Reisen wie Kaurismäki

Wie planen wir 2020 eine Recherchereise?

Schwaben haben den schönen Stoßseufzer „Wie man's macht, ist's nichts“ (Darstellung dialektbereinigt) im Repertoire. Egal, was man tut, soll das heißen, wird sich am Ende als Fehler herausstellen. Ja, das schwäbische Herz ist bisweilen düster umwölkt, aber als Volk der Zweckpessimisten können sie hinterher immerhin schulterzuckend behaupten, das Scheitern eh vorhergesehen zu haben.

Was das mit unserer Recherche zu tun hat? Na, zum einen können sich zwei Drittel von uns (Katharina Jakob und Jens Eber) auf südliche Wurzeln berufen. Und der Dritte im Bunde, Dr. Jakob Vicari, ist als genialischer Tüftler so etwas wie ein Schwabe ehrenhalber. Zum anderen gibt uns 2020 viele Rätsel auf – und was immer wir heute planen, kann morgen schon wieder Makulatur sein.

Unser grundlegender Plan ist gut, davon sind wir überzeugt. Die digitale Dialogrecherche über das von Jakob Vicaris Unternehmen tactile.news entwickelte Tool 100eyes soll uns gewissermaßen die Route planen, auf der wir die Stationen unserer Recherche abschreiten wollen. Und die ersten Ergebnisse geben unserer Annahme recht.

Aber eine Recherchereise braucht Planung. Da beginnen die Probleme: Finnland, einer unserer Schwerpunkte, ist derzeit nur über hohe Hürden zu erreichen. Im besten Fall, ergibt unserer Netzsuche, könnten wir mit einem aktuellen, negativen Covid-19-Test einreise und dürften maximal 72 Stunden bleiben. Besser als nichts. Leider bestätigt uns das im Moment keine offizielle Stelle, und noch scheuen wir uns davor, auf gut Glück nach Finnland zu fliegen. Die Gefahr, am Flughafen Helsinki wieder umkehren zu müssen, ist zu groß.

Ein Wohnmobil nehmen, weit nach Norden schüsseln und dann heimlich über einen einsamen, kaum bewachten Grenzübergang einreisen? Das klingt spannend und böte uns die erzählerischen Zutaten eines Kaurismäki-Films. Wahr ist aber auch: Wir kämen im finnischen Winter an, und ein gut gedämmtes, geländetaugliches und allradbetriebenes Wohnmobil wäre im Moment für eine Grauzonen-Einreise so unauffällig wie Husten am Airport.

Nein, wir müssen uns gedulden, auf Klarheit warten, weiter Material sammeln und im Dialog mit unseren Akteuren bleiben.

In Deutschland sieht es ein wenig besser aus, zumindest auf dem Papier. Wir dürfen aus beruflichen Gründen reisen, aber schon Übernachtungen werden etwas kompliziert, weil viele Hotels zwar Geschäftsreisende beherbergen dürften, mit Aussicht auf mickrige Umsätze aber gleich ganz geschlossen haben. Auch unsere Gesprächspartner stehen vor Problemen. In Deutschland sind im November 2020 außerdem nicht nur die Corona-Fallzahlen in die Höhe geschnellt, mit Sachsen und Brandenburg ist nun auch die Afrikanische Schweinepest in zwei Bundesländern nachgewiesen. Das wird viele Landwirte vorsichtig machen, die wir besuchen, mit denen wir uns Gespräch kommen wollen.

Aber es hilft ja nix. Die Folge, die Schwaben aus dem „Wie man's macht, ist's nichts“ ziehen, ist schließlich, es dennoch zu versuchen. Scheitern ist immer noch besser, als gar nicht zu handeln. Nyt sitä mennään!

Das Schweinesystem