Sélune: Größter Staudammabbruch in Europa

Atlantischer Lachs, Aal und Alse bekommen ihren Fluss zurück

Sonja Bettel Alter Staudamm, teils bereits abgebrochen, mit Bagger

Weniger als 40 Prozent der Flüsse in der Europäischen Union sind in einem guten ökologischen Zustand oder haben das Potenzial, diesen zu erreichen. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt den Mitgliedsländern vor, bis zum Jahr 2027 alle ihre Flüsse in einen guten Zustand bzw. ein gutes Potenzial zu bringen. Ein großes Problem sind die vielen Barrieren. Es wird geschätzt, dass es in Europas Flüssen und Bächen eine Million große und kleine Querbauwerke gibt, die verhindern, dass Fische und andere Organismen wandern können. Die schnellste Methode, einen Fluss zu renaturieren, ihn wieder durchgängig zu machen, ist deshalb ein Dammabbruch. An der Sélune in Frankreich wird genau das derzeit umgesetzt. Es ist der größte Dammabbruch in Europa.

Ein großer alter Staudamm, rechts davon Hinweisschilder.
Staudamm Vézins an der Sélune.
Sonja Bettel

36 Meter hoch, 278 Meter lang, eine massive Konstruktion aus Beton und Stahl mit bogenförmigen Pfeilern. Das ist der Staudamm Vézins am Fluss Sélune in der Normandie. Oder besser gesagt: Das war der Staudamm. Denn seit Juni 2019 wird dieser Staudamm abgebrochen, um dem Atlantischen Lachs, dem Aal, der Alse, dem Neunauge und anderen Fischen wieder den Zugang zu ihren Laichgebieten zu ermöglichen. Dem Abbruch des Staudammes sind zehn Jahre Diskussionen, Untersuchungen, Planungen, wieder Diskussionen, Verzögerungen, Widerstand und schließlich der endgültige Entscheid vorangegangen. Und die Diskussionen und Untersuchungen sind noch lange nicht abgeschlossen. Am Ende wird man jedoch viel über Staudammabbrüche und ihre Auswirkungen auf ein Flusssystem gelernt haben – nicht nur für Frankreich, sondern für ganz Europa.  

Massiver Eingriff vor 100 Jahren

Im 19. Jahrhundert konnte man im Fluss Sélune, der im Naturpark Normandie-Maine entspringt und nach 85 Kilometern bei Mont-Saint-Michel in den Ärmelkanal mündet, regelmäßig Atlantischen Lachs fischen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden an der Sélune jedoch zwei Staudämme zur Stromerzeugung gebaut: 1916 La Roche-qui-boit, 16 Meter hoch, 125 Meter lang, 14 Kilometer vom Meer entfernt, und 1932 Vézins, 36 Meter hoch, 278 Meter lang und 17 Kilometer von der Mündung entfernt. Fische, die aus dem Atlantik in die Sélune schwimmen, um im Quellbereich zu laichen, haben dazu seit mehr als 100 Jahren keine Chance mehr. Der Lachsbestand ist deshalb massiv zurückgegangen. Und nicht nur in der Sélune, denn in Frankreich gibt es rund 60.000 Querbauwerke, davon 400 große Dämme für Wasserkraftwerke. Für die Loire weiß man, dass dort im 19. Jahrhundert 100.000 Lachse pro Jahr auf ihrer Laichwanderung stromaufwärts zogen, heute sind es nur mehr 1.000.

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Sonja Bettel
Meeresbucht mit dem Monument Mont-Saint-Michel aus der Ferne.
Die Bucht von Mont-Saint-Michel darf nicht durch ausgeschwemmte giftige Sedimente gefährdet werden.
Sonja Bettel
Flussbett mit Pflanzenbewuchs, rechts stehen Metallkäfige mit Steinen
Rechts sieht man die Gabionen in der Yvrande, die die giftigen Sedimente sichern sollen.
Sonja Bettel
Mauer aus Metallkäfigen mit groben Steinen in einem Flussbett.
Die Gabionen in der Yvrande.
Sonja Bettel
Metallkäfige mit Steinen gefüllt im Fluss, rundherum Bewuchs
Eine Barriere aus Gabionen mit Steinen soll verunreinigte Sedimente zurückhalten.
Sonja Bettel
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Sonja Bettel
Kleines Tal mit Schlamm, Erde und Pflanzen.
Man braucht Phantasie, um sich vorzustellen, wie hier nach dem Ablassen des Stauwassers wieder eine schöne Flusslandschaft entstehen kann.
Sonja Bettel
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Sonja Bettel
Menschen demonstrieren mit einem Skelett mit grünem Hut.
Gegner und Befürworter des Dammabbruchs treffen aufeinander. Roberto Epple (rechts) stellt sich der Diskussion.
Sonja Bettel
Vier Männer demonstrieren mit einem Transparent.
Demonstranten am Staudamm Vézins.
Sonja Bettel
Ein Transparent mit der Aufschrift "Non 98,89 %" hängt an einem Zaun.
98,89 Prozent haben bei einer Befragung mit "Nein" gestimmt, betont die Bürgerinitiative.
Sonja Bettel
Männer im Gespräch.
Roberto Epple (rechts) im Gespräch mit Gegnern des Staudamm-Abbruchs.
Sonja Bettel
Zwei ältere Männer mit Baseballkappen hören einem dritten Mann zu.
Die Gegner des Staudamm-Abbruchs sind skeptisch, doch sie hören zu.
Sonja Bettel
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Sonja Bettel
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Sonja Bettel
Ein Video über die Dammabbrüche an Sélune und Poutès von EDF, l’Onema und l’Agence de l’eau Seine-Normandie ist hier zu sehen.
Die nächste Dam Removal Alps Konferenz findet von 14. bis 16. Mai 2020 in Utting am Ammersee in Bayern statt.
Ein Radiobeitrag über den Dammabbruch an der Sélune ist am Freitag 29.11.2019 ab 18.20 Uhr im "Europajournal" von Radio Ö1 zu hören.

Für diesen Bericht ist die Flussreporterin Sonja Bettel Ende September 2019 mit der Bahn von Wien über Paris nach Rennes und mit dem Konferenzbus nach Avranches gereist und hat an der dreitägigen Konferenz und Exkursion über die Revitalisierung der Sélune teilgenommen.

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