Die Frau, die dem Knutt hinterherzog

Ein Spaziergang mit Zugvogelforscherin Jutta Leyrer von Husum zur Eider-Treene-Sorge-Niederung

Hans-Joachim Augst Zwergschwäne auf einer Wiese.

Der Tag, den wir uns für unseren Vogelspaziergang ausgesucht haben, beginnt mit dem schlechtesten Wetter, das man sich zum „birden“ wünschen kann: mit tief hängendem Nebel. Als wir am späten Vormittag losziehen, verschluckt er selbst die gewaltigen Windräder auf den Feuchtwiesen rund um Husum. Mit dem Auto geht es in die Eider-Treene-Sorge-Niederung. Erster Stopp: der Meggerkoog. Die Luft ist erfüllt vom Gesang der Schwäne – und für mich beginnt eine Unterrichtsstunde über die Unterschiede zwischen Zwerg- und Singschwan. Aus der Ferne sehen die eleganten weißen Vögel, die auf dem flachen Wasser Nahrung suchen, sehr ähnlich aus. Der Zwergschwan ist etwas kleiner, vor allem aber hat er einen keilförmigen Kopf, und der Schnabel ist überwiegend schwarz, während beim Singschwan die gelbe Farbe dominiert. Je länger wir schauen, umso deutlicher erkenne ich den Unterschied.

Wir zählen gut 50 Zwergschwäne und einige wenige Singschwäne. Es ist ein eher kleiner Trupp, denn im Winter halten sich in der Region einige tausend Zwergschwäne auf. „Zeitweise hatten wir fast die Hälfte der gesamten nordwesteuropäischen Population hier“, sagt Jutta Leyrer, „Deutschland hat deshalb eine besondere Verantwortung für diese Art.“ In den norddeutschen Überwinterungsgebieten findet daher ein strenges Monitoring der Vögel statt. Die Bestände sind hier stabil, Flächen zur Nahrungssuche und Schlafgewässer ausreichend vorhanden. Weltweit jedoch geht die Zahl der Zwergschwäne seit Jahren zurück. Eine der Hauptursachen ist der geringe Bruterfolg in den sibirischen Brutgebieten. Auch der Trupp auf dem Meggerkoog besteht fast nur aus Altvögeln. Ein einziges Jungtier ist dabei, gut erkennbar am grauen Federkleid. 

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