Die Beutezüge des Homo heidelbergensis

Die Ur-Europäer erlegten mit Wurfhölzern Wasservögel und lockten ganze Pferdeherden in Hinterhalte

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Das Foto zeigt die Wasseroberfläche eines kleinen Sees am Rande von Hamburg, im Vordergrund grünes Schilf, im Hintergrund das von Bäumen gesäumte Ufer. An einem vermutlich ähnlichen See haben vor 300.000 Jahren im heutigen Niedersachsen Steinzeit-Jäger gewohnt und mit Wurfstöcken Schwäne und Enten erlegt.

Vor 300.000 Jahren bewohnten Urmenschen das Ufer eines Sees im heutigen Braunkohleabbaugebiet von Schöningen in Niedersachsen. Forscher entdeckten dort in Erdschichten einen Wurfstock und zehn hölzerne Speere sowie zahlreiche Knochen von Wasservögeln und Pferden. Die Funde belegen: Hier brachten Angehörige der Art Homo heidelbergensis mit ausgeklügelten Strategien ihre Beute zur Strecke. Dazu müssen die Jäger gut abgestimmt und planvoll vorgegangen sein. Das alles weist auf einen erstaunlich weiten geistigen Horizont der Urmenschen hin

Die Zeichnung zeigt zwei nur leicht bekleidete Urzeit-Jäger am Ufer eines Sees vor 300.000 Jahren, die Wurfstöcke auf Schwäne schleudern. Die an beiden Enden zugespitzten Hölzer drehen sich in der Luft, fliegen schnell über viele Meter Distanz und können Wasservögel tödlich verletzen.
Mit auf zwei Seiten zugespitzten, rotierenden Wurfhölzern zielen Urmenschen vor 300.000 Jahren auf Schwäne
Das Foto zeigt die Grabung in Schöningen: Über mehrere Stufen sind die Erdschichten abgetragen, von Treppen verbunden. Hinten links ist eine Überdachung zu sehen und mehrere Wissenschaftler halten sich für Untersuchungen auf dem Gelände auf. Hier entdeckten sie im Jahr 2016 den neuen, jetzt in einer Publikation vorgestellten Wurfstock.
Auf diesem Gelände der Ausgrabungsstätte Schöningen entdeckten die Archäologen den Wurfstock. Auch 300.000 Jahre alte Holzspeere wurden hier gefunden
Auf dieser Zusammenstellung sind vor schwarzem Hintergrund vier waagerechte, übereinander liegende Ansichten des Schöninger Wurfstocks zu sehen. Der Stock ist 64,5 Zentimeter lang, in der Mitte 2,9 Zentimeter dick und an den Seiten zugespitzt. Einschlagspuren belegen, dass er tatsächlich für die Jagd benutzt wurde. Eingeklinkte Fotos auf der rechten Seite lassen herausgezoomte Details dieser Gebrauchsspuren erkennen.
Der jetzt untersuchte Wurfstock aus Schöningen ist 64,5 Zentimeter lang und in der Mitte 2,9 Zentimeter dick. Die vier Ansichten lassen Spuren erkennen, die belegen, dass das Holz tatsächlich zum Jagen genutzt wurde (jeweils auf der rechten Seite die vergrößerte Ansicht)
Das linke Foto zeigt einen kinnlosen fossilen Unterkiefer. Es ist erste Fund eines Homo heidelbergensis, der 1907 in Mauer bei Heidelberg entdeckt wurde. Auf der rechten Seite ist der Schädel eines Homo heidelbergensis zu sehen, der in Spanien in der „Sima de los Huesos“ gefunden wurde und rund 450.000 Jahre alt ist. Auffällig sind seine mächtigen Überaugenwülste. Homo heidelbergensis gilt als Vorfahr sowohl des Neandertalers als auch des modernen Homo sapiens. Er besaß wohl schon Sprache, die Fähigkeit gemeinsam zu jagen und in die Zukunft zu planen.
Homo heidelbergensis besaß einen kinnlosen Unterkiefer (links der Originalfund von 1907 aus Mauer bei Heidelberg) und kräftige Überaugenwülste (rechts Schädel Nr. 5 aus der Fundstelle „Sima de los Huesos“ in Spanien), aber auch beachtliche geistige Fähigkeiten. Er wurde zum Ahn von Neandertalern und modernen Menschen

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