Die Spur der Muttermilch

Wie Vormenschen vor zwei Millionen Jahren ihre Babys stillten

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Das Foto zeigt die mächtigen Baobab-Bäume – auch Affenbrotbäume genannt – in der trockenen Savanne des Tarangire-Nationalparks in Tansansia. In einer ähnlichen Umgebung lebte vor gut zwei Millionen Jahre die Vormenschen-Art Australopithecus.

Durch Analyse fossiler Zähne konnten Forscher ermitteln, dass Australopithecus africanus-Mütter ihre Kinder etwa ein Jahr lang säugten. In Zeiten der Not allerdings gab es Ausnahmen

Auf dieser Zeichnung ist eine Mutter der Vormenschen-Art Australopithecus africanus zu sehen, die ihr Kind auf der linken Schulter trägt. Anhand von Zahnanalysen fanden Forscher heraus, dass die Mütter dieser Art ihre Kinder etwa ein Jahr lang stillten, ihnen aber auch später noch in Notzeiten Milch gaben
Schon bei Vormenschen – hier dargestellt die Art Australopithecus africanus – kümmerten sich die Mütter liebevoll um ihren Nachwuchs. Wie lange sie ihre Babys stillten, konnten Forscher jetzt ermitteln
Das Foto zeigt den australischen Forscher Renaud Joannes-Boyau im weißen Kittel in seinem Labor. Er hält seinen rechten Arm in Richtung Kamera, trägt einen dunklen Gummihandschuh und hält zwischen Zeigefinger und Daumen einen fossilen Zahn. Durch chemische Analyse solcher Zähne konnten Joannes-Boyau und seine Kollegen ermitteln, wie lange Menschenvorfahren ihre Babys stillten.
Renaud Joannes-Boyau von der australischen Southern Cross University und ein internationales Team von Kollegen konnten an fossilen Zähnen ermitteln, wie lange Vormenschen ihre Kinder säugten
Die Illustration zeigt links einen aufgeschnittenen Zahn, dessen Inneres einen schichtweisen Aufbau erkennen lässt. Während der Zahn im Kiefer eines Kindes wächst, werden solche Schichten abgelagert – und je nach Ernährung reichern sich bestimmte Spurenelemente an. Zudem ist ein eingezeichneter Laserstrahl zu sehen, der vom Zahn winzige Mengen an Materials herauslöst, das die Forscher analysieren. Ganz rechts ist das Schnittbild eines Zahns zu erkennen, in dem das Verhältnis des Spurenelements Strontium zum Hauptelement Kalzium farbig dargestellt. Aus diesem Verhältnis können Forscher schließen, zu welchem Zeitpunkt während der Zahnentstehung ein Kind Muttermilch erhalten hat.
Nachweismethode für Muttermilch: Weil Zähne aus Schichten aufgebaut sind, zeigen sie Linien, in denen Spurenelemente angereichert vorkommen. Mit einem Laser tragen Forscher winzige Proben des Materials ab und analysieren die chemischen Elemente. Das Verhältnis der Spurenelemente – etwa Strontium – zum Hauptbestandteil Kalzium, lässt erkennen, zu welchem Zeitpunkt ein Kind Muttermilch zu sich genommen hat
Abgebildet ist der fossile, von der Seite fotografierte Schädel eines Australopithecus africanus. Diese Vormenschen, deren Schädel noch recht stark denen von Schimpansen ähneln, lebten vor 3 bis 2,1 Millionen Jahren in den Savannen Afrikas. In ihrem Stillverhalten waren sie allerdings sehr flexibel, wie Zahnanalysen jetzt erwiesen.
Die Vormenschen-Art Australopithecus africanus bevölkerte vor etwa 3 bis 2,1 Millionen Jahren die afrikanischen Savannen. In Notzeiten gaben die Mütter ihren bereits entwöhnten Kindern Milch als Zusatzkost
Das Foto zeigt links den fossilen Zahn eines Australopithecus africanus von oben und rechts den etwas kleineren Zahn eines frühen Homo. Paläoanthropologen können die Zähne anhand ihrer unterschiedlichen Morphologie – etwa die Form der Hügel und Furchen auf der Zahnkrone – zuordnen. Doch nicht nur das: Forscher um den Franzosen Vincent Balter von der Universität Lyon analysierten auch das Verhältnis von Variationen (Isotopen) des Elementes Kalzium in den Zähnen und konnten nachweisen, dass sich die Arten in ihrem Stillverhalten unterscheiden.
Die Zahnkronen von Australopithecus africanus (links) und vom frühen Homo (rechts) sind nicht nur morphologisch verschieden: Forscher um Vincent Balter von der Universität Lyon konnten anhand der Kalzium-Zusammensetzung im Schmelz nachweisen, dass die Arten ihre Kinder auch unterschiedlich stillten

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