Traumjob Altenpfleger:in

Wie ein Projekt gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Südafrika und den Pflegenotstand in Deutschland angehen will

Leonie March Altenpflege-Azubi Carelse beugt sich zu einem grauhaarigen Mann im Rollstuhl

Alternde Gesellschaft und Pflegenotstand in Deutschland - junge Bevölkerung und hohe Arbeitslosigkeit in Südafrika. Ein Pilotprojekt will zur Lösung dieser Probleme beitragen: Junge Südafrikaner:innen werden zur Altenpfleger-Ausbildung nach Deutschland geschickt und – so die Hoffnung – kehren anschließend mit einer Qualifikation heim. Nur die Corona-Pandemie bereitet dem Projekt Kopfzerbrechen.

Behutsam wischt Auston Carelse dem alten Mann die Brötchenkrümel aus den Mundwinkeln und vom Pullover. „Sind Sie satt geworden?“, erkundigt sich der 23-Jährige fürsorglich. Sein Gegenüber nickt zufrieden. Nur etwas mehr Tee wäre schön. „Vielleicht mögen Sie den draußen trinken? Es ist ein herrlicher Tag heute.“ Der alte Mann brummelt zustimmend. Also schiebt Carelse den Rollstuhl des Rentners auf die Terrasse des Deutschen Altersheims in Johannesburg, sorgt dafür, dass er bequem sitzt, eine schöne Aussicht auf den Garten hat und läuft dann in die Küche um einen Tee aufzubrühen.

Das uNowanga-Pilotprojekt

Altenpfleger sei sein Traumjob, sagt Carelse, der für dieses Praktikum von Kapstadt nach Johannesburg gezogen ist. „Das ist keine Arbeit für jeden, man muss dafür eine Leidenschaft haben. Und ich liebe es Menschen zu helfen, vor allem den älteren. Wenn ich einmal alt bin, möchte ich auch, dass sich jemand liebevoll um mich kümmert.“ Entsprechend begeistert ist Carelse, dass er unter vielen Bewerbern für das uNowanga Pilotprojekt ausgewählt wurde – ein Programm, das jungen arbeitslosen Südafrikaner:innen eine berufliche Perspektive bieten und gleichzeitig dem Pflegenotstand in Deutschland entgegenwirken will.

Die Grafik zeigt die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland
Anstieg der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland

Die Idee sei bei einem persönlichen Gespräch entstanden, erzählt George Thomas Woods, CEO des ‚Order of St John‘ in Johannesburg, dem südafrikanischen Pendant zum Johanniter Orden. Er habe sich mit einem Bekannten, dem Unternehmensberater Max Matschke, über dessen Promotionsthema unterhalten, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südafrika.

Jugendarbeitslosigkeit und Pflegenotstand

Dabei habe er das langjährige Engagement von St John bei der Basisausbildung sogenannter ‚community health care workers‘ für die häusliche Pflege erwähnt. „Uns fiel auf, dass sich hier in Südafrika viele junge Leute für diese Arbeit interessieren, anders als in Deutschland. Dass dort händeringend Pflegepersonal gesucht wird, während es hier an Perspektiven fehlt. Wir haben da eine Verbindung gesehen.“

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