„Irgendwann muss man auch mal zeigen, was man technologisch kann“

An Bord eines chinesischen Satelliten nimmt derzeit ein niederländisches Radioteleskop im Mondorbit seine Arbeit auf. Projektleiter Heino Falcke spricht im Interview über das dunkle Zeitalter das Universums, die Zukunft der Mondforschung und er erklärt warum die Europäer nicht länger auf die Kollegen aus China herabblicken sollten.

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Portrait von Radioastronom Heino Falcke

China betreibt seit diesem Jahr und als erste Raumfahrtnation überhaupt eine Landesonde auf der Rückseite des Mondes. Da dorthin kein direkter Funkkontakt möglich ist, kreist eine weitere Raumsonde schon seit Mai 2018 um den Erdtrabanten: Der 425 kg schwere Satellit Queqiao leitet die Signale von den chinesischen Bodenstationen zur Mondoberfläche weiter, dient aber gleichzeitig der Forschung. Weltraumreporter Karl Urban hat sich mit Heino Falcke von der Radboud-Universität Nijmegen unterhalten, der mit seinem Team ein kleines Radioteleskop auf Queqiao unterbringen konnte.

Herr Falcke, an Bord des chinesischen Mondsatelliten Queqiao im Mondorbit befindet sich der Netherlands-China Low-Frequency Explorer, kurz NCLE. Was genau soll dieses Teleskop messen?

Es geht um ein ganz aktuelles und doch altes Thema: Es ist einer der ersten Versuche, mit direkten Messungen im All etwas über das dunkle Zeitalter des Universums herauszufinden.

Als dunkles Zeitalter bezeichnen Astronomen die Zeit zwischen dem Urknall vor über 13 Milliarden Jahren und jener Zeit, als das Universum durchsichtig wurde und sich erste Sterne und Galaxien bildeten. Wie genau können Sie denn in diese Dunkelheit blicken?

Man kann das dunkle Zeitalter eigentlich nur im Bereich niederfrequenter Radiowellen beobachten. Dieser Bereich enthält einen Überfluss an Information über unser Universum, indirekt auch über den Urknall und vor allem über diese merkwürdige Inflation danach. Dabei handelt es sich um die Zeit, als sich das Universum schlagartig und unglaublich schnell vergrößert hat. Um das aber messtechnisch nachzuweisen, muss unser Experiment sehr genau arbeiten. Unser Radioempfänger ist eine Kombination von verfügbarer Breitbandelektronik mit einer sehr einfachen Technik, nämlich der Dipolantenne, die es schon seit über 120 Jahren gibt. Die Frequenzen, die wir messen wollen, sind auf der Erde allerdings gar nicht nachweisbar – vor allem wegen der Elektronen in den hohen Lagen unserer Atmosphäre, der Ionosphäre, aber auch wegen menschlicher Störstrahlung. Deswegen müssen wir in den Weltraum und möglichst weit raus, um es ruhig zu haben.

Der Lander Chang’e 4 kam gerade erst auf dem Mond an. Da war der Mondsatellit Queqiao schon über sieben Monate im All. Seit wann arbeiten Sie mit NCLE?

Wir konnten unser Instrument erst nach dem Aufsetzen des Landers Chang’e 4 am 3. Januar 2019 einschalten. Jetzt werden wir nach und nach die einzelnen Komponenten der Antenne testen. Und dann machen wir Schritt für Schritt Messungen und werden dann wahrscheinlich ab März die Antenne in mehreren Schritten ausfahren.

Selbstbildnis von Queqiao mit eigenen Instrumenten und im Hintergrund die Erde und Mond.
Selbstbildnis von Queqiao: Im Vordergrund die Antenne des Netherlands-​China Low-​Frequency Explorer (NCLE), im Hintergrund Erde und Mond
Der Krater Malapert Mountain in der nahe des Mondsüdpols in gleißendem, flachen Licht
Malapert Mountain, nahe des Mondsüdpols

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Lektorat: Peter Spork, Dr. Felicitas Mokler