ISS ist ein "must-watch".
  • [2] Karen C. Setoa et al., Global forecasts of urban expansion to 2030 and direct impacts on biodiversity and carbon pools, PNAS, August 16, 2012,
  • [3] World Health Organisation
  • [4] Stephen Emmott, Ten Billion, Penguin, 2013
  • [5] Siehe Guardian.
  • [6] Population Reference Bureau, 2009, World Population Sheet, Washington, D. C., 2009
  • [7] UNFPA, State of World Population 2007 - unleashing the potential of urban growth, 2007, siehe S. 45
  • [8] zitiert aus: Jan Zalasiewicz in Nina Möllers und Christian Schwägerl, Anthropozän Natur und Technik im Menschenzeitalter, Katalog zur gleichnamigen Sonderausstellung am Deutschen Museum, München, 2014
  • [9] James Syvitski und A. Kettner, Sediment flux and the Anthropocene. Philosophical Transactions of the Royal Society A, 369(1938), S. 957-975, 2011 und James Syvitski et al. Sinking deltas due to human activities. Nature Geoscience, 2(10), S. 681-686, 2009
  • [10] Zur Visualisierung siehe James Syvitski, Humanity's Planet: Dams in the US 1800-2003,
  • [11] Bruce H. Wilkinson, Humans as geologic agents: A deep-time perspective, Geology, Vol. 33 No. 3, November 2004, pp. 161-164
  • [12] Vitousek, P.M. Beyond global warming: ecology and global change. Ecology, Band 75, S. 1861-1876
  • [13] Food and Agriculture Organization of the United Nations, The State of World Fisheries and Aquaculture, Rom, 2012,
  • [14] FAO und Weltbank, The Sunken Billions. The Economic Justification for Fisheries Reform, Rom/Washington 2008
  • [15] Die Einschätzung stammt von Dr. Henning von Nordheim, Fachgebietsleiter Meeresnaturschutz beim deutschen Bundesamt für Naturschutz, persönliche Kommunikation.
  • [16] FAO, The State of World Fisheries and Aquaculture 2012, Rom, 2012,
  • [17] Für gut recherchierte und anschauliche erzählte Fakten zum Plastikmüll unbedingt das Plastisphere-Projekt von Anja Krieger hören, lesen und unterstützen.
  • [18] Matthew Hansen et al., High-Resolution Global Maps of 21st-Century Forest Cover Change, Science 15 November 2013, Vol. 342, no. 6160 pp. 850-853 und Betsy Mason, Incredible High-Resolution Interactive Map of the World’s Shrinking Forests, Wired Online, November 14. 2013, Daten für 2018: Bericht des Global Forest Watch (GFW)
  • [19] Jianchu Xu, China‘s new forests aren‘t as green as they seem, Nature 477, Band 371, 21. September 2011
  • [20] Michael Heckenberger et al., Amazonia 1492: Pristine Forest or Cultural Parkland?, Science 19 September 2003: Vol. 301 no. 5640 pp. 1710-1714,
  • [21] Erle Ellis und Navin Ramankutty, Putting people in the map: anthropogenic biomes of the world, Frontiers in Ecology and the Environment, Band 6, Nr. 8, 2008, S. 439-447 and Erle Ellis und Navin Ramankutty, Anthropogenic biomes, Encyclopedia of Earth, herausgegeben von Cutler J. Cleveland, Washington, D. C., 2009.
  • [22] Siehe Webseite von David Thomas Smith, dem ich für die Repro-Erlaubnis danke.
  • [23] Siehe International Energie Agency, World Energy Outlook 2012, Paris, 2012 und IEA, Twin Peaks, 12. Oktober 2018. 100 Megabarrels entspricht 15,8 Milliarden Litern Oil. Bei einer Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden Menschen entspricht das rund 2 Litern Öl am Tag pro Kopf.
  • [24] Für eine anschauliche Darstellung von CO2-Emissionen siehe das Projekt „Trillionth tonne" der Oxford University.
  • [25] UNESCO und UNEP, The Global Carbon Cycle, Paris: UNESCO, November 2009[26] PBL Netherlands Environmental Assessment Agency, Trends in global CO2 emissions: 2018 Report, The Hague, 2018
  • [27] Siehe The Guardian, Brutal news: Global carbon emissions jump to all-time high in 2018, 5. Dezember 2018
  • [28] Quelle: Dr. Thomas Dittmar, Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, persönliche Kommunikation, August 2011
  • [29] Jeremy Jackson, Ecological extinction and evolution in the brave new ocean, Proceedings of the National Academy of Sciences, Band 105, Suppl. 1, 12. August 2008, S. 11458-465
  • [30] Andreas J. Andersson et al., Partial offsets in ocean acidification from changing coral reef biogeochemistry, Nature Climate Change, published online17 November 2013,
  • [31] Einen journalistisch hochwertigen und erschreckenden Report zur Ozeanversauerung hat die Seattle Times mit Hilfe des Pulitzer Center on Crisis Reporting erarbeitet: „Sea Change“, veröffentlicht am September 12, 2013
  • [32] Timothy Lenton, Hans Joachim Schellnhuber et al., Tipping elements in the Earth’s climate system, Proceedings of the National Academy of Sciences, Band 105, Nr. 6, 12. Februar 2008, S. 1786-1793
  • [33] Für einen Überblick zum „Ozean im Anthropozän“ siehe Davor Vidas, ‘The Anthropocene and the International Law of the Sea’, Philosophical Transactions of the Royal Society –A, Vol. 369, 2011, pp. 909–925
  • [34] Für kontinuierliche Messdaten siehe NOAA.
  • [35] IPCC, Climate Change 2013, The physical Science Basis, Genf 2013 sowie nachfolgende IPCC-Berichte. Zu Unsicherheiten siehe Kevon Cowtan and Robert G. Way, Coverage bias in the HadCRUT4 temperature series and its impact on recent temperature trends, Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society, October, 2013,
  • [36] Das Wort „Heißzeit“, das ich in der Taschenbuch-Ausgabe von „Menschenzeit“ 2012 verwendet habe, wurde im Dürrejahr 2018 zum „Wort des Jahres“ ernannt.
  • [37] Terry Gerlach, Volcanic Versus Anthropogenic Carbon Dioxide, EOS, Transactions of the American Geophysical Union, Band 92, Nr. 24, S. 201-208, 14. Juni 2011
  • [38] A. Kleidon, How does the earth system generate and maintain thermodynamic disequilibrium and what does it imply for the future of the planet?, contribution to Theme Issue „Influence of Nonlinearity and Randomness in Climate Prediction“ of Philosophical Transactions of the Royal Society A, verfügbar hier.
  • [39] IPBES-Report. Zum Download.
  • [40] Anthony Barnosky et al., Has the Earth’s sixth mass extinction already arrived? Nature Vol. 471, No. 51–57, March 3, 2011
  • [41] Siehe dazu die hervorragenden Bücher von Edward O. Wilson sowie Jean-Christophe Vié et al., Wildlife in a Changing World – An Analysis of the 2008 IUCN Red List of Threatened Species, Gland: IUCN 2009 and Arthur D. Chapman, Numbers of living species in Australia and the world, Canberra: Australia Biodiversity Information Service 2009. Siehe auch einen wissenschaftlichen Artikel, an dem ich mitgewirkt habe: Jan Zalasievicz et al., The Anthropocene Biosphere, The Anthropocene Review, 2015
  • [42] Vaclav Smil, The Earth's Biosphere: Evolution, Dynamics, and Change, MIT Press, 2002, zitiert nach Gaia Vince, A Global Perspective on the Anthropocene, Science, 7. Oktober 2011, S. 32-37
  • [43] Jared Diamond, Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed: Revised Edition, Penguin Books, 2011
  • [44] Callum Roberts, The Unnatural History of the Sea, Shearwater, 2009
  • [45] Siehe Video über Kampagne von „350 Action“.
  • [45] Wärmstens zur Lektüre empfohlen: Charles H. Langmuir and Wally Broecker, How to build a habitable planet - The Story of Earth from the Big Bang to Humankind, Revised and expanded edition, Princeton University Press, 2012
  • [46] Der US-amerikanische Umweltjournalist Andrew Revkin, der als einer der ersten die Idee des Anthropozäns entwickelte, hat das Entwicklungsstadium unserer Art mit der Pubertät verglichen.
  • [47] Siehe dazu „NASA's Hubble Shows Milky Way is Destined for Head-On Collision“, May 31, 2012.

Über AnthropoScene

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Das Menschenzeit-Projekt geht auf das gleichnamige Buch von Christian Schwägerl zurück, das 2010 erstmals erschienen ist und der Auslöser für das Anthropozän-Projekt am Haus der Kulturen der Welt in Berlin und die Sonderausstellung am Deutschen Museum München war. Bei RiffReporter erscheint nun eine aktualisierte und überarbeitete Ausgabe des Buchs.

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  1. Anthropozän
  2. Humboldt
  3. Klimakrise
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Notausgang Humboldt

Der Universalwissenschaftler weist den Weg zu einer dringend nötigen kulturellen Weiterentwicklung: Es geht um das Zusammenleben in einem „Weltorganismus".

Symbol Notausgang
  1. Anthropozän
  2. Garten
  3. Kunst

Entführte Pflanzen flüstern aus ihrem Gefängnis: „Warum bin ich hier?"

In Berlin widmen sich mehrere aktuelle Ausstellungen dem Verhältnis von Mensch und Erde. Wir haben sie uns angeschaut.

Yayoi Kusama: With all my love for the tulips, I pray forever, Gropius-Bau Berlin.
  1. Anthropozän
  2. Greta
  3. Klimakrise
  4. Schwägerl

Mit dem Segelschiff ins Zentrum des Superkapitalismus

„Wir müssten eigentlich eine riesige Demut vor dem Klimasystem haben“: Der Skipper Boris Herrmann über die Klimakrise auf dem Meer und seine Atlantiküberquerung mit Greta Thunberg

Boris Herrmann
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 4: Lichtblitze vom Enddarm aus Beton

Wo endet unser Darm? Field Writer Gerhard Richter bricht ein Tabu und erkundet das wahre Ausmaß seiner Verdauung.

  1. Anthropozän
  2. Kartographie
  3. Umwelt

Jetzt ist jeden Tag Erderschöpfungstag

Eine Landkarte des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit im Jahr 2019

Eine Karte des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit im Jahr 2019
  1. Anthropozän
  2. Klima
  3. Plastik

Essay: Würden Sie gerne eine zerstörte Erde erben?

Klimakrise, Artensterben, Plastikmüll: Erwachsene können die Lösung dieser Probleme nicht den Kindern aufbürden. Wir müssen uns aus den Zwängen befreien, die uns dazu bringen, das Maximale aus dem Planeten herauszuwringen.

Im Rahmen einer künstlerischen Intervention am Strand „Playa de Montaña Bermeja” auf der Atlantikinsel Lanzarote (Spanien) säubert Künstlerin Swaantje Güntzel einen Quadratmeter Sandstrand von Mikroplastik.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 3: Aas im Sack an Wiese

Autor Gerhard Richter überwindet seinen Brechreiz und erlebt ein Wunder.

eine blaue Plastiktüte liegt im hohen Gras
  1. Anthropozän
  2. CoveringClimateNow
  3. Klimakrise

Eine Freiheit, die auch die Zukunft meint

Das Menschenzeit-Projekt: Bereits am Ursprung der Moderne hat ein Denker den vulgären Konsumismus von heute als unfreiheitlich entlarvt.

Symbolfoto SUV
  1. Anthropozän
  2. Bergbau
  3. Meer
  4. Tiefsee

„Wir müssen als Gesellschaft entscheiden, ob wir uns diese Schädigung unseres Planeten leisten wollen.“

Tiefseebergbau: Interview mit dem Expeditionsleiter Matthias Haeckel vom GEOMAR-Forschungszentrum

Das Forschungsschiff RV Sonne.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 2: Die Erde fällt aus dem Nest

Ein innerer Konflikt von planetaren Ausmaßen. Es geht um Leben und Tod. Autor Gerhard Richter muss sich entscheiden.

  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Feldreport 1: Schüsse in die Bratpfanne

Ein Stunde Wald, die Sie nie wieder vergessen. Der erste Text von Fieldwriter Gerhard Richter nimmt Sie mit zu einem ungewöhnlichen Rendevouz. Der Autor setzt sich mit seiner Hermes Baby mitten in eine alte Bekannte - die Natur des 21. Jahrhunderts.

Links unten im Bild steht eine Schreibmaschine auf einer Holzbank in einem Mischwald. Es ist ein Blatt Papier eingezogen.
  1. Anthropozän
  2. Apokalypse

Sollen wir von der Erde fliehen oder tiefer in die Erde hinein?

Während der Physiker Michio Kaku unser Heil im All sieht, suchen zwei brasilianische Intellektuelle die Zukunft in innig-irdischen Beziehungen

Künstlerische Darstellung der Rakete des geplanten Space Launch Systems (SLS), das die NASA als Trittbrett zum Mars aufbauen will. (2017)
  1. Anthropozän
  2. Menschenzeit

Unser langer Marsch ins Holozän

Das Menschenzeit-Projekt, Folge 5: Wie Homo sapiens die Erde besiedelte – und den Turboknopf entdeckte

Eine Reise um die Welt zu Fuss: Der Journalist Paul Salopek wandert den Weg unserer Vorfahren um die Erde nach.
  1. Anthropozän
  2. Erde
  3. Technologie

Wie es uns Menschen dämmerte, dass wir in einer fragilen Biosphäre leben

Das Menschenzeit-Projekt, Folge 4: Die Erde als Labor – von Käseglocken, Sowjet-Containern und Wüstenträumen

Das Prinzip, künstliche Mikrowelten zu schaffen, hat sich zu wissenschaftlichen Zwecken schnell durchgesetzt. Gewächshäuser wie hier im Botanischen Garten Berlin sind schon länger ein Weg, Pflanzen außerhalb ihrer natürlichen Klimazonen wachsen zu lassen.
  1. Anthropozän
  2. Menschenzeit

Willkommen im Club der Revolutionäre

Das Menschenzeit-Projekt, Folge 3: Wie das Leben selbst die Welt von heute schuf

Colony cyanobacteria
  1. Anthropozän
  2. Klimakrise
  3. Thunberg

Chemie-Nobelpreisträger Crutzen an #FridaysforFuture: „Tut alles, um unseren Planeten zu retten!“

Interview mit dem Wissenschaftler, der die Menschheit vor dem Ozonloch bewahrt hat.

Der Chemie-Nobelpreisträger Paul J. Crutzen.
  1. Anthropozän
  2. Menschenzeit
  3. Umwelt

Als wir lernten, in den Himmel zu schreiben

Das Menschenzeit-Projekt, Folge 2: Geburt einer großen Idee

  1. Anthropozän

Anthropo-was-bitte?

Mitreden, wenn das A-Wort fällt. Ein Crashkurs in zehn Fragen zu unserer neuen Erdepoche

Nächtliche Ansicht der US-amerikanischen Stadt Phoenix, aufgenommen aus der Internationalen Raumstation am 16. März 2013.
  1. Anthropozän
  2. Globalisierung
  3. Kartographie

Naturgewalt Mensch?

Eine Landkarte für die globalisierte, von unserem Handeln geprägte Welt des Anthropozäns.

Bevölkerungskartogramm das die Landoberfläche der Erde proportional zur Verteilung der Weltbevölkerung darstellt. Darauf abgebildet sind mehrere Eben menschlicher Nutzung und Interaktion, wie Schiffsverbindungen, Straßen, Pipelines oder bebaute Gebiete.
  1. Anthropozän
  2. Umwelt

Die Natur so groß, die Menschheit so klein

Das Menschenzeit-Projekt, Folge 1: Die frühen Jahre des Anthropozän-Vordenkers Paul Crutzen.

Paul Crutzen spielte gerne Fussball – zugleich zeigte schon in jungen Jahren eine unbändige Neugierde auf alles Wissenschaftliche.
  1. Anthropozän
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AnthropoScene

Über die epochalste Geschichte unserer Zeit, unser journalistisches Projekt und das Team

  1. Anthropozän

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  1. Anthropozän
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Das Gegenteil von Rechtspopulismus ist Denken in den Dimensionen des Anthropozäns

In hysterischen Zeiten kann die naturwissenschaftliche Idee den Blick auf das Wesentliche richten.

  1. Anthropozän

Her mit einer Theorie, ruft das Anthropozän

Das Buch „Molekulares Rot“ des Medienforschers McKenzie Wark kündigt Wegweisendes an, liefert es aber nicht.

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  3. Menschenzeit

Der Nordpol brennt, die Bestien kommen

Alfred Döblin nahm als Science-Fiction-Autor die Konflikte unserer Zeit vorweg.

  1. Anthropozän
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Die schwebende Zivilisation

Das "Museo Aero Solar" von Tomás Saraceno besteht aus zahllosen Plastiktüten, die in unterschiedlichen Ländern zu einem großen Ballon zusammengeklebt wurden. Es soll an die Grenzen des Wachstums erinnern. Der Künstler versteht sein Fliegendes Museum als Denkmal eines "guten Anthropozäns".

Ein schwarzer schwebender Drache
  1. Anthropozän
  2. Globalisierung
  3. Politik

„Die Weltbürger kommen inzwischen mehrheitlich aus den Schwellenländern“

Ein Interview mit dem in New York lebenden Künstler Ingo Günther, der mit Globen die Geschichten unserer Zeit erzählt.

Globus mit Arbeitsmigration
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