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85.000 Dollar für einen toten Kranich

Früher wurden Schreikraniche hemmungslos bejagt, heute müssen Jäger mit harten Strafen rechnen.

von
02.01.2019
3 Minuten
Ein Schreikranich fliegt knapp über dem Wasser.

In seinem aktuellen Beitrag gibt Cord Riechelmann einen Überblick über Bemühungen zum Schutz der Schreikraniche. Für Flugbegleiter-Autor Carl-Albrecht von Treuenfels ist der Kranichschutz ein Lebensthema. Deshalb gibt es begleitend zum Artikel von Cord Riechelmann einen Artikel aus der naturjournalistischen Schatztruhe von Carl-Albrect von Treuenfels. 2013 hat er über ein Urteil gegen einen illegalen Jäger geschrieben – die Verminderung illegaler Abschüsse ist ein wichtiges Element beim Schutz dieser und vieler anderer Vogelarten.

Das Urteil schlug bei Naturschützern und Jägern in Amerika wie eine Bombe ein: Richter Mark Moreno verurteilte im Bundesstaat South Dakota einen 26 Jahre alten Jäger, der im April in der Nähe der Stadt Miller einen streng geschützten freilebenden Schreikranich geschossen hatte, zu einer Wiedergutmachungszahlung von 85.000 Dollar. Der Mann erhielt zudem zwei Jahre Jagdverbot auf Bewährung in den Vereinigten Staaten, sein Gewehr wurde eingezogen.

Das Gericht folgte mit dem Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft und des für den amerikanischen Naturschutz zuständigen Fish and Wildlife Service. Der Dienst hatte gemeinsam mit dem South Dakota Department of Game, Fish and Parks den Fall ins Rollen gebracht. In der Urteilsbegründung wird dem Schützen vorgehalten, dass er einen schweren Verstoß gegen den seit 40 Jahren geltenden Federal Endangered Species Act begangen habe. Der Schreikranich (Grus americana), die seltenste der fünfzehn Kranich-Arten auf der Welt, steht auf dessen Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten an vorderer Stelle.

Der Vogel kommt nur in Nordamerika vor, mit weniger als 500 freilebenden Vögeln. Der weiße „amerikanische Kranich“ – neben ihm leben in Nordamerika mehr als eine halbe Million kleinere graubraune Kanadakraniche – ist mit fast eineinhalb Metern Körperhöhe der größte Vogel der Vereinigten Staaten und damit eine Ausnahmeerscheinung.

Der zweite Nationalvogel der USA

Eine intensive Berichterstattung in jedem Frühjahr und Herbst, wenn die Schreikraniche in kleinen Familiengruppen die mehr als 3000 Kilometer zwischen Brut- und Winterquartier zurücklegen und dabei viele Bundesstaaten, so auch North und South Dakota, überfliegen, hat ihnen zum Status eines zweiten Nationalvogels neben dem Weißkopfseeadler verholfen. Nicht zuletzt deshalb reagieren Behörden und Gerichte streng, wenn den Vögeln Schaden zugefügt wird. Die Schadensersatzsumme, so Richter Moreno, mache den Vogel zwar nicht wieder lebendig, trage aber dazu bei, das Wiederansiedlungsprogramm von Schreikranichen im Osten der Vereinigten Staaten voranzubringen.

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Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels, 1938 in Schwerin/Mecklenburg geboren, kann man als Doyen des deutschen Vogeljournalismus bezeichnen. Für die FAZ hat er etwa 500 Beiträge verfasst – darunter Dutzende Porträts des jeweiligen „Vogel des Jahres“. Er war von 1990 bis 2004 Präsident des WWF Deutschland, seit 2008 ist er Vorstandsvorsitzender der von ihm initiierten Stiftung Feuchtgebiete und bemüht sich seit Jahrzehnten, praktische Hilfe für den Natur- und speziell für den Vogelschutz zu leisten. In der Serie „Meine Vogelbeobachtungen“ präsentiert von Treuenfels Artikel aus seinem Lebenswerk mit aktuellen Kommentaren.


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