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Die Vogelgrippe schlägt wieder zu

Schon mehr als 10.000 tote Vögel an der Nordseeküste – Von Thomas Krumenacker

02.12.2020
6 Minuten
Eine Gruppe Weißwangengänse fliegt von links nach rechts vor weißem Himmel

Martin Kühn liebt Vögel. Und er hat seine Liebe zum Beruf gemacht. Seit 16 Jahren ist der Ex-Berliner Ranger im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Wenn er Besuchergruppen an der Küste führt, hat Kühn stets ein kleines Probengläschen dabei. Darin stecken einige Dutzend winziger Wattschnecken. „Wie viele davon frisst wohl ein Knutt?“, fragt er dann gerne in die Runde. Die Antwort: 690 – und zwar nicht am Tag, sondern pro Viertelstunde. „Die Exkursionsteilnehmer staunen – und vergessen nicht so schnell, wieso ein ökologisch intaktes und produktives Wattenmeer so wichtig ist“, sagt Kühn. In diesen Wochen kümmert sich der Ornithologe um etwas ganz anderes als Schnecken: um tote Vögel. Denn seit Ende Oktober verzeichnet die Küste einen massiven Ausbruch der Vogelgrippe. Der Umweltverband WWF spricht sogar von „nie da gewesenen Dimensionen“.

Ein Ranger steht im gelben Ganzkörperanzug, mit Brille und Schutzmaske im Watt vor einer toten Weißwangengans
Ranger und Mitarbeiter des Küstenschutzes bergen in Spezialkleidung tote und sterbende Vögel
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Mit Ganzkörperschutz werden die toten Tiere geborgen

Zu den neuen Aufgaben der Ranger gehört es nun auch, tote oder sterbende Vögel möglichst rasch zu finden und zu bergen, damit sich nicht weitere Tiere an ihnen infizieren. Fast täglich patrouillieren Kühn oder Kollegen seitdem entlang der Deiche und des Vorlandes, um nach Opfern der sogenannten Aviären Influenza zu suchen. Ihr Outfit dabei erinnert eher an eine Szene aus einem Katastrophenfilm als aus einem Naturparadies: Infektionsschutzmasken der höchsten Stufe FFP3, Schutzbrillen, verstärkte Gummihandschuhe und Ganzkörperanzug sind an diesen Tagen die Arbeitskleidung der Ranger.

Schon über 10.000 tote Vögel – vor allem Weißwangengänse

Schon mehr als 10.000 Wildvögel haben sie in den letzten Wochen eingesammelt. Kühn hat zum Höhepunkt des Geschehens allein an einem Tag auf einem etwa 15 Kilometer langen Deichabschnitt südlich von Dagebüll 345 verendete Vögel geborgen, in Säcken luftdicht verpackt und zur Vernichtung abtransportiert.

Eine tote Weißwangengans liegt liegt am Fuße eines Deichs
Eines der Opfer: Eine arktische Weißwangengans
Ein Helfer im gelben Schutzanzug nimmt einem Abstrich aus dem Rachen einer toten Weißwangengans
Von den toten Vögeln werden Abstriche genommen.
Martin Kühn an einem Stand des Nationalparks, im Vordergrund ein Präparat eines Brachvogels.
Martin Kühn stellt bei der Hansebird den Nationalpark Wattenmeer vor.
Eine Gruppe Weißwangengänse vor dem Hintergrund der Häuser auf der Hallig Hooge
Weißwangengänse rasten in großer Zahl an der Nordseeküste.
Porträtfoto von Hendrik Brunckhorst
Hendrik Brunckhorst arbeitet im Krisenstab zur Vogelgrippe mit
Eine Gruppe Alpenstrandläufer fliegt im dichter Gruppe über das Watt
Millionen Wat- und Wasservögel rasten oder überwintern im Wattenmeer
Ein Seeadler im Anflug auf den Fotografen
Seeadler könnten durch die Viren in Bedrängnis geraten, fürchten Wissenschaftler.
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Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker ist Journalist und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale über Wissenschaftsthemen.


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