„Moorschutz ist Klimaschutz“

Franziska Tanneberger vom Greifswald Moor Centrum warnt vor weiterem Verlust von Feuchtgebieten

Sven Baumung Franziska Tanneberger

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Nicht nur als Lebensraum für Arten wie den Seggenrohrsänger sind Moore wichtig, sondern auch für den Klimaschutz spielen die Ökosysteme eine zentrale Rolle. Darauf weist Franziska Tanneberger hin, eine führende Moorexpertin. 1997 zog sie von Berlin nach Greifswald, um bei Michael Succow Landschaftsökologie zu studieren. Für ihre Diplomarbeit zog sie durch die Sümpfe Sibiriens, weil man dort noch untersuchen konnte, wie intakte, naturnahe Moore funktionieren. Sie promovierte über Seggenrohrsänger in Deutschland, Polen und Litauen und leitet heute das Greifswald Moor Centrum, ein Kooperationsprojekt der Universität Greifswald, der Michael Succow Stiftung und des Instituts Duene e.V.

Jahrhundertelang haben Menschen Moore bekämpft, sie galten als düster und bedrohlich, als lebensfeindliches Unland, und man tat alles, um sie trockenzulegen. Warum sollte man Moore heute schützen?

Zum einen für die Artenvielfalt: Moore sind Hotspots der Biodiversität. Moore haben einfach einen ganz eigenen Boden und ein ganz eigenes Mikroklima, so dass dort eine besondere Vielfalt an Pflanzen und Tieren lebt. Durch den Verdunstungseffekt des Wassers sind sie kühler als die Landschaft drum herum, und deswegen beherbergen sie viele Eiszeitrelikte, also Arten, die nach der Eiszeit bei uns langsam verschwunden sind, aber sich dort noch gehalten haben. Und dann sind Moore einfach unglaublich wichtig für den Klimaschutz. In ihren Torfen sind große Mengen Kohlenstoff gebunden.

Warum ist das Trockenlegen von Mooren für das Klima problematisch?

Vor allem in den letzten hundert Jahren hat man Moore systematisch trockengelegt, um das Land besser bewirtschaften zu können. Dafür wurde der Wasserstand abgesenkt, indem man Gräben gezogen, Deiche gebaut und Pumpwerke errichtet hat, um das Wasser rauszuholen. Durch die Trockenlegung kommt aber der Torf, der bislang von Wasser bedeckt war, mit Sauerstoff in Kontakt und fängt an, sich zu zersetzen. Bei dieser chemischen Reaktion wird das CO2, das darin gebunden war, freigesetzt. Und zwar dauerhaft. Denn man muss sich vorstellen, dass die gewachsenen Torfschichten in den Mooren bis zu 15 Meter dick sind. Die Moorschicht wird sozusagen von oben nach unten abgebaut durch den Sauerstoff. Dadurch wird das Land immer niedriger, es sinkt ab.

Wie wichtig ist dieser Prozess für den weltweiten Klimaschutz?

Franziska Tanneberger leitet das "Greifswald Moor Centrum", in dem Wissenschaftler neue Ansätze zum Schutz von Feuchtgebieten entwickeln und in Praxisprojekten erproben. Bei einer Exkursion im Odertal zeigte sie Teilnehmern Mitte April Zahlen zum Rückgang des Seggenrohrsängers, eines Charaktervogels intakter Moore.
Franziska Tanneberger leitet das "Greifswald Moor Centrum", in dem Wissenschaftler neue Ansätze zum Schutz von Feuchtgebieten entwickeln und in Praxisprojekten erproben. Bei einer Exkursion im Odertal zeigte sie Teilnehmern Mitte April Zahlen zum Rückgang des Seggenrohrsängers, eines Charaktervogels intakter Moore.
Benjamin Herold
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