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Im Turbogang neu aufgerollt: Der Politakteur, das Braunfett, die Spanienreise

Es geht um das Rätsel eines unauffindbaren Grabes, um das Abnehmen mittels „braunem Fett“ und um das Abenteuer, in Corona-Zeiten ins Ausland zu reisen. Ein Themen-Update im Dreierpack.

30.04.2021
11 Minuten
Martin C Roos in Radkluft auf seinem Rennrad, im Hintergrund ein ehemaliger DDR-Grenzpfahl und Teile eines Metallstreckzauns.

In der Wissenschaft ist es gang und gäbe, dass publizierte Ergebnisse nur ein Fundament liefern, das sich durch neue Erkenntnisse ergänzen, erweitern und verfeinern lässt. Auch für journalistische Nachforschungen bietet sich an, hin und wieder eine kleine investigative Extraschleife zu drehen über manchen „Forschungsgebieten“.

Im bildlichen Sinne nochmal in die Pedale getreten bin ich diesmal für folgende Themen:

  • Die Suche nach dem Grab des Ex-DDR-Häftlings Michael Gartenschläger.
  • Wie das Braunfett-Gewebe Erwachsene schlanker machen könnte.
  • Verwirrung um Corona-Tests bei Reisen nach Spanien.

Update 1: Tod an der DDR-Grenze

Geschrieben hatte ich im Herbst 2020 über den seinerzeit von der Stasi erschossenen Politakteur Michael Gartenschläger, dessen Grab für mich unauffindbar blieb.

Diesen 30. April jährt sich Gartenschlägers Tod zum 45. Mal. Der von der Bundesrepublik freigekaufte Ex-Häftling hantierte seinerzeit am Grenzzaun, um das DDR-Regime in seiner Brutalität der Welt vorzuführen. Zum wiederholten Male legte Gartenschläger es darauf an, von holsteinischer Grenzseite aus eine Selbstschussanlage zu demontieren. Wahrscheinlich wollte er das Kernstück der Anlage erneut den Medien übergeben. Die Analyse eines seiner Stücke vonseiten des Spiegel erschien fünf Tage vor dem tödlichen Grenzzwischenfall. Motivierte der Magazinbericht Gartenschläger, am 30. April erneut sein Leben zu riskieren?

Nachdem ich Gartenschlägers Geschichte im Zuge meiner Deutschlandfahrt recherchiert hatte, würdigte ich sein schicksalhaftes Verdienst im vergangenen Herbst auf dem Schweriner Waldfriedhof mit einer spontanen Nachtlesung (Video unten). Gartenschlägers Grab jedoch blieb mir verborgen. Bis ich heuer Mitte April wie aus dem Nichts heraus eine Email erhielt:

Waldfriedhof Feld 23, Reihe 7. Dreißigster April 1976 – einer der traurigsten Tage.

Weder hatte ich beim Absender entsprechend angefragt noch war mir dessen Name jemals begegnet. Auf Nachfrage schreibt der Informant, ebenso wie Gartenschläger in Brandenburg inhaftiert und später freigekauft worden zu sein. Er schickt „Grüße aus dem Rheinland“ und ich finde auf Umwegen heraus, dass er als Mitglied im Stadtrat von Lohmar fungiert. Seiner eigenen Auskunft nach ist er parteilos. Das allerdings widerspricht den Angaben auf der Webseite jener Stadt. Demnach firmiert der einstige DDR-Häftling unter der Partei „Ab jetzt… Demokratie durch Volksabstimmung – Politik für die Menschen“, kurz „Volksabstimmung“. Es handelt sich um eine Gruppierung am rechten Rand des Parteienspektrums.

Das war meine Nachtlesung im Waldfriedhof Schwerin:

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Update 2: Abnehmen dank braunem Fettgewebe

Es gibt Trost und Hoffnung für Athleten und Menschen, die abnehmen möchten oder müssen: Das gleichsam Energie verschwendende, Wärme generierende Braunfett-Gewebe kann sich auch bei Erwachsenen bilden – erschienen beim RadelndenReporter Anfang 2020. Weil dieses Gewebe Nahrungskalorien quasi direkt verfeuert, verwandeln die sich nicht so leicht in Körperspeck. Ein Traum wäre es daher, wenn sich die Bildung des Braunfettes gezielt anregen ließe.

Beim Hinweis, dass es irgendwann so weit sein könnte, fasse ich mich kurz; ich verweise auf den Reporter-Kollegen Peter Spork. Der schreibt – zusammengefasst in einem Satz: Es verdichten sich die Hinweise darauf, dass sich das braune Fettgewebe (Braunfett) dereinst auch medikamentös wird stimulieren lassen:

Update 3: Von den Widrigkeiten, in Corona-Zeiten zu reisen

Wiederholt schreibe ich seit rund einem Jahr über die Möglichkeiten und Bedingungen, in den Osten Spaniens zu reisen. Diese Region liegt deswegen in meinem Fokus, weil die Hälfte meiner Familie dort lebt sowie der eigene Sohn dort geboren wurde und aufwuchs.

Mitte März erschien mir die Pandemie-Situation gewogen, sodass ich Flugtickets kaufte. Unser Reiseziel: die Valencianische Gemeinschaft. Eben hatte sie für Einwohner Deutschlands den Status als Risikogebiet verloren; die Inzidenzzahlen zum Beispiel lagen in Valencia unter denjenigen im allemal schwach von der Pandemie heimgesuchten Schleswig-Holstein.

PCR-Tests vor der Hinreise

Vor der Spanienreise waren wichtige Details zu erledigen. Das teuerste bestand aus zwei privat veranlassten PCR-Befunden. Nachdem ich die Mühen und SARS-CoV2-Gefahren scheute, für relativ günstige PCR-Ergebnisse (79 Euro pro Test) zwei bis drei Tage vor Abflug extra zu Centogene am Flughafen Hamburg zu fahren, begab ich mich zur Hausärztin in Lübeck. In deren Praxis, so hatte ich erfahren, waren Entnahmen und Laboreinsendungen von Covid-PCR-Proben auf eigene Rechnung möglich (129 Euro pro Test).

An den Nerven zerrten verschiedene Versuche zur Frage, ob am Tag des Abflugs ein Schnelltest zu machen sei. Denn in Bezug auf unseren Zwischenstopp in Amsterdam waren die Infos der Fluglinie missverständlich: Unklar war, ob Passagiere mit Zwischenstopp zusätzlich zum negativen PCR-Testergebnis ein solches Schnelltest-Resultat benötigten. Fazit nach vielen Mails und Anrufen: Für Amsterdam-Reisende waren 24-Stunden-Schnelltests obligatorisch nur für diejenigen, die den Transfer-Bereich verlassen.

Das Check-in-Paradoxon

Am 31. März reihten mein Sohn und ich uns am Flughafen Hamburg in die lange Schlange bei der Fluggesellschaft KLM ein. Obwohl nur mit Handgepäck, mussten wir zum Check-in-Schalter, weil KLM vorab nur vorläufige, am Schalter zu verifizierende Bordkarten ausgab. Nervös war ich, weil mir gleich zwei Dokumente fehlten, und zwar für den Sohn: Ich hatte keine Bordkarte für ihn, ergo keinen Sitzplatz, denn wir hatten getrennte Buchungen. Und ein Minderjähriger kann nur am Schalter eingecheckt werden. Zweitens fehlte mir der obligatorische QR-Code, vergeben von Spain Travel Health (SpTH) – notwendig um nach Landung in Spanien behördlich „eingecheckt“ zu werden und Infektionsverläufe nachverfolgbar zu machen. Für „Zweitens“ jedoch brauchte ich „Erstens“ oder, nochmal explizit formuliert: Ohne Sitzplatz (= Check-in) kein QR-Code!

Dadurch dass KLM hoheitlich befugt war, Personen ohne Spanien-Health-Code gar nicht erst ins Flugzeug zu lassen, geriet ich, nach einer Stunde langsamen Vorrückens, am KLM-Schalter in jenes Check-in-Paradoxon (nochmal anders formuliert: Weil ich den Sohn nicht vorab einchecken konnte, konnte ich für ihn keinen QR-Code vorweisen).

Nach mehrminütiger Diskussion und hohem Adrenalinspiegel meinerseits durfte ich unter dem Versprechen, rasch zu agieren und in Sichtweite zu bleiben, anhand der schließlich erbettelten Bordkarte für den Sohn den QR-Code mittels SpTH-App erstellen. Diesen ließ ich – wie angewiesen als Quer-Einsteiger der Warteschlange, ergo mit bösen Blicken bedacht – von der KLM-Dame absegnen. Auch die Ergebnisse unserer PCR-Tests wurden beim Check-in akribisch geprüft – inklusive genauem Blick auf die Uhrzeit der Tests.

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PCR-Tests vor der Rückreise

Kaum weniger nervenaufreibend als der Beginn der Reise war der Rückflug. Wieder galt es, ein gültiges PCR-Testergebnis zu ergattern. Kopfzerbrechen bereiteten mir die Tests, weil ich sie auf Anraten der testenden Polyklinik nicht auf einen, sondern auf zwei Tage vor Abflug Tests gebucht hatte. Der Grund:

Das Ergebnis können wir nicht für innerhalb von 24 Stunden garantieren.

Es gab für den Sohn und mich für jenen Tag noch zwei Termine übrig (90 Euro pro Test). Beide lagen etwa 52 Stunden vor Abflug – also vier Stunden über dem erlaubten Limit. An den Tagen vor dem Kliniktermin hatte ich mir verschiedenste Ausflüchte und Formulierungen zurechtgelegt, um zu erbetteln, doch por favor vier Stunden nach unserem eigentlichen Termin noch einmal zur definitiven Probenentnahme vorstellig zu werden. Diese zermürbende Gedankenarbeit zerstieb zu Nichts, als man mir am Klinikschalter lapidar mitteilte:

Die PCR-Testergebnisse tragen keine Uhrzeit.

Stolz wollte ich am Tag des Rückflugs die in diversen Screenshot- und PDF-Dateien abgespeicherten Testergebnisse beim Check-in präsentieren, diesmal bei Iberia. Doch bei der Kofferaufgabe wollte niemand davon Notiz nehmen; erst beim Boarding, direkt am Flugsteig, warf der Iberia-Mann einen flüchtigen, müden Blick auf mein Smartphone. Mit viel Mühe hatte ich das kostbare Dokument gewonnen und fühlte mich nun geradezu stiefmütterlich behandelt.

Drei Stunden später hingegen erfüllte der prüfende Blick des Polizisten am Hamburger Flughafen das Klischee deutscher Gründlichkeit. Doch als er mich, wie alle anderen Reisenden des in Madrid (Risikogebiet!) gestarteten Fliegers, um die papierne oder elektronische Einreiseanmeldung bat und ich ihm erklärte, wir wären aus der risikoarmen Castilla-La Mancha erst mittags zum Flughafen Madrid gefahren, da staunte ich über die mangelnde Gründlichkeit: Nachweise für meine Geschichte wollte der Polizist weder hören noch sehen.

Vater und Sohn – beide mit Anti-Corona-Masken – posieren vor einem Ausschnitt des Gemäldes, auf dem in erster Linie der eine weiße Schale haltende „Trinker“ zu sehen ist und rechterhand von diesem der Kopf Bacchus'.
Die Uhrzeit dürfen wir vergessen! Autor und Sohn freuen sich Mitte April vor Velázquez' „Die Trinker“, präsentiert in einem Park der kastilischen Stadt Cuenca als Sonderschau des „Museo del Prado“. Grund der Freude: Die vor Rückflug nach Hamburg in Cuenca gemachten PCR-Tests werden keine Uhrzeitangabe tragen – somit schwindet das Risiko, wegen vierstündiger „Zeitüberschreitung“ am Flughafen abgewiesen zu werden.

Dass diese Spanienreise zu Coronazeiten so viel Raum einnimmt, liegt an der Idee, einer Art Chronistenpflicht zu genügen. Denn entweder wird man/frau sich dereinst über die vielen vermeintlich nebensächlichen Details zuzeiten von SARS-CoV-2 wundern (derzeit wird in Brüssel der Rahmen für EU-einheitliche Corona-Nachweise abgesteckt). Oder solche Details werden womöglich wieder und immer wieder wichtig: Wenn die nächste Pandemie den Globus heimsucht.

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Martin C Roos

Martin C Roos

Ich texte und fotografiere seit 1996 freiberuflich für Internetmedien, Magazine und Zeitungen. Themen schöpfe ich aus den LifeSciences, aus der Geographie und mitten aus unserem Land, dem ich seit 2018 als RadelnderReporter auf den Zahn fühle.


RadelnderReporter

Rasch reagieren, spontan auf's Rad steigen, vor Ort recherchieren – mit unverstellter Neugierde, aus eigener Muskelkraft: So gehe ich auch kleine Themen an, aus denen sich bisweilen große Fragen formen. Wie geht’s Deutschland? Unter diesem Motto gab ich 2019 meinen Einstand als RadelnderReporter. Er ist mein Signum und meine Hommage an Egon Erwin Kisch. Seit 2021 sind meine Schwerpunkte Umwelt, Wirtschaft sowie Politik und Kultur. Über das Erscheinen von Texten, Bildern und Clips informiert der kostenlose Newsletter. Hier finden Sie Infos zu meiner Person sowie zum aktuellen Deutschlandbuch.

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