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Was ist dran an den Videos des Lungenarztes Wolfgang Wodarg?

22.03.2020
2 Minuten

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

Vielleicht haben Sie schon von Videos und Interviews des früheren SPD-Bundestagsgeordneten Wolfgang Wodarg gehört, der vor einer „Panikmache" warnt und Forschern wie dem Virologen Christian Droste unterstellt, sich Fördermittel und Einfluss verschaffen zu wollen. Wir als WissenschaftsjournalistInnen müssen uns solche Videos beruflich anschauen. Mit solchen „viralen" Falschinformationen umzugehen, kostet uns wertvolle Arbeitszeit, die wir sonst in die sachliche Information der Öffentlichkeit stecken könnten.

In Kürze:

  • Wodarg wirft alle Coronaviren in einen Topf und ignoriert die neuartigen Eigenschaften, die Sars-CoV-2 hat.
  • Das Argument, die Corona-Pandemie sei letztlich nichts besonderes und früher nur nicht aufgefallen, wird durch die Entwicklung vor allem in Italien, Spanien und den USA entkräftet.
  • Er stellt Behauptungen über die Zuverlässigkeit des Tests auf, die er nicht belegt und die sehr konstruiert sind.
  • Er verharmlost die besonderen Eigenschaften von Sars-CoV-2 im Vergleich zur Influenza. Das betrifft auch das Fehlen von Impfschutz und Medikamenten bei Covid-19. Bei der Influenza steht zum Beispiel Tamiflu zur Verfügung, das in der Frühphase einer Influenza deren Verlauf mildern kann.
  • Wodarg stellt es so dar, als hätte der Virologe Christian Drosten zur persönlichen Profilierung eine Art politisch-wissenschaftliche Verschwörung am Laufen oder die Gefahr durch das Virus massiv übertrieben, um an Fördermittel zu gelangen. Er liefert weder Belege noch Hinweise dafür, sondern reimt sich etwas zusammen, was ihm in den Kram passt. Das ist eine Vorgehensweise, wie sie auch Klima-Verschwörungstheoretiker einsetzen.

Ingesamt hat Wodarg in einer Phase der Pandemie, in der jede Stunde zählte, zur Verharmlosung beigetragen und dazu, dass seine Millionen Zuschauer womöglich die Ansagen des Robert Koch Instituts nicht so ernst genommen haben wie es nötig gewesen wäre.

Dass vieles über das Virus noch nicht bekannt ist, ist unbestritten und beschäftigt die zuständigen ForscherInnen ebenso wie die WissenschaftsjournalistInnen, die über sie berichten.

Wodarg aber sät auf eine Weise Zweifel, die klassisch als „Verschwörungstheorie” einzustufen ist. Er setzt eine Mischung aus Selbstverständlichkeiten, Halbwahrheiten, unhaltbaren Behauptungen über Wissenschaftler und gefährlichem Verharmlosen ein. Auch das geschickte Verweben von Wahrem und Unwahrem geschieht nach dem Drehbuch von Verschwörungstheoretikern.

RiffReporter Marcus Anhäuser hat sich in einem Artikel genauer damit auseinandersetzt und bietet eine wachsende Liste von Faktenchecks. Wir verlinken die betreffenden Videos von Wodarg hier bewusst nicht, weil jeder externe Link zu einem Angebot die Algorithmen von sozialen Medien und Suchmaschinen darin bestärkt, die Reichweite einer Webseite zu steigern. (Christian Schwägerl)

Letzte Aktualisierung am: 19.08.2020

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