Wir und der Waschbär

Vier Begegnungen mit einem Waschbären, die kaum etwas über den dreisten Kleinbären verraten, aber dafür viel über uns Menschen. Ein Feldreport von Gerhard Richter.

Radhika Sicheneder ein Waschbär geht über den frisch gemähten Rasen

Ein Beitrag aus Gerhard Richters Projekt "Field Writing"

Das erste Mal sah ich den Waschbären auf dem Foto auf meinem Mobiltelefon, das meine Frau mir per SMS ins Büro geschickt hatte.

Der Waschbär stand auf der Außen-Treppe zu unserer Wohnung und schaute geradewegs zum Fenster, aus dem heraus meine Frau fotografierte. Diese Treppe ist im Innenhof eines sehr alten Gemäuers, in dem auch drei Hunde meist frei herumstreunen und jeden anbellen, der seine Nase zur Toreinfahrt hereinsteckt. Von den Hunden war auf dem Foto nichts zu sehen, nur dieser graue struppige Vierbeiner auf unserer Treppe.

Waschbär oder Marderhund?

Ich war mir nicht sicher, ob dieses Tier auch wirklich ein Waschbär war, oder vielleicht auch ein Marderhund, von denen es in unserer waldreichen Gegend auch welche geben soll. Einen Marderhund habe ich noch nie lebend gesehen. Sie begegnen mir nur in Form ihrer Pelze als flauschiger Rand um die Kapuzen der Winterparkas der Gymnasiastinnen, die dazu neigen, alle gemeinsam einer Mode zu folgen.

Bei Wikipedia verglich das Foto eines Marderhundes mit dem, welches meine Frau mir geschickt hatte. Es gab eine gewisse Ähnlichkeit. Dann googelte ich den Waschbären und schnell war klar, dass tatsächlich ein Vertreter dieser Kleinbären unsere Treppe erklommen hatte.

Eine Familiengeschichte

Waschbären, las ich, gibt es erst seit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in Europa und nur, weil wir Menschen diese Bären aus Nordamerika importiert haben. Waschbären können gut schwimmen, aber ohne unsere Hilfe hätten die nachtaktiven Räuber den Atlantik nie überquert. Waschbären fressen alles: Würmer, Nüsse, Kröten, Obst, Käfer, Mäuse und Eier. Außerdem sind sie nachtaktiv. Unser Waschbär hatte sich um 11.32 Uhr bei Sonnenschein ablichten lassen. Ich schreibe unser Waschbär, weil er nach der nächsten Begegnung zu einer gefährlichen, haarsträubenden, komischen, aufwühlenden und traurigen Geschichte wurde.

RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

Lesen Sie jetzt…

  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Schüsse in die Bratpfanne

Ein Stunde Wald, die Sie nie wieder vergessen. Fieldwriter Gerhard Richter setzt sich mit seiner Hermes Baby mitten in eine alte Bekannte - die Natur des 21. Jahrhunderts.

Links unten im Bild steht eine Schreibmaschine auf einer Holzbank in einem Mischwald. Es ist ein Blatt Papier eingezogen.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Birken, Stille, Knall

Fieldwriter Gerhard Richter tippt in einer erschütterten Landschaft und spürt das Echo des Krieges.

Auf dem Sandweg ins munitionsverseuchte Bombodrom sitzt Fieldwriter Gerhard Richter am Klappschreibtisch und schreibt. Daneben ein Warnschild Lebensgefahr Kampfmittel
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Die Erde fällt aus dem Nest

Ein innerer Konflikt von planetaren Ausmaßen. Es geht um Leben und Tod. Fieldwriter Gerhard Richter muss sich entscheiden.

Ein Meisenküken ist aus dem Nest in einer Backsteinwand gefallen. Vor der Wand steht eine Leiter zur Rettung des Kükens
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Denkmal aus Vollmond und Beton

Fieldwriter Gerhard Richter schreibt im Vollmond über ein verlassenes Sägewerk und wie die Natur es zurückerobert

Fieldwriter Gerhard Richter schreibt nachts bei Vollmond, wie sich die Natur ein verlassenes Sägewerk zurückerobert
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Werde Erde

Fieldwriter Gerhard Richter sitzt auf einem Grab, aber sein Körper sträubt sich. Warum will er nicht zu Erde werden?

Fieldwriter Gerhard Richter sitzt mit seinem Klappschreibtisch auf einem Friedhof neben Gräbern
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Gegen den Baum

Ein moderner Wald ist keine Heimat mehr, jedenfalls nicht für Fieldwriter Gerhard Richter. Halt und Geborgenheit findet er stattdessen im Kletterbaum der Kindheit und in einem Gedicht.

Blick nach oben in ein Blätterdach eines Buchenwaldes
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Im Schutz der toten Krone

Gerhard Richter schreibt auf seiner Schreibmaschine im Geäst eines umgestürzten Baumes und entdeckt einen alten Frieden und eine neue Uhr.

Gerhard Richter sitzt an seinem Klappschreibtisch neben einem umgestürzten toten Baum.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Schüsse im Knechtwuchs

Todeszone Weinberg. Fieldwriter Gerhard Richter will beschreiben wie französische Weinstöcke wachsen und wird zum Zufallsziel von Sonntagsjägern.

Eine Patrone liegt nach dem Schuß auf der Erde in einem Weinberg
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Zwischen Weiherkette und Stromwasser

Fieldwriter Gerhard Richter taucht ein in die Flußlandschaft seiner Kindheit und entdeckt zwischen Iller und Illerkanal einen ganz neuen Bach.

Aus dem Iller-Kanal leiten zwei schwarze Rohre Wasser ab zur Renaturierung des Auwaldes entlang der Iller
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Aas im Sack an Wiese

Autor Gerhard Richter überwindet seinen Brechreiz und erlebt ein Wunder.

ein blauer Plastiksack liegt im hohen Gras einer Wiese
Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Field Writing